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Nr. 12, 15. Februar/14. März 2000
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Ronin
Ein Film von John Frankenheimer mit Robert De Niro, Jean Reno, Stellan Skarsgard, Natasch McElhone, Sean Bean und Jonathan Price. DVD bestellen bei Amazon.de, Directmedia Schweiz, Amazon.fr, Amazon.com, Amazon.co.uk, Amazon Canada.

Im feudalen Japan wurden die Samurai mit ihrem Leben auf ihre Lehnsherren eingeschworen. Über diejenigen unter ihnen, deren Lehnsherr getötet wurde, fiel Schande. Sie wurden gezwungen, durchs Land zu reisen, um als angeheuerte Krieger oder Banditen ihr Leben zu fristen. Solche Männer wurden Ronin genannt.
 
In John Frankenheimers Film geht es natürlich nicht um das feudale Japan. Die Handlung von Ronin beginnt vielmehr im heutigen Paris. Die Hauptpersonen, Robert De Niro, Jean Reno, Sean Bean und Stellan Skarsgard sind eine Art moderner Ronin, angeheuerte harte Männer, die sich für Geld in den Dienst von irischen Terroristen stellen. Die Welt- und Olympiasiegerin Katarina Witt hat übrigens eine kleine Rolle als russische Eisprinzessin. Natascha McElhone überzeugt in ihrer ersten wichtigen Rolle als Mittelsfrau der Terroristen, deren Aufgabe es ist, die Ronin zu instruieren. Dazu musste sie mit Hilfe eines Sprachlehrers in einem nordirischen Dialekt sprechen lernen. Die eigentliche Sensation des Filmes ist allerdings der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgard, der die Weltstars Robert De Niro und Jean Reno, zwei unserer Lieblingsschauspieler, blass aussehen lässt. Am 13. und 14. Februar war der Schwede übrigens zu später Stunde im ZDF in Der demokratische Terrorist sowie in Insomnia/Todesschlaf (Norwegen, 1997) zu sehen gewesen.
 
Der Film um eine Gruppe von Spezialisten, die einen geheimen, schwer bewachten Koffer mit unbekannten Inhalt für eine irische Terrorbande beschaffen sollen, lebt von den Interaktionen der Schauspieler und von spektakulären Auto-Verfolgungsjagden. Frankenheimer selbst war früher einst Rennfahrer gewesen. In Ronin lässt er rund 80 Wagen bewusst und kontrolliert zu Schrott fahren. Alle Szenen sind real, mit Stuntmen gedreht, ohne digitale Computer-generierte Bilder. Da Frankenheimer nicht daran glaubt, dass Gewalt in Zeitlupe geschieht, finden alle Szenen in Real-Zeit  statt.
 
Der Film ist in Zeitsprüngen geschnitten. Es gibt keine Off-Stimme, keinen Erzähler, der den Zuschauer über die Handlung informiert. Vielmehr wird man in die Szenen hineingeworfen und lernt von Anbeginn durch die Dialoge die handelnden Personen kennen. Frankenheimer erklärt, dass das Film-Editing bewusst so gestaltet wurde, dass der Zuschauer sich nicht wohl fühlt. Etwas geschieht, aber es ist klar, dass die Dinge nicht so sind, wie sie zu sein scheinen. Interessant an der DVD ist die Möglichkeit, über den ganzen Film hinweg Kommentare des Regisseurs zu den einzelnen Szenen abrufen zu können.
 
Ein Spezialverfahren erlaubte Frankenheimer, die Primärfarben im gesamten Film zu reduzieren und das Schwarz zu verstärken. Zudem tragen die Schauspieler keine hellfarbigen Kleider. So entsteht ein film noir-Feeling. Trotz allen guten Absichten enthält Ronin leider einige zu kalkulierte und deshalb zu billige Elemente. Robert De Niro und Jean Reno überzeugen nicht wirklich. Wie bereits erwähnt, der Film lohnt vor allem wegen Stellan Skarsgard, der subtil und zurückhaltend spielt - und doch alle andern Schauspieler in den Schatten stellt.


 
 
 

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