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Cesaria Evora
Biografie, CD Café Atlantico und
ihr Konzert in Zürich vom 30.11.1999
Hinzugefügt am 17.12.2011 um 18:22
Die Sängerin und Grammy-Gewinnerin Cesaria
Evora (1941-2001) ist heute im Alter von 70 Jahren an einer akuten, schweren
Herz- und Atemschwäche in einem Spital auf der Insel Kap Verde verstorben. Sie
hatte bereits im März 2008 einen Schlaganfall erlitten. 2010 war sie in Paris am
offenen Herzen operiert worden.
Artikel vom Dezember 1999, aufdatiert am 10. Mai 2007
Ihre neue CD Café Atlantico hat die Sängerin Cesaria Evora
ihrer Heimatstadt Mindelo auf der kapverdischen Insel São Vicente
gewidmet. Die ehemalige portugiesische Kolonie verbindet kulturell vieles
mit Brasilien, aber auch manches mit dem benachbarten Cuba. So lag es auf
der Hand, dass Cesaria Evora eine CD mit kubanischen Musikern und der Hilfe
des brasilianischen Cellisten und Arrangeurs Jaques Morelenbaum (bekannt
durch den Soundtrack zum Film Central do Brasil) aufnahm.
Der in Paris lebende Kapverdianer José da Silva, der vor vielen
Jahren Cesaria Evora "entdeckte" und seither produziert, hat auf den Alben
der Sängerin die Akkustik der Pianos und Cavaquinhos aus den Bars
von Mindelo wiederbelebt. Auf Café Atlantico sind Klassiker
aus Cesaria Evoras Jugend wie Vaquinha Mansa oder Terezinha,
neben den fast schon zu Tode gesungenen karibischen Schnulzen wie Besame
Mucho und Maria Elena zu hören. Das in Paris und Havanna
produzierte Album steht in angenehmem Kontrast zur Keyboard- und Drum-Computer-Musik,
die heute das Nachtleben in den Bars der Kapverdischen Inseln dominiert. Gitarre,
Cavaquinho, Piano, Geige und Bass begleiten zusammen mit hin und
wieder eingesetzten leichten Bläsern die Stimme der Sängerin.
Kapverdische Klänge, zwei Mornas, brasilianische Rhythmen
und zarte Klänge der westafrikanischen Kora geben Café Atlantico
ein buntes und abwechslungsreiches Flair. Im Oktober 1998 hat Cesaria Evora,
die viel Biographisches in ihre Musik einfliessen lässt, den internationalen
Musikpreis der UNESCO erhalten. Damit wurde eine Karriere belohnt, die
eigentlich erst nach ihrem 50. Geburtstag überregional begann, obwohl
sie bereits als 17jährige in den Bars ihrer Heimatinsel São
Vicente auftrat.
Im Vorprogramm ihres ausverkauften Konzertes im Volkshaus Zürich
vom 30. November trat die junge unbekannte, gemäss meiner Nachbarin
kolumbianische Sängerin Leyanis Lopez auf, die Liebeslieder, traurige
Balladen abwechselnd mit volkstümlicher Tanzmusik zum besten gab.
Ihr fehlt (noch?) das spezifische Timbre, die unverwechselbare Stimme.
Das Publikum verhielt sich trotzdem freundlich, zeitweise fast begeistert.
Die Sängerin verlor so langsam die Scheu, die allerdings auch auf
ihr Programm naiver, einfacher Volksmusik, die von Liebe, Enttäuschung
und Illusionen handelt, zurückzuführen war. Die Zugabe nach 45
Minuten liess durchscheinen, dass sie Temperament und durchaus noch andere
Klänge im Repertoire hat.
