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Mischa Maisky: Johann Sebastian Bach, Sechs Suiten
für Violoncello Solo
(Deutsche Grammophon 2894633142)
Der Cellist Mischa Maisky gehört zu den grossen seines Fachs. Seine
Neueinspielung der sechs Solosuiten von Johann Sebastian Bach, begleitet
von einer Tournee, begann 1999 rechtzeitig als Vorgeschmack auf das nun
anstehende Bach-Gedenkjahr. Der Höhepunkt wird der 28. Juli 2000,
der 250. Todestag des Komponisten, bilden (Cosmopolis wird auf neue Literatur
und CDs zu Bach eingehen). Für die Popularität der sechs Solosuiten
im 20. Jahrundert ist vor allem der Katalane Pablo Casals verantwortlich,
der 1890 in einem Musikantiquariat in Barcelona ein Exemplar der Grützmacher-Ausgabe
aufgespürt hatte. Bachs Präludien lassen den Interpreten grosse
gestalterische Freiheit, die Casals im Sinne seines Romantizismus zu nutzen
wusste. Mischa Maiskys erhielt 1959 von seinem älteren Bruder Valery,
ein Bachforscher und -interpret, ein Exemplar der 1957 erschienenen Musgyz-Ausgabe
von Alexander Stogorsky geschenkt. Mischa Maiskys Lehrer Mstislaw Rostropowitsch
und Gregor Piatigorsky (Stogorskys Bruder) führten ihn später
in die Geheimnisse von Bachs Cello-Suiten ein. Schliesslich stiess er auf
Casals legendäre Einspielung aus den 30er Jahren, die er zuerst für
"verrückt" hielt, doch heute sei ihm klargeworden, dass ihn Casal
nachhaltig beeinflusst habe. Zu seiner Neueinspielung meint Maisky, er
habe vor einigen Jahren in Zürich in einem HiFi-Fachgeschäft
ein Paar Boxen ausprobiert. Dabei habe der Verkäufer eine CD eingelegt,
auf der u.a. das Bourrée aus der Cellosuite in C-dur zu hören
war. Zuerst dachte er, man wolle sich mit dieser "Persiflage" über
ihn lustig machen, doch dann habe er mit Schrecken feststellen müssen,
dass es seine Aufnahme aus dem Jahr 1985 war! Deshalb sei er glücklich
über den Vorschlag von Deutsche Grammophon gewesen, die Suiten für
das Bachjahr 2000 neu einzuspielen. Dabei betont der Cellist, dass für
ihn jedes Jahr ein Bachjahr sei. Das Resultat von Maiskys Einspielung in
einer Abtei in Flandern ist jedermann zu empfehlen (diese Rezension stützt
sich auf Tully Potter).
Die Aufnahmen zum Bachjahr 2000 bestellen bei Amazon.de.
Zum Vergleich: Seine Aufnahmen aus dem Jahr 1994 bestellen bei Amazon.de. |
Brodsky Quartet featuring Björk und Elvis
Costello
(Teldec 3984284042)
Seit seiner Gründung im Jahr 1972 ist das nach dem russischen Violonisten
und Manchester-Pädagogen Adolf Brodsky benannte Quartett der Kammermusik
eine feste Grösse im internationalen Musikgeschäft. Andrew Haveron
spielt eine Violine von Thomas Balistriere aus dem Jahr 1770, Paul Cassidys
Viola von 1843 stammt von Francesco Guissani aus Milano, Ian Beltons Violine
ist von Gio. Paolo Maggini (1630) und Jacqueline Thomas spielt ein Cello
von Thomas Perry aus dem Jahr 1785. Das Brodsky Quartet ist für sein
eklektisches Programm berühmt, das zur Zusammenarbeit mit klassischen
Musikern wie Maria Joao Pires, Anne Sofie von Otter und Gidon Kremer, aber
auch Grössen der Pop-Musik wie Elvis Costello, Paul McCartney oder
Björk geführt hat. Die Komponisten Lutoslawski, Sculthorpe und
Dave Brubeck haben Arbeiten für die vier Musiker geschrieben. Ihr
Repertoire reicht von Klassik und Jazz bis zu Pop. Sie kennen keine Berührungsängste,
was ihre Qualität keinesfalls beeinträchtigt. Die CD Best
of Brodsky Quartet featuring Björk & Elvis Costello beginnt
mit einem Stück geschrieben von Michael Thomas und Declan Macmanus.
