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Nr. 16, Juli 2000
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Merida - T’Hó (Yucatan, Mexico)
 
Die erste Amerikanische Kulturhauptstadt
 
(Foto links: Ansicht der Kathedrale von Merida. Es handelt sich um die erste Kathedrale, welche auf dem amerikanischen Festland erbaut wurde und ist das beste Beispiel religiöser Architektur von Yukatan. Die Kathedrale datiert aus den letzten Jahren des 16. Jh. und liegt am Plaza Grande von Merida).
 
Zum ersten Mal in der Geschichte ist eine Stadt der 35 amerikanischen Länder für ein Jahr zur «Amerikanischen Kulturhauptstadt», eine Initiative mit Unterstützung und Zusammenarbeit der Organisation der Amerikanischen Staaten, ernannt worden. Das Ziel ist eine bessere Kenntnis und der Zusammenhalt zwischen den Völkern Amerikas, wie auch die Verbreitung der amerikanischen Kultur in den übrigen Ländern der Welt. Merida wurde für das Jahr 2000 zur Kulturhauptstadt ernannt.
 

Beim Überfliegen der großen Ebene der Halbinsel von Yukatan, welche im tropischen Südosten Mexikos und im Herzen des amerikanischen Kontinentes liegt, können Sie vom Himmel aus ein Meer von Wäldern ausmachen. Dies ist die Heimat der alten Mayagötter Kin, die Sonne, und Chac, der Regen. Sobald sich auf dem internationalen Flughafen von Meriada die Türen des Flugzeugs öffnen, umhüllt uns die heiße Luft dieses Landes, welches zwischen der Karibik und dem Golf von Mexiko liegt. Die Luft ist voller Düfte von Gewürzen und tausenden von Blumen und tropischen Früchten.
 
Bekannt unter dem Namen «weiße Stadt» wegen der traditionellen Farbe, die oft ihre Fassaden bedeckt, ist Merida eine alte Hauptstadt mit einer großen autochtonen Bevölkerung, welche tiefgreifende kulturelle Wurzeln besitzt. Es ist die kosmopolitsche Stadt des Mayab, die Maya-Welt und die strategische Eintrittspforte in den Kontinent, in das Hinterland und zu Lateinamerika.
 
Der besondere Boden, auf dem diese Stadt errichtet wurde, hat keine oberidischen Flüsse, jedoch viele unterirdische Wasservorkommen, die Stück für Stück die Kalksteinfelsen unter Bildung von Kavernen und Höhlen auflösen. Manchmal sammelt sich am Grunde derer Wasser an, wodurch sich Wassergrotten («Cenotes») bilden. Dieses Wort wurde von dem Maya-Wort «tz’ono» abgeleitet, mit welchem «Brunnen» bezeichnet werden, die zur Oberfläche hin offen sind oder die in den Kavernen verborgen sind.

Merida steht an zehnter Stelle der antiken Städte in Mexiko. Seine Geschichte läßt sich bis in die prähispanische Zeit zurückverfolgen, als die Maya-Stadt T’ho, auch bekannt unter dem Namen Ichcaanzihó oder «Land der großen Sihoes», durch den Kaziken Ah-Chan-Caan der Itzá im Jahr 1240 erbaut wurde.
 
(Foto rechts: Casa de las siete Muñecas -  Das «Haus der sieben Puppen», ein Maya-Observatorium, erhielt seinen Namen durch die sieben Figuren, die sich in seinem Innern befinden. Der Tempel, welcher in den letzten Jahren des Spätaltertums in Dzibilchaltún, welches im Stadtbereich von Merida liegt, erbaut wurde, diente zur Registrierung der Sonnenbewegungen).
 

Als die Spanier in der Mitte des XVI. Jahrhunderts in Yukatan ankamen, gab es in diesem Gebiet keine nennenswerten Aktivitäten, und es fanden sich lediglich Reste dieser antiken Maya-Stadt. Ein historischer Tag war der 6. Januar 1542, als Don Francisco de Montejo y León, genannt “El Mozo”, auf den Ruinen von T’ho die neue Stadt gegründet hat. Man sagt, daß einer seiner Soldaten, Francisco de Almaraz, dem Erbauer den Namen Merida vorgeschlagen hat, da ihn diese Ruinen an die antiken Ruinen der «Emérita Augusta der Hispania Romana», also der heutigen spanischen Stadt Merida erinnerten.
 