Die 1941 geborene Cesaria Evora trat nach einer zu langen (30minütigen)
Pause in Begleitung von Piano, Geigen, Gitarren, Bass, Perkussion und Saxophon
auf. Sie begann mit Saudade, melancholischen Klängen, für
die sie bekannt und berühmt ist. São Vicente und weitere traurige,
dem Fado ähnliche Balladen folgten. Bis dahin war der Sound eher von mittelmässiger
Qualität, das Orchester überzeugte trotz begeistert Beifall klatschendem
Publikum nicht. Auch das an siebter Stelle folgende erste auf spanisch
vorgetragene Lied bleib mässig. Erst danach, als das Saxophon zum
Einsatz kam und die Musik lebhafter wurde, begann das Orchester zu überzeugen.
Ein Geigensolo sowie die Aufforderung an das Publikum, mitzumachen, brachten
Stimmung ins Volkshaus. Die scheue Cesaria Evora ist alles andere als eine
Performance-Künstlerin. Meine Nachbarin meinte dazu, Evoras Balladen
seien als Musik zu einem Glas Wein am besten, worauf ich nicht umhin kam
zu antworten, dass die Musik wohl erst nach zwei Gläsern Wein wirke.
Mit verkleinertem Orchester sang Cesaria Evora unterdessen erneut von
Saudade
São Vicente und zupfte verlegen an ihrem Kleid. Während
dem darauffolgenden, wieder wärmeren Stück, begann sie aus für
uns unklaren Gründen mit ihrem Pianisten zu schimpfen. Was immer auch
der Grund gewesen sein mag, die Kommunikation zwischen Sängerin und
Musikern schien uns nie sehr innig. Doch in der Folge wurde das Orchester
immer besser. Nachdem Cesaria Evora die Musiker vorgestellt hatte, nahm
sie eine Auszeit, setzte sich auf den Stuhl neben dem Tischchen auf der
Bühne und gönnte sich eine Zigarette - in Amerika heute wohl undenkbar. Die kubanischen Musiker sorgten derweil alleine für
Stimmung.
Im mit Evora folgenden - nicht spanisch gesungenen - Tango überzeugten
sie weiterhin. Bis zum Schluss hielten sie das Niveau hoch, auch wenn es
erneut galt, Cesaria Evora in Saudade-Balladen zu begleiten. Allgemein
dürfte der Eindruck allerdings nicht getäuscht haben, dass den
Kubanern fröhliche, ausgelassene Musik mehr lag als introspektive,
traurige Balladen. Als Zugabe folgte u.a. das unumgängliche Besame
Mucho sowie erneut - und mit tanzendem Publikum - São Vicente
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Hinzugefügt am 10. Mai 2007
Der Schreibende stolpert beim Aufdatieren des Seitendesigns über den unten
stehenden Leserbrief. Der Artikel wurde mit Hilfe der Begleitinfos des Labels
geschrieben, in dem tatsächlich von "kubanischer (sic) Morna" die Rede war. Die
Infos hätte ich natürlich Überprüfen sollen. - Es mag zwar keine kubanische
Morna und keinen japanischen Flamenco geben, es gibt jedoch finnischen Tango
[eingefügt am 25.9.2007: So ist zum Beispiel das Tangofestival in Seinäjoki mit
über 100'000 Besuchern das grösste finnische Musikfestival, und die Filme von
Aki Kaurismäki werden oft mit finnischem Tango untermalt]. Da
die Morna der Kapverden dem portugiesischen Fado mit seiner Saudade und der
brasilianischen Modhina nahe verwandt ist, lag es durchaus im Bereich des
Möglichen, dass es eine kubanische Form der Morna gibt. Morna soll übrigens vom
englischen mourn (trauern, beklagen) abgeleitet sein. - Dass Qualm lästig
ist und unnötige Pausen ebenso, muss nicht weiter erklärt werden. - Die Kritik
bezog sich nicht auf Cesária Évora, sondern auf den Veranstalter sowie auf die
Begleitmusiker, die weniger an der Morna als vielmehr an heissen kubanischen
Rhythmen interessiert waren, auf die das Publikum sofort - zum offensichtlichen
Ärger von Cesária Évora - ansprach. Doch um das zu verstehen, hätte man im
Konzertsaal sitzen müssen.
