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Brad Mehldau Trio
Biographie, CDs, Konzert in der Tonhalle Zürich

Artikel eingefügt am 18. Februar 2000

Brad Mehldau Trio: Brad Mehldau, Piano, Larry Grenadier, Bass, Jorge Rossy, Schlagzeug
 
Der 1970 in Jacksonville, Florida, geborene Brad Mehldau studierte von sechs bis vierzehn Jahren klassisches Klavier. Er lernte sein Metier als Pianist und Komponist an der Berklee School of Music sowie an der New School of Social Research bei Kenny Werner, Junior Mance und Fred Hersch, den für ihn wichtigsten Lehrer. Er nahm auch Kurse in Rhythmik bei Jimmy Cobb, in dessen Band Cobb's Mob er spielte. In den Clubs traf er am Abend auf Vorbilder wie Kenny Barron (dessen neue CD: Spirit Song, Verve 31454 31802) oder Cedar Walton. 1994 ging er mit dem Joshua Redman Quartett (Mehldau, Redman, Chris McBride, Brian Blade) auf Europa-Tournee, wodurch er erstmals international bekannt wurde. 1995 gründete er mit Larry Grenadier und Jorge Rossy sein aktuelles Trio. Im selben Jahr erschien sein erstes Album Introducing Brad Mehldau, das ihm begeisterte Kritiken einbrachte. Daraufhin folgten vier Alben The Art of Trio (1996-99). 1997 ging er nach Los Angeles, wo er u.a. mit Charlie Haden arbeitete. 1999 erschien Brad Mehldaus Piano-Solo CD Elegiac Cycle (1999).
 
Das Studium der klassischen Musik beeinflusst Brad Mehldaus Form des Jazz' bis heute. Die Beethoven-Sonaten sind ihm bis heute eine Inspiration, deutsche Musik und Poesie sind ihm wichtig. Er gilt als einer der mutigsten Jazz-Pianisten, der sich gleichzeitig der Musikgeschichte bewusst ist. Seinen Stil bezeichnet er als "romantisch". Musik ist für ihn vor allem Ausdruck (von Persönlichkeit). Sein polyphoner Jazz, bei dem sein Trio oft mehrere Metren übereinander legt, ist einzigartig. Larry Grenadier, Bass, und Jorge Rossy, Schlagzeug, betonen das Fundament, die Akkorde im Trio. Brad Mehldaus Linke Hand kann sich so von der Konzentration auf Akkorde befreien, was zur Virtuosität seines Spiels beiträ
gt.

Konzert in der Tonhalle Zürich, 17. Februar 2000
 
Das Konzert des Brad Mehldau Trios vom 17. Februar 2000, das nach jen
em von Dave Holland und Jim Hall stattfand, stand ganz im Zeichen des 30jährigen Pianisten Brad Mehldau, wobei die Trio-Partner Larry Grenadier und Jorge Rossy nicht etwa abfielen. Das Spiel und die Persönlichkeit des mit geschlossenen Augen wie in Trance vortragenden Brad Mehldau überstrahlte seine zwei Mitspieler ganz einfach, insbesondere weil ihm weitgehend der kreative Part im Trio zukam.
 
Der Auftritt des Brad Mehldau Trios war nicht nur der Höhepunkt des Abends, sondern der gesamten bisherigen Zürcher Jazz Saison. Nur schade, dass von der rechten Galerie her der Bassist Larry Grenadier vom Schlagzeug Jorge Rossys und vom Pianospiel Brad Mehldaus teilweise zugedeckt wurde, in zwei Stücken fast nicht zu hören war.
 
Von Beginn an begeisterten die drei jungen Musiker. Die vier Kompositionen waren zehn bis über zwanzig Minuten lang. Das Trio startete mit dem Standard The More I See You. Mehldau am Piano spielte von der ersten Note an mit einem Ton wie von einem anderen Stern. Ein träumerisch, unbeschreiblich berauschendes Resignation, von Mehldau komponiert, folgte. Bass und Schlagzeug dienten fast ausschliesslich der Begleitung.
 
An dritter Stelle folgte Long Ago and Far Away (Kern). Brad Mehldaus Solopart zu Beginn wirkte anfangs eine spur zu technisch und zu wenig melodiös, doch rasch liess er das Thema immer mehr durchscheinen. Bass und Schlagzeug setzten später behutsam ein. Larry Grenadier, 1966 in San Francisco geboren, hat in Stanford studiert (B.A.) und u.a. mit Joe Henderson, Stan Getz, Tom Harrell, Joshua Redman und Betty Carter gespielt. Im ersten Teil von Long Ago and Far Away hatte er erstmals einen wichtigen Part und sein einziges kurzes Solo. Wechsel in Lautstärke und Tempi charakterisieren das Stück. Der 1964 in Barcelona geborene Rossy, der zuvor u.a. mit Joshua Redman und Paquito D'Rivera gespielt hat, übernahm im zweiten Teil von Long Ago and Far Away kurze, eingeschobene Soli. Mehldau und Grenadier setzten in diesem Dialog immer wieder ein, die Musik allmählich beruhigend, zum Schluss dann wieder Ton und Tempo steigernd.
 
An vierter Stelle folgte eine Ballade. Das Trio überzeugte auch mit ruhigeren, fragilen Tönen. Im Solopart begleitete der polyphone Mehldau sich selbst. Seine klassische Ausbildung schien in dieser wunderbarsten und reinsten Stelle des Abends auf, mit Anklängen an Rachmaninow. Das kontrollierte Wiedereinsetzen von Bass und Schlagzeug machte erneut klar, dass hier ist ein über Jahre hinweg gut eingespieltes Team am Werke war.
 
