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Nr. 15, 15. Mai/14. Juni 2000
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... denn sie wissen nicht, was sie tun
Rebel Without A Cause
Der Film von 1955 mit James Dean auf DVD - bestellen bei Amazon.de

 
Rebel Without A Cause gehört zu Hollywoods Filmklassikern. Die deutsche DVD (Warner Bros.) enthält u.a. das berühmte Interview, in dem James Dean vor allem die jüngerer Zuseher vor den Gefahren des zu schnellen Fahrens auf Autobahnen und anderen Strassen warnt. Er selbst fuhr ja Rennen - doch diese fänden auf entsprechenden Rennstrecken statt. Kurz danach starb James Dean in seinem Porsche, was tragischerweise zu seinem Nachruhm viel beitrug.
 
Ein anderes "hinter den Kulissen" Feature zeigt 300 Leute in Last- und Personenwagen, die Material für eine Filmszene auf einen Hügel hinauf transportieren. In einem Kurzinterview erzählt Natalie Wood, dass sie seit dem vierten Altersjahr (1941) vor der Kamera steht. All diese Blicke hinter die Kulissen sind allerdings weniger wie ein Dokumentarfilm, sondern eher wie ein Bühnenstück arrangiert. Rebel Without A Cause stammt schliesslich aus dem Jahr 1955, was gerade in diesen Special Features unübersehbar ist. ...denn sie wissen nicht, was sie tun war übrigens zuerst als Schwarz-Weiss-Film geplant, in einzelnen Szenen wurde die WB-Farbe erst nachträglich hinzugefügt. Der Film hatte ursprünglich eine andere Eingangsszene und alternativer Schluss, bei dem der junge Plato (Sal Mineo) von der Polizei erschossen wird und in einer dramatischen Szene vom Observatorium herunterfällt, war ebenfalls gedreht worden.
 
Rebel Without A Cause dreht sich um Jungen und Mädchen einer relativ guten Wohngegend. Sie verstehen die Welt nicht, und die Welt versteht sie nicht. Es geht um die Beziehung zwischen Jugendlichen und ihren Eltern, ums Erwachsen werden. Auch das Verhältnis der Eltern sowie der Jugendlichen unter sich wird beleuchtet. Die Geschichte ist nicht schwarz-weiss und immer schimmert Hoffnung hindurch. Die Filmcharaktere haben hellere und dunklere Seiten. Es sind keine Idealtypen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Hier und da nähert sich der Film zwar einem Bühnenstück, doch insgesamt überzeugt Rebel Without A Cause auch noch nach knapp 50 Jahren.
 
Da ist der Polizeioffizier der Jugendabteilung, der dem Jugendlichen Jim Stark (James Dean), der zuviel getrunken hat, erzählt, dass die Eltern ihre Kinder nicht verstünden, weshalb er das nächste Mal, wenn er in Schwierigkeiten gerate, sich zuerst an ihn wenden solle. Es sei oft einfacher, zuerst mit einem Aussenstehenden zu sprechen. Doch im entscheidenden Moment des Filmes, als Jim mit dem Polizisten sprechen möchte, ist dieser nicht da, und die Dinge nehmen einen tragischen Verlauf.
 
In der Eingangsszene erzählt Jim dem Polizeioffizier, dass sein Vater ein Feigling (chicken) sei. Er, Jim, wolle nicht wie sein Vater werden. Sein Zuhause sei ein Zoo, und seine Mutter fresse den Vater bei lebendigem Leibe. Die Schlüsselszene des Films findet nach dem Tod eines Jungen bei einem illegalen Autorennen statt. Die Mutter (Ann Doran) sagt ihrem Sohn (James Dean), er solle nicht zur Polizei gehen. Und sein Vater (Jim Backus) versucht ihn davon zu überzeugen, dass es genüge, dass er, der Sohn, wisse, dass er etwas Falsches getan habe. Doch der Sohn ist anderer Meinung: Sie hätten ihn dazu erzogen, immer die Wahrheit zu sagen. Die Mutter versucht zu erklären, dass sie lediglich nicht wolle, dass er sich freiwillig stelle. Doch der Sohn wirft ihr vor, nicht fähig zu sein, der Wahrheit in die Augen zu schauen - nicht nur in diesem speziellen Fall. Jim will keine falschen Ausreden. Er muss die Sache einfach wieder in Ordnung bringen.
 
Jim Backus spielt als Jims Vater eine tragische Figur, einen Mann, der das tut, was ihm seine Frau sagt. Deshalb verliert er den Respekt seines Sohnes, der ihn trotz allem liebt. Der Sohn hat Probleme, Freunde zu finden. Die Familie zieht von einem Ort zum andern, doch das hilft nichts. Es ist der erste Schultag von Jim an einer neuen Schule. Nur ein Junge, Plato (Sal Mineo), würde sofort gerne sein Freund werden. Gegenüber den andern muss er sich noch erst bewähren. Plato hat eine Mutter, die sich nicht um ihn kümmert und gerade wieder auf Reisen ist. Der Vater hat die Familie vor einiger Zeit schon verlassen. Nur eine schwarze Haushälterin ist in seiner Nähe - Platos zuhause wird allerdings nie gezeigt.
 
Jim (James Dean) hat Probleme, von der Schulgang "The Wheel" akzeptiert zu werden (einer der Jungs wird von Dennis Hopper gespielt). Ein Mädchen aus Jims Nachbarschaft, Judy (Natalie Wood), ist die Freundin des Gangführers. In der berühmtesten Szene von Rebel Without A Cause kommt es zu einem illegalen Autorennen ("drag race" oder "chicken-run") zwischen dem Gangleader und Jim, bei dem die zwei mit ihren Autos auf Klippen zurasen. Wer zuerst aus dem Wagen springt, ist ein Feigling und hat verloren. Dies ist der Test, mit dem Jim sich die Anerkennung der Gruppe erwerben kann. Das Rennen nimmt ein dramatisches Ende und später stirbt gar noch ein zweiter Junge - von der Polizei erschossen.
 
Der von Regisseur Nicholas Ray gedrehte Film basiert auf der Geschichte von Stewart Stern, von Irving Shulman für die Leinwand adaptiert. Der Film hat seine Limiten. Wie erwähnt ähnelt er streckenweise einem Bühnenstück. Trotzdem gehört Rebel Without A Cause zurecht zu den Hollywood-Klassikern der 50er Jahre und hat von seiner Wirkung auf Teenager - und nicht nur auf sie - bis heute nicht verloren. Die Szene mit dem Professor im Planetarium, der seinen Schülern das Universum zu erklären versucht, ist eine weiterer Schlüssel des Films, der die Gefühle der Jugendlichen ausdrückt, die an der Schwelle zum Erwachsen sein stehen: Die Erde werde eines Tages in einer Flamme aus Gas und Feuer verschwinden. In der Unendlichkeit unseres Universums und der dahinter liegenden Galaxien werde die Erde nicht vermisst werden. In der Unendlichkeit des Weltalls erschienen die Probleme der Menschen als trivial und naiv. Die Menschheit, allein im Raum existierend, erscheine als eine Episode ohne Bedeutung.
 

 

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