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Die letzten Tage in Kenya
- White Mischief
Hinzugefügt am 13.7.2011
Der Schreibende findet per Zufall
gerade eine Neuauflage der DVD (von Kinowelt) mit der engl. Fassung neben
der dt. auf der DVD:
Amazon.de.
Artikel vom April 2011
Der Film nach dem Tatsachenroman White Mischief von James Fox. Ein Film von Regisseur Michael Radford mit Greta Scacchi,
Charles
Dance, John Hurt, Hugh Grant und Joss Ackland.
Der Film Die letzten Tage in Kenya
beginnt mit den Zeilen: November 1940. Der Höhepunkt des
Blitzkrieges. Jede Nacht kam Welle
auf Welle der Nazibomber und brachte Tod und Zerstörung. Aber das britische
Volk blieb standfest, entschlossen um jeden Preis, Widerstand zu leisten. In
Kontrast zu diesen heroischen Worten folgen Bilder, welche die Dekadenz der
britischen Oberklasse bezeugen sollen. Über einen Herrensitz in England
fliegen Kampfflugzeuge hinweg. Die Kamera konzentriert sich jedoch sofort auf
einen reichen Lord, Sir Henry "Jock" Broughton (Joss Ackland), der
beim Herabsteigen der Treppe, die in seinen Garten führt, zu seinem
Steuerberater sagt, er möchte sein Anwesen verkaufen und nach Afrika gehen.
Der Steuerberater rät ihm ab mit den Worten, Grundbesitz sei in diesen Zeiten
die beste Anlage, worauf der schon ältere Lord erwidert: "Und wenn wir
den Krieg verlieren, haben Sie mal daran gedacht?" Dann kommt die
attraktive Diana (Greta Scacchi) angeritten.
Am Abend gesteht Diana ihrem in sie verliebten Freund Hugh
(Hugh Grant), dass sie alte Männer mag, weil sie mehr Geld haben. Später
trinkt sie in einem unterirdischen Schutzraum auf Löwen, Tiger und reiche
Männer, worauf Hugh antwortet, dass es in Afrika gar keine Tiger gebe,
sondern Strausse, Paviane, Hyänen - eine Anspielung des Regisseurs auf die
Personen, denen Diana in Kenya begegnen wird. Sie trinkt auf all diese Tiere
sowie auf die "Ehrbarkeit - die zukünftige".
Mit wenigen Worten hat Michael Radford den Kontext erklärt
und in die Personen und ihre Motivationen eingeführt. So geht es auch in den
in Kenya spielenden Szenen weiter. Als erstes sieht der Zuschauer dort Briten
beim Polospiel im Jahr 1940, während dem in Europa der Krieg tobt. Erneut
wird die Dekadenz der Oberschicht dargestellt, insbesondere diejenige der
sogenannten Happy Valley Clique, die sich allerlei erotischen Spielen hingibt.
Jock zieht mit Diana nach Kenya, weil er dort "England
besser dienen kann". In Tat und Wahrheit flieht er natürlich vor dem
Krieg und der Verantwortung. Der Farm, die er aufbauen will, wird später auf
Grund einer Dürre (und allgemein dem örtlichen Klima) kein Erfolg beschieden
sein. Er wird mehr oder weniger Pleite gehen.
Zuvor findet seine Frau (eine überzeugende Greta
Scacchi)
gefallen am Offizier Erroll (Charles Dance, in einer der besten Rollen seiner
Karriere). Erroll ist der unwiderstehliche Playboy der Happy Valley Clique,
dem keine Frau widersteht, auch Diana nicht. Die zwei verlieben sich und die
Affäre wird rasch publik. Doch die zwei verstecken sich nicht. Jock erhält
eine anonyme Botschaft, wohl von einer ehemaligen Geliebten von Erroll: "There's
no fool like an old fool" (Der grösste Esel ist ein alter Esel). Bereits
in einer der ersten in Kenya spielenden Szenen gestand Diana übrigens einer
Freundin (Geraldine Chaplin) auf die indiskrete Frage noch ihrem Sexleben,
dass sie mit Jock nur "gelegentlich" schlafe.