Die neugegründete Stadt wurde dann gradlinig und rechtwinklig mit Schnüren abgesteckt und nach dem konventionellen hispanischen Vorbild wurden Straßen angelegt und auch im Zentrum ein Exerzierplatz, umgeben von den wichtigsten öffentlichen Gebäuden, einschließlich der Kathedrale, welche die erste ist, die auf dem amerikanischen Festland erbaut wurde. Diese Gebäude wurden mit den Steinen der Ruinen der Maya-Stadt T’ho errichtet, die den wenigen spanischen Einwohnern, welche begannen, in der Stadt zu wohnen, als Baumaterial dienten. Noch heute kann man die Steine in einigen Gebäuden im historischen Zentrum der Stadt sehen. Desweiteren erhoben sich, wohin man auch kam, Lehm- und Strohhütten, bedeckt mit Palmdächern, die diesem primitiven Merida sicherlich einen ländlichen und bäuerlichen Aspekt verliehen.
 
Nach ihrer Unabhängigkeit, welche sie zusammen mit Yukatan am 15. September 1821 erhält, erlebt Merida eine Etappe besonderen Aufschwungs während der sogenannten Blütezeit der «Henequén»-Faser, auch «grünes Gold» genannt, als die Zuckerrohr- Mais- und Viehzuchtfarmer in den letzten Jahren des XIX. Jahrhunderts das Potential der Agave, bekannt als «Henequén» erkannten, dessen Resistenz diese zu einem idealen Rohmaterial zur Herstellung von widerstandsfähigen und vielseitig verwendbaren Naturfasern machte. Diese Nutzung brachte Yukatan großen Reichtum und wirtschaftlichen Aufschwung, wodurch sich Merida in den letzten Jahren des XIX. Jahrhunderts und selbst noch in den ersten Jahren des XX. Jahrhunderts unglaublich entwickelte. Ungefestigte Straßen und vernachläßigte Gebäude überließen ihren Platz prächtigen Häusern, kirchlichen Gebäuden und anderen Bauten, welche an prächtige und glohrreiche Zeiten vergangener Epochen erinnern.
 
Nach der Blütezeit des Henequén ist Merida in sein ruhiges Provinzleben zurückgefallen. Langsam entwickelt es sich zu einer kleinen, pitoresken Stadt ohne größeren Anspruch auf Universalität.
 
Nach seinem fünfhundertjährigen geschichtlichen Werdegang entwickelt sich Merida zu Beginn des XXI. Jahrhunderts stark weiter. Einerseits bewahrt die Stadt ihre Konzeption und Tendenz zur flachen Ausbreitung, auf der anderen Seite integriert sie auf geschickte Art und Weise moderne Bauten, Geschäftsgebäude, Kongreßhallen, Hotels und große Alleen und Wohnviertel, wodurch sie sich in den letzten Jahren zu einer der vielversprechendsten Städte Mexikos verwandelt hat.
 
Obwohl Merida fast 800.000 Einwohner umfaßt, hat die Stadt eine erstaunliche Ausbreitung in der Horizontalen: es gibt wenig Gebäude mit mehr als 2 Etagen und die Häuser besitzen große Innenhöfe. Dank der Tatsache, daß das Stadtgebiet sehr flach ist, sind die Straßen nummeriert und es ist sehr einfach, sich in der Stadt zurecht zu finden.. Jedoch gibt es im historischen Zentrum viele Straßenecken, an denen Tafeln mit Zeichnungen und dem Namen des Stadtviertels aufgehängt sind: z.B. «der Leguan», «der Bär», «die Sonne», «die zwei Gesichter», «der Boxer». Die Leute beziehen sich hier sehr oft auf Namen von Straßenecken, wie z.b. der Bus kommt von der Straßenecke des «kleinen Hirsches» oder eine Person wohnt in der Nähe des «Cocoyol».
 
