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Maxim Vengerov. Foto copyright: Teldec.




Brahms: Violinkonzert op. 77, Violinsonate Nr. 3. Teldec, 1999. Bestellen bei Amazon.de
 

Dvorka: Violinkonzert op. 53. Elgar: Sonate op. 82. Teldec, 2000. Bestellen bei Amazon.de
 

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Maxim Vengerov
Biografie, Biographie, CDs, Konzertkritik

Nr. 13, 15. März/14. April 2000


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Der 1974 im sibirischen Nowosibirsk geborene Geiger Maxim Vengerov ist ein Generalist, der von Bach bis Schostakowitsch alles spielen kann. Er kommt aus der russischen expressiven Schule. Mit viereinhalb Jahren begann er Geige zu spielen. Bereits ein halbes Jahr später gab er sein erstes öffentliches Konzert. Seine erste professionelle Lehrerin war die strenge Galina Turtschaninova. Sie meinte, ein Kind wie Vengerov werde nur alle hundert Jahre geboren. Neben viel Talent brachte der Junge auch den unbedingten Willen zu harter Arbeit mit. Mit sieben Jahren ging er mit seiner Lehrerin nach Moskau und mit zehn gewann er den Junior-Wieniawski-Wettbewerb in Polen. Als Prof. Zakhar Bron von Moskau nach Nowosibirsk kam, schickte ihn seine Mutter zu ihm. Dem russischen Violin-Pädagogen folgte Vengerov an die Musikhochschule Lübeck. Er gab regelmässig Rezitals in Moskau und Leningrad und machte sein Debut mit dem Concertgebouw Orchestra und dem BBC Philharmonic Orchestra. 1990 gewann er den ersten Preis beim Internationalen Carl-Flesch-Wettbewerb, der ihm den endgültigen internationalen Durchbruch brachte. Als Vengerov am Festival in Schleswig-Holstein mit einem anderen Wunderkind, dem Pianisten Yevgeni Kissin auftrat, wollte ihn Marianne Käch von Teldec Classics sofort unter Vertrag nehmen, so beeindruckt war sie. Gemäss Turtschaninova brauchte Vengerov bereits mit 16 Jahren eigentlich keinen Lehrer mehr. Die Aufnahmen der Violinkonzerte von Prokofjew und Schostakowitsch mit Mstislaw Rostropowitsch sind weitere Meilensteine in seiner Entwicklung. Vor vier Jahren begann Vengerovs Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim (siehe auch unten, Brahms-CD), die zweite Persönlichkeit, die ihn neben Rostropowitsch in den letzten Jahren wesentlich beeinflusst hat. Maxim Vengerov spielt die Stradivari ex Kiesewetter aus dem Jahr 1723 (von Clement Arrison durch die Stradivari Society Chicago zur Verfügung gestellt).

Vagram Saradjian
 
Der in Eriwan, Armenien, geborene Violoncellist Vagram Saradjian gab sein erstes öffentliches Recital im Alter von neun Jahren und gewann seinen ersten Preis am Russischen Nationalen Wettbewerb im Alter von 18. Die Anerkennung im Ausland folgte einige Jahre später, nach dem Gewinn u.a. des internationalen Tschaikowsky Wettbewerbs (1970) und des internationalen Cello-Wettbewerbs in Genf (1975). Mit acht Jahren war er bereits mit Mstislav Rostropowitsch verglichen worden, der am Konservatorium von Moskau sein Lehrer gewesen war. Mit ihm gab er er 1969 sein Orchesterdebut mit der Kiewer Philharmonie, daszugleich das Dirigier-Debüt von Rostropowitsch war. Seit Jahren widmet sich Saradjian auch der zeitgenössischen Musik und hat Werke von Giya Kancheli und anderen Komponisten uraufgeführt und als erster ein Konzert von Ilya Zelenka aufgenommen. Als Lehrer unterrichtet er an der Aaron Copland School of Music und dem Purchase Conservatory. Er spielt ein Montegazza-Cello aus Mailand aus dem Jahre 1791.

Vag Papian
 
Der Pianist Vag Papian begann seine Karriere nach dem Gewinn des internationalen Viana de Montana Wettbewerbs in Lissabon im Jahr 1979. Drei Jahre später begann er ein Dirigenten-Studium am Konservatorium von St. Petersburg. 1984 wurde er Assistent von Valery Gerghiev beim Armenischen Sinfonieorchester, dessen Leitung er weitere drei Jahre später übernahm. 1990 wanderte er nach Israel aus, wo er als künstlerischer Leiter der Israel Camerata tätig ist und an der Universität von Tel Aviv Dirigieren und Klavier lehrt. Daneben unterrichtet er auch an der Armenischen Nationalakademie. Vag Papian begleitet Maxim Vengerov regelmässig in Duo-Recitals.

