Leonardo da Vinci
Biografie, Biographie und Ausstellung
im Schweizerischen Landesmuseum Zürich
bis am 7. Januar 2001
Leonardo da Vinci war nicht nur ein
herausragender Künstler, sondern verband als Universalgenie das Wissen
der Renaissance über Wissenschaft und Technik in seiner Person, wobei er
oft weit über seine Zeit hinauswies, so etwa mit der Idee zu einem
Panzer, einem Auto, einem Helikopter oder einem Fallschirm. 1999 wurde der
Fallschirm von Engländern nach den Angaben Leonardos nachgebaut und
ausprobiert: er funktionierte. Leonardo entwarf auch ideale Garten- und
Schlossanlagen, Kirchen, Festungen, Kanäle und mehrgeschossige Strassen.
Leonardo beschäftige sich auch mit der
Zeitmessung, entwarf Sand- und Wasseruhren, kümmerte sich um praktische
Probleme der Gewichtsuhr, entwickelte Federtypen, konstruierte spezielle
Schneckenschrauben mit unendlichen Gewinden und verfeinerte die Mechanik
von Schwungrädern und -kränzen. Bereits ein Jahrhundert vor Galileo und
rund zwei vor Huygens entwickelte Leonardo grundlegende Erkenntnisse zur
Zeitmessung, bei denen er immer wieder den Zusammenhang mit anderen
Maschinen herstellte.
Seine Kunstwerke zeichnen sich durch
Beobachtungsschärfe, ein Gefühl für die Natur und psychologische
Einfühlung aus. Kompositorisch streben sie nach klassischer, formaler
Ausgewogenheit. Sie erscheinen in ein weiches Halblicht (sfumato)
getaucht, wobei der Bestand an gesicherten, d.h. von Leonardo stammenden
Gemälden, zahlenmässig gering ist. Viele seiner Skulpturenprojekte wurde
nie ausgeführt, und es bleiben uns nur die Bronzemodelle bzw. Skizzen
dazu.
Auf dem Gebiet der Anatomie, Botanik,
Zoologie, Geologie Hydrologie, Aerologie, Optik und Mechanik weist er weit
über die Renaissance hinaus. Er verband wissenschaftliche, empirische und
philosophische Ansätze miteinander. Er forschte nach Gesetzmässigkeiten,
mechanisch-funktionalen Urgesetzen, immer auf der Suche nach einer
umfassenden Lehre.
Nach einer 1994 begonnenen Welttournee
durch 11 Länder, darunter Schweden, Deutschland, Südafrika, Singapur, Korea, Taiwan und die USA, ist die Ausstellung Leonardo
da Vinci: Wissenschafter, Erfinder, Künstler an ihrer letzten
Station angekommen, dem Schweizerischen Landesmuseum in Zürich.
Während den fünf Ausstellungsmonaten im deutschen Speyer im Jahr
1995 beäugten 340,000 Besucher die Objekte des Universalgenies. Im
amerikanischen Boston gingen 457,000 und im südafrikanischen Victoria
gar 570,000 Menschen für Leonardo da Vinci ins Museum. Insgesamt
sahen bis heute über drei Millionen Besucher die Ausstellung.
In Zürich sind 250 Exponate zu sehen:
Originalgemälde von Leonardo, ihm zugeschriebene Bilder sowie solche
aus seiner Schule und seinem Umfeld, darunter Werke von Bramantino und
Raphael. Zeichnungen von Leonardo, seiner Schule und seinem Umfeld,
u.a. von Perugino, da Sesto und da Volterra; Skulpturen von da Vinci
und seinem Lehrer, Verrocchio; Drucke aus den Jahren 1493 bis 1724,
darunter Leonardos Trattato della Pittura, die Lehren von
Vitruvius und Sandrart sowie die Schedelsche Weltchronik; über
20 exakte Nachbauten aus Holz und Metall nach Leonardos Zeichnungen,
beweglich und zum Anfassen; rund 140 Faksimiles aus den
Kunstsammlungen der ganzen Welt. Mehrere Computer mit Touchscreens
runden die Ausstellung ab und vermitteln in über 8,000 Bildern viel
Wissenswertes über die Renaissance sowie Leonardos Leben und Werk,
seine Tätigkeit als Maler, Ingenieur, Architekt und Forscher.
