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zum Tode von
Joachim-Ernst Berendt

1922-2000 - Biografie, Das Jazzbuch
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Biographie von Joachim-Ernst Berendt
 
Am 4. Februar 2000 verstarb der deutsche "Jazzpapst" Joachim-Ernst Berendt Berendt im Alter von 77 Jahren, nachdem er beim Überqueren einer Straße in der Hamburger Innenstadt von einem Autofahrer angefahren worden war. Er war 1922 in Berlin als Sohn eines Pfarrers geboren worden, der als einer der führenden Männer des Widerstandes der evangelischen Kirche gegen Hitler im Konzentrationslager Dachau umgebracht wurde. Joachim-Ernst Berendt gehörte im Jahr 1945, nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, zu den Mitbegründern des SWF in Baden-Baden, wo er auch zuletzt wohnhaft war. Von 1950 bis 1987 leitete die Jazzredaktion des Senders. Insgesamt hat er über 10,000 Jazzsendungen für den Rundfunk gemacht und rund 250 Schallplatten (für MPS, Columbia, World Pacific, Atlantic/WEA, Electrola, etc.) produziert. Berendt ist vor allem für Das Jazzbuch bekannt, das 1953 zum ersten Mal erschien und bis heute in einer Vielzahl von Sprachen über 1,5 Millionen mal verkauft wurde. Das macht es zum bestverkauften Buch über Jazz weltweit. Insgesamt verfasste er über dreissig Bücher, die in sechzehn Sprachen übersetzt wurden. Ab 1954 wirkte Berendt zudem in der Sendereihe Jazz - gehört und gesehen am Fernsehen. Er regte die ab 1964 veranstalteten Berliner Jazztage (heute Jazzfest Berlin) an, erhielt zweimal den Bundesfilmpreis, einmal den Kritikerpreis des Deutschen Fernsehens sowie den Polnischen Kulturpreis und organisierte internationale Festivals und Konzerte, so des weltweit ersten World Music Festivals 1967 in Berlin, des Olympia Jazz Festivals München 1972, des World Jazz Festivals auf der Weltausstellung in Osaka im Jahr 1970 sowie des World Music Events 1982(84?) in New Yorks Lincoln Center. Berendt arbeitete am Grove Dictionary of Jazz mit. 1979 verlieh ihm der Ministerpräsident von Baden-Württemberg den Titel eines Ehrenprofessors, zudem ist Berendt Träger des Bundesverdienstkreuzes. Er setzte sich für die Fusion von Jazzmusik und Lyrik sowie für die Worldmusic ein. Ab den 1980er Jahren wandte er sich dem Thema Musik und Philosphie zu. Nada Brahma - Die Welt ist Klang und Das Dritte Ohr - Vom Hören der Welt gehören zu jener Reihe von spirituellen Büchern.
 
Das Jazzbuch von Joachim-Ernst Berendt
 
Im Jazzbuch verweist Berendt darauf, dass der Schweizer Dirigent Ernest Ansermet den ersten ernstzunehmenden Artikel über Jazz verfasste, der Belgier Robert Goffin 1929 das erste Jazzbuch veröffentlichte und der Franzose Charles Delaunay Ende der 1930er Jahre die erste Jazzzeitschrift herausgab. Damit tritt er der von James Lincoln Collier in The Reception of Jazz in America - A New View (New York, 1988) vertretenen These entgegen, die Jazzkritik sei in den USA geboren worden. Berendts Jazzbuch geht auf 651 Seiten auf die Geschichte des Jazz ein, seine Entwicklung und Stile, die verschiedenen Musiker, Big Bands und Combos. Daneben untersucht er die verschiedenen Instrumente, ihre Entwicklung, Möglichkeiten und Repräsentanten. Das Jazzbuch gilt zurecht als die umfassendste einbändige Jazzgeschichte und gehört in jede Bibliothek.
 
Joachim-Ernst Berendt: Das Jazzbuch. Fischer Sachbuch, 1999, 651 S. (1953: 290 S.). Buch bestellen bei Amazon.de

 

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