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Nr. 17, August 2000
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Neue Pop CDs
The Corrs: In Blue (2000, Atlantic, Warner) Bestellen bei Amazon.de. Dass The Corrs Musik machen können, beweisen sie seit 1995, insbesondere in ihrer Unplugged-CD von Ende 1999 (siehe unsere englische Kritik). Mit In Blue betreten sie jedoch ein neues Feld, dasjenige des Mainstream-Pop. Auch hier können sie mehr als nur bestehen. All In A Day, Hurt Before, Radio, Breathless und vor allem die Instrumentalnummer Rebel Heart sind eingängige und gefällige Songs. Doch das spezielle Feeling der Corrs, ihre Verankerung in der irischen Folkmusik, der sie zu grosser Popularität verholfen haben, ist verloren gegangen. Nur gerade in Give Me A Reason deuten sie ihre Wurzeln noch leicht an. Die Songs sind leichte, manchmal auch schlichtweg seichte Kost, so At Your Side oder Rain. Es wäre schade, wenn die Geschwister Andrea, Caroline, Sharon und Jim nur so eine weitere Popgruppe würden. Wenn schon Popmusik, dann eigenständige mit Charakter. Sonst bleibt nur der Griff zurück zu Unplugged (bestellen bei Amazon.de).
Lara Fabian: Lara Fabian, englisches Album (Epc, Sony). Sie ist nicht nur hübsch, sondern sie kann auch singen. Zudem ist Lara Fabian ist ein Showtalent, dass es liebt, im Rampenlicht zu stehen. Die Texte hat sie zumeist selbst geschrieben und hin und wieder arbeitet sie sogar an der Komposition mit. Lara Fabian vereinigt also alle Qualitäten in sich, die es braucht, um ein Superstar zu werden. Ihr Balladenalbum Lara Fabian ist allerdings zu kitschig. Sie singt mit zuviel Pathos und ohne Herz. Ihre Songs wirken daher kommerziell und scheinen keine echten Gefühle zu transportieren. Adagio, dass übrigens stellenweise stark an einen Titel von Ennio Morricone erinnert, ist noch der beste Song. You're Not From Here oder Love By Grace sind Schnulzen. Schade! Wie gesagt, das Talent hat sie. Bleibt nur zu hoffen, dass sie bald den Weg in weniger seichte Gefilde findet. CDs mit Lara Fabian bei Amazon.de
The Doors: Essential Rarities (Elektra, Warner). Beim Titel Essential Rarities, zudem von einer lange nicht mehr existierenden Gruppe wie The Doors denkt man sofort, hier will noch jemand mit dem letzten Müll der Band Kasse machen. Doch weit gefehlt. Einzig I Will Never Be Untrue überzeugt nicht. Essential Rarities gehört in jede Plattensammlung. Die Live-Versionen von Break On Through, Roadhouse Blues, The Soft Parade oder Someday Soon sind hörenswert, teilweise gar sensationell. Die ausgegrabene alternative Version von Queen Of The Highway ist gewaltig. Die Demo-Aufnahme von Hello. I Love You ist genial und stellt nahezu alles, was heute so produziert wird, in den Schatten. In diesen Aufnahmen aus den Jahren 1965 bis 1971 wird einem die musikalische Spannbreite der Doors erst richtig bewusst. Sie beherrschten unterschiedlichste Stile, denen sie ihren Stempel aufdrückten, indem sie sie verfremdeten und dadurch die Frustration und den ohnmächtigen Zorn der Vietnam-Generation ausdrückten. The Doors nannten sich nach The Doors of Perception von Aldous Huxley und unter ihren Fans waren Teenager und Intellektuelle. Sie vereinigten Anspruch mit Rockmusik. Bestellen bei Amazon.de
