Copyright 2000 www.cosmopolis.ch Louis Gerber All rights
reserved.
Klassik CDs
Lautenmusik/Lute music von Valentin Bakfark und Matthäus
Waissel, interpretiert
von Jacob Heringman (Discipline, Indigo)
Im 16. Jahrhundert war die Laute sowohl das führende Solo-Instrument als
auch das wichtigste Begleitinstrument der Sänger. Der amerikanische
Lautenspieler Jacob Heringman, der bei Jakob Lindberg am Royal College of
Music in London und danch bei Pat O'Brien in New York studiert hat,
konzentriert sich bei der vorliegenden CD auf den Instrumentalteil der
sakralen und sekulären Musik der Komponisten Valentin Bakfark und
Matthäus Waissel. Bafark wurde in eine deutsche Familie von
Lautenspielern im damals ungarischen Kronstadt geboren. Er wurde zu einem
der geschätztesten Musiker am polnischen Hof des 16. Jahrhunderts.
Daneben war er in andern Ländern tätig, so in im italienischen Padua, wo
er 1576 an der Pest verstarb. Der in Ostpreussen geborene Matthäus
Waissel war ein Schullehrer und Priester, der Lautenmusik
veröffentlichte. Dazu gehören die zwölf polnischen Tänze, die Jacob
Heringman eingespielt hat. Die ersten zwei sind
relativ monoton, langweilig und ohne Magie. Danach folgen ruhige und
lebhaftere Tänze, die besser zu gefallen vermögen. Doch der Höhepunkt
der CD bildet die ernste Lautenmusik von
Valentin Bakfark, die melodiös und abwechslungsreich ist. Die polnischen
Tänze von Waissel wurden zuvor wohl noch nie aufgenommen, und um Bakfark
hat sich bisher vor allem Dániel Benkö (für Hungaroton) gekümmert.
Jacob Heringmans Aufnahmen bilden also die Gelegenheit, eine im 16.
Jahrhundert sehr geschätzte Musik wiederzuentdecken.
Bestellen
bei Amazon.de
Werke von Canteloube und Ravel (Virgin
classics; re-release)
Die amerikanische Sopranistin Arleen Auger singt auf einer neuaufgelegten
CD eine Auswahl von Canteloubes Liedern aus der Auvergne, die sie
zusammen mit dem English Chamber Orchestra unter der Leitung von Yan
Pascal Tortelier 1987 aufgenommen hat. Auf der zweiten CD sind Boléro,
Shéhérazade, La Valse und weitere Kompositionen von Ravel
zu hören, die mit dem Dirigenten Libor Pesek und der Philharmonia London
1990/91 aufgenommen wurden. In Vocalise en forme de habanera von
Ravel, in einer Orchestration von Arthur Hoérée, übernimmt erneut
Arleen Auger den gesanglichen Part und bildet so - die doch sehr
weithergeholte Klammer - zur ersten CD. Doch wenn stört's? Die
aufgenommenen Werke von Ravel gehören zu den populärsten im Bereich der
klassischen Musik, und die von der Folklore der Auvergne inspirierten
Lieder des wenig bekannten französischen Komponisten Joseph Canteloube
(1879-1957), die er in den 1920er Jahren komponiert hat, sind eine
Entdeckung wert. Bestellen
bei Amazon.de
Die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Myung-Whun Chun: Dvorák. Symphonien
Nr. 6 & 8 (Deutsche Grammophon)
Die im Jahr 1880 geschriebene Symphonie Nr. 6 von Antonín Dvorák
(1841-1904) ist stark von Brahms' Nr. 2 beeinflusst. Auch in der 8.
Symphonie ist der Einfluss des deutschen auf den böhmischen Komponisten
spürbar, der jedoch zu einer eigenständigen romantischen Form fand. Die
zwei erwähnten Werke für Orchester von Dvorák zeichnen sich durch ihre
Polyphonie, ihren klanglichen Reichtum aus. Der Einfluss der slawischen
Volksmusik ist ebenfalls spürbar. Es war die Zeit des Nationalismus, der
auch Böhmen erfasst hatte. Melodie und Rhythmus sind von der Folklore
beeinflusst. Die 8. Symphonie unterscheidet sich von der 6. dadurch, dass
sie kein eigentliches Hauptthema hat, sondern sich durch ihren motivischen
und thematischen Reichtum auszeichnet. Dvorák brachte die 8. übrigens
anstelle einer Rede bei der Verleihung des Dr. h.c. an ihn durch die
Universität Cambridge im Jahr 1891 zur Aufführung, weshalb sie auch die
"Englische" genannt wird. Die unter der Leitung von Myung-Whun
Chun stehenden Wiener Philharmoniker, insbesondere die hier entscheidenden
Streicher, interpretieren die farbenfrohe Musik mit der nötigen
klanglichen Wärme und dem nötigen emotionalen Engagement. Bestellen
bei Amazon.de
Fabio Biondi, Europa Galante: Vivaldi: La Tempesta
di mare. Concerti con titoli (Virgin veritas)
Fabio Biondi arbeitet sowohl als Solist (darunter Aufnahmen von Bach und
Schubert sowie der halb "vergessenen" italienischen Komponisten
Tartini und Veracini) als auch als Direktor von Europa Galante. Mit dem
Ensemble gehörte er zu den Pionieren der Wiederbelebung der italienischen
Barockmusik Die Aufnahmen haben zu Preisen wie dem prestigereichen Diapson
d'or de l'année geführt. In diese Kategorie - Barock - gehört auch die
vorliegende neue Aufnahme von mehreren Concerti von Vivaldi. Die CD kommt
nicht als Überraschung, schliesslich hat die Einspielung der Vier
Jahreszeiten von Vivaldi dem Ensemble viel Lob und Preise eingebracht.
