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Gladiator
Regisseur: Ridley Scott. Mit Russell Crowe (Maximus Meridius), Joaquin Phoenix (Commodus), Oliver Reed (Proximo Palindromos), Richard Harris (Marcus Aurelius), Connie Nielsen (Lucilla), Djimon Hounsou (Juba), Ralf Moeller (Hagen), Derek Jacobi (Gracchus), Spencer Treat Clark (Lucius), David Hemmings (Cassius), Tomas Arana (Quintus) Tommy Flanagan (Cicero), Sven-Ole Thorsen (Tiger) David Schofield (Falco), John Schrapnel (Gaius), u.a. DVD bestellen bei Amazon.deAmazon.com, Amazon.co.uk, Amazon.fr.
 
1.12.2002: Habe mir den Film nochmals angeschaut und muss gestehen, dass die untenstehende Kritik überzogen ist. Gladiator ist ein herausragender Film mit einigen ärgerlichen Details, über die man jedoch hinwegsehen sollte. Louis Gerber
 
Artikel vom Juli 2000
Der Schwerter- und Sandalenfilm ist zurück. 1951 erschien Quo Vadis über den römischen Roman General Marcus Vicinius, der sich während Kaiser Neros Regierungszeit in eine christliche Sklavin verliebte. 1959 folgte Ben Hur über den israelitischen Prinzen (Charlton Heston), der am Ende eines epischen Dramas ein Wagenrennen gewinnt und so den Sieg der Freiheit über die Tyrannei erringt - und dem Film 11 Oscar einbringt (so viele wie sonst nur Titanic gewonnen hat). 1960 erschien Spartacus von Stanley Kubrick mit Kirk Douglas als Sklave, der eine Revolte der Entrechteten anführt. Auf diesen Kassenschlager folgte eine ganze Reihe von Filmen um die Person von Spartakus. 1963 erschien der vier Stunden dauernde Monumentalfilm Cleopatra mit Elizabeth Taylor und Richard Burton, der beim Publikum durchfiel. 1964 folgte The Fall of the Roman Empire mit Sophia Loren und Alex Guiness, dem ebenfalls kein Erfolg beschieden war und mit dem nicht nur das Römische Reich, sondern auch gleich das Genre des Schwerter- und Sandalenfilms unterging (abgesehen natürlich von der unzählbaren Serie an italienischen B-Produktionen).
 
Gladiator von Ridley Scott versucht mit der grossen Kelle ($100 Millionen) das Genre wiederzubeleben. Der Film wurde in England (im Wald von Bourne in der Nähe von Farnham für die Szenen, die in den Wäldern am Donauufer spielen), Marokko und auf Malta (für die Kolosseumszenen) gedreht. Gladiator spielt im Jahr 180 nach Christus, als sich rund ein Viertel der Weltbevölkerung unter römischer Herrschaft befand. Der Film dreht sich um den fiktiven General Maximus Meridius (Russell Crowe), der für den Römischen Kaiser Marcus Aurelius (Richard Harris) die Barbaren in den Wäldern der römischen Provinz Carnuntum bekämpft (die übrigens nicht in Deutschland, sondern im heutigen Österreich lag).
 
Russell Crowe, der auf einer grossen Ranch sechs Autostunden nördlich von Sydney lebt und ein erfahrener Reiter ist, hatte naturgemäss keine Probleme mit den eindrücklichen Kampfszenen zu Beginn des Filmes. Der historische Marcus Aurelius war jener Kaiser, der die meisten Schlachten in der gesamten römischen Geschichte focht. Trotz dieser Tatsache lebt er in der Geschichtsschreibung vor allem als der Philosoph weiter, der er auch war. Es war sein Sohn Commodus (Joaquin Phoenix), der schliesslich mit den "unzivilisierten" Völkern im Norden Frieden schloss. Der reale Commodus trug Frauenkleider und hielt sich ein Harem von 300 Frauen und 300 Männern. In seiner Regierungszeit begann der Niedergang des römischen Weltreiches. Brot und Spiele gehörten zwar schon damals zur Volksunterhaltung, doch Commodus ging noch einen Schritt weiter und wurde der erste und wohl einzige Kaiser, der selbst im Kolosseum als Gladiator kämpfte. Er verfiel dem Cäsarenwahn und wurde schliesslich von Leuten aus seiner nächsten Umgebung erdrosselt. In Gladiator verläuft die Geschichte etwas anders.
 
Der Film konzentriert sich auf die Rivalität zwischen Commodus, dem Sohn von Kaiser Marcus Aurelius, und seinem fiktiven General Maximus. Der Film beginnt mit einer zehnminütigen, blutigen und mit vielen Komparsen gedrehten Schlachtszene, die in ihrer Suche nach Authentizität - wobei wir das bezüglich der Römer natürlich nicht wirklich beurteilen können - an Spielbergs Saving Private Ryan mit der Landung der Alliierten in der Normandie erinnert. In Gladiator führt General Maximus seine Truppen in den Kampf gegen die nach Jahrzehnten noch immer Widerstand leistenden Germanen in den Wäldern am Rande der Donau.
 
