
Manet: Vier Äpfel, 1882. Foto: Katalog.

Schuch: Stilleben mit Äpfeln und Keksdose, um 1885/86.
Foto:
Katalog.

Cézanne: Stilleben mit Birne und grünen Äpfeln, 1873-77. Foto:
Katalog.

Katalog: Cézanne, Manet, Schuch. Gebundene Ausgabe, Hirmer, München, 2000, 224 S.
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Siehe zu Paul Cézanne auch den Artikel zur Ausstellung "Vollendet-Unvollendet".
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Cézanne, Manet, Schuch
- Stillleben
Die Stillleben-Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
der Stadt Dortmund bis zum 30. Juli 2000. Katalog: Gebundene Ausgabe, Hirmer, München,
2000, 224 S. Buch bestellen bei Amazon.de.
Artikel vom Juli 2000
Während dem Edouard Manet und Paul Cézanne zu den
Heroen der Kunstgeschichte zählen, ist Carl Schuch dem breiten Publikum
nach wie vor nahezu unbekannt. Der deutsche Maler und sein Werk wurden
1986 erstmals in einer wichtigen Ausstellung in Mannheim sowie dem
dazugehörigen Katalog gewürdigt.
Wie beim 1832 geborenen Manet und dem 1839 geborenen
Cézanne spielte für den 1846 zur Welt gebrachten Schuch die
Auseinandersetzung mit der Farbe und die Suche nach einer
"autonomen" Kunst eine zentrale Rolle. Die drei beschritten zwar
unterschiedliche Wege, rebellierten aber alle mehr oder weniger heftig
gegen eingeübte Sehgewohnheiten und Kunsturteile. Sie glaubten sich dem
Realismus verpflichtet und wollten diesen doch überwinden (Brigitte
Buberi).
Die drei Künstler waren finanziell unabhängig und
arbeiteten trotzdem an ihrer Kunst, als ginge es um ihr Leben. Dennoch
mussten sie lange kämpfen, ehe sie von der Kritik, der Kunstwelt und der
"Masse" anerkannt wurden. Das gilt nicht nur für Cézanne, der
erst nach seiner Einzelausstellung bei Vollard 1895 grössere Anerkennung
erfuhr, sowie für Schuch, der gar erst nach seinem Tode gewürdigt wurde,
sondern auch für Manet, der zwar früh im öffentlichen Kunstleben
präsent war, aber ebenfalls Zurückweisungen hinnehmen musste und mit
seinen Bildern mehrmals für Skandale sorgte, welche die Kunstwelt
erschütterten und ihm zu einem Neuerer, Katalysator und Wegbereiter der
Malerei der Moderne machten.
Die im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der
Stadt Dortmund ausgestellten 99 Werke stammen nicht ausschliesslich von
den drei erwähnten Künstlern. Neben elf Gemälden von Cézanne, sieben
von Manet und achtundzwanzig von Schuch, von dem auch elf Zeichnungen zu
sehen sind, werden auch vier Gemälde von Gustave Courbet sowie drei von
Karl Hagemeister gezeigt. 35 zeitgenössiche Fotografien ergänzen die
Ausstellung. Unter ihnen sind besonders die Stilleben von August Kotzsch
herausragend.
Entgegen dem Titel steht eindeutig Carl
Schuch im Zentrum der Ausstellung. Seine Position in der Kunstgeschichte
wird mit Hilfe der anderen Künstler definiert. Der Vergleich der Maler
erfolgt weitgehend auf der Ebene der Stilleben, ergänzt durch einige
Landschaften. Bei aller Bewunderung für Schuch und Manet bleibt
allerdings auch nach dem Besuch der Ausstellung unbestritten, dass nur
Cézanne Masstäbe für die Stilleben-Malerei des 20. Jahrhunderts gesetzt
hat, die bis heute Gültigkeit haben und nach wie vor unübertroffen sind.
Biografie von Edouard Manet
1832 wurde Edouard Manet in Paris geboren. Bereits als Kind erhielt er Zeichenunterricht. Während
seiner Schulzeit am Collège Rollin lernte er
den späteren Politiker Antonin Proust
kennen, mit dem er zeitlebens befreundet
blieb.