Hinter der städtischen Fassade Meridas hat jedes Viertel seine ihm eigene Charakteristik unterschiedlicher Aspekte bewahrt. Das Zentrun, in zurückhaltendem Kolonialstil, vermittelt eher einen schmucklosen, jedoch gelassenen Eindruck. Aus den Bezirken des historischen Zentrums führen große Alleen heraus, wie die «Avenida Colon» oder der «Paseo de Montejo», deren, nach französischen Vorbild erbaute Herrensitze aus den letzten Jahren des XIX. Jahrhunderts der Stadt einen herrschaftlichen und vornehmen Charakter verleihen. Einer dieser Herrensitze ist der «Palacio Canton», welcher eine vollständige Sammlung von Kunstobjekten der alten Mayas beherbergt. Im nördlichen Teil der Stadt jedoch, findet man nach Osten wie auch nach Westen auslaufend, ein Städtebild, welches dem XXI. Jahrundert würdig ist. Große, majestätische Hotels wechseln sich ab mit Wohnvierteln und großen Einkaufszentren. Man findet hier moderne Kinos, Ausstellungshallen, Supermärkte, wie auch das gerade fertiggestellte Kongreßzentrum «Siglo XXI» (XXI. Jahrhundert). Auf dem Weg zum Hafen von Progreso, auf eine Entfernung von 30 km hin, findet man Reitclubs, einen enormen Golfplatz und ein modernes Industriegebiet.
 
Im «Paseo de Montejo» gibt es ein Monument jüngeren Datums, welches besondere Aufmerksamkeit verdient: das «Monumento a la Patria» Es ist eine enorme Skulptur aus gewaltige Steinen, das Meisterwerk des Bildhauers Rómulo Rozo. Das Monument, welches 1956 eingeweiht wurde, stellt in seinen Mauern alle Wappen der Länder der Republik Mexiko und auch wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte Mexikos dar.
 
Im Herzen der Stadt befindet sich der «Plaza Grande», bzw. Exerzierplatz, um welchen herum sich die fünf wichtigsten Gebäude Meridas erheben: die Kathedrale von San Ildefonso, erbaut zwischen 1561 und 1598, die «Casa de Montejo», erbaut zwischen 1543 und 1549 vom Begründer der Stadt, Francisco de Montejo, genannt “El Mozo”, und mit einer prächtig verzierten Fassade, das einzigste Kleinod ziviler Architektur im Plastereskstil, welches in ganz Mexiko existiert: das Rathaus. Es wurde auf den Resten der antiken Stadt T’ho erbaut und seine Fassade datiert aus den letzten Umbau- und Renovierungsarbeiten des Jahres 1928. Desweiteren finden wir hier den Regierungspalast von Yukatan mit seinen auffallenden neoklassischen Linien, welcher eine Sammlung von Wandbildern des yukatanischen Malers Fernando Castro Pacheco beherbergt, und letztendlich gibt es noch den alten Palast Arzobispal, welcher heute ein Museum für zeitgenössische Kunst ist. An einer der Ecken des Plaza Grande befindet sich das Olimpo, das modernistische städtische Kulturzentrum, welches täglich Ausstellungen, Konferenzen, Konzerte, Theateraufführungen und Sitzungen anbietet, bis hin zu einem Planetarium, welches kurz vor seiner Eröffnung steht.
 
Nicht weit von hier befindet sich auch das alte Kolonialgebäude, erbaut im Jahre 1711, welches als Sitz der Autonomen Universität von Yukatan fungiert, sowie auch das elegante Theater José Peón Contreras im Renaissance-Stil, welches aus dem Jahre 1908 datiert, in den 70er Jahren aus der Vergessenheit hervorgeholt und 1981 wiedereröffnet wurde.
 
Einer der Hauptanziehungspunkte Meriadas ist seine zentrale Lage. Es ist ein idealer Ausgangspunkt zum Kennenlernen der Strände der Karibik vom Hafen von Progresso aus, hin zum Luxus von Cancún oder den Hütten von Tulum, zu den Ruinen von Uxmal, Mayapán oder Chichén Itzá, der bekanntesten und einflußreichsten Mayastadt der Halbinsel, deren mytologischer Name «die Stadt der Wasserhexen» bedeutet, sowie zu den Kolonialstädten Valladolid und Campeche, Zufluchtsstätten von Piraten und Fischerparadise, den Franziskanerklöstern von Izamal oder Maní, zum Reservat der Flamencos von Celestún oder zum Naturschutzgebiet von Sian Ka’an.
 
