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Ausstellungen
Waldmüller - Schiele - Rainer.
Vom Biedermeier bis zur Gegenwart. Meisterwerke des Niederösterreichischen
Landesmuseums
in der Kunsthalle Krems
noch bis am 1. Oktober 2000
Die Kunsthalle Krems zeigt eine Auswahl von
rund 220 Werken von 120 Künstlern, die aus den eigenen Beständen des
Niederösterreichischen Landesmuseum stammen. Es ist dies die erste
umfassende und repräsentative Ausstellung dieser Art seit der Gründung
des Museums im Jahr 1904. Viele der ausgestellten Werke waren deshalb
zuvor nur selten oder gar nie zu sehen gewesen. Die Ausstellung umfasst
das Biedermeier und den Realismus, vertreten durch siebzehn Maler,
darunter Friedrich Amerling (1803-1887), der Schriftsteller Adalbert
Stifter (1805-1868) und Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865). Daran
schliessen als Stimmungsmaler umschriebene, realistische wie auch
impressionistische Tendenzen vertretende siebzehn Künstler an. Zu ihnen
gehören Carl Moll (1861-1945) und Emil Jakob Schindler (1842-1892).
Secessionismus und Jugendstil repräsentieren neun Maler, unter ihnen
(erneut) Carl Moll sowie Egon Schiele (1890-1918). Für den
Expressionismus und die Zwischenkriegszeit haben die Ausstellungsmacher
zwanzig Maler ausgewählt. Neben Oskar Kokoschka (1886-1980) gehört
auch Arthur Brusenbach (1881-1957) in diesen Ausstellungsteil. Von
Brusenbach stammt das Bild Klagende Frauen. Darin verarbeitet der
Künstler autobiografische Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, während
dem er in Gefangenschaft geriet und floh. Stilistisch geprägt ist das
Werk von Brusenbachs Lehrer Rudolf Jettmar und greift Anregungen von
Ferdinand Hodler sowie, unschwer zu erkennen, von Egon Schiele auf. Den
chronologisch letzten Abschnitt der Ausstellung bilden "Tendenzen
nach 1945". Die ausgewählten sechzehn Maler vertreten naturgemäss
höchst unterschiedliche Kunstauffassungen. Der bekannteste unter ihnen
ist Arnulf Rainer (*1929), der denn auch mit drei (nicht gerade
hervorragenden) Werken vertreten ist.-
Katalog: Carl Aigner, Herbert Giese, Hans Hollein: Waldmüller, Schiele,
Rainer. Vom Biedermeier bis zur Gegenwart. Gebundene Ausgabe, Verlag
Chrisitan Brandstätter, Wien-München, 2000, 255 S. Das Buch bestellen
bei Amazon.de.
Salvador Dalí - Die Eroberung des Irrationalen. Das druckgrafische Werk
(1935-1979)
in der Stadtgalerie Klagenfurt
noch bis am 3. September 2000
Salvador Dali y Domènech wurde 1904 im
katalonischen Figueras als zweiter Sohn eines Notars geborene. Sein Bruder
gleichen Namens war im Alter von 21 Monaten gestorben. Ab 1916 erhält er
im Gymnasium Zeichenunterricht. 1922 wird er an die Königliche Akademie
der Schönen Künste von San Fernando in Madrid aufgenommen, wo er
Freundschaft mit Luis Buñuel und Federico Garcia Lorca schliesst. Bereits
ein Jahr später wird er aus disziplinarischen Gründen ein Jahr von der
Akademie verwiesen. 1924 muss er für 40 Tage in Haft. Ein Jahr später
hat er in der Galerie Dalmau in Barcelona seine erste Ausstellung. 1926,
bei einer Reise nach Paris, lernt er Picasso kennen. Im selben Jahr wird
er endgültig von der Akademie verwiesen. 1929 schreibt und dreht er mit
Buñuel den Film Un Chien Andalou, der in Paris uraufgeführt wird.
Im Sommer erhält er u.a. von Gala und Paul Eluard sowie dem Ehepaar
Magritte Besuch. Er verliebt sich in Gala, die später seine Frau und Muse
wird. Er zerwirft sich mit seinem Vater. Seine erste Ausstellung in Paris.
1930 dreht er mit Buñuel den Film L'Age d'Or, bei dessen
Aufführung in Paris es zu einem Skandal kommt. 1934 erfolgt seine erste
USA-Reise. Er stellt erfolgreich in der New Yorker Galerie von Julien Levy
aus. 1935 veröffentlicht er die programmatische Schrift La Conquête
de l'Irrationnel. Die Ausstellung in Klagenfurt Die Eroberung des
Irrationalen setzt hier ein. Sie deckt das druckgrafische Werk von
Dali der Jahre 1935-1979 ab (denn 1980 erkrankt der Künstler an Parkinson
und seine Druckgrafik findet ein Ende; Gala stirbt 1982, Dali
folgt seiner Frau 1989). Dali war nicht nur ein extravaganter und
ausschweifender Selbstdarsteller, Spinner und Skandalbruder, sondern auch
ein begnadeter Künstler, der allerdings des öfteren die unsichtbare
Grenze zum Kitsch überschritt. Seine "Weichen Uhren" und
viel andere Werke sind nicht nur weltbekannt, sondern sie wurden als
Drucke in alle Welt verbreitet. Gleichzeitig wurde er zu einem der
meistgefälschten Künstler der Geschichte, weshalb die Kunstwelt in den
1980er Jahren seine Druckgrafik weitgehend ignorierte. Unterdessen wurde
dieser Teil seiner Kunst jedoch systematisch katalogisiert und die meist
leicht erkennbaren Fälschungen bilden kein allzu grosses Problem mehr
(siehe den zweibändigen Oeuvre-Katalog von Dalis druckgraphischem Werk
von Lutz Löpsinger und Ralf Michler, der 1995 bei Prestel erschienen
ist). In der Stadtgalerie Klagenfurt sind fast 450 Radierungen,
Lithografien, Holzschnitte sowie illustrierte Bücher von Dali zu sehen,
die aus neun Privatsammlungen aus ganz Europa stammen und einen Kosmos
zwischen grosser Kunst und Kitsch eröffnen. -
Katalog: 88 S., mit den Abbildungen aller ausgestellten Werke,
erläuternden Texten und einer Kurzbiographie (im Museum erhältlich). Im
Katalog: z. B. Farbholzschnitte Dalis' aus der Serie Illustrationen zur Hölle aus
seinem zentralen und wohl bedeutendsten druckgrafischen Werk Die
göttliche Komödie nach Dante. - Am 22.10.2002 hinzugefügt: Die
Erkennung von Dali Fälschungen ist möglich. Allerdings befinden sind
gemäss Spezialisten 90% aller im Handel zirkulierenden druckgrafischen
Werke Dalis Fälschungen. Vorsicht und kompetente Beratung sind also nach
wie vor angebracht.