Zu dieser Konzertkritik hat uns folgender Leserbrief von Reiner
Ehrentraut, Bonn, 24.1.2000 erreicht:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
seit wann bitte singt Cesaria Evora Fado-Balladen und was eigentlich
ist die kubanische Morna? Nun, diese durch den - bedauerlicherweise
namentlich nicht genannten - Autor des o. g. Cosmopolis-Beitrags aufgeworfenen
Fragen lassen sich nach sorgfältiger Recherche mühelos eindeutig
beantworten, und zwar wie folgt: die Evora singt keine Fado-Balladen und kubanische Morna existiert
ebensowenig,
wie beispielsweise japanischer Flamenco.
Teile des Cosmopolis-Beitrags verwundern doch sehr. Über
die beim Autor vorhandene und nunmehr von Cosmopolis verbreitete Unkenntnis
könnte man ja mit Wohlwollen hinwegsehen, wäre da nicht der unverschämte
und eindeutig unter die Gürtellinie zielende Hinweis, dass die Musik
der Cesaria Evora und ihrer Begleitband erst dann wirkt, wenn man seine
Sinne mit einer gewissen Menge Rebensaft vernebelt hat. Sollten die
Musikliebhaber, die bisher weltweit für ausverkaufte Häuser sorgten,
sich während des jeweiligen Konzertbesuches etwa alle alkoholisiert
haben, um schließlich von der Stimme der Evora und der kapverdischen
Musik begeistert zu sein? Diese Frage berührt selbstverständlich
auch ihre im Zeitraum September/Oktober 1999 erfolgreich durchgeführte
Tournee durch die USA und Kanada. Wie zu vernehmen war, musste die Evora
doch tatsächlich auch hier - selbst auf der Bühne - häufig
mit einer Zigarette gesehen worden sein! Da der Autor des Beitrags
überzeugter Nichtraucher zu sein scheint - im übrigen ebenso
wie ich -, erlaube ich mir auch deshalb, folgende Empfehlung abzugeben:
Wenn ihm die Musik der Evora nicht zusagt, steht es ihm selbstverständlich
zu, dies auch in (Cosmopolis-) Magazinen zu veröffentlichen, allerdings
sollte dabei aus Gründen der Fairness auf Gehässigkeiten verzichtet
werden. Anderenfalls wird man dieser grossartigen Künstlerin und ihren
Musikern nämlich nicht gerecht. Um das deutlich zu machen, übersende
ich die folgenden Beiträge aus Bonner Tageszeitungen mit Berichten
[12.7.99 Bonner Generalanzeiger und Bonner Rundschau]) über das Evora-Konzert
am 11. Juli 1999 in Bonn. Danach mag sich jeder die Frage beantworten
können, wer von allen am 30. November im Volkshaus Zürich einen
"schlechten Tag" erwischt haben muss. Jedenfalls kann ich aufgrund der
betreffenden Angaben im Cosmopolis-Beitrag nur schliessen, dass für
den Autor der unfassbare, öffentlich vollzogene Nikotinkonsum und
insbesondere die "ärgerliche" 30-Minuten-Pause ja dann doch erheblich
zu viel gewesen sein müssen - das allerdings kann nun in der Tat niemanden
überzeugen!
Mit freundlichen Grüssen
Reiner Ehrentraut, Bonn
PS
Der Autor mag sich selbst noch einmal fragen, ob die vielen der im
Überfluss vorhandenen sogenannten Performance-Künstler mit Starallüren
eigentlich nicht schon ausreichen? - Dank an die Evora, dass sie
auf der Bühne durch nichts anderes als ihre Kunst glänzt."
Cosmopolis zur Konzert-Kritik: Tatsächlich sollte z.B. nicht
stehen, dass Cesaria Evora Fado-Balladen sang, sondern von Fado und Morna
beeinflusste Musik. Was den Rest angeht: die Geschmäcker sind verschieden (wobei
unser Artikel kein totaler Verriss ist).
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der obigen Doppel-CD identisch scheint, handelt es sich hier um ein anderes
Album mit 16 Songs. - Cesaria Evora MP3 Downloads .

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