Von 1850 bis 1856 arbeitete Manet
im Atelier des Historienmalers Thomas
Couture und ergänzte
seine Ausbildung durch den Besuch der Academie Suisse, wo
er sehr viel später Cézanne
kennenlernte.
1852 gebar ihm Suzanne Leenhoff den gemeinsamen Sohn Leon
Koëlla Leenhoff. Ein Jahr später
unternahm er eine Italien-Reise, bei der er Florenz
und Rom besuchte.
1856 bezog Manet sein erstes eigenes Atelier in Paris. Er
unternah Reisen nach Den Haag, Amsterdam, Dresden,
München, Wien, Florenz, Venedig, Rom.
1861 nahm der Pariser "Salon" mit dem
Spanischen Gitarristen sein erstes Bild an. Im folgenden Jahr starb sein Vater,
der ihm ein
beträchtliches Vermögen
hinterliess.
1863 wurden die von Manet eingereichten Bilder vom
Salon
abgelehnt. Sein Frühstück im
Freien wurde daraufhin im Salon
de Refusés ausgestellt und provozierte einen Skandal. Am 28.
Oktober heiratet er Suzanne Leenhoff. Er
begann regelmäßig
das Café Guerbois zu besuchen, wo er
Degas, Monet andere Künstler kennenlernte.
Von 1864 an wurden fast jährlich einige seiner Bilder in den
Salon aufgenommen.
1865 lösten seine Bilder Verspottung
Christi und Olympia erneut einen Skandal aus. Im Jahr darauf lernte er Emile Zola kennen, der später seine Biographie
schrieb.
1867 wurde Manet von der Abteilung für Kunst der Pariser
Weltausstellung ausgeschlossen, eine
selbstfinanzierte
Ausstellung und eine leidenschaftliche Verteidigung seiner
Kunst durch Zola folgten.
1869 lernte er Eva Gonzalès kennen, die seine einzige
Schülerin wurde.
1870 trug er ein Duell mit dem Kritiker Duranty aus, letzterer
wurde leicht verletzt. Im
Deutsch-Französischen Krieg
diente Manet als Leutnant der Nationalgarde.
1871 kehrte er mit seiner Familie nach Paris in sein
halbzerstörtes Atelier zurück; er findet die Nachricht vor, daß er
in die "fédération des artistes" gewählt worden sei.
1872 wurde in dem von Nadar - den
er aus dem Café Guerbois kannte - zur Verfügung
gestellten Atelier die Ausstellung der
sogenannten "Impressionisten"
eröffnet. Manet nahm, trotz Einladung, nicht daran teil, weil er
den Salon als den einzig geeigneten Ausstellungsort für einen
Künstler betrachtete.
1876 machten sich die ersten Anzeichen seiner
Ataxie-Krankheit bemerkbar.
1880 stellte er gleichzeitig mit der 5. Ausstellung der
Impressionisten aus; sein mit 25 Gemälden und zwei
Lithographien ausgestatteter Katalog lockte viele Besucher an,
der Grundtenor der Kritik war
jedoch noch immer negativ.
1881 erhielt Manet für die Portraits von Pertuiset und
Rochefort vom Salon eine weitere
Medaille und wurde zum
Ritter der Ehrenlegion ernannt. Im
Jahr darauf verbrachte er den Sommer in einer Villa in
Rueil, wo er Stilleben malte.
1883 war seine Krankheit so weit fortgeschritten,
dass er seine
Bewegungen nicht mehr kontrollieren
konnte. Am 6. April wurde er
endgültig bettlägerig. Er
verstarb am 30. April 1883 in Paris.
1884 veranstaltete der Minister für Schöne Künste eine
posthume Ausstellung der Bilder Manets in der Ecole des
Beaux Arts (mit 116 Ölgemälden, 31
Pastellen, 20 Aquarellen und
Zeichnungen, 12 Lithographien und Stichen),
die im Januar von 13.000 Besuchern gesehen wurde.
