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Nr. 12, 15. Februar/14. März 2000
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Shannon Curfman
(Arista)
 
Das Debut-Album von Shannon Curfman Loud Guitars, Big Suspicions ist bemerkenswert, weil sie bei der Aufnahme der CD erst 13 Jahre alt war. Die Gitarristin und Sängerin macht erst seit drei Jahren Musik und zählt Stevie Wonder, Santana, Prince und Chaka Khan zu ihren Vorbildern. Cheryl Crow hat es ihr besonders angetan, da sie schreibe, singe, mehrere Instrumente spiele und Platten produziere. Stimme (Bonnie Raitt lässt grüssen) und Texte sind bei Shannon Curfman bereits die einer Erwachsenen. Sie ist nicht mehr weit von den besten der Rockmusik entfernt. An den besten Liedern der CD hat sie als Komponistin mitgearbeitet, No Riders, If You Change Your Mind, I Don't Make Promises (I Can't Break) und I'm Coming Home. Ihre erste Single, True Friends, geschrieben von Bruce McCabe, ist ebenfalls hörenswert. Natürlich hat ihre Stimme noch Grenzen, besonders bemerkbar in ihrer Version von J.R. Robertsons The Weight, 1968 für The Band geschrieben. Trotzdem, Shannon Curfman ist kein neuer Girlie-Star, sondern eine ernsthafte Künstlerin. Wenn sie ihr Talent ausschöpfen und weiter wachsen kann, könnte sie ein neuer Superstar wie einst Prince werden. CD bestellen bei Amazon.de.
American Beauty
(Dreamworks)
 
Soeben wurde der Film American Beauty für mehrere Oscars vorgeschlagen, drei Golden Globes (Bester Film, Beste Regie und Bestes Drehbuch) hat er bereits gewonnen. Kevin Spacey spielt darin einen ausgebrannten Durchschnittsamerikaner. Seine Frau (Annette Bening) hat einen Liebhaber, seine Tochter (Thora Birch) mag ihn nicht mehr. Da verliebt er sich in die Schulfreundin seiner Tochter (Mena Suvari). Dann ist da auch der Nachbarsjunge (Wes Bentley), der seine Tochter mit einer Videokamera filmt. Der Vater des Jungen (Chris Cooper) ist ein jähzorniger Neo-Nazi. Der Soundtrack zu dieser bitterbösen Satire auf den American dream und den American way of life trägt einiges zum Erfolg von American Beauty bei. Thomas Newmans Instrumentalnummer Dead Already gibt das Thema des Films vor, denn Kevin Spacey fühlt sich zu Beginn des Films wie tot. Weitere hörenswerte Tracks des Albums sind Free To Go (von The Folk Implosion vorgetragen), All Right Now (Free), Use Me (Bill Withers), Cancer For The Cure (Eels) sowie die andere Instrumentalnummer von Thomas Newman, Any Other Name. Auch die meisten anderen Songs auf der CD sind hörenswert. CD bestellen bei Amazon.de. Dagegen nur für Thomas Newman Fans zu empfehlen ist die CD mit der von ihm für den Film komponierten Musik, das Original Motion Picture Score American Beauty (0044502332). Davon sind nur die erwähnten zwei Instrumentals empfehlenswert.
Kurt Weill
(Decca)
 
Kurt Weill könnte am 2. März seinen 100. Geburtstag feiern, wenn er nicht 1950 verfrüht in New York verstorben wäre. Sein berühmtestes Werk ist die sozialkritische Dreigroschenoper aus dem Jahr 1928. Bei Decca (430 075-2) ist eine Einspielung des Stückes von 1988 mit René Kollo (als Mackie Messer), Mario Adorf, Helga Dernesch, Ute Lemper, Milva, u.a. wieder erhältlich. Die Klangqualität lässt leider zu wünschen übrig, dafür ist im Booklet der gesamte Text (deutsch und englisch) der Oper abgedruckt. Woher der Name des Stückes kommt, erklärt der Ausrufer (Rolf Boysen) gleich zu Beginn: "Sie werden heute abend eine Oper für Bettler sehen. Weil diese Oper so prunkvoll gedacht war, wie nur ein Bettler sie erträumen, und weil sie doch so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen können, heisst sie 'Die Dreigroschenoper'." Der jüdische Deutsche Kurt Weill verliess seine Heimat 1933 unter dem Druck der Nazis und kehrte nicht nur nie mehr dahin zurück, sondern auch die meisten seiner in den USA geschaffenen Werke werden bis heute in Deutschland ignoriert. Sein biblisches Drama Der Weg der Verheissung zur jüdischen Geschichte entstand 1934/35, wurde in New York als The Eternal Road 1937 uraufgeführt, fand aber erst 1999 den Weg ins Geburtsland des Komponisten, wo es in Chemnitz erstmals in der deutschsprachigen Originalfassung aufgeführt wurde. (eine Edition von 1991)
The Story of Bossa Nova
(Hemisphere/EMI)
 
Der Bossa Nova wurde Ende der 50er Jahre in Rio de Janeiro durch weisse Kinder der Mittelklasse geboren. Die Kritiker zerrissen die Musik, es sei kein Samba, sondern Jazz. Das grosse Publikum ignorierte den Bossa Nova. Erst der Erfolg ausserhalb von Brasilien brachte ein Umdenken im Geburtsland in Gang. Antonio Carlos Jobim, zusammen mit João Gilberto einer der Begründer des Stils, nennt ihn ein kultiviertes Samba-Distillat. Die CD The Story of Bossa Nova vereint frühe Songs wie Fotografía und Só em Teum Braços, von Sylvia Telles im Jahr 1959 interpretiert und von Antonio Carlos Jobim geschrieben, zusammen mit neueren Interpretationen wie Chega de Saudade von Leila Pinheiro aus dem Jahr 1994. Nicht immer sind die Originalversionen die besten, so der Klassiker Samba de Verão von Marcos Valle aus dem Jahr 1964, vom Komponisten selbst gesungen. Eine Version von Walter Wanderley erreichte 1965 die Nummer Zwei in der amerikanischen Hitparade. Auch die erste Aufnahme von Jobims Garota de Ipanema/Girl from Ipanema durch Pery Ribeiro ist nicht die erfolgreichste und beste geblieben. Ribeiros Version von O Barquinho aus dem Jahr 1961 ist dagegen hervorragend. Die CD bietet einen interessanten Querschnitt durch die Entwicklung des Bossa Nova.
 
William Sheller
(Philips/Universal 3145469222)
 
William Shellers neuestes Album Les Machines Absurdes ist vom kompositorischen, instrumentalen Standpunkt her innovativ, einfalls- und abwechslungsreich, aussergewöhnlich, ja stellenweise schlicht und einfach genial. Doch nach wie vor kann er nicht singen - und wird es wohl auch nicht mehr lernen. Seine vokalen Ergüsse sind langweilig, billig, einfach schlecht. Entweder sollte er einen erstklassigen Sänger suchen oder sich einfach mit seiner brillanten Instrumentalmusik zufrieden geben.
 

 

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