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Nr. 15, 15. Mai/14. Juni 2000
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Das Goldene Zeitalter - Die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts
 
im Rijksmuseum in Amsterdam
Zu seinem 200. Geburtstag organisiert das Rijksmuseum in Amsterdam eine herausragende Ausstellung zur niederländischen Kunst des Goldenen Zeitalters, wie das 17. Jahrhundert in Holland genannt wird. Heute wie schon bei seiner Gründung, damals noch im Schloss Huis ten Bosch unter dem Namen "Nationale Konst-Gallerij", sieht sich das Rijksmuseum als das "Zuhause" der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts. The Glory of the Golden Age/Das Goldene Zeitalter ist die logische Fortsetzung der Ausstellungen aus den Jahren 1986 und 1993/94, die den Perioden gewidmet waren, die das Goldene Zeitalter vorbereiteten.
 
Zum Geburtstag gelang es dem Rijksmuseum, eine Serie von Werken aus der ganzen Welt in seine Säle zu holen, welche die eigenen Bestände für die Übersichtsausstellung sinnvoll ergänzen. Dazu gehört das rechts abgebildete Stilleben von Willem van Aelst, das aus dem Palazzo Pitti in Florenz stammt, ebenso wie, unter den berühmteren Gemälden, Rembrandts Anatomie des Dr. Tulp (1632), das normalerweise im Mauritshuis in Den Haag ausgestellt ist.
 
Im Jahr 1555 übergab Karl V. von Spanien seinem Sohn, Philip II., die Macht in den Niederlanden. Sein autoritärer Regierungsstil führte 1568 zu einem "Aufstand", dem 80jährigen Krieg. Der Kampf für die Unabhängigkeit führte zur Spaltung der Niederlande. Der südliche Teil blieb katholisch und in spanischer Hand. Der protestantische Norden dagegen formierte im Jahr 1581 die Generalstaaten, benannt nach der Generalversammlung der sieben Provinzen, aus denen sich das Land zusammensetzte. Die Republik erreichte allerdings erst im Friedensvertrag von 1648 die Unabhängigkeit von Spanien. Im 17. Jahrhundert stiegen die Niederlande dank ihres liberalen Systems zu einer führenden Handelsnation auf und erlebten eine einzigartige kulturelle Blüte: das Goldene Zeitalter.


Willem Van Aelst (1627-1683):
Stilleben mit Früchten und Kristallvase, 1652. Foto: Ausstellungskatalog.


Rembrandt (1606-1669): Bettler an der Türe, 1648.
Foto: Ausstellungskatalog.
 

Um 1600 entwickelte sich die niederländische Kunst weiter, löste sich vom internationalen Manierismus und fand zu einem autochthonen Realismus. In mehreren Kunstzentren florierten verschiedene Stile, so in Amsterdam, in Haarlem, in Utrecht und in Delft. Z.B. der Delfter Schule ist ein eigener Saal in der Ausstellung gewidmet, der sich mit dem Delfter Licht der Gemälde von Jan Vermeer, Pieter the Hooch, Gabriel Metsu und anderen auseinandersetzt. Die Arbeiten der am höchsten geschätzten Meister des 17. Jahrhunderts, Rembrandt und Frans Hals, bilden einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung, zu denen auch die Landschaftsmalerei und Seestücke gehören. Gegen Ende des Jahrhunderts kam die niederländische Kunst erneut unter ausländischen Einfluss. Diesmal strahlte der Hof des Sonnenkönigs  Louis XIV von Frankreich aus bis in die Generalstaaten.
 
Die zwei Ausstellungskataloge (auch in deutscher Version erhältlich) decken Malerei, Bildhauerkunst und Kunstgewerbe bzw. Zeichnungen und Drucke ab. Mit den rund 200 (abgebildeten) Ausstellungsstücken exemplifiziert das Rijksmuseum die Entwicklungen der niederländischen Kunst im 17. Jahrhundert und fast das heutige Wissen dazu zusammen, ohne allerdings neue Erkenntnisse beizusteuern. Der Leser erfährt auch eine Reihe zum Teil kurioser Details. So erreichte die Tulpen-Manie (Tulpen sind auf vielen Stilleben jener Zeit zu finden) um 1636 ihren Höhepunkt. Damals konnte der Preis einer exquisiten Tulpenzwiebel den Preis eines Amsterdamer Grachtenhauses erzielen. Der Tulpen-Wahnsinn kam 1636/37 zu einem Ende und ruinierte viele Händler und Käufer. - Die Spekulation ist keine Erfindung der Börsen des 20. Jahrhundert. - Übrigens: Die Tulpen stammten ursprünglich aus der Türkei und wurden in Holland erst im 16. Jahrhundert eingeführt, weshalb sie so seltene und teure Pflanzen waren.
 

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