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Nr. 11, 15. Januar/14. Februar 2000
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Mischa Maisky: Johann Sebastian Bach, Sechs Suiten für Violoncello Solo
(Deutsche Grammophon 2894633142)
 
Der Cellist Mischa Maisky gehört zu den grossen seines Fachs. Seine Neueinspielung der sechs Solosuiten von Johann Sebastian Bach, begleitet von einer Tournee, begann 1999 rechtzeitig als Vorgeschmack auf das nun anstehende Bach-Gedenkjahr. Der Höhepunkt wird der 28. Juli 2000, der 250. Todestag des Komponisten, bilden (Cosmopolis wird auf neue Literatur und CDs zu Bach eingehen). Für die Popularität der sechs Solosuiten im 20. Jahrundert ist vor allem der Katalane Pablo Casals verantwortlich, der 1890 in einem Musikantiquariat in Barcelona ein Exemplar der Grützmacher-Ausgabe aufgespürt hatte. Bachs Präludien lassen den Interpreten grosse gestalterische Freiheit, die Casals im Sinne seines Romantizismus zu nutzen wusste. Mischa Maiskys erhielt 1959 von seinem älteren Bruder Valery, ein Bachforscher und -interpret, ein Exemplar der 1957 erschienenen Musgyz-Ausgabe von Alexander Stogorsky geschenkt. Mischa Maiskys Lehrer Mstislaw Rostropowitsch und Gregor Piatigorsky (Stogorskys Bruder) führten ihn später in die Geheimnisse von Bachs Cello-Suiten ein. Schliesslich stiess er auf Casals legendäre Einspielung aus den 30er Jahren, die er zuerst für "verrückt" hielt, doch heute sei ihm klargeworden, dass ihn Casal nachhaltig beeinflusst habe. Zu seiner Neueinspielung meint Maisky, er habe vor einigen Jahren in Zürich in einem HiFi-Fachgeschäft ein Paar Boxen ausprobiert. Dabei habe der Verkäufer eine CD eingelegt, auf der u.a. das Bourrée aus der Cellosuite in C-dur zu hören war. Zuerst dachte er, man wolle sich mit dieser "Persiflage" über ihn lustig machen, doch dann habe er mit Schrecken feststellen müssen, dass es seine Aufnahme aus dem Jahr 1985 war! Deshalb sei er glücklich über den Vorschlag von Deutsche Grammophon gewesen, die Suiten für das Bachjahr 2000 neu einzuspielen. Dabei betont der Cellist, dass für ihn jedes Jahr ein Bachjahr sei. Das Resultat von Maiskys Einspielung in einer Abtei in Flandern ist jedermann zu empfehlen (diese Rezension stützt sich auf Tully Potter). 

Die Aufnahmen zum Bachjahr 2000 bestellen bei Amazon.de. Zum Vergleich: Seine Aufnahmen aus dem Jahr 1994 bestellen bei Amazon.de.
Brodsky Quartet featuring Björk und Elvis Costello
(Teldec 3984284042)
 
Seit seiner Gründung im Jahr 1972 ist das nach dem russischen Violonisten und Manchester-Pädagogen Adolf Brodsky benannte Quartett der Kammermusik eine feste Grösse im internationalen Musikgeschäft. Andrew Haveron spielt eine Violine von Thomas Balistriere aus dem Jahr 1770, Paul Cassidys Viola von 1843 stammt von Francesco Guissani aus Milano, Ian Beltons Violine ist von Gio. Paolo Maggini (1630) und Jacqueline Thomas spielt ein Cello von Thomas Perry aus dem Jahr 1785. Das Brodsky Quartet ist für sein eklektisches Programm berühmt, das zur Zusammenarbeit mit klassischen Musikern wie Maria Joao Pires, Anne Sofie von Otter und Gidon Kremer, aber auch Grössen der Pop-Musik wie Elvis Costello, Paul McCartney oder Björk geführt hat. Die Komponisten Lutoslawski, Sculthorpe und Dave Brubeck haben Arbeiten für die vier Musiker geschrieben. Ihr Repertoire reicht von Klassik und Jazz bis zu Pop. Sie kennen keine Berührungsängste, was ihre Qualität keinesfalls beeinträchtigt. Die CD Best of Brodsky Quartet featuring Björk & Elvis Costello beginnt mit einem Stück geschrieben von Michael Thomas und Declan Macmanus. Der Gesang - oder besser das Gekrächze - von Elvis Costello ist fürchterlich, aber zum Glück untypisch für die CD. Lediglich Björks Hyperballad mit der Künstlerin als Begleiterin des Brodsky Quartets geht in eine ähnliche Richtung, wobei ihr Gesang eine Spur erträglicher ist. Beim japanischen Volkslied Nanatsu-no-ko erinnert, abgesehen vom Titel, gar nichts mehr an das Land der Kirschblüten. Also ein überflüssiges Album? Nicht ganz. Das restliche Repertoire von Schostakowitsch, Debussy, Ravel und Gershwin bis zum musikalischen Grenzgänger Dave Brubeck kann sich durchaus hören lassen.
 

