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Der Katalog zur Ausstellung, Kunstforum Wien bis 25.4, vom 5.5. bis 30.7. im Kunsthaus Zürich: Paul Cezanne: Vollendet - Unvollendet. Hatje Cantz, Ostfildern, Hardcover, 408 p., 2000. Bestellen bei Amazon.de.
 
Siehe auch den Band zur im Januar zu Ende gegangenen Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel: Cézanne und die Moderne. Hatje Cantz, 1999, 137 S. Bestellen bei Amazon.de.
 
Um Cézanne zu verstehen, ist ein Blick in seine Briefe und in die Notizen, die seine Freunde Emile Bernard und Maurice Denis sowie der Journalist Joachim Gasquet hinterliessen, wichtig, Der verstorbene Cézanne-Spezalist John Rewald hat sie 1937 (franz. Ausg.) publiziert.
 
In English we recommend the exhibition catalogue of the 1996-retrospective in Paris (Grand Palais), London (Tate Gallery) and Philadelpia (Museum of Art): Isabelle Cahn, Henri Loyrette, Joseph J. Rishel, Francoise Cachin: Cézanne. Hardcover, 1996, 600 p. Order the book from Amazon.de.


Grundlegend: John Rewald, et al.: The Paintings of Paul Cezanne: A Catalogue Raisonne. English edition, Thames & Hudson, Hardcover, 1997, 880 p. Bestellen bei Amazon.de.



Paul Cézanne
Biografie
. Vollendet - Unvollendet.
Die Ausstellung im Kunstforum Wien. Katalog HatjeCantz bestellen bei Amazon.de
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Artikel vom März 2000
 
Paul Cézanne wurde 1839 in Aix-en-Provence (Frankreich) geboren. Sein Vater war ein erfolgreicher Huthändler, der später die einzige Bank in seiner Heimatstadt kaufen konnte. Ab 1852 besuchte Cézanne das Collège Bourbon in Aix. Unter seinen Mitschülern war Emile Zola, der später ein berühmter Schriftsteller werden sollte. Zusammen mit Jean-Baptistin Baille waren sie als "die drei Unzertrennlichen" bekannt. 1858 begann Cézanne auf Wunsch des Vaters das Jurastudium. Ein Jahr später bestand er das erste juristische Examen, schrieb sich jedoch nicht mehr für das zweite Studienjahr ein. Schon zuvor hatte ihn Zola beschworen, mit ihm nach Paris zu gehen. Ebenfalls 1859 gewann Cézanne an der Städtischen Zeichenschule von Aix den zweiten Preis für Malerei.
 
Im April 1861 schliesslich entschied er sich dafür, nach Paris zu gehen, um Maler zu werden. An der Académie Suisse lernte er den zehn Jahre älteren Camille Pissarro kennen, der ihm zu einem väterlichen Freund wurde und der ihn künstlerisch beeinflusste. Doch als ihn die Ecole des Beaux-Arts nicht aufnahm, ging er entmutigt nach Aix zurück und trat in die Bank seines Vaters ein. Cézanne bereute allerdings rasch diesen Schritt und erkannte, dass er die falsche Entscheidung getroffen hatte. Er schrieb sich erneut an der Städtischen Kunstschule ein und kehrte im November 1862 nach Paris zurück. Obwohl ihm die Ecole des Beaux-Arts erneut den Eintritt verweigerte, liess er sich dadurch nicht mehr entmutigen.
 
Er knüpfte Kontake zu Claude Monet, Alfred Sisley und Pierre-August Renoir. Den jungen Malern wurde der Zutritt zum offiziellen Salon verweigert, der für den kommerziellen Erfolg eines Malers entscheidend war. Die Ablehnung der Bilder von Pissarro, Monet und Manet sorgte 1863 für eine so grosse Empörung und Widerstand, dass Napoléon III dazu bewegt wurde, einen Salon des Refusés neben dem offiziellen Salon einzurichten.

In dieser Periode sah sich Cézanne wie Manet als ein Realist, der den akademischen Stil ablehnte. In den Jahren 1870-72 reorientierte er sich und wandte sich im Süden Frankreichs der Landschaftsmalerei zu. Zusammen mit Pissarro malte er in direktem Kontakt mit der Natur und adoptierte die impressionistische Maltechnik.
 
Cézanne lebte mit der 19jährigen Emélie Hortense Fiquet zusammen, einer Buchbindergehilfin, die zum Nebenverdienst Modell stand. 1872 wurde ihr gemeinsamer Sohn Paul geboren, den Cézanne anerkannte. Doch da er befürchtete, die finanzielle Unterstützung seines Vaters zu verlieren, informierte er seine Eltern nicht darüber.
 
1874 kehrte Cézanne nach Paris zurück und versuchte erneut, an die Avantgarde anzuknüpfen. Er war Teil der ersten Ausstellung jener Maler, die später als Impressionisten bekannt wurden. 1876 traf er den Zollinspektor Victor Chocquet, der sein erster und treuester Sammler wurde. Er kaufte beim Pariser Farbenhändler Père Tanguy drei Bilder von ihm. Der Händler unterstützte die Avantgarde dadurch, dass er ihnen Farbe und Leinwand gegen Bilder lieferte (auch van Gogh verdankte ihm später seine ersten Verkäufe).

