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Nr. 17, August 2000
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Jazz CDs
Claudia Acuña: Wind From The South (Verve)

 
In ihrem Debutalbum als Leaderin gibt Claudia Acuña eine Kostprobe ihres Talents. Die in Santiago, Chile, geborene Sängerin kümmerte sich zuerst um die Volksmusik ihres Landes, um Pop, Rock, Fusion und sogar Oper. Als frühes musikalisches Vorbild bezeichnet sie Frank Sinatra. Zur Auseinandersetzung mit Jazz gab es in Chile wenig Gelegenheit. Als ihr aber Musiker sagten, sie sei die geborene Jazzsängerin, versuchte sie sich darin und spielte mit Jazz Stars, die auf Tournee nach Chile kamen. Unter ihnen war auch Wynton Marsalis. Im Herbst 1995 zog Claudia Acuña nach New York, wo sie von Vorbildern wie Betty Carter, Abbey Lincoln, Etta Jones und Dianne Reeves ermutigt wurde, weiter zu machen. Währenddem sie ihm Touristenladen von Blue Note arbeitete, erhielt sie die Chance, spät am Abend an einer Jam Session in eben jenem berühmten Club zu singen. Am Morgen sang sie an den Jam Sessions bei Smalls, einem Tenth Street Club, in dem junge Talente auftreten. Dort trat sie mit Jason Lindners Monday Night Big Band, mit Avishai Cohen (mit dem sie auch Plattenaufnahmen machte), mit Jeff Ballard und mit Abi Leibovich auf. Sonntags begann sie mit dem Pianisten Harry Whitaker bei Arturo's zu singen. Auch in der  Zinc Bar, im Metronome, im Sweet Basil und im Up Over Jazz Café in Brooklyn trat sie auf die Bühne. Die drei spanisch gesungenen Aufnahmen, Viento Del Sur, Gracias A La Vida und Alfonsina Y El Mar, gehören nicht zu den Höhepunkten von Wind From South. Claudia Acuña tritt stellenweise mit zuviel Pathos und einem grossen Anspruch auf, dem sie (noch) nicht gerecht wird. Es fehlt ihr noch an Eigenständigkeit und an Tiefe. Ihre Stimme klingt etwas zu flach und farblos. Doch sie hat Talent, und auf Wind From The South finden sich mit Prelude To A Kiss, dem eleganten Pure Imagination, The Thrill Is Gone sowie der Ballade Visions einige Songs, die für die Zukunft der Sängerin vielversprechend sind. Bestellen bei Amazon.de. Am 19.8.2002 hinzugefügt: Claudia Acuñas zweite CD, Rhythm of Life, obwohl mit gestandenen Jazz-Musikern wie Dave Holland aufgenommen, scheint darauf hinzudeuten, dass die Zukunft von Claudia Acuña wohl eher in der Pop-Musik liegt. Alles ist eine Spur zu glatt, zu oberflächlich. Acuñas Stimme fehlt das Jazz-Feeling. Rhythm of Life, Verve, 2002, bestellen bei Amazon.de, Amazon.ca, Amazon.fr, Directmedia Schweiz.
Nina Simone's finest hour (Verve)
 
Nina Simone gehören zu den seltenen Sängerinnen und Pianistinnen, die sich durch engagierte und tiefgehende Texte auszeichnen. Daneben beherrscht sie selbstverständlich das klassische Repertoire des Jazz. Die 1933 geborene Musikerin studierte u.a. an der Julliard School, begann sich Mitte der 50er Jahre zu etablieren und konnte 1959 mit ihrem Album Bethlehem einen immensen Erfolg feiern. Finest hour ist eine Zusammenstellung von fünfzehn ihrer herausragenden Aufnahmen aus den Jahren 1964-66. Darunter sind ihr Protestsong Mississippi Goddam, eine ruhige Version des durch Screaming Jay Hawkins' bekannten I Put I Spell On You sowie elegante Klassikern wie Love Me Or Leave Me. Dramatische Auftritten wie in Work Song und Don't Let Me Be Misunderstood wechseln mit leichten Nummern wie This Year's Kisses und dem Kinderlied Little Girl Blue ab. Ihre raue, brüchige und verletzliche Stimme, mit der sie sich oft für Schwache und Unterdrückte einsetzt, ist einmalig. Eine unbeugsame Frau, die jeden beeindruckt, der sie je live gesehen hat. Ihre Kraft ist natürlich auch auf finest hour zu spüren. Sensationell. Bestellen bei Amazon.de
Sarah Vaughan's finest hour (Verve)
 
