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Nr. 14, 15. April/14. Mai 2000
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Giorgio Morandi
Biografie und Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur


Giorgio Morandi: Natura Morta, 1947. Foto: Katalog Nr. 12.

Giorgio Morandi: Natura Morta, 1953. Foto: Katalog Nr. 27.
 

Der italienische Maler Giorgio Morandi (1890-1964) war eine singuläre Erscheinung. Abgesehen von einer Reise an die Ausstellung seiner Werke in Winterthur im Jahr 1956, einem Tagestrip von Mailand nach Lugano zur Sammlung Thyssen in der Villa Favorita sowie dem Besuch der Cézanne-Ausstellung 1956 im Kunsthaus Zürich verliess der Maler nie seine italienische Heimat.
 
Der 1890 in Bologna als Sohn eines Kaufmanns geborene Künstler orientierte sich vor allem an Cézanne, während einer kurzen Phase auch an der metaphysischen Malerei de Chiricos und Carrà sowie am Futurismus und Kubismus. In der Zurückgezogenheit seines Ateliers beschäftigte er sich mit den immer gleichen Gegenständen, die er in seinen Stilleben in immer neuen Kompositionen darstellte. 1930 wurde er zum Professor für die Technik der Radierung an der Akademie von Bologna, wo er zeitlebens wohnte, ernannt. Er starb 1964 in seinem Atelier an Lungenkrebs.
 
Eine der ersten Museumsausstellungen seines Werkes fand 1956 in Winterthur statt, wo sich heute sechs seiner Gemälde befinden - normalerweise in einem Raum den Werken von Alberto Giacometti gegenüber gestellt. Es entspricht deshalb einer gewissen Logik, dass die jetzige Übersicht über sein Schaffen erneut an diesem Ort zu sehen ist: 55 Gemälde, 10 Aquarelle, 18 Zeichnungen und 12 Radierungen aus öffentlichen und privaten Schweizer Sammlungen sowie zwei deutschen Privatsammlungen.
 
Neben einem einsamen Portrait (Ritratto femminile, um 1921, Kat. 1) und einigen wenigen Landschaften sind Stilleben Giorgio Morandis aus den Jahren 1920 bis 1964 zu sehen. Abgesehen von einer Natura Morta (1928, Kat. 56), die den Maler durchaus in Richtung Kitsch hätte führen können, bilden die Stilleben eine stilistisch ungewöhnliche Einheit.
 
Hervorragend sind die Zusammenstellungen verwandter Sujets an je einer Wand des Museums, so die Katalognummern 24, 25 und 27 oder die Nummern 48, 49 und 50. Den Einfluss des Rahmens auf die Wirkung von Morandis Werken illustriert exemplarisch die Natura Morta aus dem Jahr 1963 (Kat. 54, wobei im Katalog der Rahmen natürlich nicht abgebildet ist). Der dunkle Rahmen gibt dem Stilleben Farbe und Kraft. In der Regel wirken seine Gemälde blass und zerbrechlich, was durch die weissen Wände noch verstärkt wird. Dabei gilt es zu bedenken, dass Morandis Werke in seinem Atelier ohne Rahmen hingen und die Wahl desselben vom jeweiligen Sammler abhängt, was die Ausstellung ebenfalls illustriert.
 
Wer sich für das Zusammenspiel der Wirkung von Abstraktion, Komposition, Farbe, Licht und Formen interessiert, wird im Kunstmuseum Winterthur von Morandi bestens bedient. 
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Giorgio Morandi. Kunstmuseum Winterthur. Katalog und Ausstellung von Dieter Schwarz. 134 S. Störend am Katalog sind die nicht immer gewährleistete farbliche Übereinstimmung der Fotos mit den Originalen sowie die vielen weissen Punkte auf dem Paesaggio (1927, Kat. 2), die auf dem Original nicht zu finden sind. Ausstellung: noch bis am 1. Juli 2000.

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