1882 konnte Cézanne dank einem Trick erstmals ein Bild im Salon ausstellen. Jedes Jury-Mitglied hatte das Recht, ein Bild eines seiner Schüler ohne vorhergehende Begutachtung am Salon zu zeigen - und Jury-Mitglied Antoine Guillemet gab Cézanne als seinen Schüler aus. Die Kritiker liebten sein Bild nicht, doch Cézanne wurde mehr und mehr zu einem "Maler der Maler". 1883 kaufte Gauguin zwei seiner Werke, 1884 Pissarro deren vier und Signac eines. Die meisten Bilder wurde über Tanguy gekauft.
 
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1886 erbte Cézanne ein beträchtliches Vermögen. Es erlaubte ihm, seinen Traum zu erfüllen und ein unabhängiges Malerleben in Aix zu führen. Er brauchte sich nicht länger in die Pariser Kunstszene integrieren zu müssen, um Bilder verkaufen zu können. Dies mag auch einer der Gründe gewesen sein, weshalb er mit Emile Zola brach. In dessen Roman L'OEuvre glaubte er sich als erfolgloser Maler, der Selbstmord verübte, wiederzuerkennen, obwohl der Romancharakter ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit Manet hatte.
 
Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen verkaufte Cézanne vor 1895 alle seine Werke über Père Tanguy. Als dieser 1894 starb, kaufte der damals noch unbekannte Kunsthändler Ambroise Vollard auf Monets Rat hin vier seiner Gemälde. Im Dezember 1895 schliesslich fand die erste Ausstellung mit Bildern von Cézanne in Vollards Galerie statt. Die Kritiker verschmähten erneut seine Werke, einige nannten die Bilder "unvollendet". Die anderen Künstler dagegen beeindruckten eben gerade diese "unvollendeten" Werke. Renoir und Caillebotte kauften je vier, Degas sieben. Monet besass schliesslich eine Sammlung von vierzehn und Pissarro eine von zwanzig seiner Werke. Und Matisse kaufte bei Vollard das von ihm so sehr geliebte Bild der Badenden (1899).
 
1897 erwarb die Nationalgalerie in Berlin unter ihrem Direktor Hugo von Tschudi beim Pariser Kunsthändler Durand-Ruel eine Landschaft Cézannes. Dies war der erste Ankunft eines Gemäldes des Künstlers durch ein Museum. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Cézanne nicht mehr nur der Held der Avantgarde, sondern er dominierte um 1904 die Pariser Kunstszene. Beim Herbstsalon jenes Jahres stellte er 33 Bilder aus. Auch im Salon des Indépendants, den Charles Maurice, Kritiker beim Mercure de France, "eine einzige Hommage an Cézanne" nannte, war er vertreten. Im Oktober 1906 verstarb Cézanne, an einem Portrait seines Gärtners Vallier arbeitend.
 
Jahrelang wurden die Werke von Cézanne nur als Schritte auf dem Weg zum "absoluten Bild" betrachtet. Der Künstler arbeitete immer wieder an den gleichen Sujets: Badende, Montagne Sainte-Victoire, Stilleben, Portaits seiner Frau und seines Gärtners. Viele dieser Werke blieben unvollendet, einige davon im Sinne von nicht fertig gestellten Werken. Andere dagegen wurden bewusst unvollendet gelassen, da Cézanne sie in diesem Zustand als perfekt betrachtete bzw. ein Weitermalen den Arbeiten abträglich gewesen wäre. Um 1900 war das revolutionär, heute haben wir uns daran gewohnt. Die Ausstellung versucht u.a., die 145 gezeigten Werke in diese zwei Kategorien einzuteilen. Der Katalog liefert dazu die Definitionen und die theoretische Auseinandersetzung. Daneben geht er auf die verschiedenen künstlerischen Entwicklungsphasen im Leben Cézannes ein, untersucht die Reaktion auf die "unvollendeten" Werke sowie ihre Wirkung auf die Kunst des 20. Jahrhunderts.
 
Matisse, Picasso, die Expressionisten wie auch die Kubisten wurden von Cézanne beeinflusst. Er gab die Zentralperspektive auf, derformierte Körper und Gesichter und verletzte die von der Akademie aufgestellten Regeln bezüglich der Landschaftsmalerei. Er hinterliess unberührte Stellen auf seinen Leinwänden. Auch der Bildhauer Auguste Rodin schuf um 1900 "unvollendete" Werke, so L'homme qui marche (1900), ohne Beine und Arme. Doch Rodin benutzte den Torso als Instrument der Perfektion. Die Unvollständigkeit als solche war das Objekt seiner Skulpturen, währenddem Cézanne auf der Suche nach der Perfektion war und nicht ruhte, eher dieser Zustand erreicht war bzw. nichts hinzugefügt werden konnte, ohne sich davon wieder weiter zu entfernen.
 
Cézanne sagte einst, Je cherche en peignant (Ich suche, während ich male). Er betrachtete die Kunst als ein persönlicher Weg der Wahrnehmung. Als Ausgangspunkt nahm er die direkte Wahrnehmung durch die Sinne und versuchte diese durch Farbe und Form zu organisieren und strukturieren. Insofern war seine Sicht derjenigen der Impressionisten diametral entgegengesetzt, denn diese versuchten ja den ungefilterten Eindruck der Realität auszudrücken.

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