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Joseph Lieberman -
Biografie, Biographie
[17.10.2000: siehe auch die englische Biographie zu Al
Gore]
Artikel vom 18. August 2000
Am 7. August hat sich Al Gore entschieden: Joseph Lieberman ist sein Kandidat
für die Vizepräsidentschaft. Der 1942 geborene Senator aus Connecticut wurde
1964 Rechtsanwalt. Er setzte sich für das Wahlrecht der Schwarzen in
Mississippi ein. 1970 wurde er in den State Senate seines Bundesstaates
gewählt. Bei seiner Wahlkampagne konnte er auf die Hilfe des ebenfalls
aufstrebenden Bill Clinton zählen. Beide haben an der Yale Law School
graduiert. Lieberman gab Jahre später den Gefallen zurück, als er 1992 als
erster Politiker aus dem Nordosten den Präsidentschaftskandidaten Clinton
unterstützte. Lieberman wurde 1983 Generalstaatsanwalt in Connecticut und
konzentrierte sich vor allem auf die Rechte der Konsumenten, kämpfte gegen
die Luftverschmutzung und verfolgte Väter, die ihre Alimente nicht zahlten. 1988 schlug er
den Republikaner Lowell Weicker im Kampf um einen Platz im Senat für
Connecticut, den Bundesstaat mit dem höchsten Durchschnittseinkommen. 1994,
als die republikanische Welle zurückschlug und so mancher Demokrat vom
Wähler in die Wüste geschickt wurde, behauptete Lieberman seinen Senatssitz
mit einer sicheren Zweidrittelsmehrheit.
Der Senator gilt als moderat, integer und
unabhängig. In den zwölf Jahren im Senat hat sich Lieberman eine solide
Reputation erworben. Er sitzt in fünf Ausschüssen, darunter jene für
Regierungsangelegenheiten und für die Streitkräfte (er hat übrigens keinen
Militärdienst geleistet). Entgegen der Mehrheit der Demokraten stimmte
Lieberman - zusammen mit Al Gore - im Jahr 1990 für das militärische Vorgehen der Amerikaner gegen Saddam Hussein
in der Operation "Desert Storm". Bezüglich der Verteidigungsausgaben und der Familienwerte gilt
Lieberman als
konservativ. Er setzt sich auch für weniger Gewalt und Sex in Hollywood sowie
für eine intakte Umwelt ein. Er trat auch für die Privatschulen ein. Gleichzeitig aber
befürwortet er (im amerikanischen Sinn) liberale Anliegen wie das Recht auf
Abtreibung, strengere Waffenkontrollen und den Verzicht auf Steuerreduktionen.
Lieberman gehörte zu jenen Demokraten, die
Clinton im Lewinsky-Skandal offen kritisierten. Bei der Entscheidung zur
Amtsenthebung stimmte er allerdings mit nein, womit er sich mit der Mehrheit
der Amerikaner einig war: Der Präsident sei moralisch zu brandmarken, aber
nicht abzusetzen. Mit der Wahl von Lieberman als "Running Mate" setzt Gore ein
klares Zeichen und distanziert sich von den Exzessen Bill Clintons.
Gleichzeitig hat Gore mit der Wahl des im politischen Zentrum stehenden
Politikers, der dem von Clinton etablierten Club der New Democrats angehört, jemanden auf sein Wahlticket genommen, der auch
von den
Republikanern respektiert wird.
Der GOP wirft Lieberman allerdings vor, die
Erhöhung des Minimallohnes und die Medicare Reform zu blockieren sowie den
Schutz und die Rechte der Arbeiter beschneiden zu wollen.
Bushs Vorschläge massiver Steuerreduktionen lehnt er ab. Bushs
Pressesprecher, Ari Fleischer, meinte dagegen, Lieberman sei "ein guter
Mann". Es sei nett, dass Vizepräsident Gore jemanden auf sein Ticket
genommen habe, der mit Bush in so vielen Fragen übereinstimme, womit er auf
das Faktum anspielte, dass Lieberman kein blind-gehorsamer Parteisoldat ist,
sondern seinen eigenen Weg geht und auch den Konsens mit der GOP dort sucht,
wo es ihm vernünftig scheint. In seiner Rede vor dem Parteitag warf er Bush
junior vor, dass in Texas die Luft- und Wasserverschmutzung sowie die Zahl der
Frauen und Kinder ohne Krankenversicherung besonders hoch seien.
Lieberman und seine Frau Hadassah sind
praktizierende, orthodoxe Juden. Sie haben vier Kinder (davon zwei aus der
ersten Ehe von Liebermann und eines aus der ersten Ehe seiner Frau). Der Senator wies
darauf hin, dass er den Sabbat respektiere und in jener Zeit lediglich Dinge
tue, die "den Respekt und den Schutz menschlichen Lebens und
Wohlergehens" fördere. Er stimme deshalb im Senat ab und nehme an
wichtigen Meetings teil, doch werde er am Sabbat keinen Wahlkampf führen.
Wann immer seine Hilfe zum Wohle der Nation gebraucht werde, arbeite er
natürlich auch am Sabbat. Die
Religion scheint heute - im Gegensatz zur Zeit der Wahl John F. Kennedys, dem
ersten Katholiken im Weissen Haus - keinen Einfluss mehr auf das Wahlverhalten
der Amerikaner zu haben, die zu 98% angeben, sich vorstellen zu können, einen
jüdischen Präsidenten zu wählen.
Die Wähler entscheiden sich für einen
Präsidenten, nicht für einen Vizepräsidenten, weshalb dessen
Persönlichkeit zweitrangig ist. Der demokratische Präsidentschaftskandidat
Gore war in einer Zwickmühle, denn hätte er einen Meister der Kommunikation
wie Clinton zum Ticketpartner gewählt, sähe er noch blasser aus als er schon
ist. Doch mit der erfolgten Wahl von Lieberman hat er sich für einen Senator
entschieden, der noch weniger charismatisch als er selbst ist. Dass Lieberman
die Massen bewegen und Gore neue Wählerschichten zuführen kann, erscheint
höchst unwahrscheinlich. Wenn Bush keine Fehler und in den Fernsehdebatten
mit Gore eine halbwegs gute Figur macht, dürfte ihm der Sieg kaum noch zu
nehmen sein.
Siehe auch die Artikel zu Bush,
Gore
und Cheney. Für amerikanische Medien, Parteien, Think Tanks und
Regierungsstellen: Links.