The Osterman Weekend
1983
Filmkritik und Biografie von Regisseur Sam Peckinpah.
John Tanner: Rutger Hauer.
Lawrence Fassett: John Hurt.
Bernard Osterman: Craig T. Nelson.
Richard Tremayne: Dennis Hopper.
Maxwell Danforth: Burt Lancaster.
Joseph Cardone: Chris Sarandon.
Stennings: Sandy McPeak.
Ali Tanner: Meg Foster.
Virginia Tremayne: Helen Shaver.
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Biografie: Sam Peckinpah war einer der radikalsten Regisseure des
amerikanischen Kinos. 1925 in Fresno, Kalifornien, geboren, ging
Peckinpah auf die Marine-Schule. Im Zweiten Weltkrieg schloss er sich
der amerikanischen Armee als Marineinfanterist an. Zu seinem
"Leidwesen" griff sein Regiment nie aktiv in den Krieg ein.
1947 heiratete er seine erste Frau und begann an der Universität von
Südkalifornien Theater zu studieren. Er nahm einige kleine Jobs an, so
bei der Liberace Show (!). Danach arbeitete er als Regisseur fürs
Theater und fürs Fernsehen. Peckinpah schrieb fürs Fernsehen Gunsmoke,
The Rifleman und The Westerner. Mitte der 50er Jahre wurde er
Assistent von Regisseur Don Siegel. 1960 hatte er seine eigene
Fernsehserie The Westerner, die allerdings nur 13 Wochen dauerte.
Danach unternahm er einige erfolglose Versuche, ein Teil des
Mainstream-Kinos zu werden. Doch er blieb ein Aussenseiter und
"böser Bube" unter Amerikas Regisseuren. Peckinpah war für
Alkohol- und Drogenkonsum berüchtigt. Auf dem Set verhielt er sich oft
seltsam und schuf sich viele Feinde. In den letzten Jahren seines Lebens
lebte er vor allem in einem Wohnmobil.
Peckinpahs erster Film war The Deadly Companions im Jahr 1961.
Ride The High Country folgte 1962, mit den Altstars Randolph
Scott und Joel McCrea in ihrem letzten Western. Weitere Filme Peckinpahs
(dies ist keine vollständige Liste) waren 1969 The Wild Bunch,
eine "Zeitlupen-Western-Komödie". Dieser Film gab ihm
entscheidenden Auftrieb. 1971 folgte Straw Dogs mit Dustin
Hoffman. Der Film brachte ihm den Vorwurf ein, übermässig Gewalt
einzusetzen - eines seiner Markenzeichen. 1972 folgte der Roadmovie The
Getaway mit Steve McQueen und Ali McGraw. Viele kennen den Film nur
als Remake mit Alex Baldwin und Kim Basinger. Pat Garrett and Billy
The Kid drehte Peckinpah 1973 mit den Folkmusicstars Bob Dylan und
Kris Kristofferson in den Hauptrollen. 1976 drehte er den Antikriegsfilm
Steiner - Cross of Iron, der sich mit dem Gehorsam im Krieg
auseinandersetzte. Sein letzter Film war The Osterman Weekend
(1983). Peckinpah starb im Jahr 1984.
Peckinpah betrachtete das Filmemachen als seinen Krieg gegen
Hollywood, die Studios, die Produzenten und die Crew. In Pat Garrett
and Billy The Kid verschliess er sechs Cutter - das Schneiden
dauerte bei ihm im übrigen monatelang. Peckinpahs unverwechselbarer
Stil beinhaltet den häufigen Gebrauch von Zeitlupen,
Zeitverzögerungen, Standbilder und viele kurze Schnitte. Die
Gewaltszenen in seinen Filmen sind oft in Zeitlupe und zeigen die Szene
auf verschiedenen Perspektiven. Doch seine Filmcharaktere gebrauchen
nicht grundlos Gewalt, sondern sie befinden sich oft an
Schlüsselstellen in ihrem Leben, in denen sie die Perspektive verlieren
und einem Gewaltrausch verfallen.
