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Nr. 13, 15. März/14. April 2000
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Das Ende einer Affäre
Der Roman von Graham Greene. Der Film auf DVD: The End of the Affair, USA/GB 1999. Regisseur: Neil Jordan. Mit Ralph Fiennes, Julianne Moore, Stephen Rea und Ian Hart. Roman bestellen bei Amazon.de. Die DVD bestellen bei Amazon.de oder
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Gute Filme beruhen oft auf guten Vorlagen. Das dachte sich wohl auch Regissur Neil Jordan, der Das Ende einer Affäre nach dem gleichnamigen Roman des im englischen Berkhamstead im Jahr 1904 geborenen und 1991 im schweizerischen Vevey verstorbenen Graham Greene gedreht hat. Im Film spielt Ralph Fiennes den Schriftsteller Maurice, der eine Affäre mit der verheirateten Sarah (Julianne Moore) beginnt, die sich von ihrem Ehemann (Stephen Rea) vernachlässigt fühlt. Da Maurice glaubt, Sandra habe noch einen weiteren Liebhaber, heuert er einen Privatdetektiv (Ian Hart) an, der der Sache auf den Grund gehen soll. Der Film ist bis zur Hälfte hervorragend (Dialoge, Konstruktion, Schauspieler), um dann allerdings immer seichter zu werden und zum totalen Kitsch zu verkommen.
 
Graham Greenes lesenswerter Roman beginnt in London im Jahr 1946. Bei einem Spaziergang trifft der feinsinnige Romanschriftsteller Maurice Bendrix seinen alten Bekannten Henry Miles, mit dessen Frau Sarah er einst ein Verhältnis gehabt hatte. Zu Bendrix' Überrraschung erweist sich der sonst einsilbige und ungelenke Beamte Miles als überaus gesprächig und schüttet ihm sein Herz aus: Miles verdächtigt Sarah einer Affäre. Der ehemalige Liebhaber Bendrix wird darüber eifersüchtiger als der Gatte und beauftragt einen Detektiv, herauszufinden, wen Sarah liebt, denn sie verliess ihn einst nach einer gefährlichen Liebesnacht im Bombenhagel des Krieges.
 
Die Hintergründe zum Roman erzählt Anna Murphy, deren Schwester Catherine Walston einst eine Liaison mit Graham Greene hatte, in einem Artikel im Sunday Telegraph (1999), der am 29. Januar 2000 in Die Welt unter dem Titel "Der Beginn einer Affäre" auch auf deutsch erschienen ist. Die Liaison zwischen ihrer Schwester und Graham Greene habe 1946 begonnen. Der Schriftsteller habe gleich zu Beginn ihrer Beziehung mit dem Schreiben des Romans begonnen. Die Figur von Sarah beruhe auf Catherine, die 1935 im Alter von 18 Jahren Harry Walston geheiratet hatte. Die attraktive Catherine habe eine starke Wirkung auf Männer gehabt. Die Affäre mit Graham Greene habe sie allerdings ihrem Mann nie verheimlicht. Graham Greene habe nie begreifen können, dass Catherine jegliche Eifersucht fremd gewesen sei. Graham Greene hatte damals von Zeit zu Zeit andere Frauen. Catherine habe darauf nur mit einem Achselzucken reagiert.
 
Graham Greene widmete seinen Roman Das Ende einer Affäre Catherine. Anna Murphy berichtet, sie sei fassungslos gewesen, als sie das Manuskript gelesen habe und vom Schriftsteller um ihre Meinung dazu gefragt worden sei. Der Vorname des gehörnten Ehemanns Henry ist Harrys richtiger Vornahme. Der Priester ihm Roman heisst Vater Crompton, der Famillienname von Catherine und Anna. Sie, Anna, habe deshalb Graham Greene gesagt, dies sei grausam, was diesen so wütend gemacht habe, dass sie bei ihm in Ungnade gefallen sei. Im Oktober 1951, unmittelbar nach der Veröffentlichung des Romans habe ihr Catherine einen Brief geschrieben. Graham und Catherine waren soeben im Begriff, sich zu trennen.
 
Catherine schrieb: "Ich kenne jede stelle dieses Buches genau, weiss alles, was Graham meinte, was er empfand, als er es schrieb, und verstehe eine ganze Menge mehr, als ihm selber bewusst ist. Ein Mann, der sich selbst als einen so ekelhaften Charakter wie Bendrix darstellen kann, hat eine Fähigkeit zu tiefer Demut. Die einzig wirklich gute Gestalt des Romans ist Henry ... Das alles ist nun vorbei, ich habe ein wichtiges Stück meines Lebens verloren. Mir ist, als ob ich Schlagseite hätte, ich fühle mich ganz elend."
 
Graham habe Catherine heiraten wollen - er lebte seit 1948 von Vivien getrennt. Doch er sei Catherine viel zu eifersüchtig gewesen. Sein Mangel an Vertrauen sei die reine Hölle gewesen. Ihre Ehe wäre nicht gut gegangen. Graham habe zudem Kinder nicht gemocht. Die zwei seien jedoch Freunde geblieben. P.S.: In Buch und Film stirbt Sarah früh an Schwindsucht - quasi als göttliche Strafe. Im realen Leben dagegen verstarb sie erst 1978.
 


  

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