Der Gesang - oder besser das Gekrächze - von Elvis Costello ist fürchterlich,
aber zum Glück untypisch für die CD. Lediglich Björks Hyperballad
mit der Künstlerin als Begleiterin des Brodsky Quartets geht in eine
ähnliche Richtung, wobei ihr Gesang eine Spur erträglicher ist.
Beim japanischen Volkslied Nanatsu-no-ko erinnert, abgesehen vom
Titel, gar nichts mehr an das Land der Kirschblüten. Also ein überflüssiges
Album? Nicht ganz. Das restliche Repertoire von Schostakowitsch, Debussy,
Ravel und Gershwin bis zum musikalischen Grenzgänger Dave Brubeck
kann sich durchaus hören lassen.
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Concerto Köln: Mannheim. The Golden Age
(Teldec 3984283662)
Das 1985 von jungen Absolventen verschiedener europäischer Musikhochschulen
gegründete Concerto Köln hat sich der Pflege der Alten Musik
verschrieben. Dazu gehört das Spiel von Instrumenten des 17. und 18.
Jahrhunderts sowie die Wiederentdeckung der vergessenen Komponisten und
Musik jener Jahre, darunter Joseph Martin Kraus, Antonio Locatelli und
Johann Baptist Vanhal. Auf der CD Mannheim: The Golden Age hat sich
das Concerto Köln unter der Leitung von Werner Ehrhardt der
leichten und beschwingten, gleichzeitig der machtvollen Repräsentation
dienenden Musik am Hofe von Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz (1724-1799)
und seiner Hofkapelle, das berühmteste Orchester Europas im 18. Jahrhundert,
gewidmet. Das Mannheimer Orchester war von Johann Wenzel Stamitz (1717-1757)
begründet worden. Klopstock, Wieland und der englische Musikschriftsteller
Charles Burney waren des Lobes voll für diesen Klangkörper. Der
junge Mozart lernte dort bei Konzertmeister Christian Cannabich (1731-1798)
die Orchesterbehandlung. Auf der CD werden Werke von Johann Stamitz, von
Cannabich, von Stamitz' ältestem Sohn Carl (1745-1801), vom Schüler
von Johann Stamitz und Cellisten der Hofkapelle Anton Fils (1733-1760)
sowie von Ignaz Fränzl (1736-1811) vorgestellt. Der Stil erscheint
uns heute - verglichen mit Mozart - stellenweise ungelenk, hölzern
und bieder, doch ist er der Ausdruck jener Zeit am Hof. |

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Arvo Pärt: Tabula rasa, Fratres und die Symphony
No. 3 gespielt von Gil Shaham, Adele Anthony und dem Gothenburg Symphony
Orchestra unter der Leitung von Neeme Järvi
(Deutsche Grammophon 2894576472)
Der estnische Komponist Arvo Pärt (*1935) emigrierte 1980 nach
Wien und zog 1982 nach Berlin. Nach Anfängen, bei denen er serielle
Techniken in seine Werke einbezog, wandte er sich unter dem Eindruck der
Auseinandersetzung mit der Musik des Mittelalters einem formenstrengen
und einfachen Stil zu. Seine langsame "Musik aus der Mitte des Schweigens",
die insbesondere in Tabual rasa ein Gefühl von Unendlichkeit,
Einsamkeit und Ruhe vermittelt, findet Dank ihrem Minimalismus, ihrer Archaik
und Mystik im hektisch gewordenen Leben des 20. und 21. Jahrhunderts grossen
Anklang. Die spirituelle Botschaft von Arvo Pärts Kompositionen, die
über blosse Zerstreuung und Genuss hinwegweist, findet grossen Anklang.
Er setzt auf Einfachheit, Stille und Schönheit, um dadurch Distanz,
Ueberblick und Bewusstsein vom Wert der Dinge zu schaffen. Pärts Landsmann
und Freund Neeme Järvi (*1937), dem der Komponist seine Dritte Symphonie
gewidmet hat, dirigiert das Gothenburg Symphony Orchestra. Die Geigensolisten
sind Gil Shaham (*1971) und die junge Adele Anthony. |
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