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Charles Chaplin -
Charlie Chaplin
Biographie - Biografie (1889-1977)
Nr. 17, August 2000
Charles Spencer Chaplin wurde am 16. April
1889 als Sohn von damals noch erfolgreichen Variété-Sängern geboren. Der
Vater Charles galt als guter Bariton und spielte auch Cello. Er konnte Noten mit
seinen satirischen Liedern und Schlagern verkaufen, mit seinem Foto als
Titelbild. Chaplins Mutter Hannah, geb. Hill, war die Tochter eines Schusters,
die mit sechzehn Jahren zum Theater gegangen und bereits ein Jahr später ihre
erste Hauptrolle spielte. Die Eltern Chaplins hatten 1886
geheiratet und trennten sich (wohl kurz) nach seiner Geburt, weshalb
Charles keine Erinnerung an seinen Vater hat. Der junge Charles hatte zwei
ältere Stiefbrüder, Guy und Wheeler Dryden, die von ihrem Vater erzogen
wurde, sowie einen älteren Bruder, Sydney.
Zur Zeit der Geburt ihres vierten
Sohnes zog die Mutter unter ihrem Künstlernamen Lily Harley als
Imitatorin, Sängerin und Tänzerin durch die englischen Music Halls. Sie
bekam bald darauf Probleme mit ihrer Stimme, konnte aber, da sie nun
allein für den Unterhalt der Familie aufkommen musste, keine Pause
einlegen und ruinierte deshalb ihre Gesundheit. Charles' Vater zahlte
selten Unterhalt und hatte ein Alkoholproblem, an dem er 1901, im Alter
von 37 Jahren, starb.
Bald erhielt die Mutter keine Engagements mehr. Gemäss Chaplin soll er bei
ihrem letzten Auftritt, als sie wieder einmal die Stimme verloren hatte, auf die
Bühne getreten sein und einen bekannten Schlager gesungen haben, wofür er viel
Applaus geerntet habe. Ein Jahr später musste Lily Harley die Kinder in das
Armenhaus von Lambeth einweisen. Als Näherin gelang es später der Mutter
kurzzeitig, die Familie wieder zu unterhalten, doch bald darauf mussten die
Kinder erneut in eine Armenschule, diesmal in diejenige von Norwood. Lily Harley
wurde geisteskrank und musste in ein Asyl, woraufhin das Vormundschaftsgericht
entschied, die Kinder zu ihrem Vater zu senden. Der Trinker soll, gemäss der
Autobiographie von Chaplin aus dem Jahr 1964, hin und wieder seine Wut über die
zwei zusätzlich zu ernährenden Münder an den beiden Kindern ausgelassen
haben. Als die Mutter nach acht Monaten aus der Heilanstalt entlassen wurde,
konnte sie die Söhne wieder zu sich nehmen.
Lily Harley förderte Chaplins schauspielerisches Talent und brachte ihm eine
gepflegte Sprache bei. Sein Vater empfahl ihn erfolgreich den Eight Lancashire
Lads, einer Truppe von Holzschuhtänzern, mit denen er im Alter von acht Jahren
aufzutreten begann. Nach eineinhalb Jahren musste Chaplin wegen einer Reihe von
Asthmaanfällen ins Krankenhaus und das Engagement aufgeben, was die Familie
erneut in Schwierigkeiten brachte. Der ältere Bruder Sydney erhielt ein
Engagement als Trompeter auf einem Passagierschiff. In jener Zeit wurde die
Mutter erneut geisteskrank - die Jahre 1905 bis 1912 verbrachte sie erneut im
Asyl. Chaplin arbeitete als Zeitungsverkäufer, Drucker, Glasbläser, etc. Er
versuchte, erneut Arbeit als Schauspieler zu finden und sprach in einer Agentur
vor, die ihn für die Rolle des Laufburschen Billy im Kriminalstück Sherlock
Holmes engagierte. Der Zwölfjährige Charles hatte angegeben, er sei schon
vierzehn Jahre alt. Weitere Engagements, so in einer Clowntruppe als Komiker.
Danach folgte der Ruf von Fred Karno, einem Impresario für
Slapstick-Pantomimen, bei dem auch Stan Laurel seine Karriere begann. So trat
Chaplin, nun siebzehn Jahre alt, in einem Sketch mit dem beliebten Komiker Harry
Weldon auf.
