Der 1946 im englischen Wolverhampton geborene Dave Holland begann
bereits mit vier Jahren Ukelele, mit zehn Gitarre und mit dreizehn Bass,
sein heutiges Instrument, zu spielen. Schon als Teenager hatte er seine
eigene Band. Mit fünfzehn verliess er die Schule und versuchte, von
der Musik zu leben. 1963 ging er nach London und studierte beim ersten
Bassissten des London Philharmonic Orchestra, James E. Merritt. Im darauffolgenden
Jahr wurde er auf dessen Empfehlung hin in die Guildhall School of Music
and Drama aufgenommen. Im zweiten Jahr spielte er dort im Schulorchester
als erster Bassist, gleichzeitig begann er mit Jazz-Musikern zusammenzuarbeiten,
von 1966 an gehörten John McLaughlin, John Taylor und viele andere
dazu. Neben Charles Mingus und Ron Carter beeinflusste ihn in jenen Jahren
auch die Musik von Bela Bartók.
Ab 1967 trat Dave Holland regelmässig in Ronnie Scott's Jazz Club
auf, wo er mit amerikanischen Jazz-Grössen wie Coleman Hawkins, Ben
Webster und und Joe Henderson spielen konnte. Im Juli 1968 entdeckte ihn
dort Miles Davis bei einem Klubbesuch und lud ihn nach New York ein, wohin
Dave Holland einige Wochen später ging - eine Befreiung für den
aus einer Arbeiterfamilie stammenden jungen Mann, der noch heute die Klassenmentalität
in England unangenehm empfindet. Die USA waren 1968, nach der Ermordung
von Martin Luther King, Malcolm X und Robert Kennedy, Mitten in einer kulturellen
Revolution, die sich entschieden gegen den Vietnamkrieg wandte.
Dave Holland hatte die Chance, mit Miles Davis an einigen wichtigen
Alben wie In A Silent Way und Bitches Brew mitzuarbeiten.
1970 verliess er die Band und gründete seine eigene Formation, Circle,
mit Chick Corea, Anthony Braxton und Barry Altschul. In ihrer nur einjährigen
Existenz nahm die Band Platten wie das Paris Concert auf, das in
den Zeitschriften Jazz Hot und Stereo Review als bestes Album
des Jahres gefeiert wurde. 1972 schloss sich Dave Holland für rund
ein Jahr dem Quartett von von Stan Getz an und begann seine langjährige
Zusammenarbeit mit Sam Rivers. 1975 gründete er Gateway (mit
Rivers, John Abercrombie und Jack DeJohnette), das bis heute existiert.
1976 tourte er einige Monate mit Betty Carter und spielte weiterhin mit
Sam Rivers zusammen.
Dave Hollands erste "Vollzeitband" war sein Quintett mit Kenny Wheeler,
Julian Priester, Steve Coleman und Steve Ellington (bis 1987). Danach tourte
er im Trio mit Jack DeJohnette und Steve Coleman, mit denen er die erfolgreiche
Platte Triplicate aufnahm. 1988 gründete er ein Quartet mit
Kevin Eubanks, Marvin "Smitty" Smith und Steve Coleman, dessen Extensions
im Downbeat Critics Poll als Album des Jahres gefeiert wurde. Seit
den 70er Jahren ist Dave Holland auch als Lehrer tätig, privat und
in verschiedenen Institutionen. In den 90er Jahren arbeitete er regelmässig
mit Pat Metheny, Joe Henderson und Betty Carter zusammen. Er tourte als
Teil des Herbie Hancock Trios und spielte auf der Grammy Award prämierten
Platte von Joe Henderson, So Far, So Near (1992), mit. 1994 hatte
Dave Holland wieder ein eigenes Quartett mit Steve Nelson, Eric Person
und Gene Jackson. 1996 nahm er an der World Tour mit dem Herbie Hancock
Quartet teil, tourte mit Gateway sowie mit seiner eigenen Gruppe.
Er spielte auf den Grammy-nominierten Platten von Michael Brecker (Tales
From The Hudson), Billy Child (The Child Within), Herbie Hancock
(The New Standard) ebenso mit wie auf Kenny Wheelers Angel Song,
das in England vom Guardian, in Frankreich von Jazzman und
in den USA von Stereo Review als Album des Jahres gefeiert wurde.