 
Concerto Köln: Mannheim. The Golden Age
(Teldec 3984283662)
 
Das 1985 von jungen Absolventen verschiedener europäischer Musikhochschulen gegründete Concerto Köln hat sich der Pflege der Alten Musik verschrieben. Dazu gehört das Spiel von Instrumenten des 17. und 18. Jahrhunderts sowie die Wiederentdeckung der vergessenen Komponisten und Musik jener Jahre, darunter Joseph Martin Kraus, Antonio Locatelli und Johann Baptist Vanhal. Auf der CD Mannheim: The Golden Age hat sich das Concerto Köln unter der Leitung von Werner Ehrhardt der leichten und beschwingten, gleichzeitig der machtvollen Repräsentation dienenden Musik am Hofe von Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz (1724-1799) und seiner Hofkapelle, das berühmteste Orchester Europas im 18. Jahrhundert, gewidmet. Das Mannheimer Orchester war von Johann Wenzel Stamitz (1717-1757) begründet worden.  Klopstock, Wieland und der englische Musikschriftsteller Charles Burney waren des Lobes voll für diesen Klangkörper. Der junge Mozart lernte dort bei Konzertmeister Christian Cannabich (1731-1798) die Orchesterbehandlung. Auf der CD werden Werke von Johann Stamitz, von Cannabich, von Stamitz' ältestem Sohn Carl (1745-1801), vom Schüler von Johann Stamitz und Cellisten der Hofkapelle Anton Fils (1733-1760) sowie von Ignaz Fränzl (1736-1811) vorgestellt. Der Stil erscheint uns heute - verglichen mit Mozart - stellenweise ungelenk, hölzern und bieder, doch ist er der Ausdruck jener Zeit am Hof.

 
Arvo Pärt: Tabula rasa, Fratres und die Symphony No. 3 gespielt von Gil Shaham, Adele Anthony und dem Gothenburg Symphony Orchestra unter der Leitung von Neeme Järvi
(Deutsche Grammophon 2894576472)
 
Der estnische Komponist Arvo Pärt (*1935) emigrierte 1980 nach Wien und zog 1982 nach Berlin. Nach Anfängen, bei denen er serielle Techniken in seine Werke einbezog, wandte er sich unter dem Eindruck der Auseinandersetzung mit der Musik des Mittelalters einem formenstrengen und einfachen Stil zu. Seine langsame "Musik aus der Mitte des Schweigens", die insbesondere in Tabual rasa ein Gefühl von Unendlichkeit, Einsamkeit und Ruhe vermittelt, findet Dank ihrem Minimalismus, ihrer Archaik und Mystik im hektisch gewordenen Leben des 20. und 21. Jahrhunderts grossen Anklang. Die spirituelle Botschaft von Arvo Pärts Kompositionen, die über blosse Zerstreuung und Genuss hinwegweist, findet grossen Anklang. Er setzt auf Einfachheit, Stille und Schönheit, um dadurch Distanz, Ueberblick und Bewusstsein vom Wert der Dinge zu schaffen. Pärts Landsmann und Freund Neeme Järvi (*1937), dem der Komponist seine Dritte Symphonie gewidmet hat, dirigiert das Gothenburg Symphony Orchestra. Die Geigensolisten sind Gil Shaham (*1971) und die junge Adele Anthony. 

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