www.cosmopolis.ch
Nr. 13, 15. März/14. April 2000
Aktuelle Ausgabe mit Archiv
Musik  Film  Kunst  Geschichte  Politik  Archiv
Links  Werbung  Feedback  English edition  Travel/Reisen

 
Copyright 2000  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.


 

 

Crash DVD bestellen bei Directmedia Schweiz.
Autor/Produzent/Regisseur: David Cronenberg. DVD bestellen bei , .
James Ballard: James Spader
Dr. Helen Remington: Holly Hunter
Vaughan: Elias Koteas
Catherine Ballard: Deborah Unger
Gabrielle: Rosanna Arquette
 
Der Film Crash aus dem Jahr 1996 von Regisseur David Cronenberg (The Fly, Naked Lunch) ist aussergewöhnlich und extrem. Er basiert auf dem Roman von J.G. Ballard aus dem Jahr 1973. Es ist eine Reise in die Selbstverstümmelung, Selbstzerstörung und in sexuelle Gefühle, die mit Autounfällen verbunden sind. James Ballard (James Spader) ist ein Fernsehwerbungproduzent. Wie seine Frau auch, gibt er sich wahllos ausserehelichen Affären hin. Beide Partner sind sich dessen bewusst. Als Ballard einen für ihn beinahe tödlichen Autounfall überlebt, einen Zusammenstoss mit Dr. Helen Remington (Holly Hunter), deren Ehemann dabei getötet wird, beginnt seine Faszination für und Stimulation durch die Kombination von Todesgefahr und Sex.
 
Ballard und seine Frau wie auch Dr. Remington lernen Vaughan (Elias Koteas) kennen, einen "wissenschaftlichen Renegaten", der von der erotischen Kraft von Autounfällen besessen ist. Er führt die Ballards und Dr. Remington in eine Subkultur von Unfallopfern ein, die eine Gruppe von Leuten umfasst, die sich Crashtestfilme anschauen und berühmte Unfälle nachstellen. Unter Vaughans "Jüngern" befindet sich auch Gabrielle (Rosanna Arquette). Sie behandelt die physischen Erinnerungen an ihre Unfälle, so Narben, Beinklammern und einen Vollkörperhaltungsanzug, wie Fetische. In verschiedenen Autos und auf verschiedenen Strassen rasen Dr. Remington und die Ballards ihrer Sexualität entgegen, die aus der Konfrontation mit dem Tod ihre Potenz und Bedeutung erhält. Sie alle wissen, dass der Tod schlussendlich die Oberhand behalten wird.
 
Crash ist ein Film über die moderne Gesellschaft und darüber, wie die Menschen in ihr durch lebensgefährliches Verhalten aus ihrem dumpfen Alltagsleben auszubrechen versuchen. Der Film ist sehr originell, daran besteht kein Zweifel. Doch Crash ist weder sexuell erregend (zumindest nicht für nicht-sadomaso-veranlagte Zuschauer) noch ist es ein pornographischer Film, trotz der vielen erotischen oder zumindest erotisch gedachten Szenen. Da der Film keine wirklich erotischen Gefühle vermittelt, fällt die ganze Geschichte in sich zusammen und überzeugt kaum. Da Crash gleichzeitig auf Humor verzichtet und todernst ist, fehlt ein Element, das uns über die wiederholten und obsessiven Handlungen hinweghelfen würde. So wird der Film, der zuerst insofern spannend ist, als der Zuschauer gespannt darauf wartet, was geschehen wird, rasch langweilig. Sex im Zeitaler der Maschine, erotische Gefühle während dem Aufeinandertreffen von Mensch und Metal, all das überzeugt wegen der fehlenden Emotionen nicht, denn in Crash geht es ja gerade um einen bestimmten Typ von Passion, die leider nicht wirklich vermittelt werden kann. Wer nach einem überzeugenderen Film über eine tödliche Leidenschaft ausschau hält (die allerdings nichts mit Mann und Maschine zu tun hat), sollte sich L'empire des sens (Ai no korrida) des japanischen Regisseurs Nagisa Oshima aus dem Jahr 1976 anschauen.
 

www.cosmopolis.ch
Nr. 13, 15. März/14. April 2000
Aktuelle Ausgabe mit Archiv
Musik  Film  Kunst  Geschichte  Politik  Archiv
Links  Werbung  Feedback  English edition  Travel/Reisen

 
Copyright 2000  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.