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Theodor von Eschenburg
Biografie, Biographie, Erinnerungen 1933-99
Der 1904 in Kiel geborene und am 10. Juli 1999 in Tübingen im biblischen Alter von 94 Jahren
verstorbene Theodor von Eschenburg, Professor für Politikwissenschaft, hatte
bereits 1995 seine Erinnerungen der Jahre 1904 bis 1933 unter dem Titel Also
hören Sie mal zu veröffentlicht. Die Fortsetzung erscheint posthum und
basiert auf einem 200seitigen Manuskript in "zum Teil recht
fragmentarischer Fassung", das Eschenburg hinterlassen hat. Es wurde
ergänzt durch Gespräche, die Wolf Jobst Siedler und Joachim Fest 1984 und
1985 mit dem Professor geführt hatten. Auch der Entwurf zu einem
Erinnerungsband, der sein Leben bis in die 80er Jahre abdeckte, floss in die Erinnerungen
1933-1999 ein. Es handelt sich demnach nicht um einen Text, der integral
aus der Feder von Eschenburg stammt. Zudem reicht der Band eigentlich nur bis
in die Jahre der Regierungszeit von Helmut Schmidt.
Zu den Jahren
unter Hitlers Herrschaft steuert Eschenburg zahlreiche Beschreibungen des
deutschen Anpassungswillens bei, worunter auch komische Anekdoten zu finden
sind wie jene von Mädy von Schnitzler, der Frau des Vorstandsvorsitzenden der
IG-Farben, die zu den ersten privaten Sammlern von Max Beckmann gehörte. Als
der Maler in Ungnade fiel, hängte sie das Bild Selbstportrait mit Zigarre
nicht etwa ab, sondern liess einen Vorhang nähen, mit dem sie das Bild
verdeckte, wenn Nazis zu Besuch kamen. "Sie wollte es weder mit dem alten
Freund [sie war mit Beckmann persönlich befreundet] noch mit den neuen Herren
verderben. Für mich ist dies immer ein Schlüsselerlebnis gewesen",
fügte Eschenburg an. "Einer der mächtigsten deutschen Industriellen
verleugnete seine Vorlieben und Kunstneigungen vor Leuten, deren Geschmack er
gewiss verachtete. Auch er rechnete mit dem baldigen Sturz der Nazis. Aber
solange sie da waren, brauchte man sie und verkehrte mit ihnen. Warum sollte
man sie vor den Kopf stossen? Dann war man unter Umständen aus dem Spiel, und
es war schwer, wieder hineinzukommen."
Eschenburg selbst arbeitete
während den zwölf Jahren der Naziherrschaft als Geschäftsführer eines
Kartells von Verbänden der Kleinindustrie ("Knöpfe, Reissverschlüsse,
Zelluloidwaren, Taschenlampen-Batterien und anderes"). Materiell war die
Stellung für ihn ein "ungeahnter Aufstieg". Zeitweise war er
Mitglied einer Motorradeinheit der SS, ohne dabei je NSDAP-Mitglied zu werden.
Nach
dem zweiten Weltkrieg begann Eschenburg eine politische Karriere, zuerst als
Flüchtlingskommissar für das Land Württemberg-Hohenzollern. Danach kümmert
er sich um die Neugliederung Deutschlands, vor allem des Südwestens. Er sah
sich selbst als den "eigentlichen Vater" des Bundeslandes
Baden-Württemberg. Dann wurde er Professor für Politik in Tübingen,
Mitarbeiter der Zeit, Publizist, Redner und Ratgeber. Er begegnete
allen Kanzlern von Adenauer bis Schmidt. Er hatte ein konservatives
Staatsverständnis. Nach den Erfahrungen in der Weimarer Republik, in der er
unter Stresemann politisch engagiert gewesen war, waren ihm die Bewahrung der
Demokratie und die Wahrung des Grundgesetzes das oberste Anliegen.
Der
Band enthält im Anhang drei Interviews von Eschenburg im Jahre 1994 im
Zusammenhang mit seinem 90. Geburtstag. Mit Sibylle Krause-Burger für
den Süddeutschen Rundfunk, mit Werner Birkenmaier und Stefan Geiger für die Stuttgarter
Zeitung sowie mit Andreas Borchers und Hans Peter Schütz für den Stern.
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Theodor von Eschenburg: Letzten Endes meine ich doch. Erinnerungen 1933-1999.
Siedler Vlg., München, gebundene Ausgabe,
286 S., 2000. Bestellen
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