Noch im Stadtbereich von Merida befindet sich ca. 15 Minuten von der Stadt entfernt die alte prähispanische Stadt Dzibilchaltún, deren Name "Ort, wo es Inschriften auf den Steinen gibt» oder «wo es Inschriften auf flachen Steinen gibt», bedeutet. Diese Maya-Siedlung, welche vom 500. Jh. v. Chr. bis hin zum Jahre 1500 unserer Zeit bestand, ist eine der ältesten Maya-Siedlungen. Unter ihren Monumenten ragt die «Casa de las Siete Muñecas» (Haus der sieben Puppen) hervor, wo man zu jedem Jahreszeitenwechsel am 21. März und am 21. September das Phänomen der Tagundnachtgleiche sehen kann, wenn die Sonne zwischen den Pforten des Monumentes aufsteigt.
 
Die Tatsache, daß die Menschen von Merida noch ihren freundlichen provinziellen Charakter bewahrt haben, bedeutet nicht, daß es immer einfach ist, mit ihnen auszukommen.. Mit seinem frohgemuten, friedfertigen und gastfreundlichen Charakter braucht jedoch den Bewohner der Stadt nicht darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, den Touristen gut zu behandeln: jener wird immer mit der Behandlung seitens der Stadtbewohner zufrieden sein.
 
Viele Frauen tragen immer noch das «Hipil», die typische Mestizentracht, welche in leuchtenden Farben bestickt ist. Auch die Männer, einschließlich der Führungskräfte, tragen das traditionelle «Guayabera» (Buschhemd), ein Hemd aus Leinen oder Baumwolle, aus der Tradition der Karibikbewohner übernommen, welches in den zentralamerikanischen Ländern und natürlich auch in der Karibik weitverbreitet ist. Obwohl es auch Einwanderer aus China, Korea und überwiegend aus dem Libanon gab, gibt die Bevölkerung von Yukatan ein gutes Beispiel des amerikanischen Mestizen ab, denn sie besteht hauptsächlich aus Nachkommen von Verbindungen zwischen Spaniern und Mayas. In ihren Gesichtszügen spiegeln sich unzweifelhaft die Rasse der Mayas wie auch spanisches Blut wider.
 
In Merida, wie auch überall in Yukatan und Mexiko wird spanisch gesprochen. Jedoch in den kleinen Dörfern in der Umgebung der Stadt, wo viele Häuser immer noch Mauern aus Steinen, Holz und Lehm haben und bedeckt sind mit Palmdächern, sprechen die Leute weiterhin die Sprache der Mayas, die auch gelegentlich auf dem Markt zwischen den Verkäufern zu hören ist. Außerdem sind in der Umgangssprache der Menschen aus Yukatan häufig Wörter aus der Maya-Sprache zu hören, was die Unterhaltungen bereichert, und ihnen einen gewissen Charakter sowie Charme verleiht.
 
Reichhaltig, abwechslungsreich und stark gewürzt, ist die Gastronomie von Yukatan nicht nur ein Genuß für den Gaumen, sondern auch für das Auge und gleichzeitig eine Huldigung an das Mestizentum. In den typischen Gerichten spiegelt sich zum einen die einheimische Vergangenheit wider, verdeutlicht durch die vorrangigen Bestandteile dieser Küche, und zum anderen auch eine wirklich elegante Anpassung an den Geschmack und die Grundprodukte der europäischen und karibischen Gastronomie. Das Endergebnis ist eine charakteristische Speisekarte, abwechslungsreich und sehr schmackhaft.
 
Eine besondere Erwähnung verdienen Früchte wie der Honigapfel, die Pflaume oder auch die Guajavabirne, welche die Yukataner von heute ebenso genießen, wie es auch schon ihre Maya-Vorfahren taten.
 
