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Nr. 12, 15. Februar/14. März 2000
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Jazz CDs
 
Lester Swings: The Complete Lester Young Studio Sessions
(Verve)
 
Die kompletten Studioaufnahmen von Lester "Prez"/"Pres" Young für Verve liegen nun auf 8 CDs vor. Er gehörte zu den progressiveren Saxophonspielern der Swing-Zeit. Seine Art zu spielen inspirierte jüngere Musiker wie Stan Getz. 1909 geboren, spielte er u.a. mit King Oliver und verbrachte seine künstlerisch besten Jahre mit Count Basie. Mit seinem leichten, coolen Ton setzte er sich von anderen Saxophonisten klar ab. Er spielte von Mitte der dreissiger Jahre bis Dezember 1940 mit Count Basie und arbeitete dabei oft mit Billie Holliday zusammen, die Höhepunkte seines Schaffens. 1941 gründete ers seine eigene Band, kehrte Ende 1943 aber wieder zu Basie zurück und wurde 1944 ins Militär eingezogen. Rassistische Ausfälle gegen ihn, seine Verwundung bei einer Truppenübung sowie eine Haftstrafe, nachdem er beim Drogenkonsum erwischt worden war, setzten ihm stark zu. Lester Young, der Alkoholiker war und an epileptischen Anfällen litt, ruinierte in den 15 Monaten im Dienst seine Gesundheit vollends und war danach nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Jahre 1946 bis 1959 (sein Todesjahr) bei Verve gehören nicht zu seinen besten. Schwache Swing-Klassiker und Blues-Nummern dokumentieren seine Krise. Dem Bebop stand er ablehnend gegenüber und künstlerisch konnte er nicht mehr mithalten. In Stücken wie Up'n'Adam (1949) und Love Is Here to Stay (1956) kann man seine frühere Klasse noch erahnen. Nur "Pres"- und Swing-Fans zu empfehlen. Bestellen bei Amazon.de

Lester Young.
Foto Copyright:
Verve Music Group.
Stan Getz: Quiet Now. Body And Soul
(Verve 31454 32482)
 
Dieser Sampler zum Spezialpreis bietet gut eine Stunde Musik zum Träumen. Die einzelnen Titel - auch hier ohne Aufnahmedaten - sind alle traumhaft sentimental. Stan Getz zeigt sich als einer der ganz grossen am Tenor-Saxophon. Besonders die Titel mit Bossa Nova-Einfluss begeistern, so Antonio Carlos Jobims Komposition Corcovado mit dem Gesang von Astrud Gilberto, O Grande Amor mit João Gilberto (Gitarre und Gesang) und Antonio Carlos Jobim (Klavier) sowie Insensatez, erneut mit Jobim am Klavier. Daneben sind reine Jazz-Nummern wie Body And Soul mit Oscar Peterson am Klavier oder Here's that Rainy Day zu hören. Wer hier nicht zugreift, ist selber schuld.
Nina Simone: Quiet Now. Night Songs
(Verve 31454 32512)
 
An der Low-Budget Serie Quiet Now gibt es eigentlich nur eines auszusetzen: das Fehlen der Aufnahmedaten der verschiedenen Titel. Nina Simone ist eine Sängerin und Pianistin mit Charakter, die ihre Schwächen in Stärken verwandelt. Die Sammlung Night Songs hinterlässt gemischte Gefühle. Wild Is The Wind oder If I Should Lose You begeistern nicht gerade. Mit Ne Me Quitte Pas versucht sie sich mit mässigem Erfolg an einem Bestseller von Jacques Brel. Versöhnlich dagegen stimmen The Last Rose of Summer, Black Is The Colour of My True Love's Hair und End of The Line. Rund die Hälfte der Titel ist hörenswert.
Bill Evans: further conversations with myself
(Verve Master Edition 31455 98322)

