Der Grosse Diktator
von Charles Chaplin (1940).
Chaplin und die Politik.
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Der Grosse Diktator (1940) ist
der erste vollständige Tonfilm Chaplins. Die Idee dazu kam von Alexander
Korda, der Chaplin vorschlug, einen Hitler-Film zu machen, der sich um eine
Personenverwechslung drehen sollte, da der deutsche Diktatur den gleichen
Schnurrbart wie der Tramp habe. Chaplin könne beide Personen darstellen.
Zuerst hielt dieser nicht viel von der Idee, doch plötzlich wurde ihm klar,
Hitler könne die Massen grosstuerisch bearbeiten und so viel versprechen wie
er wolle. Als Tramp dagegen könne er mehr oder weniger still bleiben.
Die Vorbereitungen zu The Great Dictator
dauerten fast zwei Jahre, in denen Chaplin die Reden und das Gebaren Hitlers
studierte. Zu diesem Zweck liess er sich Wochenschauaufnahmen zusenden.
Stundenlang studierte er sie in seinem Privattheater zu Hause oder im
Projektionsraum des Studios. Chaplin studierte jede Pose und prägte sich den
Gesamteindruck Hitlers ein. Er war vom Diktator gleichzeitig fasziniert
und abgestossen. Chaplin wollte den Menschen zeigen, was für eine
jämmerliche Figur und was für ein grössenwahnsinniger Narr Hitler
war.
Der Film beginnt im Jahr 1918. Im Krieg
erleidet ein sanfter jüdischer Friseur (Chaplin) eine Amnesie. Der
gedächtnislose Kleinbürger, der nur in Ruhe gelassen werden und ohne
Kenntnis der Weltpolitik seinem bescheidenen Beruf nachgehen möchte, versteht
nicht, dass sich die Welt verändert hat. Er verliebt sich in die jüdische Wäscherin Hanna
(Paulette
Goddard). Doch nach dem Krieg hat der gockelhafte, arrogante und grössenwahnsinnige Hynkel (Chaplin) die
Macht in Tomanien übernommen und eine Diktatur errichtet, unter der vor allem
die Menschen im Ghetto leiden müssen. Die Anspielung auf Adolf Hitler und
seine engsten Gefährten ist offensichtlich. So steht Garbitsch (der Unrat)
für Goebbels. Anstelle des Hackenkreuzes steht das Doppelkreuz, wobei Double
Cross die Bedeutung von "hereinlegen" hat. Der faschistische
Diktator Italiens, Benito Mussolini, wird im Film zu Benzino Napaloni (die
italienische Form von Napoleon), der über das
Land Bacteria regiert.
Die Menschenverachtung und der Grössenwahn
Hitlers werden in der berühmtesten Szene des Filmes, in der Hynckel mit einer
riesigen Ballon-Weltkugel spielt und tanzt, unübertrefflich symbolisiert. Der
Film endet mit einer mehrminütigen Rede des Frisörs, der unterdessen, auf
Grund seiner Ähnlichkeit mit Hynkel, dessen Platz bei einer Rede eingenommen
hat, in der er die Menschheit zu Frieden und gegenseitigem Respekt aufruft.
Als sich Chaplins Analyse Hitlers, des
Nationalsozialismus und des Faschismus als korrekt erwies, wurde der Film von
den Behörden freigegeben. Mit The Great Dictator erreichte Chaplin
seinen grössten finanziellen. Doch gleichzeitig war dies das Ende des Tramps,
und Chaplins Kampf mit sich selbst und mit seiner Identität begann.
Siehe auch die Artikel zu Chaplins
Biographie und zu seinen Filmen The
Gold Rush, City Lights
und Modern
Times. Teile dieses Artikels beruhen auf Wolfram Tichys
Chaplin-Biographie (Rowohlt TB, 1974, 157 S. Bestellen
bei Amazon.de). Für weitere Filmkritiken: Film.
Chaplin und die Politik, das ist ein weites Feld. Bereits Anfang der
zwanziger Jahre gab es Versuche, seine Filme zu boykottieren. Vor allem wurde
ihm das Werk Shoulder Arms verübelt, in dem er seine pazifistischen
Ansichten propagierte. Der Film war noch vor Ende des Ersten Weltkrieges in
die Kinos gekommen und setzte sich satirisch mit dem Soldatenleben
auseinander, weshalb er bei Soldaten besonders beliebt war.
Durch den Film Modern Times wurde er von
Linken wie Rechten zum "Kommunisten" und
"Sozialrevolutionär" gestempelt. Chaplin tat das seine dazu, um den
Eindruck zu verstärken, indem er in Berlin eine Delegation arbeitsloser
Filmkünstler empfing. Als er die Redaktoren Der Roten Fahne befragte,
welche Richtung der Arbeiterpartei sie vertrete, erhielt er die Anwort:
"Wir sind die einzig revolutionäre Arbeiterpartei in Deutschland."