The Osterman Weekend ist ein Film über
Verschwörungen, menschliche Beziehungen, Gewalt und Moral. Der Film
beginnt mit einer Szene, in der Lawrence Fassett (John Hurt) nach
Liebesszene mit seiner Frau eine Dusche nimmt. Eine versteckte Kamera
filmt die Szene und zeigt, dass zwei Männer reinkommen und seiner Frau
etwas mit Gewalt in die Nase spritzen, während dem Fassett sich duscht.
Als er zum Bett zurückkommt, ist seine Frau schon tot.
Erst danach realisiert der Zuschauer, dass der CIA-Chef Maxwell
Danforth (Burt Lancaster) und sein Mitarbeiter Stennings (Sandy McPeak)
die Szene, die Jahre zuvor stattfand, auf Video betrachten. Der KGB
tötete damals Fassetts Frau - aus bestimmten Gründen mit der
stillschweigenden Komplizenschaft der CIA. Gemäss Danforth hat Fassett
nie von der Mitwisserschaft der CIA erfahren, obwohl er wie verrückt
nach den Mördern suchte. Doch seine Suche führte ihn scheinbar auf die
Spur ein Spionagerings, Omega genannt.
Danforth und Stennings sind davon beeindruckt. Fassett schlägt vor,
einen der drei beschuldigten Spione, die scheinbar für den KGB
arbeiten, umzudrehen. Die drei sind Freunde von John Tanner (Rutger
Hauer), einem Fernsehmoderator, der in seiner Sendung korrupten
Politikern und anderen Skandalen nachspürt. Er ist zudem einer der
schärfsten Kritiker des CIA-Chefs Danforth, der präsidentielle
Ambitionen hegt. Die vier Freunde, die zusammen in Berkeley studiert
haben, treffen sich einmal pro Jahr mit ihren Frauen zum sogenannten
Osterman-Weekend, benannt nach Bernard Osterman (Craig T. Nelson), einem
der vier, bei dem das Treffen zum ersten Mal stattfand.
Dieses Jahr findet das Treffen bei Tanner statt. Fassett, Stennings und
Danforth können Tanner nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Hilfe von
Videoaufnahmen und nach einer versuchten Entführung von Tanners Frau
und Sohn davon überzeugen, dass seine drei Freunde Spione sind. Tanners
Haus wird daraufhin vollkommen verkabelt und mit Überwachungskameras
ausgestattet.
Als die drei Freunde bei Tanner eintreffen, wissen sie bereits, dass
sie überwacht werden - doch sie haben keine Kenntnis von den Kameras im
Haus. Die Situation ist gespannt. Alle beobachten sich argwöhnisch.
Nichts ist, wie es scheint. Danforth, Fassett, Tanner, die Freunde und
ihre Frauen, niemand weiss richtig, was los ist. Ein psychologischer
Krieg beginnt in den alle involviert werden. Die Spannung steigt ins
Unerträgliche, insbesondere weil Fassett dafür sorgt, dass am
Fernsehen seltsame Zeichen wie "Omega" erscheinen. Die Dinge
geraten ausser Kontrolle und Gewalt bricht aus.
Auf der psychologischen Ebene und von der Idee her ist The
Osterman Weekend grossartig. Die Schauspieler, insbesondere John
Hurt, aber auch Rutger Hauer, Burt Lancaster und die anderen bieten
reife Leistungen. Mit dem Fortdauer der Handlung lernt der Zuschauer,
dass einiges nicht so ist, wie es zu sein scheint. Weniger überzeugend
ist allerdings die Gewalt, die den zweiten Teil des Filmes dominiert,
obwohl sie begründet wird. Die Dinge geraten ausser Kontrolle - auch
was die Arbeit des Regisseurs anbetrifft. Der psychologische Thriller
verwandelt sich in eine Gewaltorgie. Trotzdem ist The Osterman
Weekend einer von Peckinpahs besten Filmen, auch wenn das
moralisierende Ende zu "amerikanisch" ist und zu aufgesetzt
wirkt.
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