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Heinz Holtmann: Keine Angst vor Kunst. Moderne Kunst erkennen, sammeln und bewahren
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Nach dem Studium der Kunstgeschichte arbeitete der 1939 geborene Heinz Holtmann als Assistent an der Kunsthalle Kiel. Danach als Direktor des Kunstvereins Braunschweig. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des Mönchehaus-Museums in Goslar und war beratendes Mitglied der Jury für den "Kaiserring", der u.a. an Henry Moore und Max Ernst verliehen wurde. Seit 1980 hat Heinz Holtmann eine eigene Galerie in Köln, die er mit einer Joseph-Beuys-Ausstellung eröffnete.
 
In seinem für ein grosses Publikum geschriebenen Taschenbuch zum Sammeln moderner Kunst führt Holtmann den Leser in die Welt der Künstler, Galeristen und Sammler ein. Er bietet einen ‹berblick über hervorragende Museen, die oft aus der Leidenschaft eines Sammlers und/oder Galeristen entstanden sind. Zu ihnen gehört das Kröller-Müller-Museum im niederländischen Otterlo bei Arnheim. Helene Kröller sammelte antizyklisch, erwarb van Goghs, als sich die Sammlergemeinde gerade auf Cézanne stürzte.
 
Danach führt Holtmann den Leser in die Grossveranstaltungen musealen Charakters ein. Dazu gehören die Biennale in Venedig und die Documenta in Kassel, ein Museum für jeweils hundert Tage. Er berichtet vom Auf und Ab der Kunstmessen in der Gunst des Publikums. So war der 1967 erstmals eröffnete Kölner Kunstmarkt die weltweit erste Messe für zeitgenössische Kunst. In den folgenden Jahren boomte sie. Zu Beginn der 90er Jahre bezeichnet die New York Times Köln als zweite Weltkunsthauptstadt, direkt hinter dem Big Apple. Doch gemäss Holtmann wurde die Kölner Messe, die heute als Art Cologne weiterbesteht, Opfer von Querelen unter Galeristen, des Kölner Klüngels. In Basel eröffnete 1970 erstmals die Art 1/70 als Forum für die zeitgenössische Kunst ihre Pforten. Unter anderem wegen Querelen in Köln war Basel von Anfang an ein grosser Erfolg beschieden. 1973 nahmen erstmals die grossen amerikanischen Galerien, so Leo Castelli, mit amerikanischer Kunst an der Messe teil. Heute komme kein Museumsdirektor, Kritiker oder Sammler an der Art Basel vorbei.
 
Das Auf und Ab betrifft aber nicht nur Ausstellungsorte, sondern natürlich auch die Kunst selbst. Verschiedene Wellen lösen einander ab. Ende der siebziger Jahre löste die deutsche die amerikanische Kunst ab, die bis dahin lange im Zentrum des Interesses gestanden hatte. Zu Beginn der 80er Jahre holte die lange totgesagte Malerei mit jungen Amerikanern, Italienern und den jungen Wilden aus Deutschland mit einem Schlag das verlorene Terrain zurück und beherrschte in den folgenden Jahren die Kunstmärkte, insbesondere die Art Basel.
 
An Kunstzeitschriften für Insider erwähnt Holtmann das Kunstforum International, die in Köln erscheinenden Texte zur Kunst oder das dreimal jährlich in Zürich erscheinende Heft Parkett, an dem niemand vorbeikomme, der sich für progressive Künstler und die neuesten Richtungen informieren wolle. Daneben verweist der Autor auf das in Mailand auf englisch und italienisch erscheinende Heft Flash Art sowie auf die "anspruchsvollste Zeitschrift für Avantgardekunst", das New Yorker Artforum.
 
Der Galerist Holtmann warnt vor den Gefahren des Kaufs aus Privatbesitz. Er lässt zudem kein gutes Haar an den Auktionshäuser. Nur ein sehr geringer Teil der zeitgenössischen Kunst werde über sie abgewickelt. Die dort erzielten Höchstpreise hätten wenig mit dem realistischen Preisgefüge auf dem Kunstmarkt zu tun. Denn wenn nur zwei Bieter sich um ein Bild stritten, stiegen die Preise in schwindelerregende Höhen. Im Eifer des Gefechts hat schon mancher Kunstfreund die Kontrolle über sich und seine Finanzen verloren. Um durchaus mögliche Schnäppchen zu machen, brauche es viel Wissen und Erfahrung. Die Galerien dagegen seien die kompetentesten Partner und böten die fairsten Erwerbsmöglichkeiten (doch unter ihnen gibt es natürlich schwarze Schafe).
 
In weiteren Kapiteln informiert Holtmann über Meilensteine der Moderne, Stile und Künstler seit 1945, sowie über die verschiedenen Techniken der Kunst. Neben praktischen Tips zum kaufen, sammeln und aufbewahren von Kunst, enthält der Band eine Auswahlbibliographie und Adressen wichtiger Museen für zeitgenössische Kunst. Das leicht lesbare Taschenbuch eignet sich für Einsteiger.
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Heinz Holtmann: Keine Angst vor Kunst. Moderne Kunst erkennen, sammeln und bewahren. Taschenbuch. Econ & List, München, 1999 (1997), 333 S.

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