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Nr. 11, 15. Januar/14. Februar 2000
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Das Lexikon der Fälschungen
Werner Fuld: Das Lexikon der Fälschungen. Eichborn Verlag, 1999, 309 S. Buch bestellen bei Amazon.de.
 
Werner Fuld hat mit Das Lexikon der Fälschungen ein unterhaltsames und geistreiches Buch geschaffen, das uns über Fälschungen, Lügen und Verschwörungen aus Kunst, Geschichte, Wissenschaft und Literatur informiert. Die Müsterchen menschlicher Schwächen, Dummheit, Eitelkeit und krimineller Energie sind alphabetisch geordnet und bieten oft Grund zum Schmunzeln. Manchmal stimmen sie auch nachdenklich.
 
Gleich zu Beginn steht die Geschichte von Eddie Burrup, einem Aboriginal-Künstler, der als typischer Vertreter der Kunst der australischen Ureinwohner galt. Als seine Bilder im Frühjahr 1997 für einen angesehen Preis nominiert werden sollten, stellte sich heraus, dass Eddie Burrup gar nicht existiert. Eine damals 82jährige Dame irischer Abstammung hatte die Kunstwerke geschaffen. Ihre Glaubwürdigkeit hatte sie wesentlich der fiktiven Autobiographie zu verdanken, die ihre Freundin, die Schriftstellerin und Malerin Elisabeth Durack, verfasst hatte. Zur gleichen Zeit nahm ein von Aborigines geleiteter Verlag die angebliche Autobiographie einer Ureinwohnerin aus dem Programm, die in Tat und Wahrheit von einem weissen Taxifahrer stammte, der damit 1996 den Preis für das beste Erstlingswerk einer Frau gewonnen hatte.
 
Die Redensart "jemanden ins Bockshorn jagen" verdanken wir dem holländischen Humanisten Boxhorn, der eine Abhandlung über ein von ihm der römischen Antike zugeordnetes Gedicht verfasst hatte, das jedoch von einem französischen Zeitgenossen stammte, der ihm offenbar einen Streich spielen wollte.
 
Churchills berühmte Rede nach der Niederlage von Dünkirchen am 4. Juni 1940, "Nichts als Blut, harte Arbeit, Tränen und Schweiss", hatte er im Unterhaus gehalten. Dort herrschte ein Tonaufnahmeverbot. Amerikanische Rundfunkstationen wollten diese Rede beim Kriegseintritt der USA zu Propagandazwecken ausstrahlen. Churchill lehnte aus Zeitgründen eine Aufnahme ab. Daher übernahm der Schauspieler Norman Shelley die Aufgabe. Die berühmteste Rede Churchills durfte natürlich nicht auf einer Sammlung der Aufnahmen des Kriegspremiers der Plattenfirma Decca aus dem Jahr 1964 fehlen. Als Shelley 1976 sein Geheimnis lüftete, wollte ihm zunächst niemand glauben. Erst eine Stimmenanalyse aus dem Jahr 1991 bestätigte seine Angaben posthum, die zudem von einer ehemaligen Studioangestellten der BBC als zutreffend bezeichnet wurden.
 
Die Lektüre des Buches kann wegen der Vielzahl von Artikeln in kleinen, bekömmlichen Häppchen vollzogen werden. Wir können allerdings nicht dafür garantieren, dass nicht die eine oder andere Geschichte in einigen Jahren völlig neu erzählt werden wird ...
 

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