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Charlie Parker - Bebop
Die Jahre mit Savoy und Dial. (Phonodor SPV 085-31112 CD)
 
 
Als Alternative zu Charlie Parkers Complete Savoy Sessions 1944-1948 (Label: Definitive, vier CDs, Juli 1999, ISBN: B0000300J0) gibt es jetzt bei Phonodor mit The Savoy Recording Sessions (Phonodor SPV 085-31112 CD) eine Auswahl von vierzehn Titeln aus eben jenen Jahren. Um das ursprüngliche Klangbild zu erhalten, wurden die Aufnahmen direkt von Grammophonplatten übertragen und auf eine nachträgliche Bearbeitung mit moderner Technologie bewusst verzichtet. Die für Schellackplatten üblichen Laufgeräusche der Nadel in der Tonrille blieben so erhalten. Die historischen Aufnahmen sollten so authentisch wie möglich auf die modernen Speichermedien übertragen werden. Die Aufnahmen sind "unverfälscht" hörbar und wurden nicht an moderne Hörgewohnheiten angepasst. Mit Hilfe von Studien der historischen Patentliteratur wurde das damalige Abtastsystem rekonstruiert und ein spezielles Abspielgerät für die Überspielung hergestellt. Der Hörer muss sich allerdings an eine ungewohnte (dafür authentische) Tonqualität gewöhnen. Doch nur bei Romance Without Finance stört starkes Rauschen.
 
Der 1920 in Kansas City geborene Charlie Parker wuchs in einem Zentrum des Swing auf und gehörte später zu den Mitbegründern der Bebop-Revolution mit ihrer neuen harmonischen, rhythmischen und melodischen Konzeption. "Bird" beeinflusste nicht nur die wichtigsten Altsaxophonisten späterer Stile wie Lee Konitz im Cool Jazz, Cannonball Adderley im Hardbop und Ornette Coleman im Free Jazz, sondern die gesamte Jazzmusik. Zu seinen Lebzeiten blieb ihm auf Grund seines schwierigen Charakters, seiner Unberechenbarkeit und seinem Drogenkonsum die verdiente Anerkennung verwehrt. Die vorliegenden Aufnahmen aus den Jahren 1944 bis 1948 entstanden für die Plattenfirmen SAVOY und DIAL und zeugen von der vollen Reife des Bebop. In verschiedenen Formationen aufgenommen, so mit dem Tiny Grimes Quintet, dem Charlie Parker Septet oder den Charlie Parker All Stars. Die All Stars verdienen, vor allem aus heutiger Sicht, diesen Namen: neben Bird spielen u.a. Miles Davis, Max Roach und Bud Powell. Allerdings sind die Aufnahmen nicht nur ein Dokument der damaligen Jazz-Avantgarde. In den Titeln, in denen Tiny Grimes nicht nur die Gitarre spielt (Romance Without Finance, I'll Always Love You Just The Same), sondern auch seine Stimme zum Einsatz bringt, ist nichts von Aufbruch zu hören, sondern der Gesang wirkt für die damalige Zeit veraltet. Neben neun Kompositionen von Charlie Parker, darunter Chasing The Bird und Ornithology, findet sich auch eine Interpretation von Dizzy Gillespies A Night in Tunisia. Hörenswert.

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