L'Esprit de Tinguely - Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg
noch bis am 1. Oktober 2000
Jean Tinguely gehörte - und gehört noch immer
- zu den populärsten Schweizer Künstlern. Seine Arbeiten sprechen
Intellektuelle wie Arbeiter an und begeistern sowohl an Kunst geschulte
Menschen wie auch solche, die (sonst) nie in ein Museum gehen. 1925 in
Fribourg geboren, wo er auch 1991 verstarb, absolvierte er 1940 eine Lehre als
Schaufensterdekorateur. Ein Jahr später ging er nach Basel, wo er die
Kunstgewerbeschule besuchte. 1953 übersiedelte er nach Paris, wo er sieben
Jahre später die Gruppe Nouveaux Réalistes gründete. Tinguely wurde
über Nacht zu einem Star der internationalen Kunstszene, als er im selben
Jahr 1960 im Garten des New Yorker Museum of Modern Art seine riesige, aus
Schrott gebaute Hommage an New York aufstellte, die sich auf Knopfdruck
selbst zerstörte. Im gleichen Moment konterkarierte, zerstörte und erneuerte
er den traditionellen Skulpturenbegriff. Bereits seine roboterähnlichen
Malmaschinen der späten 1950er Jahre, seine Métamatics, waren
Parodien auf das damals vorherrschende Informel. Seine komplexen, absurd
spielerischen, manchmal monströs aggressiven, zumeist laute oder auch leise
Spektakel bietenden Arbeiten überschreiten die herkömmlichen Kunstgrenzen.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert Tinguely als einen
Künstler, dessen Mentalität, Strategien und Konzepte auch für das 21.
Jahrhundert bedeutsam sind. Der Katalog konfrontiert ihn daher auch mit
zeitgenössischen Künstlern wie Damien Hirst und Jason Rhoades. -
Der Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg: L'Esprit de
Tinguely. Taschenbuch, Hatje Cantz, 2000, 416 S.
Buch bestellen bei Amazon.de.
Darin z.B. Tinguely, Otto von Guericke, 1988,
aus dem Werkzyklus Die Philosophen.
Karl Blossfeldt - Ausstellung im Fotomuseum Winterthur
noch bis am 20. August 2000;
im Jahr 2001 in der Kunsthalle Krems
Karl Blossfeldts (1862-1932) Fotografien
entstanden zunächst nicht als künstlerische Arbeiten, sondern als
Anschauungsmaterial für das Naturstudium. An der Unterrichtsanstalt des
Königlichen Kunstgewerbemuseums Berlin wurde er zum Bildhauer ausgebildet.
Von 1899 bis 1930 unterrichtete Blossfeldt "Modellieren nach lebenden
Pflanzen" an eben jener Unterrichtsanstalt, der heutigen Hochschule der
Künste Berlin. Erst 1926 wurden seine Nahaufnahmen und Vergrösserungen von
kleinsten Pflanzenteilen durch eine Ausstellung des Berliner Galeristen Karl
Nierendorf und durch die darauffolgenden Publikationen Urformen der Kunst
(1928) und Wundergarten der Natur (1932), die zu Bestseller
avancierten, von der internationalen Kunstwelt entdeckt. Vor allem Vertreter
der Neuen Sachlichkeit schätzten seine Fotografien. Auch Surrealisten wie
George Bataille nahmen seine Arbeiten zum Vorbild und zur Inspiration. Seit
den 1970er Jahren, insbesondere im Rahmen der Wiederentdeckung der Neuen
Sachlichkeit, wird Blossfeldt erneut verstärkt geschätzt. Seine Werke werden
in der Werbung eingesetzt, und seine Ausstrahlung reicht bis in die
zeitgenössische Fotografie. Die im Winterthurer Fotomuseum (und 2001 in der
Kunsthalle Krems) ausgestellten 250 Werke stellen eine Auswahl aus der
Sammlung weitgehend unbekannter Fotografien dar, die seit Jahren in der
Hochschule der Künste Berlin gelagert werden. Dort befindet sich die grösste
Kollektion an Vintage-Prints von Fotografien aus Blossfeldts Hand. In
Winterthur sind neben den Fotografien auch einige Bronzemodelle von Pflanzen
sowie Pflanzenpräparate in Glaskästen ausgestellt, die ebenfalls von
Blossfeldt stammen.