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Nr. 13, 15. März/14. April 2000
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Falling Down
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Regisseur: Joel Schumacher
Der Film mit Michael Douglas, Robert Duvall, Barbara Hershey, Rachel Ticotin, Tuesday Weld
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Falling Down aus dem Jahr 1993 ist einer der besten, vielleicht der beste Film von Regisseur Joel Schumacher (8mm, The Jury, The Client, St. Elmos Fire, Flatliners, Batman Forever, Batman & Robin). Diese schwarze Komödie hat Quentin Tarantino zu einer Szene in Pulp Fiction inspiriert. Falling Down handelt von einem Durchschnittsamerikaner, der an einem heissen Sommertag in Los Angeles durchdreht. Gleichzeitig ist der Film eine Karikatur des Amerikas der 90er Jahre und seiner "rassischen", sozialen und wirtschaftlichen Probleme. Falling Down ist ein Porträt der Mittelklasse und ihrer Ängste und Neurosen. Es ist nicht das erfolgreiche Amerika, dem wir in diesem Film begegnen, sondern die dunklen Seiten treten hervor. Obdachlose, zerrüttete Ehen, Rassenkonflikte, Gangster und ein Neonazi begegnen uns. Doch mit dem Fortschreiten des Films wird die "Action" dominierender, die Gesellschaftskritik tritt in den Hintergrund.
 
Bill (Michael Douglas) ist ein Durchschnittsamerikaner der Mittelklasse. Er fährt einen Wagen mit der Nummer "D-FENS" (Verteidigung), was auf seine Abwehrhaltung gegenüber der Gesellschaft hinweist. Als er an einem heissen Sommertag in einem Stau steckenbleibt, versucht er zuerst, ruhig zu bleiben. Laute Kinder in einem Bus neben ihm, ein Mann, der in sein Mobiltelefon schreit, seine Klimaanlage, die nicht funktioniert, eine Fliege, die um seinen Kopf schwirrt, all das irritiert ihn zunehmend. Mit einer Zeitung beginnt er den Kampf gegen die Fliege. Nach einer Panikattacke öffnet er die Autotüre, schnappt nach frischer Luft und steigt aus. Seine Entscheidung ist klar: "Ich gehe nach Hause".
 
Später lernt der Zuschauer, dass Bill ein ehemaliger Raketeningenieur eines Rüstungsunternehmens ist, der entlassen wurde, obwohl er aussieht, als führe er gleich ins Büro. Er lebt von seiner Frau und seiner Tochter getrennt. Ja, er hat nicht einmal das recht, seiner Tochter zu sehen. Und heute ist ihr Geburtstag! Er kann die Trennung von seiner Familie nicht akzeptieren. Die Wut von "D-FENS" wächst, als er auf seiner Heimfahrt mit der dunklen, der Schattenseite der amerikanischen Gesellschaft konfrontiert wird.
 
D-FENS ruft seine Ex-Frau an, doch hat nicht den Mut, zu ihr zu sprechen. Er hängt auf, doch kurz darauf will er sie erneut anrufen. Da ihm das nötige Kleingeld für das öffentliche Telefon fehlt, geht er ihn einen nebenstehenden kleine Laden. Der koreanische Inhaber sagt ihm in gebrochenem Englisch, er müsse etwas kaufen, um Kleingeld zu erhalten. D-FENS holt eine Cola aus einem Kühlschrank. Der Koreaner meint: "Eighty-fie sen". D-FENS versteht ihn zuerst nicht bzw. will das gebrochene Englisch nicht verstehen. Dann realisiert er, dass ihm der Kauf nichts bringt, da er 50 Cents für's Telefon braucht. Er wird wütend, weil ihm der Koreaner das gewünschte Kleingeld nicht geben will. Dieser will ihn rausschicken: "You go now! No trouble!" Doch D-FENS weigert sich, zu gehen. Der Ladenbesitzer versucht einen Baseballschläger zu fassen. Ein Kampf beginnt, in dem D-FENS rasch die Oberhand gewinnt. Er hat nun den Baseballschläger in der Hand und verlangt, dass die Verkaufspreise von 1965 wieder gültig sein sollen. Er beginnt, verschiedene Produkte zusammen zu schlagen. Zum Schluss erhält er seine Cola für 50 Cents, bezahlt und geht fort, mit dem Baseballschläger in der Hand.
 
Die Geschichte wird langsam hitziger.
D-FENS begegnet zwei Latinos, die sich ihm in den Weg stellen. Er gehe auf Privatland. Es kommt zu einem Wortgefecht. Die zwei Kriminellen wollen seine Brieftasche. Doch D-FENS weigert sich und nimmt erfolgreich den Baseballschläger zu Hilfe. Nach dem gewonnen Kampf setzt er seinen Weg "nach Hause" fort, nun zusätzlich mit dem Messer eines Latinos in der Tasche.
 
Die Geschichte von D-FENS wird immer ruppiger. Er kommt an automatische Waffen, hat eine Begegnung mit einem Neonazi, etc. Den Gegenpart zu Michael Douglas als D-FENS spielt Robert Duvall als Prendergast, ein Polizist, der seinen letzten Arbeitstag vor sich hat. Jahrelang arbeitete er nur noch im Büro. Sein Vorgesetzter verachtet ihn deswegen. Prendergasts ängstliche Frau hat ihn nun endgültig überzeugt, er hat in seine vorzeitige Pensionierung eingewilligt. Seine Frau will zusammen mit ihm die Stadt verlassen und an einen Ort ziehen, den sie als Paradies bezeichnet; Prendergast erzählt seinem Partner ihm Büro, dass die Idee vom Paradies eine Illusion sei. Doch er widersetzt sich seiner hysterischen und hypochondrischen Frau nicht. Um sie zu beruhigen, singt er ihr über's Telefon London Bridge is Falling Down aus dem Musical My Fair Lady vor.
 
Die schwarze Komödie wird zur Tragödie. Es kommt zu einem klassischen Showdown zwischen dem "Sheriff", Prendergast, und dem "Bad Guy", D-FENS. Der Bösewicht ist zum Tode bereit: "My little girl can get the [life] insurance" (meine kleine Tochter kann meine Lebensversicherung erhalten). Falling Down ist nicht ganz so überzeugend wie Fargo oder Jackie Brown, doch der Streifen kann als eine Art Vorläufer zu den beiden Filmen gesehen werden. Mit Michael Douglas in der Hauptrolle ist Falling Down auf jeden Fall sehenswert.

 

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