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Oscar Peterson
Konzert und zwei neuaufgelegte CDs
Hinzugefügt am 25. Dezember 2007
Mein Lieblingspianist,
Oscar Peterson, ist im Alter von 82 Jahren zu Hause, in einem Vorort von
Toronto, verstorben. Oscar Peterson wurde am 15. August 1925 als Kind
karibischer Einwanderer in Montreal geboren. Insbesondere ab 1947 mit dem Oscar
Peterson Trio und damit als Begleiter von Ella Fitzgerald schrieb er
Jazz-Geschichte. 1993 erlitt er während eines Konzerts in New York einen
Schlaganfall. Danach fiel seine linke Hand fast vollständig aus. Er trat aber
weiterhin mit Erfolg auf.
Sheet music by
Oscar Peterson.
Artikel vom Mai 2000
Konzertkritik
Oscar Peterson, der Jazzpianist mit dem glasklaren Anschlag und der exakten
Phrasierung, gehört zu den Legenden des Jazz. Noch im Alter von 75 Jahren
vermag der Kanadier zu begeistern, trotz eines im Mai 1993 erlitten Schlaganfalls,
von dem er sich nach zwei Jahren harter Arbeit an sich selbst soweit erholt
hatte, dass er seither wieder regelmässig auftreten kann, auch wenn seine linke Hand, die vorerst gelähmt war, nicht mehr zu ihrer frühren
Virtuosität zurückgefunden hat.
Sein Konzert im Théâtre de Beaulieu in Lausanne vom 4. Mai
2000 fand vor
versammelter, treuer Fan-Gemeinde statt. Dass kein einziger Journalist der grossen Westschweizer Zeitungen den Weg dorthin fand, ist eine Schande. Der
Leistung seines Quartetts tat es keinen Abbruch. Ulf Wakenius (Schweden) an
der Gitarre, Martin Drew (England) am Schlagzeug und Niels-Henning
Orsted-Pedersen (Dänemark) am Bass
sorgten zusammen mit dem Pianisten Peterson für einen vollen, swingenden Sound.
Zuerst kam der Schlagzeuger auf die Bühne und begann zu spielen, danach
gesellten sich der Bassist, später der Gitarrist und schlussendlich der
Pianist hinzu. Erschreckend zu sehen, wie mühevoll sich Oscar Peterson zum
Klavier schleppen musste. Doch einmal vor seinem Instrument sitzend, war er
fast wieder der alte Perfektionist, der eingängigen, melodiösen Jazz darbot,
leicht und lebhaft zugleich. Das Quartett spielte Jazz-Klassiker von Duke
Ellington, vor allem aber Eigenkompositionen von Oscar Peterson. Darunter
waren Night Time, When Summer Comes - entspannend wie eine laue
Sommernacht, wobei unwillkürlich der Gedanke kam, ob der Sommer 2000
Petersons letzter sein wird -, The Cakewalk, Evening Song oder You
Look Good To Me.
Im zweiten Teil bot Peterson auch ein Duett mit Ulf Wakenius, bei dem sich
die zwei gegenseitig nachahmten und anspornten, ehe alle vier wieder im
Quartett zusammenfanden, wobei auch noch Zeit für eine Schlagzeug-Einlage
blieb. Als Zugabe bot das Quartett die regionale Nationalhymne, die Oscar
Peterson auf Wunsch der kanadischen Regierung letztes Jahr zu ehren der
neugegründeten Provinz der Ureinwohner Kanadas komponiert hat. Auch wenn der
Pianist zur Unterstützung seiner linken Hand auf Gitarre und Bass angewiesen
war und Niels-Henning Orsted-Pedersen erstaunlich blass blieb, überzeugte das
Quartett doch mit seinem "klassischen" Stil, in dem Oscar Peterson
unübertroffen bleibt. Eine Standing Ovation war der Dank des Publikums für
einen Abend entspannender
Musik.

Zu beachten sind zwei neuaufgelegte CDs:
Oscar Peterson Plays The Duke Ellington Song Book: Oscar Peterson
repräsentiert für das Piano, was Ella Fitzgerald für den Gesang darstellt:
die klassische, zeitlose und unerreichte Eleganz. Es ist deshalb auch kein
Zufall, dass die zwei Künstler zusammen grosse Erfolge feierten. Das Ellington
Song Book ist allerdings eine Instrumentalaufnahme, die ohne die Meisterin
des Scat auskommt. Die Tracks 1-12 wurden zusammen mit Barney Kessel, Gitarre,
und Ray Brown, Bass, im Dezember 1952, die Songs 13-24 mit Ray Brown und Ed
Thigpen, Schlagzeug, im Juli und August 1959 aufgenommen. Sie stammen aus der
besten Zeit von Oscar Peterson - eine Zeit, die lange andauerte und erst mit
seinem Schlaganfall 1993 ein Ende fand. Die Idee zum Album stammte von Norman
Granz, der die besten Songs der besten amerikanischen Songwriter auf Alben
bannen wollte - Peterson nahm in jener Dekade auch Höhepunkte des Schaffens
von Berlin, Gershwin und Porter auf. Besonders die Aufnahmen aus dem Jahr 1959
sind einigen Jazzfans vielleicht zu sehr easy-listening. Was
soll's? Es ist eine wunderbare CD zum Träumen. Bestellen
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The Sound of the Trio
wurde im Juli und August 1961 mit Ray
Brown, Bass, und Ed Thigpen, Schlagzeug, im London House aufgenommen. Es
war ein gepflegter, anspruchsvoller Club in Chicago (bis 1973), in dem
das Trio zwischen 1957 und 1969 regelmässig Gastspiele von zwei- bis
vierwöchiger Dauer gab. Das Album ist ein weiterer Höhepunkt im
Schaffen von Oscar Peterson. Die Aufnahmequalität ist besser wie bei
der oben besprochenen CD. Gleichzeitig sind Klang und Spiel direkter,
härter. Am selben Ort nahmen die drei Musiker übrigens auch das Album The
Trio auf. Es fällt schwer, einzelne Titel der exzellenten Platte
hervorzuheben. Vielleicht der von Peterson geschriebene elfminütige Kadota's
Blues (entgegen seinem Namen reiner Jazz; der Titel ist eine
Referenz an Petersons Freund George Kadota, ein Spezialist für
HiFi-Anlagen in Toronto), Charlie Parkers Scrapple From the Apple
oder die Ballade Jim, von Petrillo, Samuels und Shawn
geschrieben. Es gibt keine schwachen Stücke auf The Sound of Trio,
das den brillanten, perfekten Stil des Oscar Peterson Trios
repräsentiert. Night Club-Musik in Vollendung - Live. Bestellen
bei Amazon.de.
Diese Kurzkritik zu Quiet Now
wurde am 25.12.2003 (von Cosmopolis Nr. 12 aus dem Jahr 2000) hierher
verschoben: Oscar Peterson: Quiet Now. Time And Again
(Verve 31454 32502): Dieser Sampler mit Tracks aus acht Alben, bei denen leider die Enstehungsdaten
nicht angegeben wurden, ist ein Leckerbissen. Oscar Petersons äusserst
freie Interpretation von Summertime aus dem Gershwin-Songbook-Album,
das Titelstück Time And Again aus We Get Requests oder
die traumhafte Ballad To The East, von Peterson selbst komponiert,
dokumentieren, dass der Pianist nicht nur technisch perfekt ist, sondern
auch ruhige und besinnliche Stücke überzeugend interpretieren
kann. Die Verve-Serie Quiet Now hat es in sich!
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