Maximus ist nicht nur ein loyaler und unbesiegter Spanier, der noch nie Rom mit eigenen Augen gesehen hat, sondern auch ein vertrauter Freund und Berater des Kaisers, der ihn seinem eigenen Sohn Commodus als Thronerbe vorzieht. Der Kaiser hat über 17 Jahre mit kämpfen verbracht und ist nun des Schwertes müde geworden. Er möchte, dass Maximus als sein Nachfolger nach Rom geht und dort die Republik wiederherzustellen. Der Film kann die Läuterung des Kaisers vom Krieger zum Philosophen nur andeuten. Je länger der Film dauert, je mehr verlagert sich das Schwergewicht auf die Kämpfe.
 
Sohn Commodus kommt zu einem Überraschungsbesuch zum Kaiser an die Front, zusammen mit seiner Schwester Lucilla (Connie Nielson), die einst damals erwiderte Gefühle für Maximus hegte. Doch beide heirateten und haben je einen Sohn von acht Jahren. Commodus hegt übrigens mehr als nur brüderliche Gefühle für seine Schwester, wie später im Film zu erfahren ist.
 
Als Marcus Aurelius seinem Sohn seine Zukunftspläne eröffnet, ermordet ihn Commodus nach einer emotionalen Szene, in welcher der Sohn sich über die ihm nie entgegengebrachte Liebe beklagt. Auch der Rivale Maximus soll getötet werden, doch er entkommt knapp seinen Mördern. Böses ahnend reitet er so rasch wie möglich nach Spanien, um Frau und Kind zu schützen. Doch er kommt zu spät. Sie wurden bereits auf brutale Weise ermordet und ihre Leichen geschändet. Der erschöpfte und am Boden zerstörte Maximus wird Opfer seines mangelnden Schlafes. Als er wieder aufwacht, ist er bereits in den Händen eines Sklavenhändlers und in einem Käfig auf dem Weg nach Afrika, wo ihn Proximo (vom brilliant spielenden  Oliver Reed verkörpert) kauft. - Der stark trinkende Schauspieler verstarb noch kurz vor Ende der Dreharbeiten auf Malta. Die Filmemacher mussten deshalb in den letzten Szenen ein Körperdouble für ihn einsetzen. - Proximo ist ein moralisch bankrotter Sklavenhändler und Gladiatortrainer in der römischen Provinz. Einst war er selbst ein berühmter Gladiator gewesen und erhielt nach einem im Kolosseum gewonnenen Kampf die Freiheit. Proximo kennt die Identität von Maximus nicht. Der weigert sich zuerst zu kämpfen. Ohne seine Familie will er nicht weiterleben. Doch Proximo erkennt sein Potential und erklärt ihm, dass, wenn er das Publikum zu gewinnen vermag, leben werde. Und wenn er grossartig kämpfe, werde er im Kolosseum vor den Augen Cäsars kämpfen dürfen. Darin sieht nun Maximus die Chance, sich eines Tages an Commodus rächen zu können. Und tatsächlich wird später, viel später, der Kampf zwischen Gladiator und Kaiser Realität.
 
Russell Crowes schauspielerische Leistung in Gladiator wird von derjenigen von Joaquin Phoenix (Commodus) überschattet, der die sexuelle Ambiguität seines Charakters und dessen moralische Schwächen hervorragend interpretiert. Allerdings ist auch er das Opfer eines zum Teil schwachen Drehbuchs mit dementsprechend gehaltarmen oder übertriebenen Szenen und Dialogen. Leider gab Ridley Scott dem genialen Russell Crowe keine Chance, seine Intensität und Subtilität voll ausspielen zu können. Maximus bleibt blass. Vor allem aber hat Ridley Scott einige schwache Szenen verbrochen und zu viele kitschige Sonnenuntergänge in seinen Film eingebaut. Das Drehbuch von David Franzoni erlaubt den komplexen Charakteren nur teilweise, alle ihre Facetten zu zeigen. Die Dialoge sind oft zu einfach gestrickt. Das betrifft alle Beziehungen: Vater/Sohn, Bruder/Schwester, Kaiser/General, Kaiser/Senator, Trainer/Gladiator, Kaiserstochter/General. Die Musik von Hans Zimmer ist purer Kitsch.
 
