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Nr. 18, September 2000
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Leonardo da Vinci
Biografie, Biographie und Ausstellung
im Schweizerischen Landesmuseum Zürich bis am 7. Januar 2001
 
Leonardo da Vinci war nicht nur ein herausragender Künstler, sondern verband als Universalgenie das Wissen der Renaissance über Wissenschaft und Technik in seiner Person, wobei er oft weit über seine Zeit hinauswies, so etwa mit der Idee zu einem Panzer, einem Auto, einem Helikopter oder einem Fallschirm. 1999 wurde der Fallschirm von Engländern nach den Angaben Leonardos nachgebaut und ausprobiert: er funktionierte. Leonardo entwarf auch ideale Garten- und Schlossanlagen, Kirchen, Festungen, Kanäle und mehrgeschossige Strassen.
 
Leonardo beschäftige sich auch mit der Zeitmessung, entwarf Sand- und Wasseruhren, kümmerte sich um praktische Probleme der Gewichtsuhr, entwickelte Federtypen, konstruierte spezielle Schneckenschrauben mit unendlichen Gewinden und verfeinerte die Mechanik von Schwungrädern und -kränzen. Bereits ein Jahrhundert vor Galileo und rund zwei vor Huygens entwickelte Leonardo grundlegende Erkenntnisse zur Zeitmessung, bei denen er immer wieder den Zusammenhang mit anderen Maschinen herstellte.
 
Seine Kunstwerke zeichnen sich durch Beobachtungsschärfe, ein Gefühl für die Natur und psychologische Einfühlung aus. Kompositorisch streben sie nach klassischer, formaler Ausgewogenheit. Sie erscheinen in ein weiches Halblicht (sfumato) getaucht, wobei der Bestand an gesicherten, d.h. von Leonardo stammenden Gemälden, zahlenmässig gering ist. Viele seiner Skulpturenprojekte wurde nie ausgeführt, und es bleiben uns nur die Bronzemodelle bzw. Skizzen dazu.
 
Auf dem Gebiet der Anatomie, Botanik, Zoologie, Geologie Hydrologie, Aerologie, Optik und Mechanik weist er weit über die Renaissance hinaus. Er verband wissenschaftliche, empirische und philosophische Ansätze miteinander. Er forschte nach Gesetzmässigkeiten, mechanisch-funktionalen Urgesetzen, immer auf der Suche nach einer umfassenden Lehre.
 
Nach einer 1994 begonnenen Welttournee durch 11 Länder, darunter Schweden, Deutschland, Südafrika, Singapur, Korea, Taiwan und die USA, ist die Ausstellung Leonardo da Vinci: Wissenschafter, Erfinder, Künstler an ihrer letzten Station angekommen, dem Schweizerischen Landesmuseum in Zürich. Während den fünf Ausstellungsmonaten im deutschen Speyer im Jahr 1995 beäugten 340,000 Besucher die Objekte des Universalgenies. Im amerikanischen Boston gingen 457,000 und im südafrikanischen Victoria gar 570,000 Menschen für Leonardo da Vinci ins Museum. Insgesamt sahen bis heute über drei Millionen Besucher die Ausstellung.
 
In Zürich sind 250 Exponate zu sehen: Originalgemälde von Leonardo, ihm zugeschriebene Bilder sowie solche aus seiner Schule und seinem Umfeld, darunter Werke von Bramantino und Raphael. Zeichnungen von Leonardo, seiner Schule und seinem Umfeld, u.a. von Perugino, da Sesto und da Volterra; Skulpturen von da Vinci und seinem Lehrer, Verrocchio; Drucke aus den Jahren 1493 bis 1724, darunter Leonardos Trattato della Pittura, die Lehren von Vitruvius und Sandrart sowie die Schedelsche Weltchronik; über 20 exakte Nachbauten aus Holz und Metall nach Leonardos Zeichnungen, beweglich und zum Anfassen; rund 140 Faksimiles aus den Kunstsammlungen der ganzen Welt. Mehrere Computer mit Touchscreens runden die Ausstellung ab und vermitteln in über 8,000 Bildern viel Wissenswertes über die Renaissance sowie Leonardos Leben und Werk, seine Tätigkeit als Maler, Ingenieur, Architekt und Forscher.
 