Led Zeppelin: Latter Days (Atlantic, Warner). Nach den Early Days (siehe die englische Kritik) folgt nun der zweite Teil der best of Reihe zu Led Zeppelin: Latter Days. Sie waren einst die Heavy Metal Rock Band und wie die Doors drückten sie die Gefühle der Generation der Revolte der späten 1960er und frühen 1970er Jahre aus, allerdings weniger direkt und eindringlich wie die Doors.Led Zeppelin waren eine äusserst umstrittene Band, das betraf insbesondere ihren Manager Peter Grant, denn sie waren unter den ersten Musikern, die den Fanartikel-Markt erschlossen, weshalb sie zu den kommerziell erfolgreichsten Gruppen ihrer Zeit gehörten. Wie die Early Days enthält auch die Latter Days-CD viele Fotos (insgesamt 37), welche die Band in den Jahren 1972 bis 1977 zeigen. Doch erneut findet sich kein Begleittext im Booklet und die Aufnahmedaten der verschiedenen Titel fehlen ebenfalls. Unter den zehn ausgewählten Songs sind herausragende Nummern wie Trampled Underfoot und Kashmir (dessen Instrumentalrhythmus übrigens gerade jetzt von der Werbung wieder eingesetzt wird). Auch die Ballade Ten Years Gone und das vorwärtstreibende Achilles Last Stand sind nicht schlecht. Dem direkten Vergleich mit den Doors halten Led Zeppelin allerdings nicht stand. Ihre Musik erreicht nicht die gleiche Tiefe, sie ist zumeist zu einfach gestrickt. Led Zeppelin fehlte zudem ein Mann mit dem Charisma eines Jim Morrison - was sie über ein cleveres Management wieder wettmachten. Bestellen bei Amazon.de
Millenium Collection: Blues Legends (Millenium, K-Tel). Blues Legends vereint ein Vielzahl historischer und jüngerer Aufnahmen von so unterschiedlichen Musikern wie Champion Jack Dupree, Muddy Waters, Bessie Smith, Billie Holiday, Louis Armstrong, T-Tone Walker, John Lee Hooker oder Willie Dixon. Damit ist auch gleich gesagt, dass die Doppel-CD nicht nur Aufnahmen von reinen Bluesmusikern enthält, sondern auch viele Titel von Jazz-Interpreten, die hier und da einen Blues in ihrem Repertoire hatten. Das tut der Millenium Collection allerdings keinen Abbruch. Die archaischen Chain Gang Blues (von Dupree) und I Win The War Blues (von Sonny Boy Williamsen), die Boogie-Boogie Blues-Nummern Revue Man Blues (von Charlie Patton) und Rebecca (von Big Joe Turner), der Back O' Town Blues von Louis Armstrong, der nicht nur die Trompete bläst, sondern auch singt, die alte Aufnahme von My Brown Skin Shugar Plum von Blind Boy Fuller, all dies mag vielleicht kunterbunt zusammengewürfelt sein, solange aber wie auf Blues Legends Qualität geboten wird, lassen wir uns das gerne gefallen. Schade nur, dass Angaben zu den Aufnahmedaten der einzelnen Titel fehlen. Bestellen bei Amazon.de Millenium Collection: No. 1 Hits of Three Decades (Millenium, K-Tel). Gleich vorneweg, die Platte ist ein Ärgernis, denn es handelt sich dabei um eine Mogelpackung. Die Doppel-CD vereint zwar tatsächlich 40 Versionen von Nummer 1 Songs aus drei Jahrzehnten, doch - von Ausnahmen abgesehen - handelt es sich nicht um die erfolgreichen Originalhits. Zumeist handelt es sich um Cover-, Live- oder sonst minderwertige Aufnahmen. Black Is Black von den Equals interpretiert und eine seltsame Version von Baby Love von den Supremes sind schlichtweg eine Zumutung. Natürlich sind auch Aufnahmen in dieser Millenium Collection, die durchaus hörenswert sind, so House of The Rising Sun von den Animals, Sugar Baby Love von den Rubettes oder die Live-Versionen von River Deep, Mountain High (mit Ike und Tina Turner) und You To Me Are Everything (mit The Real Thing). Doch die Enttäuschung überwiegt bei weitem. Wo Hits aus drei Jahrzehnten draufsteht, sollten auch die originalen Erfolgsnummern drin sein. Alles andere ist Irreführung des Konsumenten und sollte eigentlich verboten werden. Bestellen bei Amazon.de