1909 ging Chaplin auf Tournee nach Paris, wo er in einem Kino den Komiker Max
Linder sah, den er später als seinen Lehrmeister bezeichnete. Linder spielte
zwar einen eleganten Mann - also das Gegenteil von Chaplins späterer
Leinwandfigur des Tramps, doch die freche Selbstverständlichkeit seines
Auftretens an den unpassendsten Orten haben die zwei Filmcharaktere gemein. Ein
Jahr später folgte Chaplins Debüt in Amerika statt. Es war ein Misserfolg, da
das von Fred Karno für das New Yorker Colonial Theater ausgewählte Stück zu
britisch war und den amerikanischen Geschmack völlig verfehlte. Chaplin selbst
erhielt einige gute Kritiken, und bei der englischen Kolonie New Yorks war das
Stück ein voller Erfolg. Im Frühjahr 1912 kehrte der Schauspieler nach England
zurück. Da im dort jedoch der Rückfall in die Mittelmässigkeit drohte, er in
Amerika aber als Star einer Theatertruppe herausgehoben wurde und ihm zudem der
dortige Lebensstil mehr zusagte, reiste er wenige Monate später mit einer neuen
Truppe in die USA, in der Hoffnung, dort bleiben zu können.
1913 erhielt Chaplin einen Ruf von der New York Motion Picture Company von Adam
Kessel und Charles O. Baumann, die u.a. Mack Sennetts Keystone Film Company, die
erfolgreichste Komödienfabrik Amerikas, kontrollierten. Damals boomte das
Filmgeschäft. Fast wöchentlich wurde eine neue Produktionsgesellschaft gegründet.
In den 15,000 Filmtheatern wurden vor allem Western und Melodramen gezeigt.
Filme entstanden am Laufband und zeichneten sich durch eine dementsprechende
Qualität aus. Neben ausländischen Filmen - wie denjenigen von Max Linder -
ragten nur wenige aus dem gleichförmigen Angebot hervor. Mack Sennett hatte
beim besten Regisseur jener Zeit, David Wark Griffith (sein Meisterwerk: Birth
of a Nation 1915), das Handwerk gelernt. Sennetts Markenzeichen waren
virtuose Verfolgungsjagden in zumeist mechanischen Komödien. 1913 war Chaplin
24 Jahre alt. Seinen ersten Film für Keystone drehte er zusammen mit dem
bereits über 40jährigen Schauspieler Ford Sterling. Neben ihm wirkte Chaplin
zu jung. Zudem wurde er durch das hektische Geschehen im Studio verwirrt,
weshalb er sich ungeschickt anstellte und Sennett bereits den Eindruck hatte,
mit diesem Engagement einen Fehler gemacht zu haben.
Doch spätestens 1914 sollte sich die Wahl auszahlen. Charles Chaplin erfand die
Figur des "Tramp" für den Film Making A Living. In Kid Auto
Races at Venice war der Charakter des Tramps schon ziemlich ausgereift, mit
Watschelgang und wirbelndem Stöckchen. In seinem dritten Film, Mabel's
Strange Predicament, wurde die Figur noch klarer. Allein 1914 spielte
Chaplin in rund 35 Filmen mit. Das gab ihm die Chance, an sich, seiner
Schauspielkunst und der Figur des Tramps zu arbeiten. Im selben Jahr gab er in Caught
in the Rain sein Regie-Debüt, u.a. mit einer gelungenen Variation über die
Darstellung von Trunkenheit. Vor allem aber enthielt der Film die erste komische
Transposition Chaplins, d.h. die erste Verwendung eines Gegenstandes für einen
dafür nicht vorgesehenen Zweck (eine Schnapsflasche, deren Inhalt er sich in
die Haare massiert); ein Prinzip, dass er in vielen Werken anwenden wird, so in Gold
Rush, wo er seinen eigenen Schuh verspeist.
Chaplin war sehr erfolgreich und wurde oft imitiert. Einige Komiker waren ihm in
der Erfindung von Gags überlegen, und Konkurrenten wie Harry Langdon verstanden
es noch besser wie Chaplin, Pathos mit Komik zu verbinden, doch niemand
erreichte seine tänzerische Grazie, seine Eleganz der Haltung und der
Selbstverständlichkeit in den abenteuerlichsten Bewegungsabläufen (Wolfram
Tichy). Viele der berühmtesten Szenen seiner Karriere wirken wie ein Ballet und
enthalten tänzelnde Einlagen. Die Boxkämpfe in The Champion und City
Lights, die Rollschuhszenen in The Rink und in Modern Times.
