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Nr. 10, 15. Dezember 1999/14. Januar 2000

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e-mail für Dich
e-m@il für Dich - You've got m@il.
Die romantische Komödie von Nora Ephron mit Meg Ryan und Tom Hanks in den Hauptrollen. DVD bestellen bei citydisc Schweiz oder
Amazon.de.
 
Seit Schlaflos in Seattle hofften viele Kinogänger auf eine neue romantische Komödie mit Meg Ryan und Tom Hanks. Mit You've got mail knüpft die Regisseurin jenes Films, Nora Ephron, erfolgreich an die Tradition romantischer Komödien der 50er und 60er Jahre an, auch wenn Sie an ihre Vorbilder (noch?) nicht heranreicht. Jenes Hollywood bleibt auf ewig mit Namen wie Cary Grant und Audrey Hepburn verbunden.
 
Die Handlung von e-m@il für Dich spielt in New York City. Alleine schon durch den Titel ist der Film als ein Produkt des Internet-Zeitalters identifizierbar. Der Konflikt zwischen Kathleen Kelly (Meg Ryan) und Joe Fox (Tom Hanks) lässt sich ebenfalls klar den Endneunzigern zuordnen: Ein kleiner Kinderbuchladen kämpft gegen einen neu in der Gegend eröffneten Super-Buchladen einer Billigkette. Die Auflösung des Konflikts ist uns allerdings in doch sehr amerikanischem Sinn zu optimistisch, auch wenn ihr eine gewisse Logik nicht abzusprechen ist. Der Film von Nora Ephron füllt insofern ein Vakuum, als er mit seiner Naivität gegen den Trend brillanter schwarzer Komödien wie Fargo oder Jackie Brown geschrieben scheint. Dies alles zusammengenommen ist klar, dass e-m@il für Dich fast zum Erfolg verdammt war - und diesen auch verdient.
 
Sobald ihr Freund - der mit den neuen Technologien auf Kriegsfuss steht - die Wohnung verlässt, hält es Kathleen nicht mehr: Sie rennt zum Computer und sieht nach, ob keine neue e-mail da ist. Und sie hat Glück, ihr anonymer Chat-Freund hat ihr eine Nachricht hinterlassen. Joe Fox von Foxbooks ist nämlich in einer ähnlichen Situation. Der e-mail-Kontakt mit der ihm unbekannten Chat-Freundin bringt Licht in sein emotional nicht idyllisches Leben.
 
Kathleens Freundin und Angestellte aus ihrem Buchladen errät intuitiv, ihre Chefin ist verliebt. Die e-mails, die Kathleen mit ihrem Chat-Freund austauscht, sind zwar nicht erotischer Natur, und trotzdem, oder gerade weil es nicht um Sex geht, machen sie den Unbekannten ungemein attraktiv. Im Chat verrät sie ihm, sie habe Pride and Prejudice schon über zweihundert Mal gelesen. Joe greift daraufhin aus Neugier ebenfalls zu diesem Buch, obwohl es ihn eigentlich nicht wirklich interessiert. Die zwei tauschen Gedanken aus dem täglichen Leben miteinander aus und kommen sich so immer näher.
 
Als die Buchkette Foxbooks um die Ecke einzieht, ist Kathleen zuerst nicht beunruhigt. Der Superladen könne ja nicht so wie sie auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen. Zudem sei es für alle von Vorteil, wenn die Gegend zu einem Bücherquartier würde, denn das brächte allen Buchläden mehr Leute. Ihre Freunde und Kunden sind allerdings bereits in einer ganz andern Stimmung und spornen sind zum Kampf gegen den übermächtigen und in ihren Augen unfairen Rivalen an. Als sie in der Woche nach der Öffnung des Superstores 1200 $ weniger im Vergleich zur Woche des Vorjahres verdient, beginnt sie doch langsam sich Sorgen zu machen.
 
Doch zuvor schaut noch Joe Fox zufällig in ihrem Kinderbuchladen vorbei. Er wird von zwei Kindern begleitet. Das Mädchen ist als Tochter der zukünftigen Frau seines Grossvaters nichts anderes als seine potentielle Tante! Der kleine Junge ist der Sohn seines Vaters, also sein Bruder! Dann, an einer Party begegnen sich Kathleen und Joe Fox wieder. Als die Buchhändlerin nun von dritter Seite erfährt, wer dieser Mann ist, der sich in ihrem Laden lediglich als Joe vorgestellt hatte und den sie zuvor eigentlich sympathisch gefunden hatte, wird sie wütend. Sein Vorbeikommen (miss) deutet sie nun nachträglich als Versuch der Spionage. Als Joe die Kaviargarnitur vom Rand eines Partytellers abschöpft, geraten die zwei endgültig aneinander.
 
In ihrem Online-Chat, die zwei kennen noch immer nicht ihre Namen, für Kathleen ist er nur "NY152", entwickeln sich die Dinge viel besser. Joe fragt sie gar, ob sie sich nicht treffen sollten. Noch reagiert sie nicht darauf. Später treffen die zwei zufällig im Supermarkt wieder aufeinander. Kathleen hat sich in die Reihe einer Bargeldkasse gestellt. Da sie nur ihre Kreditkarte dabei hat, wird sie von den andern Kunden sowie der Kassiererin angepöbelt. Da kommt ihr Joe zu Hilfe, nicht mit der billigen und unromantischen Lösung in Form von Bargeld, sondern mit seinem Charme, der die Kassiererin ausnahmsweise zur Annahme der Kreditkarte bewegen kann. Trotz dieser Hilfestellung bleibt die Beziehung der zwei kalt und gespannt, was vor allem an Kathleen liegt, die nicht über ihren Schatten springen kann.
 
In ihrem Instant-Message-Chat erzählt Kathleen Joe von ihren wirtschaftlichen Problemen, ohne jedoch ihre Branche zu erwähnen. Der Unbekannte könnte ja schliesslich, bei aller Sympathie, ein Spinner oder Gauner sein. Joe argumentiert fast ausschliesslich auf der Basis des Mafiafilms der Pate, wie er zugibt. Sie solle bis zum Tode kämpfen. Das Ganze sei nicht persönlich, sondern Business. Kathleen befolgt seinen Ratschlag, allerdings radikaler, als Joe lieb ist. Sie organisiert einen (etwas zu zahmen) Strassenprotest, der zu einem für Joe unerfreulichen, weil ihm gegenüber unfreundlich gekürzten Fernseh-Interview führt. Auf der Chat-Ebene dagegen entwickelt sich die Beziehung in freundlicheren Bahnen. Kathleen fragt den unbekannten Joe gar das Unvermeidliche: Willst Du mich noch immer treffen?
 
Lieber Leser, wir werden Dir hier selbstverständlich nicht die ganze Geschichte verraten. Der Film ist gewiss nicht besonders tiefschürfend, doch immer unterhaltend. Es ist kein Zufall, dass die Musik zu e-m@il für Dich fasst ausschliesslich aus Oldies besteht, denn die Filmemacher fanden wohl nur dort die unschuldigen Melodien, die für die musikalische Untermalung ihrer Komödie nötig ist. Weniger unschuldig ist dagegen das Veröffentlichungsdatum von Warner Bros. für dieses perfekte Weihnachtsgeschenk. Das gleiche gilt übrigens auch für unsere Schlussbemerkung:
DVD bestellen bei citydisc Schweiz oder Amazon.de.
 

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