1997 gründete er das Dave Holland Quintet mit Steve Wilson, Robin Eubanks, Steve Nelson und Billy
Kilson. 1998 erschien bei ECM ihr Album
Points
of View und 1999 Prime Directive, mit Chris Potter anstelle
von Steve Wilson am Saxophon. Daneben spielt Dave Holland im Quartett mit
Wheeler, Konitz und Frisell sowie im Trio mit Anour Brahem und John Surman.
Biographie von Jim Hall
Der 1930 in Buffalo (USA) geborene Jim Hall spielte bereits als
Teenager in verschienden lokalen Orchestern, studierte am Cleveland Institute
of Music und war ab 1955 in Los Angeles Teil des Quintetts von Chico Hamilton.
Von 1956 an spielte er im Jimmy Guiffres Trio. In den späten 50er
Jahrn begleitete er Ella Fitzgerald auf ihrer Südamerika-Tournee.
Er entdeckte den Bossa Nova in seinem Ursprungsland. Dieser Musik wandte
er sich in den 60er Jahren zu und nahm mit Sonny Rollins 1962 What's
New auf und spielte mit Paul Desmond 1963 Take Ten und Bossa
Antigua ein. Er arbeitete mit Art Farmer und Lee Konitz. Mit Sonny
Rollins spielte er auch auf dessen Album The Bridge mit. Seit den
70er Jahren ist Jim Hall häufig im Duo zu hören, so mit Ron Carter,
Bill Evans und Pat Metheny. Mit Michel Petrucciani und Wayne Shorter nahm
er 1987 am Jazzfestival in Montreux das Album Power of Three live
auf. In den 90er Jahren war er in seinem Quartett mit Gil Goldstein, Steve
LaSpina und Terry Clarke unterwegs. Jim Halls neueste CD ist Jim Hall
& Pat Metheny, 1999, Telarc. Noch vor Art Tatum bezeichnet Jim
Hall (wie auch Dave Holland, siehe oben) Bela Bartók als seinen
wichtigsten Einfluss: "He influenced my linear writing; he was my hero."
Konzertkritik
Das Konzert in der Tonhalle Zürich
vom 17. Februar 2000 sollte eigentlich das
Brad Mehldau Trio eröffnen. Die Entscheidung der zwei Altstars Dave
Holland und Jim Hall, zuerst in den Ring zu steigen, erwies sich als weise.
Ihre intimistische Musik der subtilen, leisen Töne konnte so voll
zur Geltung kommen. Jim Hall bevorzugt klar und einfach strukturierte Musik.
Als "Nachgruppe" zum Mehldau Trio wäre das Duo deplaziert gewesen.
Nach einem etwas schwierigen Beginn mit dem von Hall geschriebenen und
Bill Frisell gewidmeten Frissel Frazzle entwickelte das Duo rasch
einen unprätentiösen Charme. Die von Dave Holland stammende Komposition
Ario
mit Bossa Nova-Feeling, die er bei der Rückkehr von einer Reise nach
Rio geschrieben hatte, erzeugte eine warme Ambiance. Dream Steps,
von Hall für Holland geschrieben, forderte die ganze Virtuosität
des Bassisten. Aus der Nähe war der grosse physische Einsatz, der
Dave Holland in einem Konzert abverlangt wird, eindrücklich zu beobachten.
Der von Holland seinem Vorbild Charles Mingus gewidmete Blues for C.
M. war das bis dahin emotionalste und melodiöseste Stück
des Abends, mit ausgeprägten Bluesklängen gegen Ende. Die zwei
Musiker nahmen sich nichts gegenseitig weg, sondern unterstützten
sich, wo es nur ging.
Dave Holland war vor Jahren von Sonny Rollins in die Calypso-Musik eingeführt
worden. Seine Komposition Street Dance widmete er Sonny Rollins,
wobei die Lebensfreude, die Emotionen der ursprünglich von den Antillen
stammenden Musik nur durchschienen, es sich um eine eher vergeistigte Jazz-Version
des Calypso handelte. Darauf folgte Skylark,bei dem Jim
Hall mit einem Solo begann, Dave Holland erst später dezent einsetzte.
Das Duo wurde je länger je besser. The Whirling Dervish folgte
als offizieller Abschluss ihres Konzerts, ergänzt durch die Zugabe
My
Funny Valentine, eingeleitet mit Halls Worten, sie hätten ja "sonst
nichts vor heute abend".