Ende 1914 endete bereits Chaplins Karriere bei Keystone. Im Februar darauf
drehte er His New Job, seinen ersten Film für Essanay, zu gegenüber
Keystone stark verbesserten finanziellen Konditionen. Dort traf Chaplin zwei für
seine Karriere wichtige Personen: Roland H. Totheroh, der von The Floorwalker
(1916) bis zu Monsieur Verdoux (1947) in allen seinen Filmen die Kamera führen
sollte (er starb 1967), sowie Edna Purviance, seine Filmpartnerin von A Night
Out (1915), seinem zweiten Film für die neue Gesellschaft, bis zu The
Pilgrim (1923). Er zahlte ihr übrigens bis an ihr Lebensende ein Gehalt,
nachdem alle ihre auch von ihm geförderten Versuche, eine eigene Karriere
aufzubauen, scheiterten. Bei Essanay kriegte Chaplin sein eigenes
Hollywood-Atelier und drehte noch heute bekannte Filme wie The Champion
und The Tramp, bis dahin sein Meisterwerk. Es zeigte eine neue Dimension
intensiven Gefühlslebens: Liebe und Mitgefühl.
Doch bereits 1916 wechselte Chaplin zur Mutual Company, die ihm, dank der
Verhandlungskunst seines Bruders Sydney, nicht nur sagenhafte $150,000
Vorauszahlung sowie $10,000 Wochengage garantierte, sondern ihn auch seine
Produktionskosten so grosszügig kalkulieren liess, dass er es sich leisten
konnte, seine Filme immer sorgfältiger zu gestalten und neue Einfälle
abzuwarten. Allein für The Immigrant (1917) verdrehte Chaplin 30,000
Meter Film, was dem fünfzigfachen der schliesslich gezeigten Meterzahl
entsprach. Der Perfektionist konnte sich voll entwickeln. Für die Mutual zahlte
sich die Grosszügigkeit ebenfalls aus, denn anstelle der sonst in der Branche für
einen Erfolgsfilm üblichen 150 bis 200 Kopien konnten von allen Werken Chaplins
500 gezogen werden. Der Komiker bezeichnete ihm Rückblick die Jahre bei der
Mutual als die glücklichste seiner Laufbahn, als er mit 27 Jahren unbeschwert
und für niemanden verantwortlich drehen konnte. The Vagabond (1916) und The
Adventurer (1917), sein letzter Film für die Gesellschaft, gehören in jene
Zeit.
Bereits im selben Jahr beendete er den Vertrag mit der Mutual und schloss einen
mit der First National, der erstmals in der Filmgeschichte auf mehr als eine
Million Dollar (!) lautete. Für die Gesellschaft drehte er 1918 A Dog's Life.
Von da an standen alle Filme Chaplins unter seiner alleinigen Kontrolle. Am 23.
Oktober 1918 heiratete er Mildred Harris. Ihr einziges Kind starb kurz nach der
Geburt 1919. Die Ehe scheiterte und wurde im darauffolgenden Jahr geschieden.
1921 erschienen The Kid und The Idle Class.
1918 war Chaplin mit Mary Pickford und Douglas Fairbanks auf Liberty Bond
Tournee gegangen. Die drei gründeten, zusammen mit David W. Griffith (Birth
of a Nation, 1915), am 19. Januar 1919 ihre eigene Filmgesellschaft, United
Artists, um von den Produzenten unabhängig zu sein. Doch die vier Gründer
waren höchst eigenwillige Künstler. Fairbanks und Pickford lieferten zwar bald
erste Filme, doch Griffith und Chaplin kümmerten sich wenig um Termine. Bei
Griffith dauerte es nach seinem kommerziell grössten Erfolg, Broken Blossoms,
zwei Jahre bis zum nächsten Werk. Für United Artists drehte er danach nur noch
finanzielle Misserfolge. Chaplin braucht gar vier Jahre, bis zum ersten Film (The
Pilgrim) für die neue Gesellschaft. Der erste Erfolg kam sogar erst 1925
mit The Gold Rush/Der
Goldrausch.
1924 heiratete Chaplin die sechzehnjährige Lillita McMurray alias Lita Grey. Im
Juni des darauffolgenden Jahres wurde sein erster Sohn, Charles, geboren. Im März
1926 folgte sein zweiter, Sydney. Bereits 1927 wurde die Ehe geschieden. Für The
Circus (1926) erhielt Chaplin 1929 seinen ersten Oscar. 1928 starb seine
Mutter und er begann die Dreharbeiten an City
Lights/Lichter der Grosstadt. Der Tonfilm war zwar bereits erfunden,
trotzdem entschied er sich für einen Stummfilm, dem er Toneffekte und Musik
hinzufügen würde. Für Chaplin war klar, das mit dem Ton das Ende des Tramps
gekommen war, denn dieser hatte keine Stimme. Beim Erscheinen von City Lights
im Jahr 1931 folgte, zehn Jahre nach seiner ersten, die zweite Europa-Tournee
Chaplins.
