Art 31 Basel
21.-26. Juni 2000
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Wie jedes Jahr bildete die Art Basel einen Höhepunkt im
kulturellen Leben. Allerdings ist das Jahr 2000 kein herausragender Jahrgang,
auch wenn mit rund 53,000 Besuchern ein neuer Rekord verzeichnet werden konnte.
Die neue Art Unlimited war äusserst lieblos gestaltet. Der
Ausstellungsort war einer Lagerhalle nicht unähnlich. Die über siebzig
ausgewählten (zumeist schwachen) grossformatigen Kunstwerke wurden darin zu verlorenen Objekten.
Das Konzept sollte überdacht werden. Auch Grossinstallationen,
Videoprojektionen, Performances, etc. brauchen einen ansprechenderen Rahmen
zur Präsentation.
Die Art selbst allerdings bot - neben mehr Kitsch als
gewöhnlich - nicht nur (fast) alles, was das Herz des Privatsammlers begehrt, sondern
eine Reihe von Werken mit Museumsqualität, weshalb sich auch Vertreter der
grossen Museen dieser Welt in Basel einfanden. Aus über 800 Bewerbungen
hatten die Veranstalter 271 Galerien aus Europa, Nord- und Lateinamerika,
Asien und Australien ausgewählt, die zusammen rund 5000 Arbeiten von über
1000 Künstlern präsentierten. Quantität
garantiert zwar nicht für Qualität, doch da die Mehrzahl der führenden
Galerien für moderne und zeitgenössische Kunst in Basel vertreten war, liess
sich ein vielfältiges Angebot an hochkarätigen Kunstwerken nicht vermeiden.
Während dem europäische und amerikanische Galerien sich
oft mit verstorbenen
Künstlern eine goldene Nase verdienen möchten, präsentierte die 1982
gegründete Kukje Gallery aus Seoul zeitgenössische koreanische Künstler. Die asiatische Kunst dürfte je länger je mehr Einfluss auf die weltweite
Entwicklung der Avantgarde nehmen.
Unter den in Basel präsentierten Künstlern befindet sich der 1957 geborene
Cho Duck-Hyun. Wie Anselm Kiefer in Deutschland setzt er sich mit der
Geschichte und der Historienmalerei auseinander.
Es ist kein Zufall, dass er seine Serie A Memory of
20th Century nach einem Deutschlandbesuch begann. Die Auseinandersetzung
mit der Vergangenheit soll einen Heilungsprozess in Gang setzen. So brach
seine Kunst die offizielle Stille zum Kwang-Ju Massaker. Der offiziellen
Geschichtsschreibung und ihren Tabus setzt er die Erinnerung von Individuen
und Familien entgegen. Gleichzeitig ist es ein Kampf gegen das Vergessen der
eigenen Kultur. Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Koreas ist
mit der Geschichte früherer Generationen verbunden.
Die Serie Genealogy besteht nicht aus Fotos,
wie der erste oberflächliche Eindruck zu vermitteln scheint, sondern aus
Gemälden, die sich an traditionellen Fotos orientieren. Die farbigen Rahmen
repräsentieren die traditionellen, blassen Farben Koreas, die der Künstler
übrigens selbst hergestellt hat.
Während dem viele etablierte Galerien des Westens noch
nicht einmal einen Website haben, kann die Galerie Kukje auch auf dieser Ebene
auftrumpfen. Ein Blick lohnt sich.
Beim Stand der Galerie Art Focus aus
Zürich viel uns die kleine Skulptur La petite chouette (1953) von
Picasso auf, die bereits für 1 bis 1,5 Millionen Schweizerfranken verkauft
worden war. Auf die in den Räumen der Galerie bis Ende September
stattfindende Picasso-Ausstellung werden wir übrigens in der August-Nummer
von Cosmopolis eingehen. Siehe dazu auch den Artikel von I.F. in der Juni
Ausgabe der Zeitschrift Weltkunst.
Neben millionenschweren Kunstwerken waren an der Art
Basel Arbeiten bereits ab rund 1000 Schweizerfranken zu haben. Bei Gemini
G.E.L. aus Los Angeles z.B. konnte man fast noch feuchte, brandneue
handgemachte mehrfarbige Screenprints von Robert Rauschenberg erstehen.
