|
Im feudalen Japan wurden die Samurai mit ihrem Leben auf ihre Lehnsherren
eingeschworen. Über diejenigen unter ihnen, deren Lehnsherr getötet
wurde, fiel Schande. Sie wurden gezwungen, durchs Land zu reisen, um als
angeheuerte Krieger oder Banditen ihr Leben zu fristen. Solche Männer
wurden Ronin genannt.
In John Frankenheimers Film geht es natürlich nicht um das feudale
Japan. Die Handlung von Ronin beginnt vielmehr im heutigen Paris.
Die Hauptpersonen, Robert De Niro, Jean Reno, Sean Bean und Stellan Skarsgard
sind eine Art moderner Ronin, angeheuerte harte Männer, die
sich für Geld in den Dienst von irischen Terroristen stellen. Die
Welt- und Olympiasiegerin Katarina Witt hat übrigens eine kleine Rolle
als russische Eisprinzessin. Natascha McElhone überzeugt in ihrer
ersten wichtigen Rolle als Mittelsfrau der Terroristen, deren Aufgabe es
ist, die Ronin zu instruieren. Dazu musste sie mit Hilfe eines Sprachlehrers
in einem nordirischen Dialekt sprechen lernen. Die eigentliche Sensation
des Filmes ist allerdings der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgard,
der die Weltstars Robert De Niro und Jean Reno, zwei unserer Lieblingsschauspieler,
blass aussehen lässt. Am 13. und 14. Februar war der Schwede übrigens
zu später Stunde im ZDF in Der demokratische Terrorist sowie
in Insomnia/Todesschlaf (Norwegen, 1997) zu sehen gewesen.
Der Film um eine Gruppe von Spezialisten, die einen geheimen, schwer
bewachten Koffer mit unbekannten Inhalt für eine irische Terrorbande
beschaffen sollen, lebt von den Interaktionen der Schauspieler und von
spektakulären Auto-Verfolgungsjagden. Frankenheimer selbst war früher
einst Rennfahrer gewesen. In Ronin lässt er rund 80 Wagen bewusst
und kontrolliert zu Schrott fahren. Alle Szenen sind real, mit Stuntmen
gedreht, ohne digitale Computer-generierte Bilder. Da Frankenheimer nicht
daran glaubt, dass Gewalt in Zeitlupe geschieht, finden alle Szenen in
Real-Zeit statt.
Der Film ist in Zeitsprüngen geschnitten. Es gibt keine Off-Stimme,
keinen Erzähler, der den Zuschauer über die Handlung informiert.
Vielmehr wird man in die Szenen hineingeworfen und lernt von Anbeginn durch
die Dialoge die handelnden Personen kennen. Frankenheimer erklärt,
dass das Film-Editing bewusst so gestaltet wurde, dass der Zuschauer sich
nicht wohl fühlt. Etwas geschieht, aber es ist klar, dass die Dinge
nicht so sind, wie sie zu sein scheinen. Interessant an der DVD ist die
Möglichkeit, über den ganzen Film hinweg Kommentare des Regisseurs
zu den einzelnen Szenen abrufen zu können.
Ein Spezialverfahren erlaubte Frankenheimer, die Primärfarben im
gesamten Film zu reduzieren und das Schwarz zu verstärken. Zudem tragen
die Schauspieler keine hellfarbigen Kleider. So entsteht ein film
noir-Feeling. Trotz allen guten Absichten enthält Ronin
leider einige zu kalkulierte und deshalb zu billige Elemente. Robert De Niro
und Jean Reno überzeugen nicht wirklich. Wie bereits erwähnt,
der Film lohnt vor allem wegen Stellan Skarsgard, der subtil und zurückhaltend
spielt - und doch alle andern Schauspieler in den Schatten stellt. |
|