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Nr. 16, Juli 2000
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Mickey Blue Eyes
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Regie: Kelly Makin. Drehbuch: Adam Scheinman und Robert Kuhn. Mit Hugh Grant (Michael Felgate), James Caan (Frank Vitale), Jeanne Tripplehorn (Gina Vitale), Burt Young (Onkel Vito Graziosi), James Fox (Philip Cromwell), Scott Thompson (FBI Agent Lewis) und Joe Viterelli (Vinnie).
 
Michael Felgate (Hugh Grant) ist ein humorvoller Kunstauktionator bei Cromwell's in New York, der schon mal einen Akt mit den Worten versteigert: "Verkauft für $23,000 oder $11,500 pro Pobacke." Er ist in die Lehrerin Gina Vitale (Jeanne Tripplehorn) verliebt, die leider auch die Tochter des Mafiabosses Frank Vitale (James Caan) ist. Gina möchte ihren unwissenden Freund Michael vor dem Mob schützen und lehnt deshalb sein Heiratsangebot ab, das er ungeschickt und in einer amüsanten Verwechslungsszene in einem chinesischen Restaurant vorbringt, in der die resolute Besitzerin den entsprechenden Glückskeks an den falschen Tisch bringt.
 
Doch Michael gibt nicht auf und geht zum Restaurant ihres Vater The La Trattoria (den Pleonasmus im Namen bemerkt er), um seinen Antrag erneut vorzubringen. Als er sich in der Türe irrt und anstatt in die Toilette in den Gefrierraum eintritt, trifft er dort auf einen schlotternden Mann. Doch noch immer geht ihm kein Licht darüber auf, in was für eine Familie er einzuheiraten gedenkt. Der in diesem Zusammenhang doppeldeutige Song We Are Family ertönt im Hintergrund, als er schliesslich bei Vater Frank Vitale um die Hand von Gina anhält. Durch einige Missverständnisse wird Michael in die "Familie" aufgenommen.
 
Erst jetzt eröffnet ihm Gina, wer Onkel Vito "The Butcher" Graziosi (Burt Young), Vinnie "The Shrimp" D'Agostino (Joe Viterelli) und all die andern Familienmitglieder sind. Trotzdem gibt sie dem insistierenden Michael nach und willigt in die Heirat ein - und das hat weitreichende Konsequenzen. Plötzlich treffen die früher oft verspäteten Auktionsbilder auf wundersame Weise pünktlich ein. Die Spediteure entschuldigen sich untertänig für frühere Versäumnisse und versprechen, dass sie in Zukunft immer rechtzeitig liefern werden. Und wieder geht dem naiven Michael kein Licht auf - die Mafia hat die Lieferschwierigkeiten auf ihre Art behoben. Doch dann beginnt der Mob über sein Auktionshaus Geld zu waschen. Ein schreckliches Bild, von Graziosis unbegabtem Sohn Johnny gemalt, dass Michael einst nichts Böses ahnend gelobt hatte, wird über das Auktionshaus verkauft. Gleichzeitig bricht bei der Konkurrenz von Sotheby's ein Feuer aus - und Michael findet auf seinem Büro eine Zündholzschachtel jenes Hauses.
 
Die Dinge geraten ausser Kontrolle und selbst Michael geht nun ein Licht auf. Als er erneut ein Bild von Graziosis Sohn verkaufen soll, dem Cousin von Gina, weigert er sich, es einer reichen alten Lady zuzuschlagen, die seine nicht an sie gerichteten Handzeichen missversteht. Doch Johnny, der einen doppelten Profit davonschwimmen so, ist so wütend, dass er zu Michael nach Hause kommt und ihn bedroht, wobei ihn Gina durch eine abgefälschte Kugel versehentlich tötet.
 
Nun muss Ginas Vater Frank als Troubleshooter auf den Plan treten (eine Referenz an Pulp Fiction, das seinerseits ein Filmzitat ist). Als Michael und Frank Vitale versuchen, Johnny in der Nacht in der Nähe einer New Yorker Brücke zu begraben, treffen sie auf Leute von Onkel Vito, die ihrerseits dabei sind, eine Leiche aus der Welt zu schaffen. Frank stellt Michael vor.
Frank: "That's Big Mickey from Kansas City". 
The mobsters: "I thought Big Mickey was dead?"
Frank: "The father. This is Little Big Mickey."
The other gangster: "Wasn't there a Little Big Mickey out of Chicago?"
Frank: "Yes. That was the original Little Big Mickey. This is Little Big Mickey Blue Eyes."
So wird Michael dem "erweiterten Familienkreis" vorgestellt und erhält - wie auch der Film - seinen Namen.
 
