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Nr. 17, August 2000
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City Lights - Lichter der Grosstadt
Der Film von Charles Chaplin, Charlie Chaplin (1931)

Lichter der Grosstadt
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1927 wurde der Tonfilm erfunden, der längst etabliert war, als Chaplins City Light 1931 erschien. 1926 waren allerdings ganze Szenen von Lichter der Grosstadt bereits abgedreht. Charles Chaplin entschied sich dafür, einen Stummfilm zu machen, dem er Toneffekte und vor allem Musik hinzufügen würde. Er habe "lalala" gesungen und Arthur Johnson habe daraufhin die entsprechenden Noten notiert. Chaplin war klar, dass er im Tonfilm den Tramp nicht würde auferstehen lassen können, da dieser nicht sprechen konnte. Er betrachtete den Ton als einen Rückschritt. Die älteste Kunst sei diejenige der Pantomime, meinte Chaplin in einem Interview. Die Stimme dagegen sei etwas Künstliches - die ersten Tonfilme zeigten sich denn auch durch eine schlechte (Ton-)Qualität aus. Pantomime sei der Ausdruck komischer Poesie, so Chaplin.
 
Die erfolgreichste Szene von City Lights war bereits 1926 abgedreht worden. Sie hiess damals, fünf Jahre vor der Premiere, Der Selbstmord. Das Fragment, das Chaplin für einen früheren Film vorgesehen hatte, zeigt den Tramp, wie er am Weihnachtsabend am Ufer der Themse sitzt und an einer Brotkruste knabbert, die er den Vögeln gestohlen hat. Ein betrunkener Mann in einem Abendanzug kommt die Treppe herunter und legt sich einen Strick um den Hals, an dessen Ende er einen schweren Stein befestigt. Der Tramp versucht natürlich, den Mann von seinem Vorhaben abzubringen. Für City Lights wurde die Szene geändert. Anstelle einer Brotkruste hält der Tramp nun eine weisse Rose, die er dem geliebten Blumenmädchen (Virginia Cherrill) abgekauft hat, in der Hand. Er leidet an Liebesqual und Liebesschmerz und nicht mehr an Hunger. Dieser Szene folgt die Geschichte vom Millionär (Harry Myers), der nur in betrunkenem Zustand menschlich ist, und dem Tramp, der einem blinden Mädchen durch grossen Einsatz wieder zur Sehkraft verhilft. Eine schon damals altmodische und sentimentale Geschichte, die ihm viel Kritik eintrug. Doch die Qualität des Film liegt eben gerade in den rührseligen Szenen, die nichts von ihrer Kraft verloren haben.
 
Beim Drehen ging es allerdings weniger sentimental zu. Der ursprüngliche Darsteller des Millionärs wurde gefeuert, weil er sich weigerte, mit einer Erkältung am Ende eines anstrengenden Drehtages nochmals ins kalte Wasser zu steigen. Selbst Virginia Cherrill, das Blumenmädchen im Film, ereilte vorübergehend das gleiche Schicksal, weil sie sich Chaplins Anforderungen und Arbeitsrhythmus zuerst nicht beugen wollte. Egon Erwin Kisch (Paradies Amerika, Berlin, 1930, S. 148) vermittelt in einer Reportage eine Vorstellung von der Detailversessenheit Chaplins. Fast acht Tage lang wurde an einer Szene gefeilt, in der dem Blumenmädchen durch das Zuschlagen einer Autotür bedeutet wurde, dass sie es mit einem reichen Herrn zu tun hatte - ein Missverständnis, auf dem der letztlich der ganze Film beruht. City Lights beanspruchte zwei Jahren Drehzeit und weitere drei Monate zur Komposition und Aufnahme der illustrierenden Filmmusik, die wesentlich zum riesigen Erfolg von Lichter der Grosstadt beitrug.
 
Siehe auch die Artikel zu Chaplins Biographie und zu seinen Filmen The Gold Rush, Modern Times und The Great Dictator. Teile dieses Artikels beruhen auf Wolfram Tichys Chaplin-Biographie (Rowohlt TB, 1974, 157 S. Bestellen bei Amazon.de).

 

Buch, Regie, Musik, Hauptdarsteller (Der Tramp): Charles Chaplin
Das Blumenmädchen: Virginia Cherrill
Ihre Grossmutter: Florence Lee
Ein exzentrischer Millionär: Harry Myers
Sein Butler: Allan Garcia
Ein Preisboxer: Hank Mann.


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