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Billie Holiday: The Commodore Master Takes
(grp - Universal 31454 32722)
Zusammen mit Ella Fitzgerald gehört Billie Holiday zu den Göttinnen
des Jazz-Gesangs. Die Aufnahmen für Commodore-Records, das erste reine
Jazz-Label in den USA, das 1938 vom legendären mid-Manhattan
Schallplattengeschäft gegründet worden war, entstanden in vier Sessions
in den Jahren 1939 und 1944. Die sechzehn Titel (aus 45 vollständigen
Takes ausgewählt), die hier erstmals auf einer CD vereint werden,
gehören zu den Höhepunkten in ihrem Schaffen. Ihre
zerbrechlich-verletzliche Stimme, vor allem
ihre Intonation, war noch nicht durch Drogen- und Alkoholkonsum
angegriffen - sie verstarb ja 1959 frühzeitig, im Alter von lediglich 44
Jahren. Begonnen hatte sie 1930 in einem kleinen Club in Brooklyn. Ihr
Vater war übrigens ein Banjo- und Gitarrenspieler im Fletcher Henderson
Orchestra in den 30er Jahren.
Die Lady Day oder Lady of Pain nahm mit Commodore ihre
kommerziell grössten Erfolge auf: Strange Fruit (ein Lied über
ein Opfer der Lynchjustiz) und Fine and Mellow. Die CD vereint
daneben Yesterdays, I Gotta Right to Sing the Blues
(entgegen dem Titel eine fröhliche Aufnahme), I Cover the Waterfront
oder As Time Goes By (bekannt dank dem Film Casablanca,
darin natürlich nicht von Billie Holiday gesungen). The Commodore
Master Takes ist eine CD, die in keiner Jazz-Sammlung fehlen
darf.
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Neuausgaben von Alben mit Ella Fitzgerald
(Verve)
Die Doppel-CD Something To Live For versammelt erstmals
eine Übersicht über Ella Fitzgeralds Aufnahmen für Decca, mit
Einspielungen aus den Jahren 1937 bis 1955 sowie anschliessend für Verve
von 1956 bis 1966. Die erste CD mit den Decca-Titeln vereinigt sehr
kommerzielle Nummern, die zumeist kitschig orchestriert sind und nur dank
Ellas Können, so in How High the Moon, gehört zu werden
verdienen. But Not For Me repräsentiert die Zusammenarbeit mit dem
Pianisten Ellis Larkins, dem Höhepunkt ihrer Decca-Jahre (Gary Giddins).
Die Titel auf der zweiten CD, die unter der Ägide von Norman Granz
entstanden, sind zwar auch auf den populären Geschmack abgestimmt,
allerdings insgesamt auf höherem Niveau, so Mr. Paganini, Round
Midnight, Yesterdays oder Sweet Georgia Brown. Die
perfekte Stimme Ellas braucht allerdings perfekte
Orchester.
Die Neuausgabe (auf drei CDs) der Klassiker Ella Fitzgerald Sings The Duke Ellington Songbook,
die ebenfalls von Norman Granz produziert wurden, ist von anderer
Qualität. Diesmal stand der Stimme von Ella mit Duke Ellington und seinem
Orchester eine gleichwertige Begleitung zur Seite. Das Songbook gehört zu
den herausragenden Einspielungen in der Geschichte des Jazz. Die Klarheit
und Elastizität von Ellas Stimme, ihr Sinn für den Rhythmus und ihr
Scat-Gesang, all das kommt in der Zusammenarbeit mit Duke Ellington voll
zur Geltung. Caravan, I'm Beginning to See the Light, Perdido,
It Don't Mean a Thing, die Liste ist verlängerbar. Gibt es
überzeugendere Aufnahmen dieser Titel? Ein Must für jeden
Jazz-Fan.

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Dr. John: Duke Elegant
(Parlophone - EMI)
Nein, Dr. John hat kein Jazz-Album vorgelegt. Doch spielt er frech und frei
Titel von Duke Ellington nach. Nur einmal, bei einem Flug nach New Orleans,
habe er den Duke getroffen und sofort verstanden, weshalb man ihn "Duke
Elegant" nannte. Die Bandmitglieder hätten beim Aussteigen am
Zielflughafen wie Banker ausgesehen. Ellington habe die Jazzwelt verändert.
Heute würde man ihn ein Marketing-Genie nennen. Wohl war. Dr. John selbst
versucht mit Duke Elegant auf ähnlichen Pfaden zu wandeln und vom Ellington-Geburtstag
zu profitieren. Doch erfolglos. Sein Album ist wenig inspiriert und kommt dem
Genius des Vorbildes Ellington in keinem Moment nahe. Mood Indigo und Do
Nothin' Til You Hear From Me gehören zu den wenigen hörbaren Titeln des
Albums. Immerhin: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt - und immer gewinnen
kann man nicht.

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Pat Metheny: Trio 99-00
(Warner Bros. 9362 47632 2)
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Pat Metheny (Gitarre) hat mit Larry Grenadier (Bass) und Bill Stewart
(Schlagzeug) ein überdurchschnittliches Album eingespielt - sonst schwelgt er
ja oft im kitschigen Jazz-Pop. Neben Titeln von Wayne Shorter, Strouse/Adams
und von John Coltrane bietet die CD Eigenkompositionen von Pat Metheny. (Go)
Get It beginnt mit schellen Gitarrenriffs, vom Schlagzeug zurückhaltend
unterstützt. Später setzt schnelles Bass-Spiel ein. Just Like The Day
ist eine melodiöse Ballade, ebenso wie The Sun in Montreal, bei dem
virtuoses Gitarrenspiel dominiert. A Lot of Livin' To Do ist gefällig
und träumerisch. Lediglich die Version von John Coltranes Giant Steps
is langweilig. Das Spiel im Trio scheint Pat Metheny zu einem Höhenflug
angespornt zu haben.
Antonio Carlos Jobim: Nights of the Stars (Serie: Quiet Now)
(Verve 31455 97332)
Abgesehen vom alten Übel der Serie Quiet Now, dem Fehlen der Aufnahmedaten
der einzelnen Titel, bietet Nights of the Stars entspannten Hörgenuss mit Antonio
Carlos Jobim. Sei es mit der Instrumentalnummer Meditation, sei es mit Insensatez,
das Jobim zusammen mit Stan Getz (Tenor Saxophon), Luiz Bonfa (Gitarre) und
Maria Toledo (Gesang) aufgenommen hat, die CD überzeugt von Anfang bis Ende.
Lediglich Dindi mit Astrud Gilberto (Gesang) klingt wegen der
englischen Lyrics unsäglich kitschig. Die besonders langsame Version von Corcovado
mit Elis Regina (Gesang) haben wir mit der soeben kritisierten Astrud Gilberto
schon in einer besseren Version gehört, wobei Reginas Aufnahme keinesfalls
miserabel ist. Das zuckersüsse, filmmusikähnliche Instrumental Amor Em
Paz, die jazzige Version von Desafinado mit Joe Henderson (Tenor
Saxophon) und O Morrow Nao Tem Vez, übrigens erneut mit Stan Getz und
Luiz Bonfa, sind dagegen wieder sensationelle Nummern.
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Nr. 13, 15. März/14. April 2000
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