Biographie von Paul Cézanne
1839 wurde Paul Cézanne in Aix-en-Provence
geboren. Er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Während seiner
Schulzeit im Collège Bourbon (1852-1858) freundete er sich mit dem späteren
Schriftsteller Emile Zola (1840-1902) an. Von 1857 bis 1867 nahm er
Zeichenunterricht in der Ecole Spéciale et Gratuite de Dessin. Er ging nach
Paris. Seine Versuche, an der Ecole des Beaux-Arts aufgenommen zu werden,
scheiterten. Er besuchte jedoch die Académie Suisse, wo er nach dem Modell
arbeitete. Dort lernte er Pissarro, Renoir, Sisley und Manet kennen. Im Louvre
Cézanne die alten Meister, entdeckte seine Bewunderung für Eugène Delacroix
und erhielt Anregungen von einer Gruppe junger Maler um Gustave Courbet. 1863
beteiligte er sich mit einem Stilleben am Salon des Refusés. Im Jahr darauf
begann eine Reihe von fast jährlichen Zurückweisungen seiner Arbeiten durch
die Jury der Pariser "Salon-Ausstellungen". Cézanne hielt sich in
den folgenden Jahren hauptsächlich in Paris auf. 1868
verbrachte er den Sommer und Herbst im Süden
Frankreichs, wo er erstmals im elterlichen Anwesen "Jas de Bouffan"
arbeitete. Mit diesem Gebäude verband sich der Beginn seines künstlerischen
Schaffens, und dort verbrachte er später auch den grössten Teil seines
Lebens. 1869 lernte
er seine spätere Ehefrau Hortense Fiquet in Paris kennen. Vor Ausbruch des
Deutsch-Französischen Krieges verliessen die beiden die Hauptstadt und zogen
in das Fischerdorf L'Estaque, wo sich Cézanne bis zum Herbst 1871 der
Landschaftsmalerei widmete. 1872 wurde
der gemeinsame Sohn Paul geboren. Im Herbst zog Cézanne mit seiner Familie
nach Pontoise, nordwestlich von Paris, wo er eng mit Pissarro zusammenarbeitete.
1874 kehrte Cézanne
nach Paris zurück und beteiligte sich mit drei Bildern an der ersten
Gruppenausstellung der sogenannten Impressionisten. Durch Renoir lernte er den
Sammler Victor Chocquet kennen und machte die Bekanntschaft von Julien Tanguy,
der ihn Jahrzehnte lang unterstützen sollte, indem er ihm Bilder gegen
Leinwand und Farben abnahm sowie Interessierten Werke von Cézanne zeigte und
verkaufte. 1877 wurden
in der dritten Impressionisten-Ausstellung vierzehn seiner Gemälde und drei
seiner Aquarelle gezeigt. Cézanne verbrachte die folgenden Jahre abwechselnd
in Aix, L´Estaque und Paris. Er arbeitete zeitweise mit Pissarro und Renoir
zusammen und begegnete Gauguin und Monet. 1882
wurde er erstmals mit einem Portrait im Salon zugelassen. 1886 erbte
Cézanne nach dem Tod seines Vaters ein beachtliches Vermögen und war fortan
finanziell unabhängig. Zolas Roman L'Œuvre erschien. Cézanne glaubte sich
in der Romanfigur des an seinen Ansprüchen gescheiterten Malers wiederzuerkennen
und brach den Kontakt zu seinem Jugendfreund ab. Nach dem Tod seiner Mutter im
Jahr 1897 verkaufte
Cézanne den "Jas de Bouffan" und mietete sich eine Wohnung in Aix.
Im Jahr darauf hielt er sich zum letzten Mal für längere Zeit in Paris auf.
Ambroise Vollard kaufte sämtliche Bilder aus seinem Pariser Atelier. In
den 1890er Jahren wird seine Kunst zunehmend bekannter: 1895
veranstaltete Vollard in seiner Pariser Galerie die
erste Einzelausstellung Cézannes. 1897
erwarb die Berliner Nationalgalerie als erstes Museum
eines seiner Gemälde. Cézanne beteiligte sich seit 1899 fast jährlich an
den Ausstellungen des Salon des Indépendants in Paris. Der
Berliner Galerist Ernst Cassirer veranstaltete 1900 und 1904 Cézanne-Ausstellungen
in Deutschland. 1902 bezog
Cézanne ein grosses Atelier im Norden von Aix. 1904
reiste er nach Paris, wo im Salon d'Automne
33 seiner Arbeiten in einem eigenen Raum präsentiert wurden. Am 23. Oktober
1906 starb Paul Cézanne in Aix-en-Provence.