An der Küste kann man die Gerichte auf der Basis von Meeresfrüchten genießen. Typisch sind Gerichte wie «Ceviche» (roher Fisch, mariniert in Limettensaft), das köstliche «Tikinxik» mit Riesen-Zackenbarsch oder «Esmedregal», zubereitet mit «Achiote» (eine in Yuakatan hergestellte Paste auf der Grundlage der Samen des Orleanstrauches) und serviert mit Gemüse, Bier, «Xcatic»-Chillis bzw. «Güeros»-Chillis und sauren Apfelsinen. Es gibt auch leckere Cocktails mit Garnelen, Austern, “Chivita”-Schnecken, Oktopus und Tintenfisch. Der bekannteste dieser Cocktails mit dem Namen «Zurück zum Leben» enthält alle der aufgezählten Zutaten und kann in der Tat «Tote zum Leben erwecken».

Über Mittag ist es immer eine gute Idee, in eine Bar zu gehen und Tapas oder «Botanas» zu bestellen. Wird hierzu dann ein gut gekühltes Bier bestellt, gibt es dies vom Gastwirt gratis dabei und wird immer vor dem Essen serviert. Auf der ganzen Halbinsel sind die sogenannten «Antojitos» (pikante Vorspeisen) weitverbreitet: z.B. «Anuchos», dies sind Tortillas, gefüllt mit getrockneten schwarzen Bohnen, bedeckt mit kleingeschnittenem Salat, Tomatenstücken, kleingeschnittenem Hühnerfleisch und Jalapa-Chilli. Ebenfalls köstlich sind die «Papadzules», deren Hauptzutat «Pepitas» (Kürbiskerne) sind oder auch die Mais-Tortilla-«Taquitos», welche gefüllt sind mit zerhackten hart-gekochten Eiern, dann eingeweicht werden in einer Soße aus zerkleinerten Pepitas, in welcher sie dann auch schwimmen und die mit gemahlenen Pepitas und Chillitomaten garniert werden.
 
(Foto links: Der «Palacio Cantón», ein prachtvoller Wohnsitz  aus dem 19. Jh. beherbergt heute herrliche Werke der antiken Maya-Kultur).
 

Das wahrscheinlich beste Beispiel aus der Mestizenküche ist «Queso relleno» (gefüllter Käse). Es ist ein Block holländischer Käse, gefüllt mit fein zerkleinertem Schweinefleisch und garniert mit Oliven und Kapern. Ein anderes erlesenes Gericht ist «Poc-chuc». Es wird mit gekochtem Scheinerücken zubereitet, welcher nach dem Kochen noch gegrillt wurde und wird serviert mit Tomaten und violetten Zwiebeln, die in Glut gegart wurden. Nach der Tradition wird dieses Gericht mit zerstoßenen schwarzen Bohnen gereicht. Das bekannte «Cochinita Pibil» (Ferkel), mit Tacos oder auf «Tortas» (mexikanisches Sandwich) serviert, bedarf keiner besonderen Erklärung. Es ist wohlschmeckendes und saftiges Schweinefleich, eingewickelt in Bananenblätter, welches auf traditionelle Art in einem besonderen Blechbehälter für mehrere Stunden unter der Erde gegart wird. Die ideale Beilage hierzu sind gehackte Zwiebel mit saurem Organgensaft und gemahlenen Chillis.
 
Geflügel darf natürlich auch nicht fehlen. Hier empfiehlt sich die köstliche, wie auch nahrhafte «Sopa de Lima» (Limettensuppe). Es ist eine Bouillon mit zerkleinerten Hühnerflügeln, fritierten Tortilla-Streifen und einer Limettenscheibe, die der Suppe das gewisse Etwas verleiht. Natürlich kann man diese Palette an gastronomischen Gerichten auch mit dem wohlschmeckendem Havanna-Chilli servieren, welches der Hit der yukatanischen Küche ist.
 
Und nun noch ein Abschnitt über die Desserts. Einerseits gibt es die alten Hausrezepte zum Herstellen eingekochter Früchte, wie Papaja, «Ciricote» und «Nancen»; anderseits findet man die typischen Süßspeisen wie Breiäpfel oder Kernfrüchte, «Melcocha» aus Honig und Eiern, die «Piñonatas» aus Kokos und Pepitas und letztendlich das europäische Erbe, umgewandelt in erlesene Versionen internationaler Desserts, wie z.B. Süßigkeiten aus Mandeln, die «Himmelstorte», «Pasteles» (Kuchen), Meringe und Eis aus «alter Vanille» oder «Mantecado». Und zum Schluß noch ein Gläschen «Xtabentún»-Anis.
 
