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Nr. 16, Juli 2000
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Fast Cats And Mysterious Cows
Songs from America. März 2000, Virgin/EMI. CD bestellen bei Amazon.de
 
Der lustige Titel und das Cover täuschen über den Inhalt hinweg. Auch die ersten drei Old American Songs von Aaron Copland sind für das Album nicht repräsentativ, da zu einfach gestrickt. Die CD Fast Cats and Mysterious Cows vereint vielmehr eine ganze Reihe von raffinierten und anspruchsvollen Liedern, die vom American Boychoir unter der Leitung von James Litton mit der Unterstützung von Patricia Petibon (Sopran) und Catherine King (Mezzosopran) vorgetragen werden.
 
Das Spektrum reicht vom erwähnten Aaron Copland (1900-1990) mit seinen "primitiven", doch schon in die Jahre gekommenen Volksliedern über Samuel Barber (1910-1981) und seinen Kunstliedern wie Mélodies passagères Op. 27 und seinen Four Songs Op. 13 bis zu relativ jungen Komponisten wie dem 1952 geborenen Malcolm Bruno mit seinen Trois Noëls Québecois sowie Ondine.
 
Das Booklet erhält nicht nur einige Angaben zu den Komponisten, aus der Feder von Malcolm Bruno persönlich, sondern auch alle Liedtexte in englischer und französischer Version. Gemäss Bruno ist die europäische Kunstmusik im 20. Jahrhundert zu Dissonanz und Abstraktion übergegangen, während dem sich die amerikanische (mit einigen Ausnahmen) hinsichtlich melodischer Stimmführung und Rhythmik ihre Geradlinigkeit bewahrt habe.
 
Die auf der CD vereinten Lieder für Chor bzw. Solostimme feiern diesen "natürlichen Lyrismus". Einige der melodieorientierten Songs wurden sogar extra für das vorliegende Album in Auftrag gegeben. Als Leitmotive erwähnt Bruno den Gesang als zentrales Element, Kindheit und damit verbunden die Unschuld, Ungezwungenheit und Phantasie repräsentiert durch die Knabenstimmen und das frische Timbre der jungen Solistinnen. Mysteriöse Katzen, Wassergeister und Weihnachtsengel sowie die Farben des Regenbogen und des unsichtbaren Windes dominieren diese Welt.
 
Die versponnenen, behutsamem, mysteriösen und (im Fall von Brunos Trois Noëls Québecois) religiös anmutenden Lieder stammen aus der Feder von amerikanischen Komponisten, die von der französischen Musik - von Nadia Boulanger und den ihr nachfolgenden Lehrern - beeinflusst waren und sind. Alles begann mit Aaron Copland, der 1921 bei Nadia Boulanger in Paris zu studieren begann. Leonard Bernstein war eng mit ihr befreundet und Ned Norem verbrachte einen Grossteil der 50er Jahre in Paris. Malcolm Bruno und James D'Angelo studierten in der französischen Hauptstadt bei der Nachfolgegeneration von Nadia Boulanger. Die CD mit den 1998 und 1999 in den USA und England aufgenommenen Liedern ist es wert, gehört zu werden.

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