Als Zugabe präsentierte das Trio Exit Music (for a Film) (Radiohead), mit Drive vorgetragen. Mehldau, Rossy und Grenadier bewiesen in der Tonhalle, dass sie den Vergleich selbst mit dem Oscar Peterson Trio (mit Brown und Thigpen) nicht zu scheuen brauchen. Um die jüngere Jazz-Generation braucht man sich keine Sorgen zu machen. Das Brad Mehldau Trio begeisterte restlos.


CD-
Kritik aus Cosmopolis Nr. 17 vom August 2000 am 22. September 2004 hierher verschoben:
Brad Mehldau: Elegiac Cycle (Warner)
Brad Mehldau zählt bereits zu den Giganten, denn seine Mischung aus Klassik und Jazz ist eine bedeutende Innovation und eine Bereicherung für die Musikwelt. Sein Piano solo Album der leisen Töne, Elegiac Cycle, begeistert restlos. Bard und The Bard Returns sind Kompositionen klassischer Musik. In Resignation, Memory's Tricks und Elegy for William Borroughs and Allen Ginsberg mixt er Klassik- und Jazzelemente zusammen. Elegiac Cycle ist "ehrlicher", weniger prätentiös als die Werke, die er mit seinem Trio eingespielt hat. Die neun Kompositionen bilden ein homogenes Album ohne Schwächen und Durchhänger, ein Muss für jeden Jazzfan. Interessant ist auch das Booklet, in dem sich Brad Mehldau auf vier enggedruckten Seiten zu Kunst und Philosophie, zu den Elegien, zu Sterblichkeit und Unsterblichkeit äussert. Mehrmals zitiert er Thomas Mann. Als musikalische Vorbilder bezeichnet er Beethoven und John Coltrane. Andy Warhol nennt er einen "Gauner und Moralisten" [na ja...]. Mehldau erläutert seine Beziehung zur romantischen Musik und hebt die "zyklische" Struktur der Werke von Beethoven und Schumann hervor, die ein Motiv weiterentwickeln, ehe es am Ende ihrer Kompositionen in unveränderter Form zurückkehrt. Auch wer nicht allen intellektuellen Ergüssen des Komponisten und Pianisten zustimmt, muss doch anerkennen, dass sich hier wenigstens jemand ernsthaft mit seinem eigenen Werk auseinandersetzt. Ungewöhnlich und bereichernd, wenn auch nicht neu für Brad Mehldau, der sich regelmässig zu seiner Kunst äussert.
 

Hinzugefügt am 6.7.2006:
Brad Mehldau Trio: House on Hill. Nonesuch/Warner, Juni 2006. CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.com, Cede Schweiz.


Brad Mehldau Trio: Day is Done. Nonesuch/Warner, 30. September 2005. CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.com, Cede Schweiz.


Brad Mehldau Solo: Elegiac Cycle, Warner, 7.6.1999. CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.fr, Amazon.com, Amazon Canada.
 

Brad Mehldau Trio: The Art Of Trio Vol. 4. Back At The Vanguard, (Live) 18.10.1999. Warner. Album bestellen bei Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.fr, Amazon.com, Amazon Canada.


CD-Kritik am 6.7.2006 von Cosmopolis Nr. 17 vom August 2000 hierher verschoben:
Fleurine: Close Enough for Love (Emarcy Rec, Universal)
Die holländische Sängerin Fleurine hat im Duo, zusammen mit dem Pianisten Brad Mehldau, ein Balladenalbum mit zehn Songs aufgenommen. Darunter sind vier brasilianische Lieder (Caminhos Cruzados von Jobim/Mendoça sowie Resignacão Não Pra Nós, Sem Resposta und O Amor Chegou von Mehldau/Fleurine), ein Pop-Titel (Logical Song von Davies/Hodgson) sowie das Chanson de Delphine in französischer Sprache von Legrand/Demy. Die zwei Künstler begeistern weitgehend, doch der Eindruck ist uneinheitlich. Die Stimme von Fleurine ist teilweise ohne Charakter, Magie und Feuer, so in The Logical Song und in Close Enough For Love. Das Chanson de Delphine wirkt peinlich. Mehr oder weniger zu gefallen vermag das von Jimi Henrix geschriebene und von Mehldau und Fleurine verjazzte Up From The Sky, denn hier zeigt die Sängerin Temperament. Herausragend ist Fleurines melodiöse Ballade Made of Sand. Auch Better Days Ahead, von Pat Metheny geschrieben und von Fleurine mit Text versehen, überzeugt dank der klaren Diktion und der subtilen Intonation der Sängerin. Gleiches gilt für die faszinierenden Sem Resposta, aus Mehldaus Album Songs, O Amor Chegou sowie Resignacão Não Pra Nós, das aus Mehldaus Elegiac Cycle stammt (siehe die Besprechung unten auf dieser Seite). Das kristallklare Klavierspiel von Mehldau geht in den drei Kompositionen, die Fleurine vertextet hat, mit dem portugiesischen Gesang der Holländerin eine fruchtbare Symbiose ein. Weiter so! Am 19.8.2002 hinzugefügt: Wie für Claudia Acuña, so gilt leider auch für Fleurine, Meant To Be, Emarcy, 2000: Ihre Zukunft scheint nicht im Jazz zu liegen. Wobei bei Fleurine erschwerend hinzukommt, dass ihr ohne Brad Mehldau die Inspiration zu fehlen scheint.
 

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