Merida feiert im Jahr 2000 ein Fest nach dem anderen. Die Stadt hat die Nominierung zur amerikanischen Kulturhauptstadt mit Stolz aufgenommen. Merida bietet ein permanentes Kulturprogramm an mit kostenloster Unterhaltung und zahlreichen Aktivitäten. Es ist die ideale Festival-Stadt. Die ganze Stadt befindet sich in einem Fesitval-Taumel, welcher täglich überall sichtbar ist, ohne daß jedoch hierdurch das alltägliche städtische Leben behindert wird.
 
So werden von Montag bis Sonntag stündlich und für jeden Publikumsgeschmack in den Theatern, auf den Bühnen, öffentlichen Plätzen und Galerien von Merida hautpsächlich kostenlos unzählige Aufführungen und Darbietungen angeboten. Das reichhaltige Angebot geht von Folklore-Musik, wie auch Musikdarbietungen aus der ganzen Welt, klassischem Tanz, Jazz, zeitgenösischem und klassischem Theater, Konzerten für die Jugend, Konferenzen, Kongresse, Modeschauen, Paraden, Buchmessen, Ausstellungen von Kunstwerken internationaler Künstler, Sportveranstaltungen, religiöse Wanderungen und Pilgerfahrten, Literatur- und Kunstwettbewerbe, bis hin zu Vorstellungen von Büchern und anderen Sonderausgaben im Hinblick auf das Kulturjahr. Das vollständige Angebot ist überwältigend. Merida hat die Absicht, vor Ablauf des Kulturjahres 2000 auf die beeindruckende Zahl von 3000 kulturellen Ereignissen zu kommen und hofft daneben, daß diese Nominierung zur Kulturhauptstadt an der Stadt wie auch an der städtischen Geschichte dauerhafte Spuren hinterläßt.
 
Jeden Sonntagabend wird auf der Plaza Grande ein großes Fest veranstaltet. In diesem Rahmen hat man die Möglichkeit, artisanale Produkte und Geschenke zu kaufen und die typischen Gerichte zu kosten. Musik benötigt man hierbei nicht und die Leute spazieren ruhig durch die Sträßen, die für den Verkehr gesperrt sind. Die Trios der Trobadore hoffen auf dem Plaza Grande auf verliebte Romantiker, welche sie zum Haus ihrer Verlobten begleiten können, um ihnen schöne Liebeslieder zu singen. Typisch sind Serenadenabende, wie z.B. die Dichter-Musikabende, welche man Donnerstagabends auf dem Plaza de Santa Lucia vorfinden kann. Die Yukataner sind echte Liebhaber von Liebesliedern. Yukatan ist ein Land, in dem man ausgezeichnete Musiker, Komponisten und Sänger findet. Am bekanntesten ist zur Zeit Armando Manzanero.
 
Das kulturelle Erbe der Stadt Merida ist immer noch gewaltig, obwohl ein Großteil seines Reichtums an prähispanischer, kolonialer und zeitgenössischer Architektur mangels Schutz und offzieller Verwaltung verloren ging. Merida war und wird immer eine Hauptstadt des Mayab und des amerikanischen Kontinents sein. Volk und Landschaft spiegeln einen ausgeprägten Sinn für Identität wider.
 
Für die modernen Mayas ist Merida immer noch die einflußreiche Stadt T’ho, sowie sie auch gleichzeitig für die Nachkommen der Weißen niemals ihren alten Kolonialstolz verloren hat. Es ist eine prächtige Stadt voller Leben, mit exotischem und berauschendem Zauber und starken Kontrasten. Zur gleicher Zeit weiße, grüne und blaue Stadt, begeistert diese Stadt und raubt uns in jedem Augenblick das Herz. Dies ist die Amerikanische Kulturhauptstadt des Jahres 2000.
 
Artikel von María Teresa Mézquita Méndez und Josep Ligorred
 

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