Antoni Tàpies
Biografie, Biographie, Ausstellung, Retrospektive
im Haus der Kunst in München
Literatur, Bücher:

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Die in Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional
Centro de Arte Reina Sofia in Madrid organisierte Tàpies-Retrospektive ist die
umfassendste Ausstellung, die es je über den katalanischen Künstler gegeben
hat. Die 90 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen der ganzen Welt
bieten einen Überblick über das Schaffen des Künstlers von der Mitte der
vierziger Jahre - seinen ersten Selbstbildnissen und Collagen - bis zu seinen
Arbeiten aus den letzten Jahren wie dem Erdbild (1999) und dem Complement
(1999), das sich auf dem Katalogcover wiederfindet.
Zentral im Schaffen von Antoni Tàpies
ist der Umgang mit Textur und Materie. Doch verweigert er sich der formalen
Analyse der ästhetischen Möglichkeiten der Materie. Er konzentriert sich
vielmehr auf die Suche nach ihren magischen Eigenschaften und ihrem
Verwandlungspotential. Sein Werk ist u.a. von
Raimundus Lullus, dem mittelalterlichen Universalgelehrten, beeinflusst,
was sich in der vom Künstler spielerisch in sein Werk übernommene
Kombinatorik manifestiert. In Lullus sieht Tàpies neben dem Mystiker auch
den Philosophen, Dichter und Wissenschafter. Nicht nur dessen Buchstaben
erscheinen als dem Laien unverständliche Zeichen im Werk von Tàpies,
sondern auch seine Name "Llull" taucht in Werken und Titeln auf.
Die Zeichen sind jedoch oft nicht deutbar und scheinen nur aus
ästhetischen Gründen ins Werk übernommen worden zu sein. Zu seinen
charakteristischen Kalligraphien und Schriftzeichen zählen vor allem
Kreuze sowie die Initialen "A" und "T". Die
Arbeiten von Tàpies verweisen auf das Selbstverständnis des Künstlers
als Schamane und "Alchemist", der die Natur der Materialien
erkennen, Substanzen verändern und dem Leben Sinn verleihen kann. Viele
seiner Werke erinnern an mittelalterliche Votivtafeln, die heilende
Effekte haben sollen, wenn man sie nur auf verschiedene Teile des Körpers
auflegt.
Der Agnostiker und Skeptiker Tapiès
fand über den Surrealismus 1954 zu seiner persönlichen Ausdrucksweise.
Für sich lehnt er den Begriff der abstrakten Malerei ab, da er keine
Beschränkung für seine Kunst akzeptiert. Das bedeutet jedoch keine
Rückkehr zur figurativen Malerei. Die Absenz
der Primärfarben in seiner Malerei begründet er mit der von ihm
empfundenen Übersättigung mit Farben durch Umgebung und Werbung. Er habe
eine regelrechte Allergie dagegen entwickelt. Zudem drückten die Farben,
die er gefunden habe und in seinem Werk verwende, am besten die Mystik aus
und gingen tiefer.
Seine Arbeiten sind voller alltäglicher
Elemente, darunter auch Abfall. Insofern steht er jener Künstlergeneration
näher, die gegen den Abstrakten Expressionismus revoltierte. Seine
ästhetischen Forderungen sind eindeutig mit existentialistischen Strömungen
verwandt. Dazu gehört sein Prinzip der Wiederholung, sein ständiges Fragen.
Die banalen, alltäglichen Elemente in seiner Kunst wie ein Bett, eine
Schachtel oder wie in der nebenstehenden Abbildung ein Schreibtisch mit
Stroh sind Ausdruck der von Tàpies geschätzten Lehren des Zen-Buddhismus,
in denen die Erlösung mit dem Wesenskreislauf verschmilzt. Die Kunst hat für
Tapiès rituellen Charakter und muss das Bewusstsein verändern; deshalb die
stete Rezitation einer Reihe von Symbolen, Bildern und Objekten in seinen
Werken.
Tàpies setzt sich in seinen Arbeiten auch mit der Unmöglichkeit auseinander
und hat wiederholt darauf hingewiesen, dass alle Kunst eine Art Spiel sei,
eine Falle, die der Betrachter anerkennen und annehmen müsse, damit sie wirke.
Auch deshalb versieht er oft Objekte auf der Leinwand mit Kreuzen oder anderen
Linienzeichen, wodurch er ihre "Wahrhaftigkeit", ihren
Objektcharakter aufhebt. Gemäss den Ausstellungsmachern liegt in diesem
Element der Ambiguität und des Unmöglichen, das die Malerei von Antoni
Tàpies beherrscht, das zentrale Thema, um das die Retrospektive aufgebaut
wurde.
Katalog: Antoni Tàpies - Die Retrospektive. Haus der Kunst in München
in Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid.
Aldeasa-Verlag, Madrid. Mit Beiträgen von Peter Bürger, Alexander G.
Düttman,
Antoni Tàpies, John C. Welchman und einem Vorwort von Manuel J. Borja-Villel.
324 S.
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