In einem Gespräch mit seinem "Freund" Erroll
bittet Jock um ein Ende der Affäre. Er, Erroll, erinnere ihn, Jock, an sich
selbst, als er in Errolls Alter war. Mit einem arroganten Gesichtsausdruck
antwortet ihm der Offizier: "Wirklich?" Zunächst will Jock mit
Diana nach Ceylon weiterreisen, doch dann scheint er sich mit der Situation
abzufinden und Diana freigeben zu wollen.
Das Drehbuch beruht auf dem Roman von James Fox: White
Mischief. Dessen Buch wiederum baut auf Tatsachen auf. Am 24.
Januar 1941 wurde in Kenya ein Offizier, im Film Erroll, erschossen gefunden.
Das Fait Divers erzeugte einen Skandal, der sich in den Gazetten des Empires
niederschlug. Die letzten Tage in Kenya dreht sich in der ersten
Hälfte vor allem um die Affäre zwischen Diana und Erroll und um die
Darstellung der Dekadenz der britischen Elite. Der zweite Teil ist dem
Mordprozess und der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Jock und Diana
gewidmet.
Der Film ist voller erstklassiger
Schauspieler, selbst in kleinen Rollen.
Wie fast immer genial ist John Hurt in seiner kleineren Rolle als Robert
Colville. Dieser ist ein ungepflegter Aussenseiter der Gesellschaft, der mit
Eingeborenen zusammenlebt, doch trotzdem Teil der Happy Valley Clique ist.
Nach dem Mord bemüht er sich um Diana, die den nicht sehr attraktiven Mann
zuerst abweist. Das etwas einseitig-vernichtende Portrait der britischen
Oberklasse (in der kenyanischen Kolonie) und die erotischen Spielchen der
Happy Valley Clique bilden einen Hintergrund, der politisch und moralisch
korrekten Zuschauern bestimmt nicht zusagt. Mich hat der Film begeistert, seit
ich ihn bei der Genfer Premiere im Beisein des Regisseurs Michael Radford
gesehen habe.
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Hinzugefügt am 13.7.2011
Der Schreibende findet per Zufall
gerade eine Neuauflage der DVD (von Kinowelt) mit der engl. Fassung
neben der dt. auf der DVD:
Amazon.de.
April 2000:
Ein Mangel der deutschen DVD ist leider, dass die englische
Originalfassung fehlt. Lediglich die deutsche Synchronfassung ist abrufbar. Bestellen
Sie die DVD bei Amazon.de. [neu 2011: engl. Fassung neben der dt. auf der
DVD:
Amazon.de. Diese Version bestellen!]
Auf das Konto von Regisseur Michael Radford gehen neben White
Mischief/Die letzten Tage in Kenya (1987) so unterschiedliche Filme wie Il
Postino (1994) und B. Monkey (1999).
Greta Scacchi wurde 1960 in Mailand als Tochter eines englischen
Tänzers und einer italienischen Malerin geboren (nicht verifizierte Angabe)
und wuchs in England und Australien auf. Zu ihren Filmen gehören u.a. Heat
and Dust (1982), Good Morning Babylon (1986), The Killing Beach
(1991), The Player (1992), Schrei in die Vergangenheit (1994), Jefferson
in Paris (1995), Emma (1996) sowie The Red Violin (1998).
Der 1946 in Plymouth, England, geborene Charles Dance spielte u.a.
in Auf der Suche nach dem goldenen Kind (1986), Die vergessene Insel
(1987), Mord unter südlicher Sonne (1988), Das Phantom der Oper
(1990), Alien 3 (1991), Der letzte Action Held (1993), Teufel
im Paradies (1994), Im Auge des Hurricans (1995) und Space
Truckers (1996).
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