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Nr. 18, November 2000
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Die Sammlung Essl
Die Sammlung des Ehepaares Agnes und Karlheinz Essl wurde am 5. November 1999 durch den Österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil eröffnet. Das Sammlerehepaar kam erstmals in den 1950er Jahren in New York mit zeitgenössischer Kunst in Berührung und begann vor rund dreissig Jahren eine Sammlung aufzubauen. Entscheidend war dabei die Begegnung mit Kurt Moldovan Anfang der 1970er Jahre in dessen Wiener Atelier. Durch ihn lernte das Sammlerehepaar Künstler wie Arnulf Rainer, Kurt Kocherschmidt, Franz Ringel und Peter Pongratz kennen.
 
Mit der Übernahme des Unternehmens seines Schwiegervaters im Jahr 1975 erhielt die Sammlung eine breitere finanzielle Basis. Expansion und Prosperität der Firma erlaubten es in der Folgezeit, grössere Mittel für den Ankauf von Kunstwerken bereitzustellen.
 
D
as 1987 errichtete Schömer-Haus in Klosterneuburg wurde zugleich neue Firmenzentrale und Galerie moderner Kunst. Die Kunstwerke sollten über den privaten Bereich hinaus sowohl Mitabeitern als auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Hans Hartung: T 64 - R 11, 1964. Kreide und Öl auf
Leinwand. 100 x 162 cm. Foto: Katalog the first view.

Antoni Tàpies: Baignore II, 1989. Terrakotta, 50 x 85 cm.
Foto: Kat. the first view.
Die Sammlungstätigkeit konzentrierte sich zuerst auf die österreichische Malerei nach 1945. Die verschiedenen Kunstrichtungen sollten durch die wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten mit Hauptwerken vertreten sein. Die Auswahl von Künstlern und Kunstwerken erfolgte durch das Sammlerehepaar selbst. Nicht die Abbildung strenger kunsthistorischer Entwicklungen, sondern das Bestreben, Bezüge herzustellen, aber auch Brüche aufzuzeigen, war das Sammlungsziel.
 
I
n einer zweiten Phase ging es darum, die österreichische Kunst in einen breiteren internationalen Kontext zu stellen. Seit den frühen 1990er Jahren wurden daher Werke von nicht-österreichischen Künstlern in die Sammlung integriert. Bezüge zur Kunst des Alpenlandes wie auch Gegenpositionen sollten dargestellt werden. Die auf unterdessen über 4000 Kunstwerke angewachsene Sammlung besitzt mittlerweile wichtige Werkblöcke von amerikanischen, deutschen, skandinavischen, italienischen, französischen, englischen und spanischen Künstlern.
 
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995 wurde die "Sammlung Essl Privatstiftung" ins Leben gerufen, um die Werke kunsthistorisch und konservatorisch besser betreuen zu können, und in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre fand eine erneute Neuausrichtung statt. Neben der weiterhin den Schwerpunkt bildenden Malerei wurden auch Skulpturen, Fotografien und Videos in die Sammlung integriert.
Schwerpunkte der Sammlung bilden Künstler wie Appel, Jorn, Tàpies, Music, Francis, Baselitz, Kirkeby, Lüpertz, Polke, Immendorf und Förg. Die Höhepunkte der Sammlung liegen bei den ausländischen Künstlern wie dem Spanier Tàpies und dem Amerikaner Sam Francis, weshalb, retrospektiv gesehen, die Ausweitung der Sammlung auf die internationale Kunst nur begrüsst werden kann. Gleichzeitig wird ein Überblick über die österreichische Nachkriegskunst präsentiert, die deswegen nicht vernachlässigt wurde. Dass die Sammlung bei weitem nicht nur Meisterwerke umfasst, schmälert die Leistung des Ehepaars Essl nicht.
 

- Sammlung Essl: the first view (424 S.). Katalog im Museum erhältlich. 
- Wieland Schmied: Malerei in Österreich 1945 - 1995. Die Sammlung Essl. Gebunden, Prestel, 1996, 296 S. Bestellen bei Amazon.de
- Heinz Tesar: Sammlung Essl, Klosterneuburg. Edition Axel Menges, 2000. Bestellen bei Amazon.de
- Für die Webseiten der Sammlung Essl und anderer Museen: Links.
- Für weitere Ausstellungskritiken: Kunst.
 

 

Dieter Roth: Interieur mit Rückblick, 1988-90.
Assemblage, 135 x 145 cm. Foto: Kat. the first view.

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