Interessant ist die Szene des triumphalen Einzugs von Commodus als neuer Kaiser in Rom, bei der sich Ridley Scott sehr eng an einen Dokumentarfilm aus den 1930er Jahren von Leni Riefenstahl anlehnt, in dem Hitler in seinem Mercedes durch die akklamierenden Menschenmassen fährt. Gladiator beeindruckt vor allem in den Kampfszenen, die in all ihrer Brutalität gezeigt werden, aber dadurch leider auch ein Publikum anlockt, dass auf primäre Sensationen aus ist (zumindest im Kino, in dem ich den Film sah, war es so). Die Schauspieler (Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Oliver Reed), die Geschichte und ihre Charaktere sowie nicht zuletzt die zur Verfügung stehenden $100 Millionen hätten eigentlich ein Meisterwerk produzieren müssen. Stattdessen dominiert die Action und drückt die handelnden, eine Spur zu einfach gestrickten Personen und die zu oberflächlich geratene Erzählung an den Rand. Trotz teilweise grossartigen Szenen und schauspielerischen Leistungen ist der Film stückweise eine Karikatur, geradezu lächerlich in seiner Kitschigkeit. Trotz dieser harschen Kritik: Gladiator ist nie langweilig und die Spezialeffekte lassen das alte Rom wieder aufleben - zumindest für zweieinhalb Stunden. Gladiator ist in mancher Hinsicht das Schwert- und Sandalenpendant zu Titanic und dürfte ebenfalls ein ganz grosser Erfolg werden.
 
Regisseur Ridley Scott konnte kommerzielle und von der Kritik geschätzte Erfolge mit Blade Runner (seiner ersten Hollywood-Arbeit), Alien, Black Rain, Silence of the Lambs und Thelma and Louise feiern. Er musste aber auch einige Flops in Kauf nehmen: 1492: Conquest Of Paradise, White Squall und GI Jane. Ridley Scott ist Teil einer Dynastie von Filmemachern. Sein Sohn Jake und sein Bruder Tony stehen ebenfalls hinter der Kamera. Die drei arbeiteten zusammen an der Fernsehproduktion The Hunger, basierend auf Tony Scotts Werk über Vampire aus dem Jahr 1993.
 
Bemerkungen zu einigen Schauspielern: Tomas Arana war mit Russell Crowe in L.A. Confidential zu sehen. Joaquin Phoenix spielte 1998 in Clay Pigeons, einem Film, in dem Ridley Scott Co- und Tony Scott Executive Producer waren. Der deutsche Ralf Moeller, der Hagen, einen der Gladiatoren spielt, ist ein früherer Mr. Universe. Der schwarze Schauspieler Djimon Hounsou (Juba) hatte in Steven Spielbergs Amistad eine wichtige Rolle und wurde dafür auch für einen Golden Globe nominiert. Connie Nielsen (Lucilla) spielte in The Devil's Advocate und Rushmore mit.

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Am 11.2.2002 sandte uns Stefan Franke folgenden Kommentar:
Cosmopolis scheint ja ein umfangreiches und interresantes Magazin zu sein. Allerdings muß ich meinen Unmut über die Kritik von Gladiator äußern. Die Figuren werden als oberflächlich, der Film manchmal als kitschig beschrieben. Ich denke hingegen, das es sich hier um den besten Film der letzen zehn Jahre handelt. Die Story ist packend erzählt und keinesfalls irgendwo kitschig (und da stimmen mir alle meiner Bekannten zu). Der Film verläuft IMHO wie ein gewaltiger Sturm von gigantischen, unfassbaren Bildern. Vorallem die 'Erkenntnis' des Kritik-Autors, das die Musik von Hans Zimmer kitschig sei, läßt zumindest auf fehlendes Musikverständnis deuten. Und das ist keine spießige Meinung meinerseits. Selbst leute, die eher Musik im üblichen Pop-Bereich mögen, konnten sich mit Zimmers' Soundtrack anfreunden. Er untermalt alle Szenen absolut perfekt mit übermenschlicher Genialität. Vorallem die Musik der großen Schlacht zu Beginn läßt den Adrenalinspiegel steigen. Und genau das soll sie auch erreichen. Derjenige, der dort nichtmal ein wenig Kribbeln verspürt, sollte mal seinen Adrenalinhaushalt checken lassen. Hans Zimmer kann sich problemlos in eine Reihe mit anderen genialen Film- und Serienkomponisten wie z.B. John Williams, Jerry Goldsmith oder Christopher Franke stellen. Daher bereitet mir diese unobjektive Kritik nichts als Kopfschütteln. Meine Meinung dazu steht jedenfalls fest (auch im Namen aller Gladiator-Fans), ob es dem Autor gefällt oder nicht. Ansonsten wäre noch zu sagen, das Cosmopolis wirklich eine lesenswerte Sache sein kann, wenn Kritiken solcher Art etwas objektiver wären. Das stört nämlich den Lesespass enorm.
 
Antwort von Cosmopolis:
Danke für Ihre Kritik. Gladiator ist kein schlechter Film, doch es hätte ein Meisterwerk werden können. Russell Crowe, Joaquin Phoenix und Oliver Reed sind herausragende Schauspieler. Doch Zimmers Musik und Scotts Sonnenuntergänge (und noch anderes) sind kitschig. Zum Glück gibt es keinen Einheitsgeschmack; wir müssen nicht einer Meinung sein. Mit bestem Gruss - trotz unterschiedlicher Einschätzung. Louis Gerber
 
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