Lautenspielende Gottheit; Bronze;
Java, Zentraljavan. Periode, 2. H.
9. bis frühes 10. Jh.; Museum für
Völkerkunde, Wien; Foto: Oberer. |
Indonesische Kunst
Zur Ausstellung im Schlossmuseum Linz
Die Ausstellung Indonesien. Kunstwerke - Weltbilder
im Schlossmuseum Linz ist dem traditionellen, "überwiegend unbeeinflusst
durch westliche Kultur" geschaffenen Kunstwerk gewidmet. Solche Objekte
reflektieren für die Ausstellungsmacher nicht nur Weltbilder, sondern
sie sind von diesen abhängig. Das bedeute, dass sie weder wiederholt,
revitalisiert noch kopiert werden können. In Linz liegt das Schwergewicht
auf Skulpturen (im weitesten Sinn) und Schmuck.
Die indonesische Kunst und Kultur, der Archipel umfasst
über 13,000 Inseln, wurde durch jahrtausendealte Handelsbeziehungen
mit Indien, Malaysia, China und später den Europäern, von Buddhismus,
Hinduismus, Shivaismus und Islam beeinflusst, wobei sich eine Vielzahl
eigenständiger Ausdrucksformen entwickeln konnte, so zum Beispiel
auf Bali und auf Java. Die weltbekannten hinduistischen Tempelanlagen von
Prambanan und der buddhistische Tempel von Borobodur sind spektakuläre
Zeugnisse solcher Einflüsse.
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| Die Publikation zur Ausstellung geht nicht näher
auf die traditionelle Textilkunst ein, da diesem Thema bereits 1995 ein
Band gewidmet worden ist (Heide Leigh-Thiesen/Reihold Mittersakschmöller:
Lebensmuster. Textilien in Indonesien, Wien). Als Beispiel dafür sei
auf das nebenstehende Zeremonialtuch aus der Ausstellung verwiesen, in
der hingegen eine Auswahl qualitativ hochwertiger Stoffe und Kleidungsstücke
zu sehen ist. Die Vielfalt der indonesischen Textilien ist u.a. dank Färbmethoden
wie Batik, Ikat und Plangi einzigartig. Textilien werden bei wichtigen
Zeremonien zu Gegenständen mit magischer Kraft, zu Zeichen verwandtschaftlicher
Bande, zu Prestige- und Machtsymbolen. Sie werden auch als Geschenke im
Rahmen des rituellen Gabentauschs verwendet. Diesen weiblichen Gaben, die
Weberei ist das Medium der Frauen, stehen oft Waffen als männliche
Geschenke gegenüber und veranschaulichen so das dualistisch geprägte
Weltbild indonesischer Gesellschaften, in denen erst das Zusammenspiel
komplementärer Elemente die Ordnung aufrcchterhält. Diese Kosmologie
findet sich auch in vielen Schmuckstücken wieder, nicht nur solchen
der Oberschicht, sondern auch in einfachen Amuletten aus Holz oder Tierzähnen. |
Zeremonialtuch/papori tonoling;
Südsulawesi, Galumpang; verm. 19. Jh.;
Museum für Völkerkunde, Wien; Foto:
VKM, Wien. |
Ahnenfigur ,,adu zatua"; Holz; Nordnias,
vor 1893; H. 33 cm; Museum für
Völkerkunde, Wien; Foto: Oberer. |
Die Religion, vor allem der Seelen-, Ahnen- und Totenkult,
drückt sich in Indonesien in expressiven Skulpturen aus Holz und Stein
aus. Dartellungen von Menschen, Tieren und Fabelwesen schmücken Häuser,
Grabstätten und Opferaltäre. In der Ausstellung werden Holzschnitzereien
wie Tempelfiguren aus Bali, Ahnenskulpturen aus Nias (siehe das nebenstehende
Photo), Leti und Tanimbar, Architekturelemente aus Flores, Timor und Borneo
sowie Ritualobjekte der Batak aus Nordsumatra präsentiert.
Im Katalog findet der Leser einen einführenden Artikel
zu Geschichte, Kunst und Weltbilder Indonesiens. Fachautoren befassen sich
mit einer archaischen Bronzeplastik (Wasserbüffel mit Reiter) aus
Ost-Kalimantan, mit indojavanischen Bronzen, mit dem Kris (Waffe, Talisman,
heiliges Erbstück) oder dem Puppen-, Masken- und Schattenspiel, das
autochthon-altjavanische und hindubuddhistische Elemente verbindet. Im
Katalogteil werden alle abgebildeten Objekte detailliert beschrieben und
in ihrer Bedeutung erklärt.
Der Ausstellungskatalog - Buch: Indonesien. Kunstwerke - Weltbilder.
192 S., 194 Abb., davon 52 grossformatig in Farbe. Die Ausstellung: Schlossmuseum Linz, Tummelplatz 10, A-4020
Linz. Tel. 0732-774419. Noch bis 27. Februar 2000.
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