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Varlin 


Zur Ausstellung im Aargauer Kunsthaus Aarau
Katalog: Scheidegger & Spiess, 2000, 247 S.
 
Zu Ehren des 100. Geburtstags von Varlin, eigentlich Willy Guggenheim (1900-1977), findet im Aargauer Kunsthaus Aarau eine Retrospektive mit seinen Werken statt. Neben dem monographischen Ausstellungskatalog erscheint gleichzeitig beim Verlag Scheidegger & Spiess der Catalogue raisonné von Varlin.
 
Nach der ersten posthumen Ausstellung aus dem Jahr 1978 ist erneut Aarau Zentrum einer Rückschau. Rund ein Zehntel seines Gesamtoeuvres werden - chronologisch-thematisch geordnet - präsentiert. Zeitlich beginnt die Schau mit dem kleinformatigen D'après Goya aus den Jahren 1925/26. Sie endet mit dem riesigen (272 cm x 777 cm) Gemälde Die Leute meines Dorfes aus den Jahren 1975/76, das er mit Öl, Kohle und Filzstift auf Blachenstoff bannte.
 
Lange Zeit kann sich Varlin nicht von traditionellen Einflüssen, so Manet in Asta (1943), lösen. Später ist seine Malerei vor allem von zeitgenössischen Künstlern wie Alberto Giacometti und Francis Bacon beeinflusst. Das Vorbild Bacons bezüglich Komposition, Dramatik und Gestus lässt sich selbst noch im gegen Lebensende entstandenen nebenstehenden Mann mit dem Hund aus den Jahren 1973-75 nicht leugnen.
 
Das Fehlen einer wirklich eigenständigen Bildsprache verhindert bis heute Varlins Anerkennung über die schweizerischen Landesgrenzen hinaus. Dabei gehört er zu den Meistern des zeitgenössischen Porträts. Er war kein moderner "Hofmaler", sondern zeigte in seinen Darstellungen die menschlichen Abgründe auf. Neben dem kritischen Blick (u.a. auf die schweizerische "Enge") kommen in seinem Werk Ironie und Parodie nicht zu kurz. Varlin malte neben einfachen Leuten vor allem bekannte Schweizer Künstler wie die Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch oder Hugo Loetscher, der bei der Vernissage die Ansprache hielt. Vor allem Interieurs, oft in der Art von Henri Matisse oder Vincent van Gogh gemalt, dessen Haus er 1938 in Öl und Bleistift auf Karton festhielt, ergänzen die sehenswerte Retrospektive.

Der Katalog bietet neben einer ausführlichen Biographie Essays zu Varlin im Spiegel der Kritik, zu seinem Verhältnis zur Moderne, zur Avantgarde und zur jüdischen Tradition (sein "Glaubensbruder" Soutine ist ein weiterer, in seinem Werk spürbarer Einfluss) sowie zur Schweiz und ihrer Maltradition. Katalog: Gebundene Ausgabe, Scheidegger & Spiess, 2000, 247 S.
 
Paolo Tedeschi-Pellanda, Willy Guggenheim, u.a.: Valin. Scheidegger und Spiess Verlag AG, 2000. 2 Bände mit CD-ROM. Buch bestellen bei Amazon.de.
 

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