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Nr. 13, 15. März/14. April 2000
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A. R. Penck. Foto: Katalog.

A.R. Penck - der Künstler als Bildhauer
Zur Ausstellung im Georg Kolbe-Museum Berlin - bis zum 26. März 2000
 
Die Wanderausstellung zu A.R. Penck, die nun zuletzt noch im Georg Kolbe-Museum in Berlin halt macht, wird nur allein schon des Kataloges wegen über den 26. März hinaus wirken. Neben einer Einführung zum Maler und Bildhauer von Christine Lutz gehen Beiträge von sechs Kennern auf Penck und die Tradition europäischer Kultur, auf seine Bronzeskulpturen, auf die Einordnung von Pencks Kunst ("Vor allem mit Negerplastik hab ich wenig zu tun"), auf die Rezeptionsgeschichte seiner Bronzen, auf die Verkleinerung seiner Werke am Beispiel einer Werkgruppe kleinster Bronzen sowie auf seine Skulpturen der 90er Jahre ein. All das auf deutsch und englisch, weshalb der Katalog ein nützliches Referenzwerk bleiben wird.
 
Penck ist vor allem als Maler und Grafiker bekannt. Seine bildhauerische Tätigkeit dagegen, die bereits in frühester Jugend einsetzt und bis heute andauert, ist weniger bekannt. Seit 1984 arbeitet er mit der Bronze; über 300 Skulpturen - von der Miniatur- bis zur Denkmalgrösse - sind seither enstanden. Ausstellung und Katalog zeigen einen repräsentativen Querschnitt seiner Skulpturen, konzentrieren sich allerdings vor allem auf die Jahre 1984 bis 1995. Diese erste umfassende Retrospektive seiner Bronzeskulpturen entstand in enger Kooperation mit der Galerie Michael Werner in Köln und New York.

Der 1939 in Dresden geborene A. R. Penck erlangte vor allem durch seine "Standart"-Bilder aus den Jahren 1968 bis 1973 internationale Berühmtheit. 1975 legte der Künstler in einem Interview dar: "Standart ist eine Form von Concept Art. Standart = Konzept, Plan Idee, Strategie." In der Auseinandersetzung mit Kybernetik und Informationstheorien entwickelte Penck seit Ende der 60er Jahre ein auf elementare Formen, Zeichen und Signale reduziertes Bildzeichenvokabular, das er auch theoretisch untermauerte. Als zentrales Motiv erscheint in den "Standart"-Bildern immer wieder eine frontale Strichfigur mit erhobenen Händen, eingebettet in ein umgebendes System von zeichnerischen Kürzeln und Chiffren (Lucius Griesebach). Das Ziel, Standart als allgemeinverständliche, zeitgemässe Bildsprache, frei von jeder Ideologie, zu etablieren, betrachtet allerdins selbst Penck als gescheitert. Die Umsetzung der Bilder auf der Ebene der Skulptur repräsentiert die nebenstehende Bronze-Figur.
 
In Pencks Skulpturenverständnis steckt implizit die Idee, dass die Plastik "so etwas wie eine Versuchsanordnung darstellen könnte, um Kriterien zu finden oder zu definieren." Der Künstler verschliesst sich jedoch jeder rationalen Diskursanalyse, indem er sein Ich in seinem Zeichensystem eine zentrale Rolle spielen lässt. Im Gegensatz zu Henry Moore kommt bei Penck die Skulptur wie eine Störung von aussen her in einen scheinbar zuvor homogenen Raum. Die aufgerichtete Form bei Pencks Skulpuren ist eine pathetisch-demonstrative Geste des Ichs, das romantische, exestentielle sowie individuelle Färbungen aufweist. Totem und Denkmal, das Erinnern bildet in seinem Werk eine zentrale Rolle. Wer mehr wissen möchte, kann zum Katalog greifen.

A. R. Penck. Standart T (X) III,
(Modell für eine Grosskulptur),
1994, Bronze, Aufl. 6, Höhe 75
cm. Foto: Katalog.


Penck: Sie und Er, 1985, Bronze patiniert,
Aufl. 5, Höhe 67 cm. Foto: Katalog.

Der Katalog: A. R. Penck: Erinnerung - Modell - Denkmal. Mit Textbeiträgen von Dieter Brunner, Siegfried Gohr, Arie Hartog, Pamela Kort, Christine Lutz und Hans-Jürgen Schwalm. Umschau/Braus, 1999, 175 S. (ISBN 3930811774).
 

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