Speziell für die Ausstellung in Zürich konnte ein Originalblatt aus Leonardos Codex Atlanticus gewonnen werden, das aus der Bibliothek der Universität Basel stammt. Ein Schweizer Privatsammler stellte zudem eine Werkstattfassung der Madonna in der Felsengrotte zur Verfügung.
 
Biographie
 
Leonardo wurde 1452 als Sohn des Notars Ser Piero in Vinci bei Florenz geboren. 1469 begann seine künstlerische Laufbahn in der Werkstatt von Andrea del Verrocchio in Florenz, wo er u.a. am Gemälde Taufe Christi (1472) mitarbeitete. Unter der Leitung Verrochios wurde 1471 die vergoldete Kugel auf der Laterne des Florentiner Doms angebracht. Ein Jahr später wurde Leonardo als Meister in die Lukasgilde aufgenommen. 1473 zeichnete er die Arnolandschaft. 1476 wurde er der Homosexualität angeklagt, aber freigesprochen. Zwei Jahre später entstanden seine ersten Studien zum Codex Atlanticus. 1482 bot Leonardo seine Dienste dem Fürsten von Mailand, Lodovico Sforza, an. Er übersiedelte nach Mailand und gründete die Accademia Leonardi Vinci. 1483 erhielt er den Auftrag, eine Altartafel für die Kapelle S. Francesco Grande zu schaffen. Er schuf die Madonna in der Felsengrotte. 1490 entwarf Leonardo den Kanon der menschlichen Proportionen, bekannt als Der Mensch des Vitruv.
 
1493 machte da Vinci Studien zum Gussverfahren des Sforza-Pferdes. Von 1495 bis 1497 arbeitet er im Refektorium von S. Maria delle Grazie am Fresco Das Letzte Abendmahl. Zwei Jahre später beschäftigte er sich mit der Konstruktion von Brücken. Im Jahr 1500 kehrte er nach Florenz zurück und unternahm einen Besuch in Rom. 1502 machte ihn Cesare Borgia zu seinem Militäringenieur. Ein Jahr später begann er die Arbeit am Portrait Lisa del Giocondo, bekannt als Mona Lisa. In den Jahren 1506 bis 1513 arbeitete Leonardo auf Einladung des französischen Statthalters erneut in Mailand. 1513 reiste er, auf Einladung des Papstes Leo X., nach Rom.
 
Mit Melzi und Salai brach Leonardo 1516 nach Frankreich an den Hof von Franz I. auf. Er lebte fortan auf dem Schloss Cloux bei Amboise, wo sein berühmtes Selbstportrait entstand, da sich auf dem Katalogumschlag wiederfindet. Am 2. Mai 1519 verstarb Leonardo da Vinci im Alter von 67 Jahren in Cloux.
 
Katalog, deutsch und englisch (unser Artikel beruht auf der engl. Ausg.): Leonardo da Vinci: Scientist, Inventor, Artist. Hg. Otto Letze, Thomas Buchsteiner. Mit Beiträgen von Nathalie Guttmann, Pietro C. Marani, Carlo Pedretti, Alessandro Vezzosi sowie Auszügen aus Leonardos Trattato della Pittura. Verlag, Hatje, Ostfildern, 1999, 221 S. Wie der Titel andeutet, geht der Katalog auf den Künstler, Wissenschafter und Erfinder Leonardo ein. Neben der Abbildung der Ausstellungsobjekte, leider nicht immer in der da Vinci gebotenen Qualität, gehen Essays auf Leben und Werk des Universalgenies ein.
  

Die Biografie von Serge Bramly: Leonardo da Vinci. Rowohlt TB, 1995. Bestellen bei Amazon.de. Für weitere Kritiken zu Ausstellungen: Kunst. Für die Webseiten von Museen weltweit: Artlinks.
 

 
 

Leonardo da Vinci: Die 
menschlichen Proportionen 
nach Vitruvius, ca. 1490. 
Foto: Katalog.
 

Leonardo da Vinci: Anatomische 
Studien von Armen, Händen und 
Gesichtern, ca. 1510. Foto: Katalog.
 

Leonardo da Vinci: Anatomische
Studie des Skeletts, ca. 1510.
Foto: Katalog.
 

Leonardo da Vinci: Studie für eine gigantische Armbrust,
ca. 1485. Foto: Katalog.
 

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