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Nr. 12, 15. Februar/14. März 2000
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Smoke
Der Film von Wayne Wang (Regisseur) und Paul Auster (Drehbuchautor).
Mit Harvey Keitel als Auggie Wren.
William Hurt als Paul Benjamin.
Harold Perrineau Jr. als Rashid Cole.
Stockward Channing als Ruby McNutt.
Forest Whitaker als Cyrus Cole.
DVD bestellen bei Amazon.de oder Directmedia Schweiz.

Mit Smoke (sowie dem etwas weniger gelungenen Nachfolgefilm Blue in the Face) ist dem 1949 in Hong Kong geborenen Wayne Wang (Töchter des Himmels) ein bewegender Film über Menschen aus Brooklyn gelungen, deren Geschichten in Auggie Wrens Tabakladen zusammenlaufen. Paul Austers (*1947) Drehbuch trägt viel zum Erfolg von Smoke bei. Die Gefahr, dass die unterschiedlichen Handlungsstränge den Film auseinanderbrechen lassen, bannt er auf souveräne Art und Weise.
 
Auggie Wren (Harvey Keitel) besitzt in New Yorks Stadtteil Brooklyn einen kleinen Tabakladen. Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen treffen dort aufeinander. Unter ihnen ist Paul Benjamin (William Hurt), ein Schriftsteller, der vor einigen Jahren bei einem Banküberfall in der Nähe seine Frau verloren hat. Auggie erzählt einigen Kunden, dass Benjamins Frau kurz vor den tödlichen Schüssen bei ihm im Kiosk Zigarren für ihren Mann eingekauft hatte. Wäre sie nur einen Augenblick länger bei ihm im Laden geblieben, hätte sie nicht gleich das exakte Wechselgeld gefunden, wären mehr Personen im Laden gewesen, dann hätten sie und ihr Kind - sie war im fünften Monat schwanger - nicht sterben müssen. Seither hat Paul Benjamin kein Buch mehr zu Ende gebracht.
 
Der Schriftsteller will, in Gedanken versunken, die Strasse überqueren. Im letzten Moment kann ihn ein schwarzer Junge auf den Gehsteig zurückreissen, sonst wäre Paul von einem Lastwagen überfahren worden. Der Schrifsteller bietet seinem Retter Rashid Cole (Harold Perrineau, Jr.), einem wortgewandten jungen Mann, scheinbar ohne Bleibe, einen Platz in seiner Wohnung an, wobei er klar macht, dass er keine homoerotischen Neigungen hat. Rashid lehnt vorerst dankend ab.
 
Auggie ist am Abend gerade dabei, seinen Laden zu schliessen, da kommt Paul vorbei und möchte noch seine üblichen Raucherwaren kaufen. Bereitwillig schliesst Auggie nochmals auf, schliesslich habe er keine Rendez-Vous in der Oper. Auf dem Ladentisch bemerkt Paul eine Kamera. Auggie erklärt ihm, sie gehöre zu seinem Hobby. Seit Jahren fotografiere er immer um Punkt acht Uhr morgens die gleiche Strassenecke. Er zeigt Paul eine Auswahl seiner 4000 bereits geschossenen Fotos. Auggie bemerkt zu Paul, er gehe viel zu schnell über die verschiedenen Fotos hinweg. Er sehe gar nicht recht hin. Alle Fotos seien gleich und doch verschieden. Jeden Tag seien die Leute anders angezogen, andere Leute seien da, anderes Wetter herrsche und der Lichteinfall ändere sich (mit den Jahreszeiten) beständig. Zufällig stösst Paul auf ein Foto mit seiner verstorbenen Frau - und wird prompt vom Schmerz überwältigt.
 
Wayne Wang und Paul Auster erzählen in ihrem Film eine Vielzahl von Geschichten und Schicksalen, die sich alle irgendwo kurz berühren oder gar zusammenhängen. Da ist jene von Rashid, der seinen Vater Cyrus Cole (Forest Whitaker) wiederfindet, der ihn beim Tod seiner Mutter verlassen hatte. Cyrus hatte in betrunkenem Zustand den Wagen gegen einen Baum gefahren. Dabei starb seine Frau und er verlor einen Arm. Ohne zu wissen, dass Rashid, der sich als Paul Benjamin ausgibt, sein Sohn ist, erzählt er ihm diese Geschichte. Da ist die Beziehung zwischen Rashid und Paul, bei dem der junge Schwarze einige Tage lang bleiben kann. Da sind 5814 Dollar, die Rashid bei einem Überfall durch Zufall in die Hände fielen, weil die Gangster die Beute in der Eile hatten fallen lassen. Das Geld wandert in der Folge durch verschiedene Hände. Da ist die Story von Auggies früherer Freundin Ruby McNutt (Stockward Channing), die plötzlich wieder auftaucht und Auggie von einer gemeinsamen Tochter erzählt, die mit Drogenproblemen kämpft.
 
Der Charme des Films liegt in den Charakteren der Hauptpersonen, die alle positive und negative Seiten haben. Alle kämpfen sie mit  Schwächen und Fehlern (auch der Vergangenheit), die zu Beziehungsschwierigkeiten zwischen den handelnden Personen führen. Nicht zuletzt sind die Rollen mit hervorragenden Schauspielern besetzt, wobei Forester Whitaker, zur Zeit in Jim Jarmushs Ghost Dog zu sehen, wie immer überzeugt, bewegt und hervorsticht.
 
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