Biografie von Carl Schuch
1846 wurde Carl Eduard Schuch in Wien im elterlichen Gasthof in
der Leopoldvorstadt geboren. Zwei Jahre
nach seiner Geburt starb seine Mutter. Nach
dem Tod des Vaters im Jahr 1851
übernahm dessen Schwester Susanna die Erziehung von Carl Eduard und seiner
älteren Schwester. Das
durch die Errichtung von Kaffeehäusern
erworbene elterliche Vermögen sicherte
Schuch zeitlebens materielle
Unabhängigkeit.
1865 ging er an die Wiener Akademie,
wo er zwei Jahre
lang Schüler von Karl Wurzinger und Karl
Mayer war.
1867 trat er in die Lehre bei Ludwig Halauska ein und
unternahm mit diesem mehrere Studienreisen, um vor der
Natur zu malen.
1869 starb Schuchs Schwester Pauline an einem
Lungenleiden. Dieses Ereignis nahm Schuch zum
Anlass,
seine Lehrzeit zu beenden, Wien zu verlassen und sich auf eine
Reise durch halb Europa zu begeben. Zunächst reiste er
zusammen mit dem Maler Albert Lang für ein Jahr nach Italien
und besuchte Venedig, Florenz, Sizilien, Rom und
Olevano.
1871 ging Schuch nach München, wo
er mit Wilhelm Trübner
und Wilhelm Leibl zwei wichtige Freunde und künstlerische
Vorbilder kennenlernte.
1872 bezogen Trübner und Schuch ein
gemeinsames Atelier
in Rom. Schuch lernte seinen
späteren Biographen, Karl Hagemeister, kennen. Im September reisten die beiden
zuerst nach
Wien, dann nach Dresden, wo Schuch zum ersten Mal Werke
von Delacroix, Corot, Daubigny und Th.
Rousseau sah. Von
Dresden zogen sie weiter nach Brüssel, wo sich Schuch und
Hagemeister ein Atelier einrichteten.
Für ein halbes Jahr wurde es zum Ausgangspunkt vieler Reisen nach Antwerpen, Den Haag,
Haarlem, Amsterdam und Rotterdam.
Schuch war besonders von den
Werken Rembrandts und Vermeers beeindruckt. In einer Kunsthandlung in
Den Haag sah er zum ersten Mal Bilder von Gustave
Courbet.
1876 begann Schuch, Stillleben zu
malen. Auf der Jubiläumsausstellung
des Münchner Kunstgewerbevereins
verkaufte er sein einziges zu Lebzeiten veräussertes Bild. Anfang November
bezog
er für sechs Jahre ein Atelier in Venedig.
In den
folgenden Jahren folgten zahlreiche Studienreisen.
Die
Sommer verbrachte Schuch in der Mark Brandenburg, wo er mit Hagemeister
Landschaften malte.
1882 löste er sein Atelier in Venedig
auf und ging nach Paris, wo er in der Rue St. Honoré ein Atelier bezog.
1883/84 wohnte und arbeitete Karl Hagemeister bei
ihm in Paris. Vom Sommer 1886 an begab sich Schuch sieben
Jahre hintereinander an den Saut du Doubs bei Le
Locle in der Schweiz. Die
dort entstandenen Landschaften werden Arnold Gehlen 1960
veranlassen, Schuch neben Cézanne zu stellen. Während der
Pariser Jahre erreichte Schuch den Höhepunkt seiner
Stilllebenmalerei. Er betrieb intensive Studien der französischen
Malerei.
1894 kehrte er mit Louise Eugène Lami, die er kurz darauf
heiratete, wegen seiner fortschreitenden Erkrankung
nach Wien zurück.
1897 wurde Schuch in das Sanatorium von Dr. Svetlin in Wien
eingeliefert, wo er sich nach einer vorübergehenden Entlassung
bis zu seinem Tod am 13. September
1903 aufhielt.
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