1932 traf er bei einer Party Paulette Goddard. Ein Jahr später begann er die
Dreharbeiten an Modern
Times/Moderne Zeiten. Der Film erschien 1936. Es war erneut ein
Stummfilm mit Toneffekten. Im selben Jahr heiratete Chaplin Paulette Goddard
heimlich. Doch als der Regisseur entgegen wiederholter Versprechungen nichts
tat, um Paulette wieder in einem Film zu beschäftigen, begannen sich ihre Wege
langsam wieder zu trennen. Schliesslich gab er ihr in The
Great Dictator/Der grosse Diktator (1940 erschienen) die Rolle
des jüdischen Mädchens, doch bis dahin hatte sich Goddard bereits als Star
etabliert und verfolgte danach ihre eigene Karriere. Kurz nach Beendigung der
Dreharbeiten zum Film trennten sich die zwei, 1942 wurden sie geschieden.
Erstmals endete so eine Ehe Chaplins ohne Skandal.
1943 begann der von Joan Barry gegen Chaplin angestrengte Vaterschaftsprozess.
Eine Blutanalyse bewies 1944, dass er nicht der Vater des Kindes war. Doch dann
übernahm ein erzkonservativer Jurist, Joe Scott, die Anklage. Bluttests waren
in Kalifornien als Beweismittel nicht zugelassen, obwohl ihre Beweiskraft ausser
Frage stand. Scott gelang es, die Geschworenen auf seine Seite zu ziehen. So
wurde Chaplin dazu verurteilt, seiner "Tochter" wöchentlich bis zu
ihrem 21. Geburtstag $75 zu zahlen. Joan Barry wurde übrigens 1953 wegen akuter
Schizophrenie in eine Heilanstalt überwiesen. Noch vor Beginn des
Barry-Prozesses hatte Chaplin die Tochter des amerikanischen Dramatiker O'Neill,
Oona, kennengelernt, die er 1943 heiratete. Die 36 Jahre jüngere Frau war die
richtige Wahl [13.11.2000: Jahreszahl 36 eingefügt]. Ein Jahr später wurde die
Tochter Geraldine geboren, 1946 folgte Michael, 1949 Josephine, 1951 Victoria,
1953 Eugene, 1957 Jane, 1959 Annette und 1962 Christopher.
1947 kam nicht nur Chaplins Film Monsieur Verdoux in die Kinos, sondern
der Regisseur und Schauspieler geriet auch in die Fänge der Kommunistenjäger
in Washington. Als Chaplin 1952 bei einem Englandbesuch davon erfuhr, dass die
Amerikaner ihn bei seiner Rückkehr wie einen Einwanderer behandeln würde,
entschied er sich dafür, in Europa zu bleiben. Im Jahr darauf liess er sich mit
seiner Familie in der Schweiz nieder. Die Uraufführung von Limelight im
Jahr 1952 erfolgte bereits nicht mehr in den amerikanischen Kinos. 1954
verzichtete Chaplin auf die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr
erhielt er den World Peace Council Prize. 1957 kam A King in New York in
die Kinos. 1962 erhielt er die Ehrendoktorate der britischen Universitäten
Oxford und Durham. Zwei Jahre später veröffentlichte er seine Autobiographie.
1965 starb sein Bruder Sydney und 1967 kam sein letzter Film, A Countess From
Hong Kong, in die Kinos. Er arbeitete zwar noch an The Freak, doch
beendete das Projekt nicht. 1972 erhielt Chaplin seinen Platz auf dem "Walk
of Fame" in Hollywood sowie einen "Special Academy Award", den
Ehren-Oscar für seine unschätzbaren Verdienste zur Etablierung des Films als
Kunstform des 20. Jahrhunderts. Das Filmfestival in Venedig verlieh ihm den
Goldenen Löwen. 1975 wurde er von der englischen Königin geadelt. Chaplin litt
bereits an Altersschwäche. Er war fast gelähmt und halb blind. An Weihnachten
1977 verstarb Charles Chaplin in der Schweiz. Seine Leiche wurde 1978 gestohlen,
danach aber wiedergefunden. Seine Frau Oona folgte ihm erst 1991 ins Grab.
Dieser Artikel beruht weitgehend auf Wolfram Tichys Chaplin-Biographie (Rowohlt
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Siehe auch die Artikel zu The
Gold Rush, City
Lights, Modern
Times und The
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