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About Face: Andy Warhol Portraits
In Miami sind in der Ausstellung About Face über siebzig Werke von Andy
Warhol zu sehen: Gemälde, Drucke, Fotografien, Videos und Filme. Die
Ausstellung konzentriert sich auf die vom Künstler geschaffenen
Portraits von Berühmtheiten, bei ihm kommissionierte Portraits sowie die
Selbstportraits.
Daneben sind Auszüge aus seinem Celebrity-Magazin Interview und
Clips aus Andy Warhol's TV zu sehen. Den Höhepunkt bilden
nicht etwa die weltweit bekannten Portraits wie das nebenstehende von
Jackie Kennedy, sondern die Polaroid-Selbstportraits, von denen sich zwei
unten auf dieser Seite befinden.
[aus rechtlichen Gründen mussten wir mit dem Ende der
Ausstellung die vier Fotos von der Seite nehmen: Early Colored Jackie 1964.
cat.
17;
Female Movie Star Composite c.1962. cat. 11;
Self-Portrait 1980. Polaroid photograph. cat. 50;
Self-Portrait 1981-82. Polaroid photograph. cat. 55.]
Marlene Dietrich und Greta Garbo (Female Movie Star
Composite), Marilyn Monroe, Liz Taylor, Jackie Kennedy und Elvis
Presley: Andy Warhols Kunst ist u.a. der Ausdruck der Celebrity-Geilheit
der Amerikaner, die längst die ganze Welt erfasst hat. Sie rührt
vielleicht ursprünglich vom Fehlen eines amerikanischen Königshauses her
- diese Funktion übernahm für einige Zeit die Familie Kennedy. Andy
Warhol selbst wurde von der Gier nach Berühmtheiten getrieben. Seine
Prophezeiung, dass einst alle Menschen für ungefähr fünfzehn Minuten
Berühmtheit erlangen werden, ist längst eingetroffen, wie der tägliche
Blick auf den Fernsehbildschirm bestätigt.
Die Portraits wurden zum zentralen Thema in Andy Warhols Kunst. Deshalb können die ausgestellten Werke in About Face fast
seine gesamte Karriere von den 50er bis zu den 80er Jahren abdecken. Wer
immer eines seiner Werke betrachtet, denkt nicht zuerst an ein Portrait
einer bestimmten Person, an ein Gemälde, sondern an "einen
Warhol". Der Künstler war in der Lage, die Werte, Formen,
Konventionen und Haltungen gegenüber der Kunst zu verändern, ja völlig
umzukehren.
Doch Warhols Portraits drehten sich nicht nur um Berühmtheit, sondern auch um
Identität. Das kann am besten in seinen
Selbstportraits festgestellt werden. Auch wenn Nicholas Baume im Katalog
feststellt, Warhols Travestie sei ein kompletter Fehlschlag, seine
maskuline Charakteristika würden schlecht verdeckt, seine Perücken seien
absurd, so betont er doch auch, dass Warhol die gescheiterte Performance
viel mehr interessierte, als die geglückte. Der Künstler selbst betonte,
er sei bei seinen Filmen immer auf der Suche der falschen Person gewesen,
da erst die Fehlbesetzung auf der Leinwand wirklich etwas hergebe.
Warhols Polaroid-Fotos scheinen jedenfalls eine beunruhigende
Zerbrechlichkeit des Künstlers, des Menschen und des Mannes zu bezeugen,
der auf der Suche nach seiner eigenen Identität war. Sie sind auch
Ausdruck von "negation and disappearance, the primary tropes of Warhol's
myth".
Der Ausstellungskatalog umfasst Aufsätze von Nicholas Baume sowie den Warhol-Forschern
Douglas Crimp (der die Gesichter der Portraits näher untersucht,
insbesondere im Film Blow Job) und Richard Meyer (der dem Platz von
Sexualität, Berühmtheit und Portrait in den frühesten Arbeiten Warhols
nachgeht). 128 S., 80 Farbabbildungen. Für die Webseiten des Museums: www.cosmopolis.ch/artlinks.htm
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Am 31. März 2002
hinzugefügt: Für jeden Sammler essentiell ist Andy Warhol Catalogue Raisoné, Vol. 1: Paintings
and Sculpture, 1961-1963. Phaidon, March 2002, 512 p. Edited by Georg
Frei and Neil Printz. Bestellen bei Amazon.com,
Amazon.de.
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