In Further conversations  with myself aus dem Jahr 1967 spielte Bill Evans buchstäblich mit sich selbst, indem er seinem aufgenommenen Klavierspiel nachträgliche eine zweite, ja gar eine dritte Aufnahme hinzufügte. Der technisch brilliante Evans schaffte es mühelos, vier- und sechshändige Stücke mit grösster Klarheit zu spielen. Die meisten Stücke überzeugen dennoch nicht, so Emily und Yesterdays. Santa Claus is Comin' to Town ist zwar amüsant, aber nicht mehr. Der Höhepunkt des Albums die achtminütige Version der Johnny Mandel/Paul Francis Webster-Komposition The Shadow of Your Smile. Vorbildlich ist dagegen das Begleitheftchen, in dem die Entstehungsgeschichte des Albums erklärt wird und der original-Booklet-Text abgedruckt ist. 

Charlie Parker Big Band
(Verve 31455 98352)

Diese zwischen 1950 und 1953 aufgenommenen Titel der Charlie Parker Big Band umweht ein rückwärtsgewandter Geist. Da ist nichts Innovatives, nicht viel Erfrischendes. Charlie Parkers Spiel am Alto-Saxophone ist zwar gehaltvoll und über jeden Zweifel erhaben, so in What Is This Thing Called Love? Die Stücke sind jedoch zu kommerziell, schlecht gealtert (gerade auch die Tracks mit gesanglicher Begleitung) und einfach kitschig. So möchten wir Charlie Parker nicht in Erinnerung behalten. Das Booklet ist dagegen wie immer informativ. Vor allem für Musikhistoriker interessant sind die verschiedenen alternativen Takes sowie die falschen Starts und abgebrochenen Stücke, die auf der zweiten Hälfte der CD versammelt wurden und den Aufnahmeprozess illustrieren.

Lee Konitz: Another Shade of Blue
(Blue Note/EMI)
 
Der 1927 in Chicago geborene Alt- und Soprano-Saxophonist Lee Konitz spielte schon in den 40er Jahren mit Teddy Powell, später im Miles Davis Nonet, dann mit Gerry Mulligan und war später wieder beim Miles Davis Nonet bei den Birth of the Cool-Sessions dabei. Kurzum, Lee Konitz ist eine feste Grösse im Jazz-Geschäft. In den 60er Jahren galt er als der Hauptexponent des cool alto style. Sein kurz vor Weihnachten 1997 in Culver City, Kalifornien, aufgenommenes und Ende 1999 erschienenes Album Another Shade of Blue überzeugt nicht. Im Begleitext meint der Musiker, er könne nicht überzeugend eine "blue note" spielen, da diese nicht wie bei Charlie Parker Teil seiner Erfahrungswelt sei. Seine drei Balladen, ein Blues sowie ein standard medium tune klingen wie gejammert, auch wenn mit Charlie Haden und Brad Mehldau hervorragende Musiker an seiner Seite standen. Sein Sax-Spiel ist kein Balsam für die Seele der Zuhörer. Bestellen bei Amazon.de
The Best of Verve Master Edition Vol. 2
(Verve 31454 53372)
 
Diese Zusammenstellung für knapp 10 Mark ist ein Schnäppchen erster Güte und, dank den restaurierten originalen Masterbändern der 50er und 60er Jahre und dem 20-Bit-Digital-Transfer, ein Hörgenuss. Nur allein schon einige Namen der 16 Titel und ihrer Interpreten machen klar, so billig kommt man sonst nicht an Meisterwerke von Verve ran: Aqua De Beber mit Antonio Carlos Jobim, Gal From Joe's mit Johnny Hodges, Fever mit Kenny Burrell & Jimmy Smith, Mumbles des Oscar Peterson Trios mit Clark Terry sowie ein zehn Minuten langes Down By The Riverside mit Jimmy Smith und Wes Montgomery. Die paar schwachen Titel wie Fajista mit Gery Mulligan & Ben Webster oder Four mit Stan Getz, das zu billig geraten ist, sind zu verkraften. 


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