Frank Sinatra: Classic Sinatra (Capitol, EMI). Diese Auswahl aus Auftritten zwischen 1953 und 1960 aus Frank Sinatras (1915-1998) Capitol Years ist zwar nicht das versprochene "definitive Album", dazu sind die Versionen zumeist zu glatt, doch die Klasse und Coolness, mit welcher der Mann aus Hoboken, New Jersey, die zwanzig Titel interpretiert, ist trotzdem beeindruckend. Sinatra wurde nachgesagt, er singe nie zwei identische Versionen des gleichen Songs, deshalb gibt es bei ihm eben auch nicht die gültige Aufnahme einer Komposition, sondern viele mehr oder weniger gleichwertige, die das jeweilige Material nach allen Seiten hin ausloten. Beeindruckend an Classic Sinatra ist, dank der Überarbeitung mit der digitalen All 24-Bit-Technik, die Tonqualität, als hätte er die Platte heute aufgenommen. Puristen werden vielleicht den fehlenden Charme des 50er Jahre-Feelings vermissen. Bestellen bei Amazon.de
The Temptations: Earresistable (Motown, Universal). Die 1960 entstandenen original Temptations bestanden aus Otis Williams, Eldridge Bryant, Melvin Franklin, Eddie Kendricks und Paul Williams. Als David Ruffin Bryant ablöste, einigte man sich auf den Namen Temptations. 1962 brachte der Motown-Boss Berry Gordy die Band mit Smokey Robinson zusammen, der die frühen Hits für die Gruppe schrieb, die erstmals im April 1964 mit The Way You Do The Things You Do (US # 12, UK # 12) in den Top 20 landete. Bis 1971 folgten zwei Dutzend Bestseller und 45 Top 100 Songs. Zuerst dem Motown-Soul verpflichtet, gingen sie gegen Ende der 60er Jahre zu härterem Funk und engagierten Texten über. In den 1970er Jahren rutschten die Tempations in die Niederungen des Disco ab. Mehrere Mitglieder verliessen die Band und versuchten Solo-Karrieren aufzubauen, fanden jedoch hin und wieder zu spektakulären Wiedervereinigungen zusammen. Paul Williams musste wegen gesundheitlichen Problemen die Band verlassen und beging 1973 Selbstmord. David Ruffin verstarb 1991 an einer Überdosis Drogen, Eddie Kendricks 1992 an Krebs, und Melvin Franklin erlag 1995 einem Herzanfall. In den heutigen Temptations ist folglich nur noch Otis Williams, der zusammen mit Kedar Massenberg auch als Executive Producer zeichnet, als Originalmitglied übrig. Earresistable vereint vor allem Soul-Balladen, die eingängig, aber etwas zu zuckrig und klebrig sind. Der Sound ist modern und hat nur noch wenig mit dem Motown-Sound der 60er Jahre zu tun. Das Album ist eine Spur zu billig, zu viel Synthesizer und Keyboards. Am besten überzeugt das funkige Party, bei dem die Post abgeht. Auch das nur rund 90 Sekunden dauernde One Love One World gefällt, da es an die grosse Zeit der politischen Songs anknüpft. Insgesamt kein miserables Album, aber mit den funkigen Cloud Nine, Psychedelic Shack und Ball of Confusion oder den souligen My Girl und Ain't To Proud To Beg aus den erfolgreichen Zeiten kann Earresistable nicht mithalten. Bestellen bei Amazon.de. Am 23.12.2002 hinzugefügt: Habe die Temptations-Revue an der AVO-Session 2001 in Basel live gesehen. Die Band hat mit den Ur-Tempatations so gut wie nichts mehr zu tun. Die Soul-Nummern waren mässig. Die funkigen Songs wie Ball of Confusion dagegen überzeugten.
 

 

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