Mickey Blue Eyes ist eine romantische Mafia-Komödie, weshalb das Happy End, nach weiteren Komplikationen, unvermeidlich ist. Die Szenen und Dialoge sind nicht immer besonders amüsant und Jeanne Tripplehorns Darstellung hat uns nicht umgeworfen. Dabei ist fairerweise anzumerken, dass das Drehbuch nicht viele lustige Zeilen für sie vorsieht. Hugh Grant versucht weiterhin, seine Karriere auf seinem unschuldigen Blick und ein wenig Stottern weiterzubauen. Doch das wird so nicht weitergehen können, denn er hat nicht das Talent eines Cary Grant. Trotzdem ist Mickey Blue Eyes insgesamt eine kurzweilige, unterhaltsame und empfehlenswerte Komödie, die allerdings nicht in die Filmanalen eingehen wird. DVD bestellen bei Amazon.de
 
Einige Bemerkungen zu Biographien und Filmographien:
 
Hugh Grant: 1982, als er noch in Oxford studierte, wirkte Hugh Grant im Film Privileged mit. Fünf Jahre später war er in der Merchant-Ivory Produktion Maurice zu sehen. E.M. Forsters Geschichte dreht sich um einen jungen Mann um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, der mit der Homosexualität konfrontiert wird. Diese Rolle brachte Hugh Grant erste internationale Lorbeeren und einen Preis als Bester Schauspieler am Filmfestival von Venedig ein. Dieser Erfolg führte zu einer Reihe weiterer Filmrollen, darunter The Dawning und Impromptu. 1993 spielte Hugh Grant erneut in einem Film von Regisseur James Ivory mit, diesmal in der Rolle eines Journalisten in The Remains of the Day (mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen). 1995 war Hugh Grant in Edward Ferrars Oscar gekrönter Adaptation von Jane Austens Sense and Sensibility vor der Kamera.
 
Zu Hugh Grants Komödien gehören Four Weddings and a Funeral, das ihm einen Golden Globe und British Academy Awards einbrachte, Nine Months und Notting Hill. Weitere Rollen spielte er in Bitter Moon, Sirens und The Englishman Who Went Up a Hill But Came Down a Mountain. Hugh Grant wirkte auch in Fernsehfilmen und in Theaterstücken mit, so in An Inspector Calls in der Adaptation von Richard Wilson am Manchester Royal Exchange Theatre. Mickey Blue Eyes ist der zweite Kinofilm der Simian Films, jener Gesellschaft, die Hugh Grant zusammen mit seiner früheren Freundin Elizabeth Hurley gegründet hat. Ihr erster Film war Extreme Measures gewesen.
 
Jeanne Tripplehorn wurde in Tulsa, Oklahoma, geboren, wo sie auch aufwuchs. Tripplehorn ging später nach New York, um an der renommierten Juilliard School of Drama zu studieren. Ihr weltweit beachtetes Filmdebut gab sie 1992 in Paul Verhoevens Basic Instinct (mit Michael Douglas und Sharon Stone). Später spielte sie u.a. in Sliding Doors, Very Bad Things und Kevin Reynolds Waterworld. Auf der Bühne war sie z.B. als Masha in der Bühnenversion von Tschechows Drei Schestern zu sehen. 

James Caan wurde in der Bronx geboren und wuchs in Queens, New York, auf. Schon früh war ihm klar, dass er nicht in die Fussstapfen seines Vaters im Fleischbusiness treten wollte. Mit 16 trat er in die Michigan State University ein, um Wirtschaft zu studieren und American Football zu spielen. Später wechselte er an die Hofstra University, wo er Jurisprudenz studierte und in den Frühlingsferien von Stanford Meisners Neighborhood Playhouse akzeptiert wurde. Caan gewann ein Stipendium, um mit Wynn Handman zu studieren.
 
Seine Schauspielkarriere begann Caan im Jahr 1961 auf der Bühne in einer Off-Broadway Produktion von La Ronde. Bald darauf folgten Rollen im Fernsehen, die von Gastauftritten in  Naked City zu regelmässigem Mitwirken bei den Serien The Untouchables und Alfred Hitchcock Presents reicht. Sein Debut in einem Kinofilm kam 1964 mit Lady in a Cage. Filme wie Glory Guys und Eldorado folgten. Für seine Rolle als Sonny Corleone in The Godfather erhielt er eine Academy Award Nomination, für sein Portrait des Fussballstars Brian Piccolo in Brian's Song wurde er für einen Emmy nominiert. James Caan erhielt den Hollywood Filmfestival Achievement in Acting Award für sein gesamtes Schaffen. Weitere Film in seiner Karriere umfassen Eraser und Rob Reiners psychologischen Thriller Misery, der auf einem Roman von Stephen King basiert.
 
Joe Viterelli gehört zu meinen Lieblingsschauspielern in Nebenrollen. Leider bleibt er in Mickey Blue Eyes etwas schwach, vor allem, weil der Skript nichts Intelligentes für ihn vorsah. Über 25 Jahre lang wurden ihm regelmässig von Produzenten, Casting Direktoren und Regisseuren Filmrollen angeboten, darunter auch von seinem langjährigen Freund, dem Filmemacher Leo Penn. Bis 1981 lehnte Viterelli alle Angebote ab. Dann rief ihn Sean Penn an, weil er Schwierigkeiten hatte, einen Schauspieler für einen Film zu finden, der in der Lower East Side spielen sollte. In Viterellis früherer Wohngegend an der Mott Street sollte gedreht werden. Der Screentest führte zu einer wichtigen Rolle in Phil Joanous State of Grace, Viterellis Kinofilmdebüt. Seither ist er in rund dreissig Filmen aufgetreten, darunter Analyze This, Eraser and Woody Allens Bullets Over Broadway.

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