Speziell für die Ausstellung in
Zürich konnte ein Originalblatt aus Leonardos Codex Atlanticus
gewonnen werden, das aus der Bibliothek der Universität Basel stammt.
Ein Schweizer Privatsammler stellte zudem eine Werkstattfassung der Madonna
in der Felsengrotte zur Verfügung.
Biographie
Leonardo wurde 1452 als Sohn des Notars Ser
Piero in Vinci bei Florenz geboren. 1469 begann seine künstlerische
Laufbahn in der Werkstatt von Andrea del Verrocchio in Florenz, wo er u.a.
am Gemälde Taufe Christi (1472) mitarbeitete. Unter der Leitung
Verrochios wurde 1471 die vergoldete Kugel auf der Laterne des Florentiner
Doms angebracht. Ein Jahr später wurde Leonardo als Meister in die
Lukasgilde aufgenommen. 1473 zeichnete er die Arnolandschaft. 1476 wurde
er der Homosexualität angeklagt, aber freigesprochen. Zwei Jahre später
entstanden seine ersten Studien zum Codex Atlanticus. 1482 bot Leonardo
seine Dienste dem Fürsten von Mailand, Lodovico Sforza, an. Er
übersiedelte nach Mailand und gründete die Accademia Leonardi Vinci.
1483 erhielt er den Auftrag, eine Altartafel für die Kapelle S. Francesco
Grande zu schaffen. Er schuf die Madonna in der Felsengrotte. 1490
entwarf Leonardo den Kanon der menschlichen Proportionen, bekannt
als Der Mensch des Vitruv.
1493 machte da Vinci Studien zum
Gussverfahren des Sforza-Pferdes. Von 1495 bis 1497 arbeitet er im
Refektorium von S. Maria delle Grazie am Fresco Das Letzte Abendmahl.
Zwei Jahre später beschäftigte er sich mit der Konstruktion von Brücken. Im Jahr 1500 kehrte er nach Florenz zurück und unternahm einen
Besuch in Rom. 1502 machte ihn Cesare Borgia zu seinem Militäringenieur.
Ein Jahr später begann er die Arbeit am Portrait Lisa del Giocondo,
bekannt als Mona Lisa. In den Jahren 1506 bis 1513 arbeitete
Leonardo auf Einladung des französischen Statthalters erneut in Mailand.
1513 reiste er, auf Einladung des Papstes Leo X., nach Rom.
Mit Melzi und Salai brach Leonardo 1516
nach Frankreich an den Hof von Franz I. auf. Er lebte fortan auf dem
Schloss Cloux bei Amboise, wo sein berühmtes Selbstportrait entstand, da
sich auf dem Katalogumschlag wiederfindet. Am 2. Mai 1519 verstarb
Leonardo da Vinci im Alter von 67 Jahren in Cloux.
Katalog, deutsch und englisch (unser Artikel beruht auf der engl. Ausg.): Leonardo
da Vinci: Scientist, Inventor, Artist. Hg. Otto Letze, Thomas Buchsteiner.
Mit Beiträgen von Nathalie Guttmann, Pietro C. Marani, Carlo Pedretti,
Alessandro Vezzosi sowie Auszügen aus Leonardos Trattato della Pittura.
Verlag, Hatje, Ostfildern, 1999, 221 S. Wie der Titel andeutet, geht der Katalog auf
den Künstler, Wissenschafter und Erfinder Leonardo ein. Neben der Abbildung
der Ausstellungsobjekte, leider nicht immer in der da Vinci gebotenen
Qualität, gehen Essays auf Leben und Werk des Universalgenies ein.

Die Biografie von Serge Bramly: Leonardo da Vinci. Rowohlt TB, 1995.
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Für weitere Kritiken zu Ausstellungen: Kunst.
Für die Webseiten von Museen weltweit: Artlinks.
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Leonardo da Vinci: Die
menschlichen Proportionen
nach Vitruvius, ca. 1490.
Foto: Katalog.

Leonardo da Vinci: Anatomische
Studien von Armen, Händen und
Gesichtern, ca. 1510. Foto: Katalog.

Leonardo da Vinci: Anatomische
Studie des Skeletts, ca. 1510.
Foto: Katalog.

Leonardo da Vinci: Studie für eine gigantische Armbrust,
ca. 1485. Foto: Katalog.
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