Darauf meinte Chaplin, es habe doch schon eine Revolution in Deutschland
gegeben. Ob da nur ein Personenwechsel vor sich gegangen sei. Wenn man eine
Revolution mache, dann müsse man sie ganz machen. Gemäss Wolfram Tichy legte
Chaplin in diesem Interview seine politische Naivität an den Tag, da er ein
Gesellschaftskonzept zu vertreten bereit gewesen sei, das zu seinem Lebensstil wie
auch zu den meisten seiner Überzeugungen in krassem Widerspruch gestanden
habe.
Bei der Premiere von Der Grosse Diktator (1940),
einem knapp zweistündigen Werk, ergoss sich eine Hetzkampagne gegen Chaplin,
die vor allem von der deutschfreundlichen Hearst-Presse getragen wurde. Viele
Antikommunisten befürworteten insgeheim Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion.
Eine zeitlang sollte der Film in den USA gar auf die Verbotsliste wegen
kriegshetzerischer Tendenz gesetzt werden. Der Grosse Diktatur war ein
Plädoyer für die Demokratie und eine Verurteilung der Diktatur. Allerdings
setzte sich Chaplin 1942 in einer Rede bei einer Massenveranstaltung, die vom
Amerikanischen Komitee für Russlandhilfe und anderen linken Organisationen
organisiert wurde, für die Errichtung einer zweiten Front der USA und GB
gegen Hitler ein, was die UdSSR entlastet hätte. Dadurch geriet er erneut in die
Nähe der Kommunisten. Später errichteten allerdings die Alliierten
tatsächlich die zweite Front, um Hitler niederzuringen.
Mit der Errichtung des parlamentarischen
Ausschusses für Unamerikanische Umtriebe (HUAC) im Jahr 1947 geriet Chaplin
ins Schussfeld der antikommunistischen Hexenjäger. Er dürfe nicht US-Bürger
werden, war eine der damals erhobenen Forderungen. Chaplin meinte dazu:
"Ich bin Internationalist, kein Nationalist, und deswegen brauche ich
keine Staatsbürgerschaft." 1949 verzichtete das HUAC darauf, ihn vor ein
Komitee vorzuladen, nachdem Chaplin in einem Telegramm geschrieben hatte, er sei
kein Kommunist und habe nie einer politischen Partei oder Organisation
angehört.
Im Jahr 1951, als Chaplin zur Premiere von Limelight
(Rampenlicht) fuhr London ging, war er in den USA gesellschaftlich
völlig isoliert. Zuerst erhielt er von den amerikanischen Behörden die
gewünschte Wiedereinreisegenehmigung. Doch als er sich bereits nach Europa eingeschifft
hatte, wurde ihm ein Telegramm zugestellt, in dem stand, dass er bei seiner Rückkehr
wie ein neuer
Einwanderer zuerst nach Ellis Island zur Vernehmung müsse, wo über seine Einreise
endgültig entschieden werde. Das Justizministerium stützte sich dabei auf
einen Paragraphen, gemäss dem aus Gründen der "Moral, Gesundheit oder
Geistesgestörtheit oder bei Befürwortung von Kommunismus oder der Verbindung
mit Kommunisten oder pro-kommunistischen Organisationen" die Einreise
verweigert werden konnte. Daraufhin beschloss Chaplin, in Europa zu bleiben
und liess sich in der Schweiz nieder, wo er bis zu seinem Tode wohnhaft blieb.
Die Entscheidung Chaplins, sich mit Tschu En-lai, Chrustschow und Bulganin zu treffen und den Friedenspreis des
"Weltfriedensrates" anzunehmen, zeugte nicht gerade von politischer
Übersicht. Das amerikanische Aussenministerium brandmarkte ihn daraufhin. Das
Resultat aller in Amerika gemachten Erfahrungen und Angriffe war der Film A
King in New York, in dem ein vertriebener europäischer König nach
Amerika kommt, wo er u.a. für Werbespots benutzt wird. Er freundet sich mit
einem kleinen Jungen an, dessen Vater als Kommunist verhaftet worden ist.
Politiker bringen den Jungen dazu, Freunde seines Vaters als Kommunisten zu
denunzieren. Der König, der unangenehme Erfahrungen mit dem Ausschuss für
unamerikanische Aktivitäten machen muss, beschliesst daraufhin, nach Europa
zurückzukehren.
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Menschen im Ghetto:
Ein Friseur: Charles Chaplin
Hanna, Wäscherin: Paulette Goddard
Herr Jaeckel: Maurice Moscovich
Frau Jaeckel: Emma Dunn
Herr Mann: Bernard Gorcey
Herr Agar: Paul Weigel.
Menschen im Palast:
Hynkel, Diktator von Tomanien: Charles Chaplin
Napaloni, Diktator von Bakteria: Jack Oakie
Schultz: Reginald Gardiner
Garbitsch: Henry Daniell
Hering: Billy Gilbert
Botschafter von Bakteria: Carter De Hayen.
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