Maxim Vengerov, Vagram Saradjian, Vag Papian: Konzert in der Tonhalle Zürich vom 12. März 2000
 
Eine dem Violinisten Maxim Vengerov eine Woche vor dem Konzert gewidmete DRS-Fernsehsendung dürfte das ihre zu den übervollen Rängen in der Tonhalle Zürich beigetragen haben, was die Qualitäten des Geigers keinesfalls schmälert. Auf dem Programm stand Musik für Klavier, Violine und Violoncello. Das Trio Nr. 2 e-Moll op. 67 von Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) aus dem Jahr 1944 machte den Auftakt. Des dem Andenken seines nach langer, schwerer Krankheit verstorben Freundes und Musikwissenschaftlers Iwan Sollertinsky (1902-1944) gewidmete Trio ist von einer Klarheit und Transparenz sondergleichen. Selbst der nichtinformierte Zuhörer erfasst sofort, wovon die Komposition handelt. Herausragend war das Spiel von Maxim Vengerov, der sich wie immer äusserst expressiv gab, mit Leidenschaft spielte und in seiner Gestik hin und wieder übertrieb, musikalisch jedoch völlig überzeugte. Das mit einer Klage beginnende op. 67 führt den Hörer durch alle emotionalen Stadien. Auf die raschen Folgen im Allegro con brio folgt wiederum, als Kontrast, eine düstere Klage im Largo. Zum Schluss bietet attacca: Allegretto auch komische Elemente im Zwischenspiel von Violine und Violoncello, unterstützt vom Klavier. Grotesk-ironische, klagende, dramatische, verzweifelte, fortschreitende, dissonante und versöhnliche, sich aufbäumende und resignierende Töne wechseln einander ab. Vengerov, Saradjian und Papian interpretierten den tragischen Todeskampf in all seinen Facetten. Leichtere, luftige Töne, eine Seele die ohne Verzweiflung in den Himmel emporsteigen will? Dramatisches Schreiten, eine erneut grotesk-ironische Violine, ein sich allmählich abschwächendes Aufbäumen und schliessslich, vom Klavier begleitet, das gleiten in den Tod, mit einem kurzen, schwachen Ansatz eines Aufbäumens. Eine hervorragende Interpretation, bei der lediglich das Spiel von Vagram Saradjian blass blieb. (Siehe zu Schostakowitsch auch die Buchbesprechung der von Solomon Wolkow herausgegebenen Memoiren des Komponisten).
 
Im zweiten Teil folgte das Trio für Klavier, Violine und Violoncello a-Moll op. 50 (1881/82) von Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893). Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Auch sein Trio ist "à la mémoire d'un grand artiste". Tschaikowsky hat es Nikolai Rubinstein gewidmet, der ihn stets ermutigt und gefördert hatte. Doch im Gegensatz zu Schostakowitsch ist fast nichts von Dramatik, Tragik und Todeskampf zu verspüren. Von Tschaikowsky ist überliefert, dass er so panische Angst vor dem Tod  hatte, dass die Worte "Sarg", "Grab" oder "Beerdigung" in seiner Gegenwart nicht ausgesprochen werden durften. Sein op. 50 zeugt davon. Wenn man nicht wüsste, dass es "in memoriam" geschrieben wurde, man würde es für ein "normales" romantisches Stück halten, abgesehen von Beginn und Finale, das mit schweren A-moll-Dreiklängen des Klaviers erneut einen Trauermarsch-Rhythmus anschlägt. Der Kritiker Eduard Hanslick merkte dazu an: "Spät, sehr spät erinnert sich der Komponist, dass er völlig die Totenklage vergessen habe." Die Interpretation der drei Musiker lebt vor allem von den schwelgerischen Tönen von Maxim Vengerov, der sich in der Romantik wie ein Fisch im Wasser bewegt. Ebenfalls nicht zu übersehen war, dass er und Vag Papian, dessen Klavierspiel nun romantisch-warm war, ein eingespieltes Team sind, währenddem Vagram Saradjian erneut blass blieb. Trotzdem überzeugten die drei, vor allem im schwerblütigen Schlussthema.
 
