Hans Arp
Metamorphosen - Ausstellung im Museum Liner Appenzell
-
verlängert bis 24. September 2002
Hans Peter Wilhelm Arp wurde im Jahr 1886 in Strassburg, im damals deutschen
Elsass, geboren. Sein aus einer
Schleswig-Holsteinischen Hugenottenfamilie stammender Vater besass eine
gutgehende Zigarrenfabrik. Seine Mutter war eine Strassburgerin. Die
Zeichen- und Dichtertalente des älteren von zwei Söhnen werden rasch
erkannt. Hans Arp besucht von 1901 bis 1903 die Strassburger Kunst- und
Gewerbeschule, wo er bereits die kanonisierten Lehrmethoden in Frage
stellt. Seine Auffassung der Realität kann er nicht durch blosse
Imitation ausdrücken. Durch Privatunterricht beim Maler Georges Ritleng
wird Arp in den Strassburger "Stürmer"-Kreis um René Schickele,
Ernst Stadler und Otto Flake aufgenommen. Das Pathos der offiziellen
Kultur lehnen sie ab. Arps frühe Arbeiten sind vom Impressionismus sowie
von Rodin und Matisse beeinflusst. Dank seinem in Paris lebenden Onkel
kommt er mit der dortigen Kunstszene in Kontakt und wird durch Rainer
Maria Rilke bei Rodin eingeführt, den er 1905 in seinem Atelier besucht.
Von 1904 bis 1908 studiert Arp - mit Unterbrechungen - an der Kunstschule
in Weimar.
Arp orientiert sich am Kubismus und Futurismus, in einer Formensprache, die er zusammen mit den holländischen
Künstlern Adya und Otto van Rees entwickelt. Danach wird er von seiner
Bekanntschaft mit Sophie Taeuber, seiner späteren ersten Frau, und ihren
Arbeiten mit Textilien beeinflusst. Im Ersten Weltkrieg gehört Arp zu den
Mitbegründern des Dadaismus. In den zwanziger Jahren entwickelte er vor
allem im Relief bahnbrechende Innovationen, die zwischen Abstraktionen,
die noch ein Vorbild erkennen lassen, und freien, gegenstandslosen Formen
changiert. Arp wird in der Folge einer der Pioniere der gegenstandslosen
Plastik. Er entwickelt eine dem Wachstum der Natur analoge organische
Formensprache. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine meditative Ruhe und
Harmonie aus, die an die Ästhetik des fernen Ostens erinnern. Die bei ihm
immer wieder durchschimmernde Ironie hingegen ist eine Erbe des Dadaismus.
Seine Kunst vermengt mit der Zeit immer mehr zwei gegensätzliche
Kunstsprachen, die geometrische und die organische, die in seinem
Spätwerk kaum mehr getrennt werden können. Hans Arp stirbt 1966 in Basel
und wird in Locarno beigesetzt. (Für detaillierte Angaben zu Leben und
Werk siehe die hervorragende 19seitige, von Grete Ströh verfasste
Biographie im Katalog).
Bis auf zwei Ausnahmen (Teller, Gabeln und
Nabel, 1923, Karton, bemalt, sowie Wachstum, 1938/1960, Bronze,
beide aus der Sammlung des Museums Liner Appenzell) stammen alle 95
plastischen und anderen im Museum Liner Appenzell ausgestellten Arbeiten sowie
die zwölf ausgewählten Texte von Hans Arp aus der Fondazione Marguerite Arp
in Locarno. Die Stiftung ist im letzten Wohn- und Atelierhaus von Hans Arp,
das er von 1959 bis zu seinem Tod im Jahr 1966 bewohnte, untergebracht. Sie
enthält einen grossen Teil des Nachlass von Hans und Marguerite Arp und
besitzt einen der weltweit grössten Bestände an Plastiken, Reliefs,
Collagen, Zeichnungen und Druckgraphiken des Künstlers sowie ein Arp-Archiv
mit seltenen, kostbaren Erstausgaben von Büchern Arps und seiner Freunde.
Dazu kommen Kunstwerke von Arps erster Frau, Sophie Taeuber-Arp, und Arbeiten
von Künstlerfreunden wie Baumeister, Calder, Delaunay, Max Ernst, Alberto
Giacometti, Jawlensky, Klee, Miro, Picabia, Man Ray und Schwitters.
Der Ort der Ausstellung Hans Arp, das Museum
Liner Appenzell, dient der Erforschung und Aufarbeitung der Werke von Carl
Liner Vater (1871-1946) und Sohn (1914-1997). Die Kunst des Vaters wurzelt im
ausgehenden 19. Jahrhundert, ist aber auch vom Fauvismus und anderen
zeitgenössischen Strömungen beeinflusst. Der Sohn ist einer der Begründer
der informellen Malerei in der Ostschweiz in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts.
Katalog: Peter Dering: Hans Arp. Metamorphosen
1915-1965. Werke aus der Sammlung der Fondazione Marguerite
Arp, Locarno, im Museum Liner Appenzell. Gebundene Ausgabe, Niggli Verlag, 2000, 167 S.
Mit Abbildungen von 94 der 95 ausgestellten Werke, einem 30seitigen Essay von
Rudolf Suter sowie einer lesenswerten, von Grete Ströh verfassten 19seitigen
Biographie.
Für die Webseiten des Museums Liner Appenzell: Links.
Für weitere Ausstellungskritiken: Kunst.
|
|