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Nr. 11, 15. Januar/14. Februar 2000
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Lautenspielende Gottheit; Bronze; 
Java, Zentraljavan. Periode, 2. H. 
9. bis frühes 10. Jh.; Museum für 
Völkerkunde, Wien; Foto: Oberer.

Indonesische Kunst
Zur Ausstellung im Schlossmuseum Linz
 
Die Ausstellung Indonesien. Kunstwerke - Weltbilder im Schlossmuseum Linz ist dem traditionellen, "überwiegend unbeeinflusst durch westliche Kultur" geschaffenen Kunstwerk gewidmet. Solche Objekte reflektieren für die Ausstellungsmacher nicht nur Weltbilder, sondern sie sind von diesen abhängig. Das bedeute, dass sie weder wiederholt, revitalisiert noch kopiert werden können. In Linz liegt das Schwergewicht auf Skulpturen (im weitesten Sinn) und Schmuck.
 
Die indonesische Kunst und Kultur, der Archipel umfasst über 13,000 Inseln, wurde durch jahrtausendealte Handelsbeziehungen mit Indien, Malaysia, China und später den Europäern, von Buddhismus, Hinduismus, Shivaismus und Islam beeinflusst, wobei sich eine Vielzahl eigenständiger Ausdrucksformen entwickeln konnte, so zum Beispiel auf Bali und auf Java. Die weltbekannten hinduistischen Tempelanlagen von Prambanan und der buddhistische Tempel von Borobodur sind spektakuläre Zeugnisse solcher Einflüsse.
 

 

 Die Publikation zur Ausstellung geht nicht näher auf die traditionelle Textilkunst ein, da diesem Thema bereits 1995 ein Band gewidmet worden ist (Heide Leigh-Thiesen/Reihold Mittersakschmöller: Lebensmuster. Textilien in Indonesien, Wien). Als Beispiel dafür sei auf das nebenstehende Zeremonialtuch aus der Ausstellung verwiesen, in der hingegen eine Auswahl qualitativ hochwertiger Stoffe und Kleidungsstücke zu sehen ist. Die Vielfalt der indonesischen Textilien ist u.a. dank Färbmethoden wie Batik, Ikat und Plangi einzigartig. Textilien werden bei wichtigen Zeremonien zu Gegenständen mit magischer Kraft, zu Zeichen verwandtschaftlicher Bande, zu Prestige- und Machtsymbolen. Sie werden auch als Geschenke im Rahmen des rituellen Gabentauschs verwendet. Diesen weiblichen Gaben, die Weberei ist das Medium der Frauen, stehen oft Waffen als männliche Geschenke gegenüber und veranschaulichen so das dualistisch geprägte Weltbild indonesischer Gesellschaften, in denen erst das Zusammenspiel komplementärer Elemente die Ordnung aufrcchterhält. Diese Kosmologie findet sich auch in vielen Schmuckstücken wieder, nicht nur solchen der Oberschicht, sondern auch in einfachen Amuletten aus Holz oder Tierzähnen.
Zeremonialtuch/papori tonoling; 
Südsulawesi, Galumpang; verm. 19. Jh.; 
Museum für Völkerkunde, Wien; Foto: 
VKM, Wien.

Ahnenfigur ,,adu zatua"; Holz; Nordnias, 
vor 1893; H. 33 cm; Museum für 
Völkerkunde, Wien; Foto: Oberer.

Die Religion, vor allem der Seelen-, Ahnen- und Totenkult, drückt sich in Indonesien in expressiven Skulpturen aus Holz und Stein aus. Dartellungen von Menschen, Tieren und Fabelwesen schmücken Häuser, Grabstätten und Opferaltäre. In der Ausstellung werden Holzschnitzereien wie Tempelfiguren aus Bali, Ahnenskulpturen aus Nias (siehe das nebenstehende Photo), Leti und Tanimbar, Architekturelemente aus Flores, Timor und Borneo sowie Ritualobjekte der Batak aus Nordsumatra präsentiert.
 
Im Katalog findet der Leser einen einführenden Artikel zu Geschichte, Kunst und Weltbilder Indonesiens. Fachautoren befassen sich mit einer archaischen Bronzeplastik (Wasserbüffel mit Reiter) aus Ost-Kalimantan, mit indojavanischen Bronzen, mit dem Kris (Waffe, Talisman, heiliges Erbstück) oder dem Puppen-, Masken- und Schattenspiel, das autochthon-altjavanische und hindubuddhistische Elemente verbindet. Im Katalogteil werden alle abgebildeten Objekte detailliert beschrieben und in ihrer Bedeutung erklärt.
 
Der Ausstellungskatalog - Buch: Indonesien. Kunstwerke - Weltbilder. 192 S., 194 Abb., davon 52 grossformatig in Farbe. Die Ausstellung: Schlossmuseum Linz, Tummelplatz 10, A-4020 Linz. Tel. 0732-774419. Noch bis 27. Februar 2000.
 

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