Preis pro Druck $4,000.-, bei einer voraussichtlichen Auflage von 50
Exemplaren je Sujet. Als wir bei Gemini vorbeischauten, war der Druck noch
in vollem Gange und erst die ersten Exemplare der in Marrakesch
entstandenen und auf zehn (?) Sujets limitierten Serie, die Rauschenberg
selbst "Marrakitsch" nennt, waren zu sehen. Als Beispiel sei auf
den nebenstehenden Vamp verwiesen.
Enttäuschend war der Stand der Galerie
Beyeler aus Basel, wobei Beyeler selbst bereits in früheren Jahren betont
hat, dass er die herausragenden Werke in den ruhigen und diskreten Räumen
seiner Galerie zeigt und die am Stand der Art Basel gezeigten Arbeiten nur als
Appetithäppchen dienen. In der Vergangenheit war er zumeist mit
herausragenden Künstlern der klassischen Moderne vertreten. Dieses Jahr gab
er sich zeitgenössisch und risikofreudiger und zeigte vor allem Werke von
Mischa Kuball und Ross Bleickner. Die Lichtarbeiten von Kuball verwiesen auf
die in der Fondation Beyeler stattfindende Ausstellung mit Arbeiten des
Künstlers, der u.a. für die 150 Meter lange LED-Leuchtstoffröhren-Installation an der Aussenmauer des
Beyeler-Museums
verantwortlich ist. Die an der Art gezeigten Arbeiten von Kuball waren
zumindest hart an der Grenze zum Kitsch. Jene imaginäre Linie des schlechten
Geschmacks definitiv überschritten haben die Werke von Ross Bleickner. In den
1960er Jahren persiflierte er die Op-Art, die er als "tote Bewegung"
bezeichnete. Doch der 1949 geborene Künstler verdankte eben dieser Op-Art
seinen Aufstieg. Was er in den 1990er Jahren machte und am Stand der Galerie
Beyeler zu sehen war, ist jedoch längst keine Persiflage mehr, sondern reiner
Kitsch.
Trotz diesen kritischen Bemerkungen bleibt
das Faktum bestehen, dass die Art Basel nach wie vor die Kunstmesse der
modernen und zeitgenössischen Kunst ist. Sensationell waren z.B. die Studien
zum Schwarzen Quadrat (1915) von Kasimir Malewitsch, Zwei schwarze
Quadrate (Bleistift auf Papier; 11.4 cm x 16.2 cm), in einer Version
zirka aus dem Jahr 1920, die wir bei der Galerie Gmurzynska (Köln, Zug)
gesehen haben. Beeindruckend war der Stand der Galerie Thomas aus München,
die einen kleinen Skulpturengarten mit Werken u.a. von Max Ernst und Joan
Miró angelegt hatte. Daneben zeigte sie Zeichnungen und Bilder von Otto Dix,
Erich Heckel, Henri Matisse, etc. Die Ikone von Franz Marc, der
Farbholzschnitt Ruhende Pferde, stach besonders heraus. Die Galerie
Marlborough (London, Zürich) präsentierte eine kleine Retrospektive mit (vor
allem schwächeren Spät-) Werken von Oskar Kokoschka. Daneben war eine
vielbewunderte und gefragte Holzbibliothek von Manolo Valdez zu sehen, der
1999 Spanien bei der Biennale in Venedig vertreten hatte. Kurzum, ein Besuch
der Art Basel gehört mehr denn je ins Programm eines jeden Kunstfreundes.
P.S. Vom 12. bis 16. Dezember 2001 werden die
Basler Aussteller erstmals in Miami, Florida, eine zeitgenössische Kunstmesse
mit 100 bis 150 führenden Galerien aus Nord- und Südamerika sowie aus Europa
veranstalten. Sie wird durch spartenübergreifende Kulturveranstaltungen (Architektur, Design, Mode, Film und
Musik) ergänzt werden.
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Cho Duck-Hyun: Exhumation for burial, 1996. Werke
dieser Serie waren
allerdings in Basel nicht zu sehen. Foto Copyright: Galerie Kukje.

Cho Duck-Hyun: Genealogy, 1996. Conte and pencil on
canvas, wooden frame and dyed cotton, 145cm x 225 cm. Foto Copyright:
Galerie Kukje.

Robert Rauschenberg: Vamp, 2000. Mulit-color screenprint, 23 1/2" x 31 1/2".
Preis: $4,000.-. Copyright:
Gemini G.E.L.
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