Die direkte Spielweise und Transparenz überraschen. Hin und wieder geht
jedoch der spezifisch "barocke" Ton verloren. Bei der Tempesta
di mare ist nicht viel von Unwetter, von tosenden Winden und
brandenden Wogen zu spüren. Das Werk wirkt eher fröhlich denn
dramatisch. Doch insgesamt überzeugen die Concerti durch ihre Frische und
Virtuosität. Ein neuer Bestseller? Bestellen bei Amazon.de
Werke von Schostakowitsch und Schönberg (Virgin
classics; re-release)
Das Nash Ensemble wurde 1964 gegründet und gilt heute als eines der reputiertesten
für Kammermusik in Grossbritannien, nicht zuletzt dank der
künstlerischen Direktorin, Amelia Freedman. Die Gruppe ist übrigens nach
den John-Nash-Terrassen in London benannt. Bei den vom Ensemble 1993
aufgenommen Werken von Schostakowitsch, insbesondere den vier Walzern für
Flöte, Klarinette und Klavier, stellt sich die Frage nach einer
möglichen zweiten Bedeutungsebene und versteckter Ironie. Der
Interpretation des Nash Ensembles nach zu urteilen, scheinen die
Kompositionen ohne Hintergedanken geschrieben worden zu sein. Die Walzer
waren als Filmmusik - das einzige musikalische Genre, das Stalin schätzte
- für vier verschiedene Streifen komponiert worden. Sie sind leider zu
konventionell und deshalb eine Enttäuschung. Für das ebenfalls auf der
CD eingespielte Quintett für Klavier und Streicher erhielt
Schostakowitsch 1940 den Stalin-Preis. Auf der zweiten CD befinden sich
Aufnahmen aus dem Jahr 1991: Schönbergs Kammersymphonie, seine Ode
an Napoleon sowie seine Verklärte Nacht. Auch hier handelt es
sich um zum Teil im Krieg entstandene Werke. Er komponierte die Ode an
Napoleon op. 41 im Jahr 1942 zu einem napoleonfeindlichen Gedicht von
Lord Byron. Schönberg klagte damit im Krieg die Tyrannei von Hitler an,
wofür er die Form des Sprechgesangs wählte, der auf der CD von Thomas
Allen rezitiert wird. Ein eindrückliches Werk. Die zwei andern
Kompositionen entstanden 1899 und 1906. Bestellen
bei Amazon.de
André Previn, Wiener Philharmoniker: Beethoven &
Verdi: Streichquartette (Deutsche Grammophon)
1999 hat André Previn zusammen mit den Wiener Philharmonikern im Grossen Saal
des Wiener Musikvereins, einem der akustisch besten Konzertorte der Welt, das
Streichquartett cis-mol von Ludwig van Beethoven (1770-1827) op. 131 sowie das
Streichquartett e-moll von Giuseppe Verdi (1813-1901) aufgenommen, in
Versionen für Streichorchester. Bei der Interpretation von Beethovens Werk
stützten sich die Musiker auf eine Bearbeitung von Dimitri Mitropoulos. Das
Quartett op. 131 entstand 1825/26, wurde jedoch erst im Juni 1827, drei Monate
nach seinem Tod veröffentlicht. Der langsame Kopfsatz ist für Beethoven
ungewöhnlich, zudem eine Fuge. Die polyphonen Sätze kommen in der
Bearbeitung für Streichorchester natürlich erst recht zur Geltung, wie die
vorliegende Aufnahme beweist. Das Kernstück des Quartetts bildet eine
Variationenfolge von schlichter Thematik. Die letzten Takte sind erneut in
cis-moll, doch es ist kein Triumph, sondern op. 131 ist eine Musiktragödie.
Während für Beethoven Streichquartette eine zentrale Rolle spielten, waren
sie für Verdi die Ausnahme. 1872 hielt sich der 59jährige Komponist
in Neapel auf, um eine Einstudierung von Aida zu überwachen. Als die
Sängerinnen, die für die Rollen von Aida und Amneris vorgesehen waren,
erkrankten, vertrieb sich Verdi die Zeit mit der Komposition des vorliegenden
Streichquartetts, das 1873 in seiner Hotelsuite von vier Mitgliedern des
Opernorchesters uraufgeführt wurde. Bei der Einspielung des eleganten
Meisterwerks, das den Bezug zu Aida nicht verleugnen kann, stützte sich
André Previn auf eine Fassung von Toscanini, der das Stück gerne und häufig
dirigierte. Gleichzeitig weist das Quartett, auf Grund der hohen Virtuosität,
der raschen
Tempi und der transparenten Polyphonie auf sein Spätwerk und insbesondere den
kommenden Falstaff hin. Bestellen bei Amazon.de