Musik ist eine Sache des Geschmacks. Sarah Vaughan war eine Sängerin, die sich zwischen zeitloser Eleganz und Kitsch hin und her bewegte. Ihre Version von It Never Entered My Mind ist - wie eigentlich alle Songs - mit zu vielen Streichern gespielt. Auch I'm Glad There Is You und Dreamsville sind jenseits des guten Geschmacks. Jazziger und positiv hervorzuheben sind die Nummern Shulie a Bop sowie Sassy's Blues, in dem sie scatet. Star Dust, Misty, Lullaby of Birdland und Lover Man schliesslich stehen für die klassische Eleganz, die sie ebenfalls verkörperte. In Broken Hearted Melody ist die Begleitmusik erneut zu kitschig, ihr Gesang dagegen perfekt, nicht zu süss und trotzdem voller Emotionen, der Höhepunkt des Albums. Die Aufnahmen aus den Jahren 1949 bis 1964 reflektieren weitgehend den populären Geschmack jener Jahre, der - euphemistisch ausgedrückt - nicht immer über jeden Zweifel erhaben war. Ein Album zwischen grosser Kunst und - leider weitgehend - seichter Musik. Bestellen bei Amazon.de
The Crusaders' finest hour (Verve)
 
Die Aufnahmen auf finest hour der Crusaders decken die Jahre 1975 bis 1981 ab. Das meiste davon ist Easy Listening, das niemanden vom Hocker haut, weder die Versionen von Free As The Wind noch von It Happens Everyday. Gefällig sind Last Call sowie das melodiöse Street Life, bei dem allerdings die Orgel ein Ärgernis ist. Der beste Song, obwohl ebenfalls weder revolutionär noch handwerklich besonders beeindruckend, ist der Stomp and Buck Dance, den Wayne Henderson geschrieben hat und der an Sly and the Family Stone erinnert. Der soulige, bluesige und später auch funkige Jazz der Jungs aus Houston, die 1961 nach Los Angeles gingen, ist zu simpel gestrickt. Bestellen bei Amazon.de
Jimmy Smith's finest hour (Verve)
 
Jimmy Smith lernte 1951 die Hammond Orgel zu spielen. Fünf Jahre später begann er für Blue Note Platten einzuspielen. 1962 ging er zu Verve, wo er zwischen 1962 und 1966 acht Alben veröffentlichte, die sich gut verkauften. Jimmy Smith ist ein Mann, der gefällige und leichte Unterhaltung bietet. Keine Experimente, keine Avantgarde. Das dramatisch-populäre Walk on the Wild Side, das zusammen mit einem Orchester aufgenommen wurde, überzeugt ebenso wie der Klassiker Ol' Man River, das von der Gitarre dominierte Organ Grinder's Swing sowie The Cat, bei dem die Post abgeht. Mit der Ausnahme der Version aus dem Jahr 1995 von Papa's Got a Brand New Bag, das James Brown geschrieben hat und dessen Version weltberühmt ist, stammen alle Aufnahmen aus den Jahren 1962 bis 1966, die tatsächlich die besten von Jimmy Smith waren.
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Dinah Washington's finest hour (Verve)

Die finest hour von Dinah Washington hinerlässt gemischte Gefühle. Das unsentimentale Liebeslied I Could Write a Book und vor allem der Klassiker What a Difference a Day Made sind hervorragend. In der mit zu vielen Streichern und einem Chor kitschigen Version von Unforgettable überzeugt ihre Stimme ebenso wie in Baby, You Got What It Takes, das sie im Duett mit Brook Benton singt. Die Aufnahmen aus den Jahren 1943 bis 1961 zeigen vor allem zu Beginn eine Frau mit einer kindlichen Stimme, so in den Blues Balladen West Side Baby und Blowtop Blues. Zu viele ihrer Interpretationen sind mittelmässig. In diese Kategorien gehören Cold, Cold Heart sowie I'll Remember April. Nur ein Drittel der achtzehn Songs kann als finest hour von Dinah Washington gelten. Bestellen bei Amazon.de

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