Als Zugabe spielte das Trio Rachmaninows "Vocalise". Hier nun zeigte Vagram Saradjian erstmals, dass seine Präsenz im Trio nicht etwa eine Verlegenheitslösung war. Er blühte regelrecht auf. Aus der Nähe war die Wandlung seiner Haltung frappierend: plötzlich gab er sich seinem Spiel völlig hin, der Gesichtsausdruck sprach Bände. Das drückte sich in seinem Spiel aus, das die Zugabe völlig dominierte und mit seinem zuvor schwächeren Auftritt versöhnte. Schostakowitschs op. 67 war eindeutig der Höhepunkt des Abends gewesen - man wünschte sich eine Einspielung des Stücks durch die drei Musiker. Allerdings hatte das Trio bewusst das früher entstandene Werk von Tschaikowsky in die zweite Hälfte gelegt; die schwelgerische Romantik kommt beim Publikum besser an.
 
Von Maxim Vengerov bis 2000 gewonnene Preise
1999 März Gramophone Editor's Choice Brahms Concerto/Barenboim 0630-17144-2. 1998 Best Music Video at Yorkton Short Film and Video Festival Promovideo "Meditation from Thais". 1998 Edison Award Best Concerto Recording für Shostakovitch/Prokofiev Violin Concertos II (0630-13150-2). 1997 Echo Klassik Award as Best Instrumentalist für Sibelius/Nielsen Violin Concertos (0630-13161-2). Amadeus Prize Best Recording 1996 für Tchaikovsky/Glazunov Violin Concerto (4509-90881-2). 1996 Edison Award Best Concert Recording Tchaikovsky/Glazunov Violin Concertos (4509-90881-2). Prix de la Nouvelle Académie du Disque für Tchaikovsky/Glazunov Violin Concertos (4509-90881-2). Victoires de la Musique: Best foreign Recording of the Year for Tchaikovsky/Glazunov Violin Concertos (4509-90881-2). 1995 Gramophone Award: Record of the Year für Shostakovich/Prokofiev Violin Concertos (4509-92256-2). Gramophone Award Concerto Recording für Shostakovich/Prokofiev Violin Concertos (4509-92256-2). Siena Prize of the Accademia Musicale Chigiana 1994 Gramophone Award - Young Artist of the Year Ritmo Magazine - Artist of the Year Edison Award - Best Concert Recording für Shostakovich/Prokofiev Violin Concertos (4509-92256-2). Diapason d'Or L'Année für Bruch/Mendelssohn Violin Concertos (4509-90875-2). Diapason d'Or des Lecteurs für Bruch/Mendelssohn Violin Concertos (4509-90875-2). RTL d'Or für Bruch/Mendelssohn Violin Concertos (4509-90875-2). Grand Prix Des Discophiles für Bruch/Mendelssohn Violin Concertos (4509-90875-2).
 
Zu den Neuerscheinungen (CDs, Albums) mit Maxim Vengerov gehört die mit dem Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim aufgenommene CD mit Brahms' Violinkonzert in D-Dur op. 77 und der Sonate für Violine und Klavier No. 3 op. 108. Johannes Brahms (1833-1897) hat das Violinkonzert 1878 für seinen Freund Joseph Joachim geschrieben. Der Komponist zögerte, etwas für ein Instrument zu schreiben, das er nicht selber beherrscht. Das Klavier dagegen beherrsche er durch und durch und wisse, was er schreibe und warum er es so und so schreibe, bekannte er gegenüber Clara Schumann im Zusammenhang mit seinem Doppelkonzert 1887. Deshalb fragte Brahms Joachim, den damals bedeutendsten deutschen Geiger um Rat. Er sandte ihm allerdings zunächst nur die Violinstimme zur Durchsicht, denn er wollte sich nicht wie 20 Jahre zuvor beim ersten Klavierkonzert durch Joachims Kritik an der Partitur verunsichern lassen. Brahms berücksichtigte die Änderungswünsche seines Freundes vor allem bezüglich der Doppelgriffe. Längere Passagen, für die Joachim eine bequemere Stimmenführung gewünscht hatte, liess er allerdings unverändert. Maxim Vengerov spielt seine eigene Kadenz und lehnt sich nicht an diejenige von Joachim an, die noch immer die am häufigsten gespielte ist. Die D-moll Sonate entstand 1886. Vengerov und Barenboim geschieht in der Aufnahme nicht das gleiche Missgeschick wie Brahms und Joachim, die bei einem Konzert 1892 in Berlin die technischen Schwierigkeiten der Sonate unterschätzt hatten und ohne vorheriges Durchspiel im Schlussatz auseinander fielen.

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