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Evgeny Kissin
Biografie und Chopin-Album
: Preludes Op. 28, Sonate Nr. 2. Op. 35, Polonaise Op. 53, RCA Red Seal. CD bestellen bei Directmedia Schweiz oder Amazon.de.
 
Biographie
 
Evgeny Kissin wurde 1971 in Moskau geboren. Seine Mutter war Pianistin, sein Vater ein Ingenieur, der seine Karriere aufgab und mit der Familie 1992 in den Westen ging. Im Alter von zwei Jahren (!) begann Evgeny nach dem Gehör zu spielen. Mit sechs wurde er in die Moskauer Gnessin School of Music für begabte Kinder aufgenommen, wo er mit Anna Pavlovna Kantor zu studieren begann (die übrigens heute mit Kissin, seinen Eltern und seiner älteren Schwester zusammenlebt).
 
Erstmals erregte Kissin 1984 internationale Aufmerksamkeit, als er im Alter von zwölf Jahren zwei Klavierkonzerte von Chopin in der Grossen Halle des Moskauer Konservatoriums zusammen mit der Moskauer Staatsphilharmonie unter der Leitung von Dmitiri Kitayenko aufführte. Drei Jahre später gab Kissin beim Berliner Festival sein Debüt im Westen. Seine Darbietung von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert, zusammen mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan, war ein Triumph. Die anschliessende Europatournee mit den Moskauer Virtuosen unter der Leitung von Vladimir Spivakov war ausverkauft. 1990 folgte Kissins Debüt in den USA, wo er zwei Klavierkonzerte von Chopin in den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung von Zubin Metha spielte. Zehn Tage später eröffnete er die hunderste Saison der Carnegie Hall mit seinem Eröffnungsrezital.
 
Evgeny Kissin hat nie an irgendwelchen Musikwettbewerben teilgenommen. 1995 war er der jüngste Musiker in der Geschichte, der als Musical America Instrumentalist of the Year geehrt wurde. 1997 erhielt er die höchste russische Auszeichnung, den Triumph Award for Excellence für seinen Beitrag zur russischen Kultur. Im selben Jahr war Kissin der erste Pianist, der ein Solorezital bei den BBC Proms gab.
 
Evgeny Kissin gibt nur 60 Konzerte pro Jahr, wodurch sich keine Routine einstellen kann und jedes für ihn (wie für das Publikum, denn alle seine Auftritte sind ausverkauft) zu einem Ereignis wird. Er ist nicht nur ein hervorragender Pianist und Improvisator, sondern auch Komponist.
 
In einem Interview bekannte Kissin, dass er sich dem russischen Pianisten Yakov Flier (1912-1978) verbunden fühle. Er sei vielleicht nicht einer der grössten Musiker gewesen, doch wenn er sich seine Aufnahmen anhöre, fühle er sich ihm nahe.
 
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Chopin komponierte die 24 Préludes Op. 28 zwischen 1836 und 1839, die Sonate in b-Moll Op. 35 im Jahr 1939 und die As-Dur Polonaise Op. 53 im Jahr 1942. Die Werke zeigen Chopin im Zenith seines Schaffens. Die Préludes sind eine Hommage Chopins an Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier. Chopin war ein glühender Verehrer des deutschen Komponisten und zur Zeit der Niederschrift der Préludes tief in die Musik Bachs vertieft, die er als "die beste Schule" betrachtete. Niemals würde jemand eine bessere zum Verständnis des Klavierspiels schaffen. "Ohne Bach können Sie weder Geläufigkeit der Finger erzielen noch einen klaren oder schönen Klang. [...] Was immer er tut, ist vollkommen; man kann es sich gar nicht anders vorstellen, und die kleinste Änderung würde alles verderben." Chopins Préludes sind "eher eine Sammlung von Tondichtungen, deren Dimensionen genau dem Wesen ihres Inhalts entsprechen", schrieb der englische Musikologe Arthur Hedley. Sie wurden als Zyklus geschrieben, aber ihre individuellen Komponenten sie äusserst verschieden, und es gibt keine motivische Verbindung zwischen ihnen.
 
Die Sonate Nr. 2 in b-moll Op. 35 besitzt einen dramatischen ersten Satz, ein dämonisches Scherzo, den berühmten Trauermarsch sowie ein rätselhaftes Prestofinale. Harris Goldsmith bezeichnet die melodischen, harmonischen und motivischen Elemente "in ihrer zwingenden Meisterschaft fast an Beethoven gemahnend".
 
Die letzten Mazurkas und Polonaisen sind Ausdruck und Höhepunkt von Chopins "feurigem Stolz und Nationalismus". Obwohl er einen französischen Vater hatte und ab 1831 in Paris wohnte, hörte Chopin nie auf, sein Geburtsland zu lieben. Die Polonaise in As-Dur Op. 53 ist, auf Grund ihrer mitreissenden und erregende Gefühle vermittelnden Musik, eines der populärsten Stücke der klassischen Musik geworden. Technische Brillanz ist nötig, um sie vorzutragen.
 
Evgeny Kissin fühlt sich in der Musik des frühen Meisters der Romantik, der vom nationalen Ausdruck geprägt war, wie ein Fisch im Wasser. Chopins Kompositionen haben, neben heroischen Momenten auch introspektive Qualitäten und eröffnen dem Pianisten viel Raum zur Improvisation, was Kissin entgegenkommt, der in den ruhigeren wie in den virtuosen und heroischen Passagen brilliert. Die CD gehört in jede Plattensammlung. CD bestellen bei
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