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Andrea Bocelli
Biographie und CDs
Hinzugefügt am 26. Oktober 2008 in Neapel
Der Schreibende hat Andrea Bocelli am 24. Oktober 2008
bei einem (gratis!) Konzert auf der Piazza Plebiscito in Neapel bewundern
dürfen. Dabei zeigte der Tenor, dass er nicht nur Crossover-Sirup offerieren kann,
sondern ein ernst zu nehmender Künstler ist. Bei Granada liefen dem
Schreibenden die Tränen die Backen runter. Als Überraschungsgast kündete er im
Konzert eine gute Freundin an, die unnachahmliche Sopranistin Cecilia Bartoli. Besser geht es wirklich nicht!
Die Einführung von Bocelli bestritt der Lokalmatador, Sänger, Schauspieler und
Fernsehmoderator Massimo Ranieri, der zu Beginn ein Gedicht von Eduardo De
Filippo vortrug: Je vulesse truva pace und danach noch Duette mit
Bocelli sang. Der Star machte mit dem Auftritt diskret Werbung für sein neues
Album
Incanto, das der Schreibende noch nicht gehört hat. Doch der
sensationelle Auftritt vor historischer Kulisse machte beste Werbung dafür.
Umrahmt wurden Orchester, Chor und Solisten von Tänzern auf Nebenbühnen sowie
Grossbildschirmen mit Filmausschnitten und Fotos, welche sich auf die Lieder und
Künstler bezogen.
Artikel vom November 2000
Der 1958 in Lajatico in der Toskana geborene
blinde Andrea Bocelli gewann als Jugendlicher mehrere Gesangswettbewerbe,
studierte dann aber in Pisa Jura, wo er gleichzeitig in Pianobars auftrat und
Songs von Piaf bis Sinatra vortrug. Als er hörte, dass sein Idol Franco
Corelli in Turin Meisterklassen geben würde, stellte er sich vor. Corelli
erkannte sofort Bocellis Talent und nahm ihn als Schüler auf. Andrea
verzichtete auf eine Karriere als Anwalt, studierte tagsüber Musik und trat
abends weiterhin in Pianobars auf.
1992 suchte der Rockstar Zucchero einen Tenor,
der bei der Vorbereitung eines Demobandes für das einmalige Duett Miserere
mit Luciano Pavarotti helfen sollte. Nach mehreren unbefriedigenden Versuchen
mit anderen Sängern fiel die Wahl auf Bocelli. Pavarotti soll in Philadelphia
ob der Qualität des Demobandes so überrascht gewesen sein, dass er nicht
glauben konnte, dass sie von einem unbekannten Amateur stammte.
1993 hörte Caterina Caselli Sugar, die
Präsidentin einer der ältesten italienischen Plattenfirmen, des Sugar-Labels,
Bocelli bei einer Privatparty Nessun dorma singen. Daraus erfolgte eine
Zusammenarbeit, die u.a. 1996 zu den Aufnahmen Con te partirò sowie
dem daraus arrangierten Duett mit Sarah Brightman, Time To Say Goodbye,
folgten.
Andrea Bocelli ist kein Opernsänger. Seine CDs Bocelli (1995 und 1996),
Romanza (1997) und Sogno
(1999) gehören weitgehend in die Schulzen-Ecke. 1995 gab er zwar mit Viaggio
italiano sein Klassikdebüt und 1998 folgte mit Aria
sein erstes Klassikalbum, dessen Erfolg von Sacred
Aria sogar noch übertroffen wurde. Doch
diesen Alben haftet etwas Kitschiges an.
Bocelli arbeitet hart an
sich und ist bereits mit Stars wie Pavarotti, Kiri Te Kanawa und José
Carreras aufgetreten. Er erweitert beständig sein Opernrepertoire. La
Bohème, Werther, Macbeth und Die lustige Witwe
gehören ebenso dazu wie Aida, Tosca und Verdis Requiem.
Bocellis erneuter Versuch,
diesmal mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin
Mehta, ins ernste Opernfach vorzustossen, ist nur bedingt geglückt. Die CD Verdi
beweist zwar, dass Andrea neben so manchem durchschnittlichen Sänger bestehen
kann, doch seine
Künste stehen in keinem Verhältnis zur Publizität, die ihm zu Teil wird.
Auch wenn Mehta betont, dass Bocelli es verstehe, einen Text wunderbar zu
artikulieren und bei jeder Note von forte bis pianissimo
absolute Kontrolle habe, so fehlt es dem Tenor doch an Volumen. Entgegen der
Meinung des Dirigenten, Bocelli könne die Farbe eines Tones mitten in einer
Phrase ändern, ohne Luft zu holen, tönt auf Verdi zuviel ähnlich.
Seine Stimme bleibt blass.
Auf dem Album sind - mit der Ausnahme von Othello
- alle Stile Verdis vertreten. Damit ist Bocelli einfach überfordert. Seine
weiche und schwache Stimme eignet sich wenig für die Musik des grossen
italienischen Musikdramatikers. Doch solange Bocelli der Oper
ein neues Publikum zuführt, können seine Versuche nur positiv
gewertet werden. Wer weiss, vielleicht entwickelt er sich ja noch zu einem
ernstzunehmenden Opernsänger mit Ausdruck und Tiefe. An der schmalen Stimme
dürfte sich allerdings nicht viel verbessern lassen. Ein ihm besser entsprechendes
Repertoire lässt sich dagegen mit Sicherheit finden - es muss ja nicht gleich Verdi
sein. Der beliebteste italienische Opernkomponist wird im Zusammenhang mit
seinem 100. Todestag am 27. Januar 2001 Anlass für eine ganze Lawine neuer
Aufnahmen sein. Mit der CD Verdi soll das Terrain für eine neue
Geldmaschine vorbereitet werden.
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Andrea Bocelli:
La mia musica.
Autobiographie.
Taschenbuch,
Ullstein TB, Berlin,
2000, 325 S. [Mai 2004: zur Zeit nicht mehr erhältlich].

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