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Nr. 14, 15. April/14. Mai 2000
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About Face: Andy Warhol Portraits
 
In Miami sind in der Ausstellung About Face über siebzig Werke von Andy Warhol zu sehen: Gemälde, Drucke, Fotografien, Videos und Filme. Die Ausstellung konzentriert sich auf die vom Künstler geschaffenen  Portraits von Berühmtheiten, bei ihm kommissionierte Portraits sowie die Selbstportraits. Daneben sind Auszüge aus seinem Celebrity-Magazin Interview und Clips aus Andy Warhol's TV zu sehen. Den Höhepunkt bilden nicht etwa die weltweit bekannten Portraits wie das nebenstehende von Jackie Kennedy, sondern die Polaroid-Selbstportraits, von denen sich zwei unten auf dieser Seite befinden.
 
[aus rechtlichen Gründen mussten wir mit dem Ende der Ausstellung die vier Fotos von der Seite nehmen: Early Colored Jackie 1964. cat. 17; Female Movie Star Composite c.1962. cat. 11; Self-Portrait 1980. Polaroid photograph. cat. 50; Self-Portrait 1981-82. Polaroid photograph. cat. 55.]
 
Marlene Dietrich und Greta Garbo (Female Movie Star Composite), Marilyn Monroe, Liz Taylor, Jackie Kennedy und Elvis Presley: Andy Warhols Kunst ist u.a. der Ausdruck der Celebrity-Geilheit der Amerikaner, die längst die ganze Welt erfasst hat. Sie rührt vielleicht ursprünglich vom Fehlen eines amerikanischen Königshauses her - diese Funktion übernahm für einige Zeit die Familie Kennedy. Andy Warhol selbst wurde von der Gier nach Berühmtheiten getrieben. Seine Prophezeiung, dass einst alle Menschen für ungefähr fünfzehn Minuten Berühmtheit erlangen werden, ist längst eingetroffen, wie der tägliche Blick auf den Fernsehbildschirm bestätigt.
 
Die Portraits wurden zum zentralen Thema in Andy Warhols Kunst. Deshalb können die ausgestellten Werke in About Face fast seine gesamte Karriere von den 50er bis zu den 80er Jahren abdecken. Wer immer eines seiner Werke betrachtet, denkt nicht zuerst an ein Portrait einer bestimmten Person, an ein Gemälde, sondern an "einen Warhol". Der Künstler war in der Lage, die Werte, Formen, Konventionen und Haltungen gegenüber der Kunst zu verändern, ja völlig umzukehren.
 
Doch Warhols Portraits drehten sich nicht nur um Berühmtheit, sondern auch um Identität. Das kann am besten in seinen Selbstportraits festgestellt werden. Auch wenn Nicholas Baume im Katalog feststellt, Warhols Travestie sei ein kompletter Fehlschlag, seine maskuline Charakteristika würden schlecht verdeckt, seine Perücken seien absurd, so betont er doch auch, dass Warhol die gescheiterte Performance viel mehr interessierte, als die geglückte. Der Künstler selbst betonte, er sei bei seinen Filmen immer auf der Suche der falschen Person gewesen, da erst die Fehlbesetzung auf der Leinwand wirklich etwas hergebe.
 
Warhols Polaroid-Fotos scheinen jedenfalls eine beunruhigende Zerbrechlichkeit des Künstlers, des Menschen und des Mannes zu bezeugen, der auf der Suche nach seiner eigenen Identität war. Sie sind auch Ausdruck von "negation and disappearance, the primary tropes of Warhol's myth".
 
Der Ausstellungskatalog umfasst Aufsätze von Nicholas Baume sowie den Warhol-Forschern Douglas Crimp (der die Gesichter der Portraits näher untersucht, insbesondere im Film Blow Job) und Richard Meyer (der dem Platz von Sexualität, Berühmtheit und Portrait in den frühesten Arbeiten Warhols nachgeht). 128 S., 80 Farbabbildungen. Für die Webseiten des Museums: www.cosmopolis.ch/artlinks.htm 
 


Am 31. März 2002 hinzugefügt: Für jeden Sammler essentiell ist Andy Warhol Catalogue Raisoné, Vol. 1: Paintings and Sculpture, 1961-1963. Phaidon, March 2002, 512 p. Edited by Georg Frei and Neil Printz. Bestellen bei Amazon.com, Amazon.de.
 

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