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Nr. 13, 15. März/14. April 2000
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Billie Holiday: The Commodore Master Takes
(grp - Universal 31454 32722)
 
Zusammen mit Ella Fitzgerald gehört Billie Holiday zu den Göttinnen des Jazz-Gesangs. Die Aufnahmen für Commodore-Records, das erste reine Jazz-Label in den USA, das 1938 vom legendären mid-Manhattan Schallplattengeschäft gegründet worden war, entstanden in vier Sessions in den Jahren 1939 und 1944. Die sechzehn Titel (aus 45 vollständigen Takes ausgewählt), die hier erstmals auf einer CD vereint werden, gehören zu den Höhepunkten in ihrem Schaffen. Ihre zerbrechlich-verletzliche Stimme, vor allem ihre Intonation, war noch nicht durch Drogen- und Alkoholkonsum angegriffen - sie verstarb ja 1959 frühzeitig, im Alter von lediglich 44 Jahren. Begonnen hatte sie 1930 in einem kleinen Club in Brooklyn. Ihr Vater war übrigens ein Banjo- und Gitarrenspieler im Fletcher Henderson Orchestra in den 30er Jahren.
 
Die Lady Day oder Lady of Pain nahm mit Commodore ihre kommerziell grössten Erfolge auf: Strange Fruit (ein Lied über ein Opfer der Lynchjustiz) und Fine and Mellow. Die CD vereint daneben Yesterdays, I Gotta Right to Sing the Blues (entgegen dem Titel eine fröhliche Aufnahme), I Cover the Waterfront oder As Time Goes By (bekannt dank dem Film Casablanca, darin natürlich nicht von Billie Holiday gesungen). The Commodore Master Takes ist eine CD, die in keiner Jazz-Sammlung fehlen darf.
 

 

Neuausgaben von Alben mit Ella Fitzgerald (Verve)
 
Die Doppel-CD Something To Live For versammelt erstmals eine Übersicht über Ella Fitzgeralds Aufnahmen für Decca, mit Einspielungen aus den Jahren 1937 bis 1955 sowie anschliessend für Verve von 1956 bis 1966. Die erste CD mit den Decca-Titeln vereinigt sehr kommerzielle Nummern, die zumeist kitschig orchestriert sind und nur dank Ellas Können, so in How High the Moon, gehört zu werden verdienen. But Not For Me repräsentiert die Zusammenarbeit mit dem Pianisten Ellis Larkins, dem Höhepunkt ihrer Decca-Jahre (Gary Giddins). Die Titel auf der zweiten CD, die unter der Ägide von Norman Granz entstanden, sind zwar auch auf den populären Geschmack abgestimmt, allerdings insgesamt auf höherem Niveau, so Mr. Paganini, Round Midnight, Yesterdays oder Sweet Georgia Brown. Die perfekte Stimme Ellas braucht allerdings perfekte Orchester.
 
Die Neuausgabe (auf drei CDs) der Klassiker Ella Fitzgerald Sings The Duke Ellington Songbook, die ebenfalls von Norman Granz produziert wurden, ist von anderer Qualität. Diesmal stand der Stimme von Ella mit Duke Ellington und seinem Orchester eine gleichwertige Begleitung zur Seite. Das Songbook gehört zu den herausragenden Einspielungen in der Geschichte des Jazz. Die Klarheit und Elastizität von Ellas Stimme, ihr Sinn für den Rhythmus und ihr Scat-Gesang, all das kommt in der Zusammenarbeit mit Duke Ellington voll zur Geltung. Caravan, I'm Beginning to See the Light, Perdido, It Don't Mean a Thing, die Liste ist verlängerbar. Gibt es überzeugendere Aufnahmen dieser Titel? Ein Must für jeden Jazz-Fan.


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Dr. John: Duke Elegant
(Parlophone - EMI)
 
Nein, Dr. John hat kein Jazz-Album vorgelegt. Doch spielt er frech und frei Titel von Duke Ellington nach. Nur einmal, bei einem Flug nach New Orleans, habe er den Duke getroffen und sofort verstanden, weshalb man ihn "Duke Elegant" nannte. Die Bandmitglieder hätten beim Aussteigen am Zielflughafen wie Banker ausgesehen. Ellington habe die Jazzwelt verändert. Heute würde man ihn ein Marketing-Genie nennen. Wohl war. Dr. John selbst versucht mit Duke Elegant auf ähnlichen Pfaden zu wandeln und vom Ellington-Geburtstag zu profitieren. Doch erfolglos. Sein Album ist wenig inspiriert und kommt dem Genius des Vorbildes Ellington in keinem Moment nahe. Mood Indigo und Do Nothin' Til You Hear From Me gehören zu den wenigen hörbaren Titeln des Albums. Immerhin: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt - und immer gewinnen kann man nicht.
 

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Pat Metheny: Trio 99-00
(Warner Bros. 9362 47632 2)
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Pat Metheny (Gitarre) hat mit Larry Grenadier (Bass) und Bill Stewart (Schlagzeug) ein überdurchschnittliches Album eingespielt - sonst schwelgt er ja oft im kitschigen Jazz-Pop. Neben Titeln von Wayne Shorter, Strouse/Adams und von John Coltrane bietet die CD Eigenkompositionen von Pat Metheny. (Go) Get It beginnt mit schellen Gitarrenriffs, vom Schlagzeug zurückhaltend unterstützt. Später setzt schnelles Bass-Spiel ein. Just Like The Day ist eine melodiöse Ballade, ebenso wie The Sun in Montreal, bei dem virtuoses Gitarrenspiel dominiert. A Lot of Livin' To Do ist gefällig und träumerisch. Lediglich die Version von John Coltranes Giant Steps is langweilig. Das Spiel im Trio scheint Pat Metheny zu einem Höhenflug angespornt zu haben.
 
Antonio Carlos Jobim: Nights of the Stars (Serie: Quiet Now)
(Verve 31455 97332)
 
Abgesehen vom alten Übel der Serie Quiet Now, dem Fehlen der Aufnahmedaten der einzelnen Titel, bietet Nights of the Stars entspannten Hörgenuss mit Antonio Carlos Jobim. Sei es mit der Instrumentalnummer Meditation, sei es mit Insensatez, das Jobim zusammen mit Stan Getz (Tenor Saxophon), Luiz Bonfa (Gitarre) und Maria Toledo (Gesang) aufgenommen hat, die CD überzeugt von Anfang bis Ende. Lediglich Dindi mit Astrud Gilberto (Gesang) klingt wegen der englischen Lyrics unsäglich kitschig. Die besonders langsame Version von Corcovado mit Elis Regina (Gesang) haben wir mit der soeben kritisierten Astrud Gilberto schon in einer besseren Version gehört, wobei Reginas Aufnahme keinesfalls miserabel ist. Das zuckersüsse, filmmusikähnliche Instrumental Amor Em Paz, die jazzige Version von Desafinado mit Joe Henderson (Tenor Saxophon) und O Morrow Nao Tem Vez, übrigens erneut mit Stan Getz und Luiz Bonfa, sind dagegen wieder sensationelle Nummern.

 
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